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The Deep (2011) Film merken

Originaltitel: Djúpið
The Deep Poster
 

Videos und Bilder

Filmhandlung und Hintergrund

The Deep: Auf Tatsachen basierendes, anrührendes und nachdenkliches Drama um den Überlebenskampf eines Fischers in den eisigen Fluten vor Island.

Winter 1984. Von den Westmännerinseln vor Island bricht die Crew eines heruntergekommenen Fischtrawlers auf, um vor der Küste ihre Netze auszuwerfen. Neu an Bord ist ein junger Smutje, den der altgediente Gulli nachts zuvor vor einer Kneipenschlägerei bewahrte. Als eine am Grund hängengebliebene Winde das Boot binnen Minutenfrist unter Wasser zieht, klammern sich die Männer betend und frierend an den von ein paar Grad über Null kalten Wellen überspülten Kiel. Doch nur der füllige Gulli wird den aussichtslosen Kampf gegen das Eiswasser überleben.

Als das Fischerboot in Minutenschnelle im Eismeer versinkt, überlebt nur einer der Seeleute – auf wundersame Weise. Atmosphärisch dichtes und spannendes Überlebenskampfdrama aus Island, frei nach einem wahren Fall.

Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Nach seinem Hollywood-Zwischenstopp mit dem überkonstruierten Thriller-Remake "Contraband", in dessen erster Version er selbst die Hauptrolle übernahm, kehrt Regisseur Baltasar Kormákur ("Der Tote aus Nordermoor", "Die kalte See") zu alter Stärke zurück. Sein Drama "The Deep" basiert sowohl auf realen Ereignissen um den isländischen "Seehund-Manns" als auch auf dem Theaterstück zu dieser Begebenheit. Im Entstehungsland kennt jedes Kind die Geschichte des 22-jährigen Matrosen, der nach einer Schiffskatastrophe mehrere Stunden durch das Meer schwamm und sich schließlich noch durch ein Lavafeld kämpfte. Im Film wird dieser Anti-Held perfekt von Ólafur Darri Ólafsson verkörpert – ein bärtiger, zerzauster Durchschnittstyp und zurück haltender Antiheld, wie man ihn wohl in vielen Kneipen und auf zahlreichen Kuttern antreffen kann.

    Visuell eindrucksvoll erzählt Kormákur die unglaubliche Begebenheit in drei Abschnitten: Glaubwürdig skizziert er zunächst die soziale Gemeinschaft auf den Westmännerinseln. Stark erinnert die ausgelassene Fetenstimmung in der Kneipe vor dem Fangtrip an den ähnlichen Einstieg von "Contraband", doch hier erscheinen die urwüchsigen, verschrobenen Typen weitaus lebendiger. Dem realistisch eingefangenen Bordalltag mit seinen rauen Sitten folgt die drastische, packend inszenierte Katastrophe in düster gehaltenen, bedrohlichen Bildern. Dem fast schon dokumentarischen Ansatz stehen einige surreale Einsprengsel im Mittelteil gegenüber, die völlig Gullis Sicht während seines Überlebenskampfes einnehmen. Kleinigkeiten wirken hier plötzlich bedeutsam, die den Protagonisten, neben seinem Körperfett, vielleicht am Leben hielten.

    Im letzten Drittel, das entsprechend etwas weniger mitreißen kann, stempelt Gullis Kraftanstrengung ihn zum unerklärlichen Phänomen ab. Damit wirft Regisseur Kormákur einen ironischen Blick auf den Wissenschafts- und Medienhype, der den wundersam Geretteten zum modernen Mythos abstempelt. Gleichsam verhindert diese sachliche Sicht das Auftreten von Sentiment und Pathos. Das Leben geht weiter mit all seinen tragischen Konsequenzen und alltäglichen Härten. Hier schlägt "The Deep", Islands diesjähriger Oscar-Vorschlag, wieder einen Bogen zum sachlichen Beginn. In Hollywood, wo Baltasar Kormákur zuletzt mit Mark Wahlberg einen weiteren Actionthriller ("2 Guns") nach einem Comic drehte, wäre eine solche direkte, unverklärte Erzählweise sicherlich weit weniger erwünscht.

    Fazit: "The Deep" liefert einen packenden, zugleich nüchtern angelegten Blick auf eine wundersame Rettung in farbentsättigten Bildern.
  • Aus der Überlebensparabel im eisigen Nordatlantik destilliert “101 Reykjavik”-Regisseur Baltasar Kormákur das Wundersam-Tragische.

    Zuletzt hatte der Isländer den schwarzhumorigen Noir zu seinem Markenzeichen gemacht und es mit dem Schmuggelthriller “Reykjavik – Rotterdam” gar zu – selbstinszenierten – US-Remake-Ehren gebracht (“Contraband”). Auf Skurrilität und Satire verzichtet er für ein deutlich ambitionierteres Projekt, das auf einem wahren Fall beruht, als ein Fischer 1984 auf unglaubliche Weise als einziger eine Havarie in eisigen Gewässern überlebte und fortan als medizinisches Wunder galt. Wie alle seine Filme legt Kormákur auch “The Deep” als Charakterstudie mit Blick für das reale Leben in der Provinz an und huldigt abermals dem wichtigsten isländischen Wirtschaftszweig, der Fischerei.

    Die erste Hälfte spielt im Dunkel, einer fast schon metaphysischen Winternacht, die im schummrigen Zwielicht das Wirken der Elemente atmosphärisch dicht entfaltet. Geradlinig steuert die Chronik auf die Katastrophe zu, taucht in das Seemanns-Milieu ein, zeigt ungepflegt-verkaterte Männer, die unmotiviert ihren Gewerbe-Alltag verrichten. Bis eine mit dem Schleppnetz festhängende Winde den abgenutzten Trawler nach unten zieht und das Boot in weniger als einer Minute kentert. Bei Frost und fünf Grad Wassertemperatur sterben die Männer schnell, die betend und frierend auf dem Kiel von Wellen überspült werden. Dann ist der füllige Gulli allein im aussichtslosen Überlebenskampf, der (angeblich) ohne Spezialeffekte im Atlantik gedreht wurde.

    Nachdem er fast ertrinkend Gott verspricht, sein Leben, das in Super-8-Filmmaterial an ihm vorbeizieht, zu ändern, beweist der kräftige Kerl einen unheimlich anmutenden Überlebenswillen. Sechs Stunden schwimmt er durch das eisige Meer und wird immer wieder von anderen Trawlern übersehen. Schließlich wird er an eine unüberwindbare Felsenküste gespült, die er ebenfalls umschwimmen muss, stöhnend, keuchend, schreiend. Er klettert schneebedeckte Felsen empor, marschiert barfuß im Unterhemd auf glasscherbenscharfem Vulkangestein weitere zwei Stunden bis er vor dem Haus eines Freundes zusammenbricht.

    Mit der betont anti-heroische Schilderung eines Jedermann und der verhaltenen, unterschwelligen Spannung ist “The Deep” das Gegenstück zu einem Spektakel wie “Der Sturm”. Das sind sowohl die größten Schwächen als auch die größten Stärken des ungewöhnlichen, seltsam berührenden Films. Denn er hat eine Seele und wird nach der Tortur zur intimen Introspektion.

    Zunächst glaubt Gulli keiner seine Geschichte, anschließend wird er als medizinische Sensation und menschliches Versuchskaninchen bis nach London herumgereicht, was er widerstandslos mit sich geschehen lässt. Mit Kormákurs Regular Ólafur Darri Ólafsson hätte sich keine bessere Besetzung finden lassen: In einer Tour-de-Force zeigt er einen Mann, der vollkommen verändert den Fluten entsteigt und melancholisch in sich gekehrt die Nachwirkungen erlebt, ohne zu begreifen, wieso ausgerechnet er überlebt hat und der schließlich seinen Frieden mit den Toten schließt, eine Witwe besucht und den Hund seines ertrunkenen Kumpels adoptiert. Es ist eine anrührende wie nachdenkliche Geschichte, abgerundet von Original-Interviews mit dem echten “Seehund-Mann”. Mit diesem Film nimmt Kormákur neue Publikumsschichten für sich ein. tk.

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