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Fakten und Hintergründe zum Film "The Bang Bang Club"

Fakten und Hintergründe zum Film "The Bang Bang Club"
Poster The Bang Bang Club

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Über den Film

Als die Welt den Horror der Apartheid in Südafrika begriff, hatte deren unsäglich brutale Gewalt durch die Bilder vier junger Fotografen – genannt der Bang Bang Club – gerade ein Gesicht bekommen. Im September 1990 fotografierte Greg Marinovich eine Serie für Associated Press, darunter das Bild eines Unterstützers des African National Congress (ANC), der auf ein brennendes Mitglied der Inkatha Freedom Party (IFP) in Soweto einprügelt. Dieses Foto brachte Marinovich einen Pulitzer-Preis ein. Im Mai 1994 wurde Kevin Carter mit einem Pulitzer-Preis für ein Foto ausgezeichnet, das zuerst von The New York Times veröffentlicht wurde und ein verhungerndes sudanesisches Mädchen zeigt – belauert und verfolgt von einem Aasgeier.

Am 18. April 1994, neun Tage vor den ersten demokratischen Wahlen in Südafrika, dokumentierte der Bang Bang Club die gewalttätigen Auseinandersetzungen im Township Thokoza. Doch plötzlich gerieten sie zwischen die Fronten…

Über die Produktion

Bereits vor fast einem Jahrzehnt wurde Steven Silver gefragt, ob er sich einen Film vorstellen könne, der auf einem 1994 im TIME Magazine erschienenen Artikel basieren sollte. Die Story hatte den Titel „The Life and Death of Kevin Carter“ und setzte sich mit dem 33-jährigen südafrikanischen Fotojournalisten auseinander, der zu internationaler Berühmtheit gelangte, als sein Foto von einem Aasgeier, der gierig ein entkräftetes, todgeweihtes sudanesisches Mädchen beobachtet, mit dem Pulitzer Preis ausgezeichnet wurde und der sich ein Jahr später das Leben nahm. „Das war eine fesselnde Geschichte“, sagt Silver. „Zu der Zeit drehte ich in Südafrika einen anderen Film und ich besuchte Greg Marinovich und João Silva. Sie erzählten mir, dass es nicht nur eine Story über Kevin war, sondern über vier junge Männer, die sich anfangs nur aus Sicherheitsgründen zusammen getan hatten und nach einer gewissen Zeit, als diese außergewöhnlichen Fotografen zu Ansehen gekommen waren, den Spitznamen „The Bang Bang Club“ verpasst bekamen. Es hörte sich nach einem großartigen Film an und der Umstand, dass die Geschichte absolut authentisch war, machte das Projekt nur noch spannender.“ Schon zwei Jahre vor der Veröffentlichung des Buches von Greg Marinovich und João Silva „The Bang-Bang Club: Snapshots from a Hidden War“, optionierte Silver die Rechte an ihrer Lebensgeschichte.

In Johannesburg hatte sich Silver bei der Befreiungsbewegung Südafrikas engagiert, erst in der Studentenbewegung und später für die United Democratic Front (UDF), den legalen Flügel des African National Congress (ANC). „Schon weil ich die Ereignisse dieses Films persönlich miterlebt habe und diese Zeit zu meinem Erwachsenwerden gehörte, habe ich eine tief ver-ankerte Verbindung zu diesem Ort und seiner Geschichte.“

„Ungewöhnlich an dieser Geschichte um die vier jungen Männer ist,“ versichert Silver, „dass ich mich mit ihrem Schritt ins Erwachsenenleben und mit vielen der Themen identifizieren konnte, mit denen sie sich auseinander setzen mussten: Was schuldeten sie diesem Land in das sie hineingeboren wurden und wie weit sollten sie sich selbst in Gefahr bringen in der damaligen Situation?“

„Nach Mandelas Freilassung im Jahr 1990 hatte ich das Gefühl, Südafrika sei jetzt zum Paradies geworden“, erinnert sich Silver. „Es waren Momente herrlicher Freudenfeste. Aber schon zehn Monate nach seiner Freilassung gab es erste Zeichen dieser befremdlichen Gewalt, die in die Straßen der südafrikanischen Townships einzusickern begann. Anfangs wusste niemand so recht woher sie kam und wer hinter der Gewalt steckte. Aus einem Auto wurde mit dem Maschinengewehr auf eine Warteschlange an einem Taxistand geschossen oder es kam zu mitternächtlichen Massakern. Dann gab es diesen seltsamen Krieg zwischen den Menschen, die in den Migrantenwohnheimen lebten und den Ortsansässigen. Obwohl es in der Vergangenheit schon Spannungen zwischen diesen beiden Gemeinwesen gab, verstand niemand, warum sie jetzt so plötzlich und heftig aufflammten.“

Steven Silver sieht THE BANG BANG CLUB als eine Geschichte des Erwachsenwerdens der vier jungen Männer, die sich mit diesem Initiationsritus auf ganz gefährlichen Boden begeben. „Sie lernen die Spielregeln in einer ausgesprochen gefährlichen Zeit”, fährt er fort. „Die Leute merkten, dass die Gewalt in dem Maße eskalierte, wie die Verhandlungen zwischen Mandela und dem Apartheid-Regime vorankamen. Manch einer verglich die Spitzen der Gewalt mit den bemerkenswerten Fortschritten im Verhandlungsprozess. Es waren nicht mehr als zwei oder drei Jahre in denen man über eine Dritte gesellschaftliche Kraft diskutierte und es war nur eine Gruppe von Leuten, die diese Gewalt buchstäblich inszenierte. Wie kamen plötzlich Gewehre und automatische Waffen in die Wohnheime und warum waren Menschen plötzlich bestens ausgerüstet mit Waffen, die sonst nur bei der South African Defense Force üblich waren? Diese Merkwürdigkeiten wurden schließlich dadurch bestätigt, dass die Gewalt von bestimmten Kreisen der südafrikanischen Regierung unterstützt und arrangiert wurde, um den ANC am Verhandlungstisch zu schwächen.“ Die vier jungen Fotografen marschieren mitten hinein in diesen brutalen Konflikt.

Silver meint: „Diese Fotografen waren recht bescheiden im Hinblick auf das, was sie mit ihrer Arbeit bewirkt haben. Es stimmt aber auch, dass sie nicht tun mussten, was sie taten; sie hätten Boxkämpfe oder Schönheitskonkurrenzen knipsen können. Sie waren mutig und engagiert, aber ich glaube, dass es für sie gleichzeitig auch ein großer Spaß war, voll gepumpt mit Adrenalin vom ständigen Achterbahnfahren, und sie liebten diesen Job. Zumindest bis zu einem gewissen Punkt. Ich glaube nicht, dass sie sich und ihre Arbeit als besonders mutig einschätzten. Ich glaube eher, dass sie das, was sich schließlich als wichtig und tapfer erwies, einfach nur als Stress erlebten.“

Der ausführende Produzent Neil Tabatznik, der schon lange als Chefentwickler gemeinsam mit Silver auch an diesem Projekt gearbeitet hat, erinnert sich an die Entstehungsgeschichte des Films: „2001 kam Steven mit der Idee, einen Film über den Bang Bang Club zu drehen. Der Ausgangspunkt seines Interesses war die Kevin Carter-Story: Der junge Fotograf, der total ausflippt über den Erfolg des Fotos von dem sudanesischen Kind und feststellen muss, wie sehr er sich durch seine Arbeit der Realität entfremdet hat. Das Drehbuch entwickelte sich von diesem Punkt an immer weiter und Greg Marinovich wurde schließlich zur zentralen Figur. Und mit dem Dokumentarfilmer Steven Silver im Boot, der so gut wie jede Auszeichnung unter der Sonne gewonnen hat, habe ich das nötige Startgeld aufgebracht.“

Ausgehend von dem Artikel über Kevin Carter im TIME Magazine und dem Buch, das sich mehr mit Marinovich und Silva beschäftigt, entschied Tabatznik, dass Silver auch der beste Autor für das Drehbuch zu diesem Film sein würde. „Er weiß und fühlt, was es bedeutet, Südafrikaner zu sein, war Teil der Geschichte, und ist in der Lage, einen Film von internationaler Relevanz daraus zu machen.”

Bis zum Drehbeginn war es ein langer Weg voller Abbrüche und Neustarts. Aber jeder Rückschlag wurde mit einem gewaltigen Fortschritt belohnt. Tabatznik, der selbst auch aus Südafrika stammt und in den 70er Jahren, lange vor den Ereignissen, die der Film erzählt, auswanderte, ist mit dem Ergebnis dieses langen Produktionsprozesses sehr zufrieden. „Die Schauspieler sind hervorragend, das Drehbuch ist hervorragend und es wurde von Steve kongenial umgesetzt, der mit dieser Vision immerhin acht Jahre seines Lebens durch die Welt gewandert ist“, meint er. „Steve ist dem Buch gerecht geworden – und damit auch der damaligen Zeit und der Geschichte.“

Mit einer frühen Drehbuchfassung überzeugten Tabatznik und Silver auch Laszlo Barna, der damals Vorstand der Barna-Alper Productions war und als Ausführender Produzent mit ins Boot kam. Damals war Daniel Iron von der kanadischen Produktionsfirma Foundry Films als Berater für das Projekt tätig und kam später auch noch als Produzent dazu.

Daniel Iron wollte unbedingt mit Steven Silver als Regisseur arbeiten und sah in dem Material einen geradezu klassischen Kinostoff. „Das ist eine seltene Qualität“, meint Iron. „Einerseits ist es ein Actionfilm und ausgesprochen unterhaltsam, andererseits stellt der Film interessante Fragen nach der Vermittlung einer Idee und einer moralischen Ungewissheit. Gleichzeitig erzählt er durch diese Fotos eine ganz wichtige Geschichte. Ich erinnere mich noch an einige Bilder aus jener Zeit, ich lebte damals in Kanada. Ich war entsetzt und schockiert. Es waren die Fotos, die mir eine Geschichte nahe brachten, die tausende von Meilen entfernt spielte. Damals schon wurde mir die unglaublich starke Wirkung dieser Fotos klar, und wie moralisch kompliziert es war, sie zu schießen. Der unglaubliche Tiefgang, die vielen unterschiedlichen Aspekte, einfach das gesamte Material faszinierte mich und musste untersucht werden.“

„Dieses Unbehagen wurde während der Dreharbeiten noch verstärkt“, erklärt Iron weiter. „Man sah und spürte die Narben der Menschen in den Townships, aber sie hießen uns willkommen und waren froh, dass wir da waren; es war wirklich rührend. Diesen Film kaltschnäuzig abzudrehen, ohne zu begreifen, dass man es mit Menschen zu tun hat, die diese Situationen miterlebt haben und man unweigerlich schreckliche Erinnerungen in ihnen wachruft, ist eine sehr erschütternde Vorstellung. Es half dem Film, dass wir alle in solchen Situationen steckten und die Moral unseres Handelns als Möglichkeit begriffen, in den wirklichen Film einzusteigen.“

Adam Friedlander und Lance Samuels, die beiden Produzenten von Out of Africa Productions, repräsentierten die südafrikanische Seite dieser Koproduktion. „Ich war noch jung als das alles passierte“, berichtet Friedlander. „Und ich hatte keine Vorstellung von dem, was hier wirklich passierte. Die Geschichte wurde selbst innerhalb Afrikas gut versteckt gehalten. Wir begriffen nicht, was zwischen der IFP (Inkata Freedom Party) und dem ANC vorging, schon gar nicht das Ausmaß der Verwicklung der Polizei. Was diese Fotografen der Welt zeigten, war unglaublich.“

Friedlander war dankbar, Greg Marinovich und João Silva beim Dreh vor Ort zu haben. „Es hat sehr geholfen mit ihnen zu reden und die Informationen, die wir dabei bekamen haben uns wirklich weitergebracht. Als wir anfingen, in den Townships zu drehen, waren wir unglaublich beeindruckt von der Tatsache, dass dort Menschen leben, die das meiste von dem, was damals geschehen war, tatsächlich miterlebt hatten und deren Gefühle spürbar waren. Wir versuchten, unseren Job zu machen, - aber es war herzzerreißend.

Produktion: Die Besetzung

Regisseur Steven Silver kommt vom Dokumentarfilm und muss seinen journalistischen Instinkt mit dem des Filmemachers in Einklang bringen. „Wenn man eine Geschichte über reale Personen erzählen will und versucht, einen narrativen Film über Ereignisse zu machen, die tatsächlich stattgefunden haben, ist man Diener zweier Herren. Man muss der Wahrheit dienen. Und gleichzeitig muss man einen Film machen, den Menschen sehen wollen, was bedeutet, dass man sich an die uralten Regeln des Geschichtenerzählens zu halten hat.“

Ein wichtiger Baustein in diesem Prozess ist die richtige Besetzung der Schauspieler, die sowohl die Story als auch die Wahrheit der Story zu vermitteln haben. Für die Rolle des Greg Marinovich, einen der beiden noch lebenden Fotografen, wollte Silver Ryan Phillippe engagieren. Fast hätte er ihn nicht bekommen – aus einem geradezu paradoxen Beweggrund.

Ich wehre mich gegen die Idee

von einer Invasion der persönlichen Tragödien von Menschen.

Ryan Phillippe zu seiner Darstellung des Greg Marinovich

Phillippe gibt zu, ein gestresstes Verhältnis zur Kamera gehabt zu haben, als er zum ersten Mal mit diesem Projekt konfrontiert wurde – besonders zur Fotokamera. „Ich war fasziniert vom Drehbuch, aber ich hatte Vorbehalte. In den letzten zehn Jahren, in denen ich mich einer wachsenden Berühmtheit erfreuen durfte, war mein Verhältnis zur Kamera alles andere als gut“, erklärt er. „Wenn ich einen Fotoapparat sehe, neige ich dazu, zurückzuschrecken oder mich zu verstecken. Dieses Hindernis musste ich überwinden. Außerdem wehre ich mich gegen die Idee einer Invasion der persönlichen Tragödien von Menschen und meistens hat ein Kriegsfotograf genau damit zu tun: er muss Leuten in extremen Situationen die Kamera aufs Gesicht halten. Ich musste mir darüber klar werden, ob ich einen Film darüber machen wollte.“

Aber die Kraft der Geschichte und des Drehbuchs setzten sich durch. Er sah sich THE WAR PHOTOGRAPHER (2001) an, einen Dokumentarfilm des amerikanischen Kriegsfotografen James Nachtwey, der mit Marinovich, Silva, Oosterbroek und Carter in den frühen 90er Jahren zusammen gearbeitet hatte, und das veränderte die Sachlage für ihn vollkommen. „Es gab da diesen Moment mit einer Frau, die gerade ihr Kind verloren hatte und Nachtwey war nur einen guten halben Meter mit der Kamera von ihrem Gesicht entfernt. Mir wurde klar, dass niemand ohne diese Kamera je erfahren hätte, warum und wie ihr Kind gestorben war.“ Das war der Durchbruch, Phillippe nahm die Rolle an.

„Ryan ist ein Regie-Schauspieler“, bekennt Silver. „Er besitzt eine bemerkenswerte Disziplin und Ernsthaftigkeit bei der Arbeit. Faszinierend an Ryan ist unter anderem, dass er um den südafrikanischen Akzent hinzubekommen, was anerkannter Weise schwierig ist, sich nicht mit phonetischer Genauigkeit begnügt. Er wollte sich die Kultur dieses Akzents aneignen. Es ist überraschend wie südafrikanisch er fühlt. Tatsächlich vergisst man seinen Akzent, was das höchste Lob ist.“

Für solche Rollen wird man Schauspieler!

Taylor Kitsch über seine Rolle als Kevin Carter

Taylor Kitsch, der den Todeskandidaten Kevin Carter spielt, hat sich selbst für diese Rolle empfohlen. „Ich wollte diese Figur spielen, um jemanden, der einen so bedeutenden Fußabdruck hinterlassen hat, zum Leben zu erwecken. Es sind Rollen wie diese, für die man Schauspieler wird, - Rollen, vor denen du Angst hast, sie zu spielen, was es aber letztlich doppelt reizvoll macht.“ Im Bewusstsein, dass sich jeder aufgrund des mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Fotos, der Drogen und seines Selbstmords an Carter erinnert, wollte Kitsch die Rolle nicht wegen dieses letzten Momentes spielen, sondern wegen der vielen Momente, die zu diesem letzten geführt hatten. „Ich konzentrierte mich auf das Leben, das er gelebt hat. Kevin war sehr sprunghaft, man war gerne mit ihm zusammen und er hatte eine große Leidenschaft in sich. Er war ein Künstler. In jeder Szene ging ich Risiken ein. Ich lieferte Steven nie zweimal denselben Take ab. Jeder Schauspieler sagt dir, das gerade war das Beste vom Besten. Es gibt dir die Gelegenheit, wirklich etwas auszuprobieren, denn mit Kevin kann man alles machen. Ich bin im ganzen Leben noch nicht so herausgefordert worden, physisch, schauspielerisch und persönlich.“

Silver akzeptierte schnell, dass Taylor Kitsch ohne Vorlage an der Rolle arbeitete. „Es war ver-blüffend, wie Taylor die Figur mit Leben erfüllt hat, trotz Kevins Drogenmissbrauchs, trotz seiner Manie und seiner ständigen körperlichen Unruhe. Taylor ist es gelungen, jemanden absolut glaubhaft zu porträtieren.“

Kitsch beschloss Carters Niedergang durch seine Körperlichkeit auszudrücken. Er nahm für die Rolle mehr als zehn Kilo ab, indem er täglich um die zwanzig Kilometer lief, und das sechsmal die Woche. „Ich glaube, so dünn war ich nicht mal als Obdachloser in New York“, sagt der Schauspieler, der in der U-Bahn schlief, als er vor Jahren erstmals in Manhattan ankam. Und die Mentalität ist einfach verrückt. Ich habe nie Vergleichbares durchgemacht.“

Robin sagte, sie sei gefühllos geworden gegenüber der Gewalt, die sie täglich mit ansehen musste – auf Fotos von Menschen, die bei lebendigem Leibe verbrannt wurden, oder von Kindern, die man zerhackt hatte.

Malin Akerman über ihre Rolle der Robin Comley

„Malin Akerman spielt Robin Comley, die Fotoredakteurin der Zeitung für die der Bang Bang Club hauptsächlich arbeitet. Sie begegnet ihren Fotografen mit großer Zuneigung, sorgte sich mit fast mütterlicher Warmherzigkeit und passte auf sie auf“, sagt Silver. „Malin packte all das in die Rolle.”

„Ich hatte Gelegenheit die echte Robin Comley zu treffen und kann nur sagen, dass sie eine unglaubliche Frau ist“, erklärt Akerman. „Wenn die Jungs draußen waren und festhielten was passierte, kämpfte sie darum, dass diese Bilder auch in die Zeitung kamen. Die Welt muss erfahren, was hier passiert. Auf der Suche nach den Fotografen, die ihnen mit ihren Bildern immer suspekter wurden, kam die Polizei wieder und wieder in ihr Büro. Sie ist eine fantastische Frau, ruhig und zurück genommen, Hippie einerseits, aber auch eiskalt, wenn es um ihre Überzeugung geht. Ich traf sie bei The Times, wo sie jetzt arbeitet und durfte ihren Arbeitsalltag miterleben.“

Heutzutage sind Tageszeitungen voll digitalisiert; in den 1990er Jahren war für Fotografen und Bildredakteure alles langsamer und erheblich arbeitsintensiver. Sie arbeiteten noch mit Umkehrfilm, in Dunkelkammern in denen die Bilder von Negativen auf Kontaktbögen umkopiert wurden und an Leuchttischen, auf denen man dann mit der Lupe seine Auswahl traf. „Robin erzählte, die Atmosphäre sei jetzt völlig anders, nicht annähernd so hektisch. Sie erzählte, dass sie damals der Fels in der Brandung für „ihre” Jungs gewesen sei, die unter unglaublich viel Adrenalin und Spannung standen. Sie meinte, sie sei gefühllos geworden gegenüber der Gewalt, die sie täglich ansehen musste - auf Fotos von Menschen, die bei lebendigem Leibe verbrannt wurden, oder von Kindern, die man zerhackt hatte.”

Frank Rautenbach und Neels van Jaarsveld, zwei südafrikanische Schauspieler, runden das Ensemble ab und spielen die Fotografen Ken Oosterbroek und João Silva.

Als mich die echte Robin Comley zum ersten Mal sah, blickte sie mich nur an. Es war, als ob sie mich wiedererkennen würde.

Dann brach sie zusammen und weinte.

Frank Rautenbach über seine Rolle als Ken Oosterbroek

Ein Foto: Khumalo Street, Thokoza, im August 1990. Ein Mädchen bringt seine Schwester in Sicherheit, als sich Inkatha-unterstützende Zulu-Krieger während der Hostel-Kämpfe nähern. Ken Oosterbroek, drei Mal zum südafrikanischen Pressefotografen des Jahres nominiert und Gewinner zahlreicher World Press Awards, wurde hier vier Jahre später erschossen.

Rautenbach, der in East London in Südafrika aufgewachsen ist und mit 19 Jahren nach Europa zog, kannte die Arbeiten Oosterbroeks und seiner Kollegen aus internationalen Zeitungen und Magazinen. „Für mich zeigt dieser Film ein wahres Bild von dem, was damals in Südafrika los war und erzählt die Geschichte aus der Sicht von Leuten, die in dem Land leben – sonst wird sie meist aus der Sicht eines politischen Gefangenen erzählt. Es ist interessant, dass es meistens weiße Männer sind, die diese Bilder meist schwarzer Gewalt in den Townships, und die Verstrickung der alten Regierung darin festhalten.“

Die Figur des Ken Oosterbroek, der dreimal als Südafrikanischer Pressefotograf des Jahres nominiert war und zahlreiche World Press Awards gewonnen hat, verlangte von Rautenbach eine etwas andere Herangehensweise an seine Rolle, als es die Figur Kevin Carters von Taylor Kitsch verlangte. „Ich begriff, dass er nicht aggressiv sondern besonders nachdenklich war, und ich habe versucht, seine Konzentriertheit und seine Professionalität zu treffen. Mit dem legendären südafrikanischen Fotografen Alf Kumalo habe ich über ihn gesprochen und er meinte, dass Kens ganze Haltung mit Mut zu tun hatte. Wenn er loslegte, war er geradezu erregt und so auf das fokussiert was passieren würde, dass sein einziges Lebensziel darin zu bestehen schien, in diesem Augenblick das beste Foto zu schießen.“

Die Bewährungsprobe für den Schauspieler kam, als er Robin Comley begegnete, der Bild-redakteurin, die Oosterbroek bestens gekannt hatte. „Als mich die echte Robin Comley zum ersten Mal sah, blickte sie mich nur an. Es war, als ob sie mich wiedererkennen würde. Dann brach sie zusammen und weinte. Ich fühlte mich furchtbar, aber gleichzeitig wurde mir klar, dass ich genug von Ken an mir hatte, um überzeugen zu können. Das gab mir das Selbstvertrauen, Ken sein zu können.”

Er war so nah dran (…), Blut auf der Linse, selbst voller Blut, seine Freunde erschossen.

Und er macht es immer noch.

Neels van Jaarsveld über seine Rolle als João Silva

Neels van Jaarsvelds privates Exemplar von „The Bang-Bang Club: Snapshots from a Hidden War“ ist inzwischen fast komplett unterstrichen. „Als es herauskam war es sofort ein sehr populäres Buch und ich habe es gleich mehrmals gelesen. Ich war in Johannesburg als das alles passierte, aber ich war viel jünger”, sagt er. „Ich habe schon vorher Rollen nach echten Personen gespielt, aber noch nie jemanden, der noch lebt und mit dem ich mich unterhalten kann. Das Angebot João Silva zu spielen, ist für mich die Erfüllung eines Traums. Ich hatte Schweißausbrüche bevor ich ihn zum ersten Mal traf. Er ist ein extrem harter Typ, aber er hat einen erstaunlich weichen Kern. Ich habe großen Respekt vor ihm und er hat mir sehr viel geholfen.“

Um sich auf die Rolle vorzubereiten, übte Van Jaarsveld gemeinsam mit den anderen Schau-spielern den Umgang mit Kameras aus der „Vordigitalzeit”, das Einlegen des Films, das Ablesen des Belichtungsmessers, die Auswahl des Bildfeldes und das Auslösen. Dann zog er gemeinsam mit Silva durch die Townships. „João holte mich ab, wir rauchten ein paar besonders starke Zigaretten, er zeigte mir genau die Orte, an denen es passiert war, dann spielten wir ein paar Runden Pool-Billard und tranken Bier; - ziemlich genau das, was er mit Ken und Greg und Kevin so gemacht hatte“, erinnert sich Van Jaarsveld.

„Sicher, er ist nicht gerade der Normalbürger. Er nimmt eine interessante Stellung ein, wenn er ein Foto macht, als ob er sich hinter etwas versteckt, was gar nicht da ist. In einer Menge würde man ihn nicht bemerken, weil er diesen ‚kauernden Tiger‟, diesen ‚versteckten João‟ macht. Er weiß haargenau, wo er für sein Foto stehen muss, nämlich so nah dran wie möglich. Das war ihre Arbeitsweise – immer auf Tuchfühlung. Ich versuchte, Leute aufzustellen und zu dirigieren, und er sagte: ‚Nein, nein, so geht das nicht. Du kannst den Leuten nicht sagen, wo sie für ein Foto stehen müssen, das kannst du vielleicht auf einer Hochzeit machen. Du musst das Foto machen, ohne da zu sein. Er war so nah dran, aber nicht wirklich, Blut auf der Linse, selbst voller Blut, seine Freunde erschossen. Und er macht es immer noch.“

Produktion: Die Dreharbeiten

Als Südafrikas Präsident F.W. de Klerk im Februar 1990 ankündigte, das Verbot des African National Congress (ANC) aufzuheben, versammelten sich die Unterstützer des ANC – schwarze wie weiße – auf den Straßen Johannesburgs zu ausgedehnten Freudenfesten. Soweto (South Western Townships), wo die schwarze und indische Bevölkerung lebt, die bisher von jedem Job, außer dem des Wanderarbeiters, ausgesperrt war, durfte neben Johannesburg existieren. „Eins der Ziele, die wir mit diesem Film erreichen wollten, war es, zu zeigen, dass für jeden dieser Fotografen ein alternatives Leben möglich gewesen wäre“, sagt Steven Silver. „Das weiße Johannesburg ist eine prachtvolle Stadt. Es ist die botanisch üppigste und gepflegteste Stadt der Welt. Sie hätten ganz einfach im weißen Südafrika leben können, mit seinen von Bäumen begrenzten Vorortstraßen und reichen Shoppingcentern, und nie einen Fuß in ein Township setzen müssen und sie wären nie in Berührung gekommen mit der Gewalt, die sich kaum fünf Kilometer entfernt abspielte.“

„Die größte Überraschung bei diesem Film war für mich”, meint Silver, „und eigentlich hätte es mich wohl nicht überraschen dürfen, die Tatsache, dass die Geschichte in den Townships von Soweto und Thokoza immer noch aktuell ist. Ich hatte gedacht, inzwischen wäre genug Zeit vergangen, dass diese Wunden, wenn auch nicht geheilt, doch längst vernarbt wären, dass man das Drehen eines Films über diese Zeit als historisches Geschichtenerzählen bezeichnen könnte – das ist es aber ganz und gar nicht. Für die Menschen, die an solchen Orten leben, sind die Erinnerungen aktuell und frisch und die Wunden sind noch offen.“

Silver und seinen Produzenten war es sehr wichtig, den Film an genau den Orten zu drehen, wo die Dinge passiert waren. Sie waren besonders überrascht, als während des Drehs der Szenen, in denen ein Mann bei lebendigem Leib verbrannt wird und Marinovich seine Pultizer-Preis-Fotos macht, Leute auf die Straße kamen und Magazine mit genau diesen Fotos herumzeigten. Sie hatten sie seit gut 15 Jahren aufgehoben.

„Es war ein sehr brutaler Krieg“, fasst Silver zusammen. „Die Gewalt war teuflisch, unerbittlich und breitete sich aus wie eine Seuche. Die Fotografen konnten ihre Arbeit nicht machen, ohne davon berührt zu sein. Die Gewalt in Südafrika hat uns alle in unterschiedlicher Weise eingeschlossen. Es war nicht möglich zu Flüchten, ohne betroffen zu sein, schon gar nicht für die Leute, die sich entschlossen hatten, mitten hinein zu gehen.“