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„Tenet“ Kritik: Für solche Erlebnisse gibt es das Kino (keine Spoiler)

Author: Andreas EngelhardtAndreas Engelhardt |

© Warner / Universal

Christopher Nolan will mit seinem neusten Werk nichts weniger, als den Kinosommer zu retten. „Tenet“ bringt zumindest alles mit, damit das gelingen kann. Keine Sorge, es folgen keine Spoiler.

Ihr solltet „Tenet“ sehen, wenn…

  • ihr als Filmfans mal wieder erleben wollt, was im Kino möglich ist.
  • imposante Blockbuster und beeindruckende Action nach eurem Geschmack sind, aber…
  • ihr dabei nicht unbedingt euren Verstand an der Garderobe abgeben wollt.
  • euch die bisherigen Nolan-Werke wie „Inception“ und „The Dark Knight“ gefallen haben.
  • ihr Spionage-Thriller wie die James-Bond-Werke mögt und auch Sci-Fi gegenüber nicht abgeneigt seid.

Der Trailer zu „Tenet“ gibt euch ebenfalls ein gutes Gefühl, was euch erwartet:

Autorenmeinung: „Tenet“ muss man im Kino gesehen haben

Christopher Nolan, der ja gerne als Meister des anspruchsvollen Blockbusters bezeichnet wird, hat mit „Tenet“ ein nicht gerade kleines Ziel: den von der Corona-Krise geplagten Kinosommer zu retten. Deswegen lautet die vielleicht wichtigste Frage bei seinem neuesten Film, ob man ihn denn nun im Kino sehen sollte. Meine einfache Antwort: ja.

Auch wenn angesichts einer Pandemie Filme wohl lieber in den eigenen vier Wänden gesehen werden, ist „Tenet“ genau eines dieser Erlebnisse, die man meiner Meinung nach nur im Kino richtig genießen kann. Und das aus zwei Gründen:

  1. Nolan hat es sich erneut nicht nehmen lassen, beeindruckende Action auf die Leinwand zu bringen, die eben nur im großen Stil ihre volle Wirkung entfaltet. Etliche Actionszenen sollten deswegen in einem Kino erstmals erlebt werden, das gilt vor allem für das fast schon lächerlich ambitionierte Finale.
  2. Der Einstieg zu „Tenet“ ist meiner Ansicht nach etwas holprig. Die Handlung springt von Ort zu Ort, kommt nicht zur Ruhe, Szenen können sich so kaum entfalten und gleichzeitig werden viele grundlegende Aspekte erklärt, die für den weiteren Verlauf wichtig sind. Selbst passionierte Filmfans kommen ab und an zu Hause nicht am gelegentlichen Blick aufs Handy vorbei oder drücken doch mal die Pause-Taste, um auf Toilette zu gehen. Im Kinosaal ist das nicht möglich und das ist gerade bei diesem Film auch gut so. Zuschauer*innen können kaum anders, als dem Film zu folgen, der so ideal seine Sogwirkung entfalten kann.

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„Tenet“ ist erneut Nolan-Kino der feinsten Art

Was euch bei „Tenet“ inhaltlich erwartet, will ich an dieser Stelle nicht groß vorwegnehmen. Nur so viel: Christopher Nolan hat sich einmal mehr an seinen geliebten James-Bond-Filmen orientiert und einen Spionage-Thriller entwickelt, der eben zusätzlich mit der Zeit spielt. Und das tut er auf eine Art und Weise, die man so selten im Kino erleben durfte und wenn, dann garantiert nicht in dieser Größenordnung.

Allein dafür bin ich „Tenet“ und Nolan schon dankbar. Das Blockbuster-Kino strotzt aktuell angesichts etlicher Remakes und Fortsetzungen nicht immer vor Kreativität. Der britische Filmemacher hat aber eben die Reputation, um von Warner Bros. einfach mal einen Check über 200 Millionen US-Dollar zu erhalten und sich damit austoben zu dürfen. Damit verwirklicht er jedoch nicht einfach das nächste sinnentleerte Action-Feuerwerk, sondern strebt erneut danach, verkopfte Konzepte und ambitionierte Vorhaben auf die Leinwand zu bringen.

Genau von diesen gewaltigen Ambitionen lebt „Tenet“ letztlich und das besser, als er es wohl eigentlich dürfte. Etliche Szenen greifen mit ihrem Einsatz der Zeit schließlich gefühlt das menschliche Denken selbst an. Bei so manchen Zuschauer*innen dürften beim Verlassen des Kinosaals deswegen die Köpfe qualmen. Eine mehrfache Sichtung ist hier sicherlich Pflicht, um all die Abläufe und Zusammenhänge in ihrer Gänze zu erfassen.

Nolan fällt diesmal zudem nicht der Versuchung zum Opfer, sein Spiel mit der Zeit zu einem Gimmick verkommen zu lassen, was ihm gerne bei seinem letzten Werk „Dunkirk“ vorgeworfen wird. „Tenet“ lebt hingegen von dieser grundsätzlichen Idee, vermutlich nicht zufällig heißt der Filmtitel übersetzt „Grundsatz“. Die gesamte Handlung ist vom zeitlichen Aspekt durchtränkt und die Actionszenen werden fast nur dadurch auf ein neues Level gehoben.

Spätestens ab der Hälfte des Films dürfte diese Kombination euch im Erlebnis fesseln und die beachtliche Laufzeit von zweieinhalb Stunden so zumindest zum Teil verfliegen lassen. Schon vor diesem Punkt baute „Tenet“ aber schrittweise eine ansteigende Sogwirkung auf, die für mich für ein fast erfrischendes Gefühl im Vergleich zu vielen Blockbustern der letzten Jahre sorgte. Ich konnte es kaum erwarten, bis der Film mich um die nächste Ecke führt, um zu erfahren, was mir dort geboten wird. Passenderweise spitzte sich diese Erfahrung im großen Finale zu, das alleine für mich ein Highlight in der Filmographie von Nolan darstellt. Das ist angesichts seiner beliebten und einflussreichen Werke zweifellos ein Kompliment.

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Selbst der typische Nolan-Schwachpunkt schadet „Tenet“ kaum

„Tenet“ ist meiner Einschätzung nach also ein Erlebnis, das euch neben seiner beeindruckenden Action allein durch die Dimensionen schon mental beanspruchen und zum Staunen bringen dürfte. Ansonsten wird das Rad allerdings nicht gerade neu erfunden, was vermutlich auch an Nolans Inspiration liegt. Spionage-Thriller wie die James-Bond-Filme strotzen selten vor bedeutenden Botschaften oder thematischen Erörterungen. Es geht hier vielmehr um eine packende Erfahrung und in diesem Kontext dürfte „Tenet“ dank seiner Sci-Fi-Komponenten noch mehr interessante Gedankenspiele für euch bereithalten als der typische 007-Film.

Wie so oft bei Christopher Nolans Werken kann man ihm hier erneut vorwerfen, dass die Arbeit mit Charakteren nicht gerade zu seinen Stärken gehört. Versteht mich nicht falsch: John David Washington, Robert Pattinson und Elizabeth Debicki sowie Kenneth Branagh beherrschen ihr Handwerk tadellos und verhindern mehr als einmal, dass ihre Figuren noch eindimensionaler und klischeehafter ausfallen. Tiefgründig wirkten sie am Ende allerdings doch nicht, wie ich eingestehen muss. Die Emotionalität fiel aus dieser Richtung für mich flach aus, was vor allem beim Einstieg schmerzlich auffällt. John David Washingtons Figur wird nicht wirklich etabliert, entsprechend fiel es mir ein wenig schwer, mich von ihr in den Film hineinziehen zu lassen.

Nolan ist eben einmal mehr hauptsächlich an großen Ideen und Konzepten interessiert. Die Action wirkt da fast schon wie ein nötiges Vehikel, um die Zuschauer*innen angesichts der schrittweisen Erklärung darüber, worum es hier eigentlich geht, bei Laune zu halten. Es scheint, als habe er seine Stärken aufpoliert, um seine bekannten Schwächen zu kaschieren. Diese Aspekte, die Action und die Ambitionen von „Tenet“, sind zum Glück derart gekonnt, präzise und verlockend gestaltet, dass ich den Film trotz der fehlenden Charaktertiefe und Emotionalität nur wärmstens empfehlen kann. Zudem kann ich euch versichern, dass ich ihn garantiert noch mindestens einmal sehen werde und das ist wohl nie ein schlechtes Zeichen.

„Tenet“ dürfte sich in die großen Sci-Fi-Filme einreihen. Doch wie gut kennt ihr die anderen? Testet euer Wissen:

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