Fakten und Hintergründe zum Film "Tell - Jeder Schuss ein Treffer"

Kino.de Redaktion |

Tell - Jeder Schuss ein Treffer! Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Die Bedeutung von Tell

„Tell“ zeigt, wie es im Jahre 1291 tatsächlich zuging. Matterhorn-Miniaturen, Stoffmurmeltiere und Kuhglocken als Souvenirs – so sieht sie aus, die Schweiz vor mehr als 700 Jahren: Die Komödie lässt kein Alpen-Klischee unangetastet. „Tell“ räumt gründlich auf mit dem Mythos des Schweizer Volkshelden, denn der ist in dieser Parodie all das, was man nicht von ihm erwartet: Er ist weder stark noch mutig, er ist nicht einmal Schweizer! Drehbuchautor Jürgen Ladenburger findet es nämlich an der Zeit, „den Helden von seinem steinernen Sockel zu holen“.

Regie führt Mike Eschmann, der 2003 mit „Achtung, fertig, Charlie“ einen der erfolgreichsten Schweizer Kinofilme aller Zeiten inszenierte. Er möchte „allen stolzen Eidgenossen und dem Rest der Welt endlich die wahre Geschichte über die Befreiung und die Gründung der Schweiz erzählen“.

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„Bei der Vorbereitung zu unserem Film haben wir gemerkt, dass das Thema ,Wilhelm Tell‘ von den Schweizern grundsätzlich recht ernst genommen wird“, fährt Eschmann fort. „Die meisten meiner Landleute glauben durchaus, dass Tell eine geschichtliche Figur ist. Schon bald merkten wir, dass wir mit unserer augenzwinkernden ,Wahrheit über Tell‘ ein Tabu verletzen. Zumindest in der Schweiz bedeutet das die Schlachtung einer heiligen Kuh – in Deutschland funktioniert das auf einer anderen Ebene. Und das ist uns wichtig – man kann den Film auf verschiedene Weisen anschauen und über ihn lachen. In der Schweiz haben wir also den zusätzlichen Bonus, dass wir mit bestimmten Themen extrem provozieren. Zum Beispiel, wenn wir behaupten, dass Tell Österreicher ist. Das wird ein Skandal!“

Doch Eschmann ist auf die Reaktionen vorbereitet. Denn als „Provokateur“ ist er ein alter Hase. „In meinem Film ,Achtung, fertig, Charlie!‘ habe ich die Schweizer Armee auf die Schippe genommen – ich finde, im Humorbereich ist das erlaubt. Und ich war sehr überrascht, wie ernsthaft sich manche Menschen über unsere Respektlosigkeit empört haben, vor allem das Verteidigungsministerium. Wer nicht darüber lachen kann, demaskiert sich selbst. Wenn ich eine Komödie drehe, nehme ich die mögliche Provokation in Kauf, denn anders geht es nicht. Komik entsteht durch die Parodie bestimmter Themen. Das hat seit dem Theater der alten Griechen Tradition: Humor muss ein wenig schmerzen, er hinterfragt Dinge, die wir als ,typisch‘ einstufen, aber eben nicht mit der sturen Ernsthaftigkeit, die gewisse Leute dabei an den Tag legen.“

Über die Belastung durch das überlebensgroße historische Vorbild sagt Tell-Darsteller Mike Müller: „Die schwerste Bürde, die ich zu tragen habe, ist meine Armbrust! Als ich in den Alpen auf 3000 Meter Höhe über die Felsen turnen musste – in historisch dünnwandigen Schuhen, kam ich völlig aus der Puste. Bei der dünnen Luft wurde mir regelrecht schwindelig. Die mythologische Bürde der Tell-Figur wasche ich mir dagegen unter der morgendlichen Dusche ab. Denn wir machen einen Familienfilm: Unser Tell ist ein Anti-Held – ungebrochene Helden kann man heute eigentlich kaum noch darstellen. Mit dem von Friedrich Schiller verewigten Theater-Tell hat er nicht viel zu tun. Doch in der Schweiz ist diese Mythologie politisch stark besetzt. Ich persönlich sage immer: Tell ist das Geschenk eines der besten deutschen Autoren – Schillers Stück ist nach wie vor ein wunderbarer Text, eine „ausländische“ Erfindung, die wir Schweizer auch als solche einstufen.“

Schillers literarische Vorlage kommentiert Regisseur Eschmann: „Das eigentliche Theaterstück hat heute keinen sehr großen Stellenwert mehr, aber wir beziehen uns ausführlich auf die Geschichte, die das Stück erzählt und die auch dem deutschen Publikum natürlich nach wie vor sehr präsent ist. Wir greifen die zeitlosen Aspekte der Story auf und machen uns über sie lustig. Umfragen zeigen, dass die Tell-Figur sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland und Österreich von ganz wenigen Bildern geprägt wird: Natürlich vom Apfelschuss, der auch bei uns nicht fehlen darf, und von der vagen Vorstellung, dass Tell sich gegen die Tyrannei aufgelehnt hat. Uns geht es daher nicht vorrangig um eine Persiflage des Stücks oder der historischen Ereignisse, sondern wir erzählen einfach eine Geschichte, die universell verständlich ist.“

Auch Mike Müller erwartet, dass es aus Anlass der Filmpremiere im Blätterwald rauschen wird: „Es wird Schweizer geben, die sich gepiesackt fühlen, und es ist zu vermuten, dass sich die populistische Rechte darauf stürzen wird, denn sie spielt bei uns – wie auch sonst in Europa – eine gewisse Rolle. Aber Klischees in einem Film sind immer nur so gut, wie sie auch lustig sind – man sollte sich also nicht auf ihnen ausruhen und sie für die Botschaft des Films missbrauchen. Klischees müssen also immer leicht behandelt werden.“

Ein Klischee, das „Tell“ aufs Korn nimmt, ist die sprichwörtliche Bedächtigkeit der Schweizer. „Das Vorurteil, dass die Schweizer nicht die schnellsten sind, kann ich bestätigen“, sagt Axel Stein nach seiner Dreherfahrung. Und sein Kollege Mike Müller pflichtet ihm bei: „Dass sich die Schweizer jeden Vorgang, jede Entscheidung genüsslich überlegen wollen, das ist tatsächlich so. Wir leben in einer direkten Demokratie, was sehr viele Vorteile hat – aber auch einige Nachteile. In der heutigen Zeit mit ihren sehr schnellen Entwicklungen hinkt die Schweiz manchmal etwas hinterher. Als Schweizer kann ich also beide Aspekte würdigen. Wenn wir mit diesen Eigenarten spielen, liegt es nicht in unserer Absicht, den Leuten auf den Schlips zu treten – allerdings lässt es sich auch nicht verhindern. Und damit kann ich recht gut leben!“

Das Verhältniss zwischen Schweiz und Öss

Die Konkurrenz zwischen der Schweiz und Österreich spielt sowohl bei Schiller als auch in Eschmanns Parodie eine Rolle. Bildet sie auch heute noch einen Faktor im Zusammenleben der beiden Nachbarstaaten? „Die Animositäten zwischen den beiden Ländern sind heute kein Thema mehr, das die Menschen belastet“, berichtet Eschmann. „Ich habe während meines Filmstudiums in Los Angeles mit vielen österreichischen Kollegen zu tun gehabt – zwischen uns spielt das überhaupt keine Rolle mehr. Ich denke eher, dass solche Animositäten im Verhältnis von Nachbarn grundsätzlich eingebaut sind. Über bestimmte Elemente im Nachbarland macht man sich eben lustig. Aber das ist kein ernst zu nehmender Konflikt, denn vieles verbindet die beiden Länder ja auch – beide sind durch die Alpen stark geprägt. Ich finde, dass die Österreicher im Westen ihres Landes den Schweizern durchaus ähnlich sind. Auch die Süddeutschen sind den Schweizern viel ähnlicher als die Norddeutschen. Eine Rolle spielt nach wie vor die Urangst der Schweizer, die sich von ehemals mächtigen Nachbarn bedrängt sehen. Diese Angst steckt tief drin im Wesen der Schweizer, aber eine Belastung ist sie nicht mehr.“

Ähnliche Beobachtungen hat Tell-Darsteller Mike Müller gemacht: „Die Erzfeindschaft zu Österreich ist ein Klischee, das sich in letzter Zeit stark verändert hat. Vor 20, 30 Jahren kursierten in der Schweiz jede Menge Österreicher-Witze. Heute ist es so, dass die Österreicher Schweizer-Witze erzählen. Beide Länder sind fast gleich groß – Österreich ist etwas größer, hat vor allem einen einheitlichen Sprachraum, wodurch sich das Land in den Medien, in der Kultur einheitlicher behaupten kann. Das Erbe der Habsburger ist immer noch zu spüren – Österreich hat immer Außenpolitik betrieben, die Schweiz nie. Die Schweizer waren eine Streitmacht mit mutigen Bauernsöldnern (die heute noch in der Schweizer Garde im Vatikan präsent sind). All das verändert sich heute. Seit Österreich Mitglied der EU ist, wächst seine Wirtschaft viel schneller als die der Schweiz, was von den Schweizern mit einem gewissen Missmut beobachtet wird, denn die Schweiz ist recht EU-skeptisch. Im Sport gibt es traditionell vor allem beim Skifahren einen harten Wettbewerb der beiden Länder. Obwohl beide Alpenländer sind, unterscheidet sich die Geschichte sehr stark. Zürich und Bern sind kleine, vom Landadel geprägte Städte geblieben, während man in Wien unübersehbar spürt, dass es sich um die einstige Hauptstadt eines gewaltigen Reiches handelt – mit all den riesigen Plätzen, Alleen und Palästen. Fazit: Die Konkurrenz zwischen den beiden Ländern ist ein Klischee, das einen wahren Ursprung hat, sich in jüngster Zeit aber abschwächt.“

Improvisation und babylonisches Sprachgewirr

Über seinen Inszenierungsstil sagt Regisseur Mike Eschmann: „Ich bin davon überzeugt, dass Komödie und Drama immer nur einen Schritt weit voneinander entfernt sind. Auch wenn unsere Helden ganz absurde Ideen haben, nehmen sie sich selbst sehr ernst, deshalb achte ich darauf, die auf die Spitze getriebenen Comedy-Elemente, den Slapstick, ganz behutsam zu dosieren und Übertreibungen zu vermeiden. Ich halte mich üblicherweise an das Drehbuch, auf das wir uns mit der Produktion zuvor geeinigt haben. Dennoch muss ich auch beim Dreh immer flexibel bleiben – zum Beispiel, wenn wir uns den Wetterverhältnissen anpassen und deswegen umdisponieren müssen. Aber grundsätzlich arbeite ich nach dem amerikanischen System, bei dem man sich am Set nur wenige Freiheiten nimmt.“

Gleichzeitig räumt Eschmann seinen Darstellern in einem bestimmten Rahmen Improvisationsmöglichkeiten ein: „Das erfordert eine Komödie geradezu. Unsere Schauspieler bringen ja umfangreiche Erfahrung mit dem Timing, mit der Präsentation von Pointen mit, und von dieser Erfahrung lebt der Film letztlich. Also lasse ich ihnen einen gewissen Raum, damit sie sich einbringen können. Allerdings muss der Rahmen genau abgesteckt werden, sonst würde die Szene außer Kontrolle geraten.“

Über das babylonische Sprachgewirr am Set, das auch Alpengast Axel Stein „recht anstrengend“ fand, berichtet Eschmann: „Beim Dialog kommt in diesem Fall noch hinzu, dass die Darsteller quasi unterschiedliche ,Sprachen‘ sprechen. Auch innerhalb des Schweizerdeutsch bringen die Schweizer ihren eigenen Dialekt aus ihrem jeweiligen Kanton mit – das ist auch bei einem rein schweizerischen Film durchaus üblich, denn es gibt in der deutschsprachigen Schweiz keine offizielle Hochsprache. Entsprechend fallen die Dialektpassagen zum Beispiel mit dem Berner oder Walliser Akzent bisweilen wirklich sehr, sehr seltsam aus, so dass sogar ich selbst die Darsteller kaum noch verstehe. Doch diese Freiheiten dürfen sich die Schauspieler ausdrücklich nehmen. Hinzu kommen in unserer Geschichte auch die österreichischen Elemente – akzentmäßig war also durchaus nicht alles in Stein gemeißelt, wie es vielleicht in einem englischsprachigen Film der Fall wäre.“

Aber wie bekommt Eschmann seine improvisierenden Darsteller in den Griff? „Wenn wir Gag-Varianten durchspielen, heißt das sicher nicht, dass ich gern tausend verschiedene Takes aufnehme, um dann später auszusuchen, was sich am besten eignet. Ich gebe die Eckdaten vor, in deren Rahmen der Improvisationsspielraum gewährleistet ist. Und einige Wiederholungen der Szene mit neuen Ideen sind durchaus drin – aber in begrenztem Umfang.“

„Axel Stein und ich haben die Proben genutzt, um an unseren Szenen zu feilen, sie weiterzuentwickeln – eine Freiheit, die Mike Eschmann uns zugesteht“, sagt Schauspieler Mike Müller. „Eschmann schneidet den Film praktisch schon beim Drehen im Kopf, weiß also genau, in welchem Rahmen er uns improvisieren lassen kann, damit die Anschlüsse stimmen. In dieser kreativen Atmosphäre sind daher noch viele Einfälle entstanden, die nicht im Drehbuch vorgesehen waren. Unter solchen Umständen ist die Arbeit spannend – es besteht keine Gefahr einzuschlafen.“

„Wichtig bleibt dabei immer: Wir müssen den roten Faden im Auge behalten, es ist durchaus nicht ,alles‘ möglich“, fügt Regisseur Eschmann hinzu. „Ein einheitlicher Stil, die durchgehende Klangfarbe der Komödie muss jederzeit gewährleistet sein. Es kann also vorkommen, dass die Comedians sehr witzige Ideen einbringen, die aber unser Konzept sprengen würden. Zum Beispiel überlegten wir eine Zeit lang, Harras (Christian Tramitz) als Allergiker ständig niesen zu lassen. Das passte dann nicht zur Atmosphäre der Story, und so ließen wir diese Gags weg.“

Über sein Regiekonzept sagt Eschmann abschließend: „Ich achte schon bei der Vorbereitung mit den Schauspielern darauf, dass die Komödie der Geschichte gerecht wird, niemals in unpassende Übertreibungen ausartet. Es geht mir nicht um Klamauk. Vielmehr nehmen die Helden sich selbst ernst – was sie nicht davon abhält, sehr absurde Ideen zu entwickeln und in völlig verrückte Situationen zu geraten. Unsere Figuren sind also nicht per se ,Knallfrösche‘. All das hängt sehr vom Projekt, von der jeweiligen Story ab. Eine andere Geschichte kann von mir also auch eine ganz andere Schauspielführung erfordern – je nachdem, ob es eher um Schenkelklopfer geht oder eher ums Schmunzeln oder um einen Feel-good-Film. Diese Entscheidung fällt in der Vorbereitungsphase, nicht erst am Set. Meine wichtigste Aufgabe besteht darin, auf die Einheitlichkeit der Erzählung zu achten – das ist jedesmal aufs Neue eine große Herausforderung.“

Stars auf der Alm

„Ich arbeite bei dieser Produktion mit etlichen sehr bekannten Schauspielern zusammen, die viel Erfahrung mitbringen – ich als relativ junger Regisseur konnte dabei viel von ihnen lernen“, sagt Mike Eschmann. „Generell bedeutet die Arbeit für mich: Ich muss mich individuell auf die Darsteller einstellen. Ich kommuniziere unterschiedlich mit ihnen. Manche Schauspieler kannte ich bereits sehr gut – das heißt, ich musste nicht so ausführlich mit ihnen sprechen, weil wir wissen, was wir voneinander erwarten. Mit anderen führte ich eingehendere Gespräche.“

Tell-Darsteller Mike Müller ist einer der bekanntesten Schweizer Kabarettisten und Schauspieler. Er hat in den vergangenen Jahren in fast jedem Schweizer Film eine wichtige Rolle gespielt („Achtung, fertig, Charlie!“, „Mein Name ist Eugen“). An Müllers Seite agieren Axel Stein („Harte Jungs“) als nimmersatter Eskimo-Prinz Val-Tah, Christian Tramitz („Der Schuh des Manitu“) als Habsburger Emporkömmling Rudolf der Harras und Udo Kier („Dogville“) in der Rolle des Reichvogts Gessler – Typ Sonnenkönig mit Frisurentick. Seine Tochter Sissy wird von Ellenie Salvo González („Hui Buh – Das Schlossgespenst“, „Vollidiot“) verkörpert und Tells unzuverlässige Geschäftspartnerin Heidi von Lea Hadorn („Millionenschwer verliebt“). Als Friedrich Schiller, der in einer Tell-Parodie natürlich nicht fehlen darf, stand Michael Kessler („Hui Buh – Das Schlossgespenst“) vor der Kamera.

„Mike Müller kenne ich seit etlichen Jahren, ebenso Udo Kier“, berichtet Regisseur Eschmann. „Und mit den übrigen, die neu im Team waren, haben wir uns schnell zusammengefunden, wir bildeten sehr bald eine große Familie.“

„Meine Rolle damals in ,Achtung, fertig, Charlie!‘ war vergleichsweise klein“, erzählt Titelheld-Darsteller Mike Müller. „Es ist immer sehr angenehm, mit Mike Eschmann an ein Projekt heranzugehen – wir verstehen uns gut. Schon bei der Vorbereitung merke ich, dass er sehr konkrete Vorstellungen hat, die er auch hartnäckig verfolgt und umsetzt – das gefällt mir sehr. Gleichzeitig ist er immer für Vorschläge von meiner Seite empfänglich – das macht die Arbeit für einen Schauspieler attraktiv.

Über die Dreharbeiten berichtet Müller: „Als Schauspieler ist man das Warten gewöhnt – gerade auch bei Außenaufnahmen, wenn man von den Kapriolen des Wetters abhängig ist. Die Frage ist nur: Wie lange kann man den Stand-by-Modus aufrecht erhalten? Denn im Endeffekt interessiert es keinen Zuschauer, ob dieser spezielle Drehtag langweilig war. Ich halte mich mit einem guten Buch bei Laune, oder mit Wochenzeitungen (besser als Tageszeitungen) oder mit Radio hören. Ganz wichtig ist auch das Verhältnis zu den Kollegen. Mit Axel Stein habe ich vor allem im Kölner Studio lange Tage verbracht und beim Warten die albernsten Spiele oder einfach Quatsch gemacht.

Die Stimmung bleibt ausgewogen, wenn man genug isst, aber nicht zu viel, Kaffee trinkt, aber nicht zu viel. Wir suchen permanent die aristotelische Mitte – um dann quasi aus dem Stand lossprinten zu können.“

Das deutsche Comedy-Schwergewicht Axel Stein freute sich, im Kölner Team viele Kollegen wiederzutreffen, die er von frühreren Drehs bereits kannte. Über Stein sagt Mike Müller: „Axel ist ein unglaublich beeindruckender Profi – er setzt das gesamte Team mit seinem technischen Film-Knowhow immer wieder in Erstaunen. Er hat eine unbändige und auch nicht zu bändigende Spiellust – er kommt extrem vorbereitet aufs Set. Das gilt auch für den Regisseur: Bei einer großen Produktion wie dieser sind viele Filmabteilungen in den Arbeitsprozess eingebunden, aber das funktioniert reibungslos, wenn der Regisseur den Durchblick behält – und den hat Mike Eschmann.“

Über die Arbeit mit den Kollegen sagt Mike Müller: „Mit Sissy-Darstellerin Ellenie Salvo González hatte ich vor der Kamera viele Szenen zu spielen – gerade auch bei den Außenaufnahmen in den Bergen lernten wir uns besser kennen: Wir lagen auf der Alm und erzählten uns Schulerlebnisse… eine sehr angenehme Zusammenarbeit. Ob zwei Darsteller sich privat verstehen, kann man auf der Leinwand direkt nicht erkennen, aber indirekt natürlich doch, denn wenn wir permanent Quatsch machen und damit den Energiepegel gewaltig in die Höhe treiben, kommt das vor allem auch den Szenen zugute, die wir gemeinsam spielen. Wir haben alle im selben Hotel gewohnt und daher auch viel Freizeit miteinander verbracht. Im Studio haben Axel Stein und ich die Garderobenordnung ständig verändert – was die Produktionsleitung zum Teil recht nervös gemacht hat, denn alle hatten Angst vor Udo Kier.

Am Schluss hatte Udo Kier eine Garderobe ganz allein für sich – da kam er mit seinem Namensschild ganz entsetzt zu uns herüber und sagte: ,Also Jungs, ihr könnt mich doch nicht allein lassen!‘ Prompt hat er sich bei Axel und mir eingenistet. Wir haben auch privat viel unternommen. Am Tag der Deutschen Einheit ging ich mit Udo ins Museum. Kurz – Udo Kier entsprach überhaupt nicht dem Typ unnahbarer Hollywoodstar, den wir erwartet hatten (denn wir kannten ihn zuvor ja nicht).“

Ein Schweizer in Deutschland

„Werbespots habe ich bereits außerhalb der Schweiz gedreht, aber ,Tell‘ ist mein erster Spielfilm, der teilweise im Ausland entstand“, sagt Regisseur Mike Eschmann. Gedreht wurde die deutsch-schweizerische Koproduktion im Sommer 2006 im Berner Oberland und im September in den Kölner MMC-Studios, wo das Set der Burg Enzian errichtet wurde.

„Die Zusammenarbeit mit unserer Koproduktionsfirma MMC Independent in Köln funktionierte reibungslos“, freut sich Eschmann. „Wir arbeiteten in der Vorbereitungsphase schon fast ein Jahr vor Drehstart intensiv zusammen, denn die Studiobauten mussten entworfen und der Bau geplant werden. Wir wurden in Köln sehr herzlich aufgenommen – nicht nur von den Mitgliedern des örtlichen Filmteams, sondern von allen Kölnern, mit denen wir zu tun hatten. Das liegt sicher auch an diesem Landstrich – die Menschen am Rhein sind einfach sehr herzlich.“

Dazu Mike Müller: „Ich kenne Deutschland von meinen Theaterauftritten her, produziere auch mit meiner Lebenspartnerin freie Theaterprojekte in Berlin, hatte dort aber noch keinen Film gemacht. Einen so großen Studiobetrieb wie in Köln gibt es in der gesamten Schweiz nicht, nicht einmal eine Filmindustrie im eigentlichen Sinne. Ich fand es spannend, die erfahrenen Filmprofis im technischen Bereich bei der Arbeit zu beobachten – ich staunte über die Professionalität auf allen Ebenen. Das war beeindruckend und hat mir auch viel Spaß gemacht. Diese alten Filmhasen haben nicht nur eine berufliche Beziehung zum Film, sie verstehen auch, wie so ein Filmteam funktioniert: Sie wissen, wie man mit Energie, Müdigkeit, Nervosität und Zeitdruck umgeht. Eine Art „Vorabschlussfest“ der Dreharbeiten richteten die Filmemacher bei einem der Kölner Kamerabühnenmänner zu Hause aus, weil er zufällig gleichzeitig Geburtstag hatte:

Also legte das Schweizer Team zusammen und feierte bei ihm im Garten – gemeinsam mit seiner Familie und Freunden. „Das war super!“ freut sich Mike Müller. Über die Zusammenarbeit der internationalen Filmproduktionsfirmen sagt der Schauspieler: „In Deutschland sind Koproduktionen nichts Neues, doch in der deutschen Schweiz ist das ungewöhnlich. Die sehr kleine West-Schweiz war dagegen schon immer gezwungen, mit Frankreich Koproduktionen einzugehen. In den letzten fünf Jahren sind in der deutschen Schweiz viel mehr Filme und TV-Produktionen entstanden als früher, aber alle waren sehr schweizlastig. Das ist unser ,Tell‘ zwar auch, aber generell müssen wir von dieser Schweizlastigkeit wegkommen, denn eine solche Nabelschau schränkt uns auf die Dauer inhaltlich zu sehr ein.

Dabei ist die Schweiz eigentlich ein offenes Land mit einem sehr großen Ausländeranteil, der prozentual alle andere europäischen Länder übertrifft – und das ist auch gut so! Denn das rechtsbürgerliche Klischee, dass sich ein kleines Binnenland heute noch autochton behaupten könne, hat keine Substanz mehr und ist einfach lächerlich: Wir haben eine bedeutende Exportindustrie, die Dienstleistungen sind globalisiert. Ich begrüße es also ausdrücklich, dass sich die schweizerische Filmförderung und die Filmförderung Nordrhein-Westfalen zusammengefunden haben. Dazu eignet sich unser Film natürlich sehr gut. “Über die Außenaufnahmen in der Schweiz berichtet Regisseur Eschmann: „Für uns Schweizer waren die Dreharbeiten im Berner Oberland ein Heimspiel. Wir kennen uns im Hochgebirge aus, wir wissen, wie man sich dort zu verhalten hat.

Das ist für uns also nichts Besonderes. Aber wir hatten auch eine ganze Reihe deutscher Mitarbeiter in der Crew, und die spürten die Unterschiede zum Dreh im Studio sehr deutlich. Ich persönlich empfand den Schweizer Dreh also als einfach – allerdings hatten wir das Pech, dass wir um eine Schlecht-Wetter-Periode herumplanen mussten. Im Film sieht man davon natürlich nichts – die herrlichen Bergpanoramen, die wir uns vorstellten, haben wir auch eingefangen. Aber bei ungünstigem Wetter kann es im Hochgebirge sehr ungemütlich werden. Zum Glück verloren wir dadurch keine Drehtage, aber man ist schon recht angespannt, wenn man mehrere Stunden darauf warten muss, dass der Regen aufhört und die Sonne endlich wieder scheint. Und die Luft in 3000 Meter ist recht dünn – man muss sich also darauf einstellen, dass die Tieflandbewohner dort oben nicht so belastbar sind.

Glücklicherweise hatten Mike Müller und Axel Stein nicht allzu anstrengende Aktionen zu absolvieren, aber wir merkten, dass die Crew-Mitglieder, die die Ausrüstung zu schleppen hatten, schnell kurzatmig wurden. Man muss halt mehr Zeit einplanen. Die umfangreicheren Szenen entstanden dann etwa 1000 bis 1500 Meter weiter unten. Nur für die Sequenz, die den Schnee vorschrieb, sind wir per Helikopter nach ganz oben geflogen.“„Die Außenaufnahmen in den Berner Alpen sind geografisch natürlich ein wenig geschummelt“, lacht Mike Müller. „Denn die Handlung spielt eigentlich in der Zentralschweiz, aber wenn es optisch passt, dann stimmen die Bilder auch. Und weil die Studioaufnahmen in dieser Größenordnung vor Ort gar nicht möglich gewesen wäre, haben wir eben in Köln gedreht. Eine sinnvolle, wunderbare Zusammenarbeit – und hoffentlich auch zukunftsweisend!“

Historie

WEISSES KREUZ AUF ROTEM GRUND ODER: WAS GESCHAH WIRKLICH AM VIERWALDSTÄTTER SEE ?

Nein, Wilhelm Tell hat nicht die Löcher in den Schweizer Käse geschossen – er stand mehr auf Obst. Bevor Sie also auf dem Weg zum Millionär Ihre letzten Joker verbraten, sollten Sie lieber im Folgenden die wirklich wahrste Wahrheit über die Schweiz nachlesen:

EIN EINZIG VOLK

Einig ist man sich nur in einem Punkt: Die Schweiz ist eine Nation. Aber über den Ursprung des Landes wird auch heute weiter gestritten. Sicher ist, dass der heutzutage gefeierte Geburtstermin, der 1. August 1291, nicht verbürgt ist. Jahrhundertelang interessierte sich kein Schweizer für die näheren Umstände – erst als im 19. Jahrhundert der Nationalismus in den Nachbarländern erstarkte, spürten auch die Schweizer den Drang, das Eigenverständnis der Eidgenossen für ihr Vaterland zu fördern.

Um 1890 kamen aufrechte Patrioten auf die Idee, den nationalen Gedanken aus praktischen Gründen auf ein konkretes Datum zu konzentrieren.

Dabei legte man kurzerhand verschiedene historische Ereignisse zusammen: Die für 1291 angenommene Erstellung des Bundesbriefs (die Besiegelung des Landfriedens zur Wahrung einer minimalen Rechtsordnung und Rechtssicherheit in Zeiten schwacher Zentralgewalt; gleichzeitig eine Festigung der Stellung lokaler Führer gegen die „fremden Richter“) wurde mit der historisch nicht belegten Wilhelm-Tell-Sage und dem bis zu diesem Zeitpunkt üblicherweise auf das Jahr 1307 datierten Rütli-Schwur kombiniert. Auf der Rütli-Wiese über dem Vierwaldstätter See schworen Adlige aus Schwyz, Uri und Unterwalden, gemeinsam „ihr Leben und ihr Gut zu wagen und sich der Herren zu erwehren“.

TELL ODER NICHT TELL?

Die Apfelschuss-Sage findet sich bereits um 1200 in der Dänen-Chronik „Gesta Danorum“ von Saxo Grammaticus, also schon vor den Ereignissen im Umfeld der Gründung der Schweiz. Anfang des 16. Jahrhunderts wurde das „Urner Tellenspiel“ aufgeführt, und um 1550 entstand Ägidius Tschudis Geschichtsbuch „Chronicon Helveticum“ (Erstdruck 1734), das Friedrich Schiller für sein Theaterstück als Hauptquelle diente.

Ob es eine historische Person als Vorbild für die Legende gegeben hat, ist nicht belegt. Der berühmte Schütze Wilhelm Tell soll aus Bürglen im Kanton Uri stammen. Über ihn ist wenig bekannt. 1307 soll er in Altdorf in Uri versäumt haben, den kaiserlichen Hut zu grüßen, der auf dem Dorfplatz an einem Pfosten hing: Wer den von Landvogt Gessler befohlenen Gruß versäumte, musste mit der Todesstrafe rechnen. Auch nach Aufforderung verweigert Tell diese Geste der Ehrerbietung.

Gessler verspricht, Tells Leben zu schonen, wenn der dafür mit seiner Armbrust einen Apfel vom Kopf des Tell-Sohnes Walter schießt. Tell willigt ein und trifft den Apfel. Gleichzeitig nimmt er sich vor, den unmenschlichen Tyrannen umzubringen. Zunächst wird Tell verhaftet. Doch er kann fliehen, lauert Gessler auf und ermordet ihn. Damit endet die Legende – Tell verschwindet von der Bildfläche und nimmt am weiteren Freiheitskampf nicht teil.

Von Bedeutung ist vor allem Tells symbolische Funktion. Er vertritt das Volk, das die Obrigkeit zwar prinzipiell anerkennt, sich aber entschieden wehrt, wenn die weltlichen Herren despotische Züge entwickeln: Der einfache Bauer entwickelt sich in der Krise zum Helden.

ERZFEINDE

Die erwähnten „Herren“ waren die Habsburger: Diese Dynastie gewann nach dem Aussterben süddeutscher Fürstenlinien, die bis ins 13. Jahrhundert das heutige Schweizer Gebiet kontrolliert hatten, an Einfluss: Sie sicherten sich die Herrschaft über das deutsch-römische Reich und stellten von 1438 bis zur Auflösung 1806 (mit einer Ausnahme) alle Kaiser des „Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation“.

Der Erzherzogstitel, den die Habsburger ebenfalls beanspruchten, geht auf eine Urkundenfälschung zurück. Was nichts daran änderte, dass sie bereits die Erzfeinde der aufmüpfigen Schweizer Bergbauern waren, die sich zu einem immer größeren Verbund zusammenschlossen, mit wachsendem Erfolg gegen die Habsburger Krieg führten und regelmäßig die Schlachten gewannen.

1415 fiel den Schweizern das Aargau in die Hände, in dem sich der Stammsitz der Kaiser befindet: die Habsburg. Pikanterweise gehört sie seitdem zur Schweiz – der Machtbereich der Habsburger verlagerte sich in die Ostalpen nach Österreich.

Der eigentliche Erzfeind der Schweizer war allerdings nicht der deutsche Kaiser selbst, mit dem es in bestimmten Interessenlagen durchaus zur Kooperation kam. Der Aufstand der Eidgenossen richtete sich auch nicht gegen das deutsche Reich oder das österreichische Volk, sondern (im Sinne der heutigen Landesgrenzen) gegen einheimische schweizerische Fürsten bzw. kirchliche Herren. Die Alpenkantone erkauften ihre Reichsfreiheit (Unabhängigkeit) mit der Zusage, den freien Handel entlang der wichtigen Alpenrouten ohne Rücksicht auf die habsburgische Machtpolitik zu gewährleisten.

ALPEN-MACHOS: DIE QUAL MIT DER WAHL

Zugegeben: Es macht schon Eindruck, wie sich die wackeren Schweizerinnen in „Tell“ behaupten, nachdem der scheinheilige Händler Wilhelm Tell ihnen ein Verjüngungselexier aufgeschwatzt hat. Als ihnen am nächsten Morgen Vollbärte gewachsen sind, laufen sie Amok – und versetzen zum Beispiel dem Alm-Hirten Stüssi den Schock fürs Leben. Vielleicht gewinnt er ja den Eindruck, dass ihnen die Haare, die sie auf den Zähnen haben, durch die Lippen gewachsen sind…

Dennoch lässt Regisseur Mike Eschmann keinen Zweifel daran, dass er die Situation der Frauenrechte in der Schweiz parodiert, um die es bis in die jüngere Vergangenheit eher kläglich bestellt war. Was sich am Wahlrecht gut demonstrieren lässt: Anderswo wählten manche Bürgerinnen bereits seit über 100 Jahren, als sich die Schweizer endlich bequemten, dieses Recht auf nationaler Ebene auch ihren weiblichen Landsleuten zuzugestehen.

Zunächst sollten sich die europäischen Männer allerdings an die eigene Nase fassen, bevor sie dieselbe über die patriarchalischen Schweizer Demokraten rümpfen: Als die Frauenrechtlerin Olympe de Gouges während der französischen Revolution die soeben großsspurig erkämpfte „Gleichheit“ aller Menschen auch für Frauen forderte, wurde sie von Robespierre und Konsorten einen Kopf kürzer gemacht. Erst 1944 erhielten die Französinnen das Wahlrecht.

Wyoming in den USA war der erste moderne Staat, der seinen Bürgerinnen das Wahlrecht einräumte – im Jahr 1869. In Europa war Finnland (damals russisches Großfürstentum) 1906 der Vorreiter. Deutsche und österreichische Frauen durften ab dem Ende des Ersten Weltkriegs wählen, die streitbaren Suffragetten in Großbritannien erst ab 1928, in Belgien und Italien mussten die Frauen bis 1946 warten.

Die weiblichen Eidgenossen organisierten sich im „Schweizerischen Verband für das Frauenstimmrecht“ und wehrten sich seit 1909 gegen das granitharte Patriarchat – ein Kampf gegen Windmühlen, denn zur Einführung des Wahlrechts bedurfte es einer Zweidrittelmehrheit des Parlaments… also der Männer. Gestritten wurde trotzdem: Von 1919 bis 1957 stimmten die Kantone 24 Mal über das Wahlrecht ab – immer zu Ungunsten der Frauen. Was in anderen Ländern funktionierte, galt nicht für die Schweiz, wo die Männer als Argumente gegen das Frauenwahlrecht den „Zerfall der Familie“, „Verwahrlosung der Jugend“ und die „komplette Unfähigkeit der Frau, politisch sinnvolle Entscheidungen zu treffen“ anführten.

1957 schrieb ein Leser der Neuen Zürcher Zeitung: „Woher will eine Frau diese Zeit nehmen? Sie wird entweder von ihrem eigentlichen Aufgabenkreis abgezogen werden oder aber die politische Aufgabe zu wenig durchdacht, das heißt mehr gefühlsmäßig lösen.“

1968 weigerte sich die Schweiz, die Europäische Menschenrechtskonvention uneingeschränkt zu unterschreiben – der Einwand: Das darin garantierte Frauenwahlrecht sei nicht akzeptabel. Mit diesem Argument gerade zu dieser Zeit hatten die Männer ihre Armbrust deutlich überspannt. Die folgende Demonstration der Frauenrechtlerinnen brachte zwar nur 5000 Frauen auf die Berner Straßen, aber der Stein des Anstoßes kam ins Rollen, und die anschließende Pressedebatte ließ den Blätterwald mächtig rauschen. Selbst als die Männer den Aufschrei der Frauen abermals abwiegelten, mussten sie doch zerknirscht zur Kenntnis nehmen, dass das Ansehen der Schweiz im Rest der Welt empfindlich Schaden nahm.

1971 stimmten die Männer erneut ab – immer noch war ein Drittel dagegen, aber endlich zwei Drittel dafür. Die Emanzipation war in den Alpen angekommen.

SCHILLERND – EIN DEUTSCHER KLASSIKER ÜBER DIE SCHWEIZ

Das klassische Schauspiel „Wilhelm Tell“ von Friedrich Schiller (1759–1805) wurde 1804 in Weimar uraufgeführt. Schiller hat im Gegensatz zu Goethe die Schweiz nie bereist und war zunächst von der Sage des Revolutionärs und Tyrannenmörders Tell nicht sonderlich angetan. Als Schillers Braut Charlotte von Tell schwärmte, warf der Dichterfürst ihr überschwängliche Begeisterung für die Schweiz vor.

Ursprünglich hatte Goethe vor, den Tell-Stoff als Drama zu verarbeiten. Dann war es aber doch Schiller, der eines der berühmtesten Dramen der deutschsprachigen Literatur schuf, mit dem fortan ungezählte Schülergenerationen im Unterricht schikaniert wurden.

Schiller schrieb sich auf, was seine Frau (inzwischen waren sie verheiratet) und Goethe ihm über die Schweiz berichteten. Und er besorgte sich alles, was an gedruckten Quellen greifbar war. Vor allem orientierte er sich am „Chronicon Helveticum“ von Ägidius Tschudi (1505–1572). Alle Wände seines Arbeitszimmers pflasterte er mit Karten und Illustrationen des Handlungsortes.

Der Autor wünschte sich die Uraufführung seines Stückes im Berliner Nationaltheater. Doch dessen Direktor lehnte die Inszenierung wegen der politschen Brisanz des Stoffes ab.

Schiller wollte nämlich mit seinem „Volksstück“ den abstrakten Begriff der „Freiheit“ für die aufgeklärten, höheren Stände des Publikum durch eine spannende Story sinnlich erfahrbar machen – aber in einer klar verständlichen Sprache, die auch den weniger gebildeten Zuschauern jene Erkenntnis vermittelt, mit der Schiller „die Bühnen von Deutschland erschüttern wollte“: seinen unverblümten Aufruf zur Gewalt, falls die Last der Unterdrückung durch die Tyrannen unerträglich wird.

Die Premiere fand also nicht in Berlin, sondern in Weimar statt. Schiller war dabei und offensichtlich zufrieden, wie seine Bekannte Ernestine Voss berichtet: „Ich saß in Schillers Loge neben ihm und sah in seinem unbeschreiblich heiteren Gesicht, wie jedes Gelungene in der Aufführung und jeder Beifall, der dem Dichter galt, auf ihn wirkte; besonders die Szene mit dem Apfel, welche vom Vater und Kind so gegeben ward, dass jeder Zuschauer von der Angst ergriffen ward, als ob er Wirklichkeit vor sich sähe.“

Auch die Schweizer ließen sich von Schillers Bühnenhit mitreißen und erklärten Tell zum Nationalhelden, der nach wie vor Zugpferd der örtlichen Touristentradition ist. Jedes Jahr wird Schillers Evergreen während der Tellspiele in Interlaken aufgeführt. Auch in Altdorf, wo der Sagenheld angeblich gewohnt hat, gibt es von Zeit zu Zeit Aufführungen des Stücks, die aber eher von den Schweizern selbst besucht werden. Sogar die schweizstämmigen Auswanderer in den USA feiern jährlich ihr Wilhelm-Tell-Fest.

Wer Schillers „Wilhelm Tell“ liest oder auf der Bühne sieht, stellt schnell fest, dass das Stück „voll von Sprichwörtern“ (Jürgen von Manger) ist – deutsche Bildungsbürger zumindest der vergangenen Jahrzehnte führten Schillers Verse ständig im Munde, um alle Eventualitäten des Lebens zu kommentieren.

Eine Auswahl aus „Wilhelm Tell“:

Der brave Mann denkt an sich selbst zuletzt.

Dem Mutigen hilft Gott.

Der Starke ist am mächtigsten allein.

Ich bin der Letzte meines Stamms.

Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern, in keiner Not uns trennen und Gefahr.

Was da fleucht und kreucht.

Früh übt sich, was ein Meister werden will.

Die Axt im Haus erspart den Zimmermann.

Durch diese hohle Gasse muss er kommen, es führt kein andrer Weg nach Küssnacht.

Deine Uhr ist abgelaufen.

Die Milch der frommen Denkart.

Rasch tritt der Tod den Menschen an.

Es kann der Frömmste nicht im Frieden bleiben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.

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  • Sky: Die Film-Neustarts dieser Woche

    Das Pay-TV-Unternehmen Sky hat auch diese Woche wieder einige Film-Neustarts zu vermelden, die auf dem Sender Sky Cinema starten. Den Anfang macht am Montag, 14. September 2009 um 20.15 Uhr, die Komödie “Tell – Jeder Schuss ein Treffer“ mit Axel Stein. Der Film spielt im Jahr 1291 und dreht sich um den Händler Tell, der die Schnauze voll hat, weil er an der Grenze ständig wegen seines österreichischen Ausweises aufgehalten...

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  • Drehstart für Wilhelm Tell-Parodie

    Noch in diesem Monat werden die Dreharbeiten zu der deutsch-schweizerischen Komödie „Tell“, eine Parodie auf den Schweizer Nationalhelden Wilhelm Tell, starten. Fünf der geplanten acht Wochen werden dabei in den MMC-Studios in Köln verbracht. In dem Film sind u.a. Mike Müller, Axel Stein, Christian Tramitz, Michael Kessler sowie Udo Kier zu sehen. Regie wird der Schweizer Mike Eschmann („Achtung, fertig, Charlie!“...

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