Filmhandlung und Hintergrund

In ihrem 17. Fall bekommen es die beiden Frankfurter Kommissare Sänger und Dellwo gleich mit mehreren mysteriösen Morden zu tun.

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Kritikerrezensionen

  • Tatort: Weil sie böse sind: In ihrem 17. Fall bekommen es die beiden Frankfurter Kommissare Sänger und Dellwo gleich mit mehreren mysteriösen Morden zu tun.

    Es ist stets ein schmaler Grat, wenn ein Krimi dem Verbrechen mehr Zeit widmet als jenen, die es lösen sollen. Das gilt erst recht, wenn sich zwischen dem Täter und seinen Jägern auch noch ein Wettlauf gegen die Zeit ergibt: Nicht jeder Zuschauer ertappt sich gern dabei, dass ihn die Dramaturgie der Geschichte dank der Faszination des Bösen zum Mitwisser macht. Allzu leicht fühlt man sich dann auch als Mittäter und wehrt sich gegen die unfreiwillige Sympathie mit dem Teufel.

    Das Drehbuch (Michael Pröhl) dieses Krimis ist allerdings auf geradezu perfide Weise ausgeklügelt. Man kann fast gar nicht anders, als dem mehrfachen Mörder zu wünschen, ungestraft davon zu kommen: Rolf Herken (Milan Peschel) muss einem einfach leid tun. Er ist alleinerziehender Vater eines autistischen Jungen. Als ihm seine Chefin eine brillante Idee klaut, verliert er seine Arbeit, weil er die Dame anschließend etwas robust zur Rede stellt. Aber es kommt noch viel, viel schlimmer: Ein Bittstellbesuch beim reichen Stiftungsgründer Staupen, von dem sich Herken Hilfe für seinen Sohn erhofft, artet in eine wüste Beschimpfung durch den vermeintlichen Wohltäter aus. Also greift sich der Gast einen mittelalterlichen Morgenstern und erschlägt den Mann. Von da an sprengt die Geschichte die üblichen „Tatort“-Konventionen: Staupen junior (Matthias Schweighöfer) ist keineswegs erschüttert, sondern frohlockt und lässt sämtliche Indizien verschwinden. Gegen seinen Willen geht Herken einen gruseligen Pakt mit dem Millionärsspross ein und wird zum zwar unwilligen, aber höchst effizienten Werkzeug des jungen Mannes beim Rachefeldzug gegen seine Familie.

    Schon allein die Grundidee ist faszinierend, und natürlich hat die Besetzung des Drahtziehers mit dem jungenhaften Matthias Schweighöfer zur Folge, dass man auch für seine Motive Verständnis hat; zumal man seiner verachtenswerten Verwandtschaft (Peter Davor, Adele Neuhauser) keine Träne nachweint. Die Gegenseite wiederum steht sich selbst im Weg: Weil der Chef (Peter Lerchbaumer) mit dem Ruhestand liebäugelt, werden Dellwo (Jörg Schüttauf und Sänger (Andrea Sawatzki) plötzlich zu Konkurrenten um seine Nachfolge und arbeiten mehr gegen- als miteinander; auch diese Ebene gibt dem Krimi eine interessante Facette.

    Clou der Handlung aber ist der Einfall, die Geschichte der Familien Staupen und Herken durch die Jahrhunderte miteinander zu verflechten: Auch die Vorfahren des bemitleidenswerten Witwers waren schon Verlierer, die in grauer Vorzeit für die reichen Arbeitgeber buchstäblich den Kopf hingehalten haben. Bis hin zur grimmigen Schlusspointe ist „Weil sie böse sind“ ein tiefschwarzer Krimi, der dank der Regie von Florian Schwarz („Katze im Sack“) an Niki Steins herausragende Anfangs-Trilogie mit den Frankfurtern Ermittlern anschließt. tpg.

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