Filmhandlung und Hintergrund

Ein ästhetisches Ereignis: Hannu Salonen schickt die Saarbrücker "Tatort"-Kommissare mit einem Thriller in den Ruhestand.

Zwei halbwüchsige Mädchen irren durch Saarbrücken. Das eine stirbt, das andere ist zu keiner Kommunikation fähig. Beide sind vor Jahren verschwunden und haben die Zeit offenbar in unterirdischer Gefangenschaft verbracht. Verschiedene Indizien führen zu einem einschlägig bekannten Päderasten. Der Fall scheint klar, doch der Mann streitet alles ab. Den Ermittlern läuft die Zeit davon: Irgendwo wartet ein drittes Mädchen auf seine Befreiung. Der enorme Druck läst die beiden Beamten zu höchst fragwürdigen Methoden greifen.

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Kritikerrezensionen

  • Tatort: Verschleppt: Ein ästhetisches Ereignis: Hannu Salonen schickt die Saarbrücker "Tatort"-Kommissare mit einem Thriller in den Ruhestand.

    Letzter Fall für Maximilian Brückner und Gregor Weber: Der „Tatort“-erfahrene Finne Hannu Salonen hat in jeder Hinsicht einen der düstersten Krimis der Sonntagsreihe gedreht.

    Das Sujet ist das gleiche wie bei einem „Tatort“ aus Niedersachsen („Schwarze Tiger, weiße Löwen“), den die ARD im Dezember 2011 gezeigt hat. In beiden Fällen orientiert sich die Handlung am Schicksal von Natascha Kampusch. Aber damit enden die Parallelen auch. Dank der virtuosen Bildgestaltung durch Wolf Siegelmann ist dieser Film mit dem bescheidenen Titel „Verschleppt“ gerade in ästhetischer Hinsicht ein Erlebnis, das zartbesaiteten Zuschauern allerdings des öfteren das Blut in den Adern gefrieren lassen wird. Vor allem die mit fast schon hingebungsvoller Perfidie in Szene gesetzten Erkundungen der verschiedenen Schauplätze des Verbrechens sorgen auch dank des Zwielichts immer wieder für Gänsehautmomente. In diesen Passagen ist der Film Thriller pur. Mit Anleihen beim Horrorgenre, die er mit einem äußerst effektvollen Sounddesign kombiniert, treibt Hannu Salonen die Spannung immer wieder auf die Spitze.

    Gemessen an der optisch und akustisch ereignisreichen Umsetzung ist die Geschichte fast überschaubar. Das Drehbuch stammt von Khyana el Bitar und Dörte Frank, die auch die Vorlage zu dem Kinofilm „Das System“ geliefert haben. Die Handlung kommt in Gang, als zwei halbwüchsige Mädchen durch Saarbrücken irren. Das eine stirbt, das andere ist zu keiner Kommunikation fähig. Beide sind vor Jahren verschwunden und haben die Zeit offenbar in unterirdischer Gefangenschaft verbracht. Da verschiedene Indizien zu einem einschlägig bekannten Päderasten führen, ist der Fall für die Hauptkommissare Kappl und Deininger (Maximilian Brückner, Gregor Weber) klar. Der Mann streitet allerdings alles ab. Den Ermittlern läuft die Zeit davon: Irgendwo wartet ein drittes Mädchen auf seine Befreiung. Der enorme Druck läst die beiden Beamten zu höchst fragwürdigen Methoden greifen, zumal Deininger von großen Schuldgefühlen geplagt wird: Er war einst mit der Suche nach einem der vermissten Kinder betraut. Es trifft ihn wie ein Schock, als ihm klar wird, dass er damals bei seinen Ermittlungen nur wenige Meter von dem Mädchen entfernt war.

    Die Geschichte ist dank diverser Nebenstränge, die aber nie vom Kern wegführen, ohnehin von eindrucksvoller Komplexität, zumal ständig was passiert, und seien es die alptraumhaften Erinnerungsblitzlichter an die Zeit im Kerker; selten wurde der Psychoterror von Gefangenschaft emotional so schonungslos geschildert. Die Kameraführung vermittelt zudem mit Schwenks und Zooms eine Dynamik, die perfekt zur Handlung passt, ohne je in Hektik auszuarten. Auch im Bildhintergrund tut sich dauernd irgendwas, und das keineswegs zum bloßen Selbstzweck: Während im Vordergrund Kappl und Deininger über einen neuen Verdächtigen sprechen, steht der die ganze Zeit hinter ihnen. Ein aufwändig gestalteter, handwerklich herausragender „Tatort“, der eine würdige Abschiedsvorstellung für Kappl/Deininger wäre, wenn dieser Abschied nicht so unrühmlich ausgefallen wäre: Der Saarländische Rundfunk hat das Duo ohne Angaben schlüssiger Gründe in den Ruhestand versetzt. tpg.

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