Tatort: Müll

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   2007
Tatort: Müll Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Tatort: Müll: Keine Berührungsängste vor menschlichem Unrat dürfen die Kölner Kommissare in diesem Fall haben.

Nach einem Brand auf einem Kölner Wertstoffhof wird eine Frauenleiche gefunden. Eine Identifizierung ist unmöglich: Der Leichnam ist verkohlt, die Arme sind abgetrennt. Der Betreiber der Anlage war unlängst in einen Müllskandal verwickelt und ist unter Druck gesetzt worden; die Tote könnte seine verschwundene Sekretärin sein. Ein Motiv findet sich allerdings auch in einer nahegelegenen Gärtnerei: Der Besitzer hat eine neue Freundin, seine Frau ist verschwunden.

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Kritikerrezensionen

  • Vor 18 Jahren standen Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär erstmals gemeinsam vor der Kamera. Der Mehrteiler hieß „Leo und Charlotte“, der Regisseur Kaspar Heidelbach. Damals ahnte das Trio vermutlich noch nicht, dass dies der Auftakt einer regen Zusammenarbeit sein würde. Ein knappes Dutzend Filme hat Heidelbach seither mit den beiden Freunden gedreht, darunter die Zweiteiler „Das Wunder von Lengede“ und „Der Untergang der Pamir“. Entscheidender aber war die gemeinsame Prägung der Kölner „Tatort“-Kommissare.

    Von Heidelbach stammt nicht nur der Auftakt („Willkommen in Köln“, 1997) sondern insgesamt fast ein Viertel der Kölner Krimis. Kaum einer kam jedoch so beinahe bescheiden daher wie dieser; selbst wenn Autor Achim Scholz ein bisschen Müllskandal in seine Geschichte verwebt. Er behandelt das vermeintliche Hauptthema allerdings so beiläufig, dass man es rasch als übliches Ablenkungsmanöver durchschaut: Ein windiger Geschäftemacher lässt radioaktiven Abfall so lange kreuz und durch Europa reisen und immer wieder umdeklarieren, bis das Zeug schließlich als Bioschlamm entsorgt werden kann. Als nach einem Brand auf einem Wertstoffhof eine Frauenleiche gefunden wird, deutet einiges darauf hin, dass die Müllmafia ihre Finger im Spiel haben könnte. Der Besitzer der Firma ist offenbar von den großen Anlagen massiv unter Druck gesetzt worden. Bei der verkohlten Leiche könnte es sich um seine verschwundene Sekretärin handeln. Da die Arme entfernt wurden, ist eine Identifizierung unmöglich.

    Versierte Krimifreunde wissen natürlich, dass es sich bei den meisten Morden um Beziehungstaten handelt. Und auch für dieses Motiv gäbe es Kandidaten: In der nahegelegenen Gärtnerei Weber vermisst ein Junge (Frederick Lau) seine Mutter. Auf dem Betrieb hat jetzt Kaja Krumme (Elena Uhlig), die neue Freundin seines Vaters Frank (Wotan Wilke Möhring), das Sagen. Kaja hatte den Brand entdeckt und die Feuerwehr gerufen. Frank Weber hat ein windelweiches Alibi: Er ist in der Mordnacht nach einem Handballspiel versackt und hat angeblich im Auto geschlafen.

    Heidelbach inszeniert den Film fast schon aufreizend unspektakulär. Wichtiger als mögliche Effekte sind ihm die kleinen Gesten zwischen den Figuren. Mit viel Liebe wird daher beispielsweise ein alter Müllsammler (Hans Diehl) eingeführt, der Ballauf regelmäßig morgens um fünf mit seinem knatternden Moped nervt. Trotzdem mag der Kommissar den alten Mann, dessen Wohnungseinrichtung ein Fest für den Ausstatter (Stefan Schönberg) gewesen sein muss. Auch Schenk hat alsbald einen Narren an dem Alten gefressen, zumal die Vehikel der beiden aus einer Zeit stammen, als man derlei noch „fahrbaren Untersatz“ nannte: Willy fährt eine alte NSU, Freddy eine Corvette, beide Jahrgang ’64. entsprechend groß ist die Trauer der Polizisten, als auch der alte „Messie“ ermordet wird.

    Selbst wenn die Idee makaber ist, eine Leiche ausgerechnet auf einem Recyclinghof zu entsorgen: Wer genau hinschaut, ist den beiden Kommissaren schon nach einer halben Stunde einen gewaltigen Schritt voraus. Dass man mit der Vermutung tatsächlich goldrichtig liegt, schmälert zwar nicht den Genuss, zumal der Film mit viel Lokalkolorit ausgestattet ist; aber raffinierter ist es doch, wenn ein Autor mit genau dieser Gewissheit spielt. tpg.

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