Tatort: Mauerpark

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   2011
Tatort: Mauerpark Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Tatort: Mauerpark: Rebecca Immanuel in einem reizvollen Krimi aus Berlin, der ein gelungenes Spiel mit den Erwartungen treibt.

Kurz vor dem Mauerfall ist ein Baby entführt worden. Der Kidnapper arbeitet heute für eine Stiftung, die auf dem Gelände des einstigen Mauerparks Luxuswohnungen errichten will. Auf einem Schrottplatz in dem Areal wurden damals die Indizien gefunden, die den Mann überführt haben. Nun ist hier ein Anwalt ermordet worden. Für die Verbindung zwischen den beiden Fällen sorgt ein junger Mann. Sein Mantra „Unsere Lippen sind versiegelt“ ist die Lösung für beide Fälle.

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Kritikerrezensionen

  • Ein Krimi, dem es gelingt den Zuschauer in die Irre zu führen und der raffiniert Vergangenheit und Gegenwart verbindet.

    Krimis leben davon, dass zumindest eine der Figuren ein falsches Spiel spielt; selbst im Fernsehen sind Mörder nur selten auf Anhieb als solche zu erkennen. Manchmal gilt das auch für Filme: Zum Einstieg wirkt Heiko Schiers Berliner „Tatort“ wie verunglückte Krimikunst. Der Regisseur („Wer hat Angst vor Rot, Gelb, Blau?“) hat es vor zwanzig Jahren zumindest unter Cineasten zu einer gewissen Prominenz gebracht, ehe er sich eine über 15jährige Auszeit nahm. Sein „Tatort“ sieht zu Beginn so aus, als sei Schier das Prädikat „künstlerisch wertvoll“ wichtiger als spannende Krimi-Unterhaltung: Die Geschichte entwickelt sich eher schwerfällig, die Bilder wirken prätentiös (Kamera: Frank Lamm). Außerdem ist man sich ziemlich sicher, den Mörder zu kennen. In solchen Fällen müssen Drehbücher schon von besonderer Qualität sein, um doch noch Spannung zu erzeugen. Aber dann entpuppt sich die Handlung als ein ebenso klug konstruiertes wie raffiniertes Spiel, einerseits mit Schein und Sein, andererseits mit den Erwartungen des Publikums; auch wenn versierte Krimifans dem Clou der Geschichte dennoch auf die Schliche kommen können.

    Trotzdem ist „Mauerpark“ ein ungewöhnlicher Film. Er beginnt zwar mit dem obligaten Mord, aber ihren Anfang nimmt die Geschichte ein Jahr vor dem Mauerfall. Damals ist ein Baby entführt worden, es gab eine Lösegeldzahlung, doch das Kind blieb verschwunden. In einem Indizienprozess wird ein Mann als Kidnapper und Mörder verurteilt. Mittlerweile hat er seine Haft verbüßt und wird von Schier als Figur benutzt, um die Zuschauer wenig elegant auf eine falsche Fährte zu locken: Das Mordopfer ist ein Anwalt, der erreicht hat, dass einem weiteren Kindermörder die Sicherungsverwahrung erspart bleibt. Prompt gilt die Mutter des Kindes als Hauptverdächtige. Allerdings hat Schier diesen Erzählstrang mit Schauspielern besetzt, die offenbar ausdrücklich nicht den gewohnten Fernsehkonventionen entsprechen sollten. Damit verstößt er bewusst gegen das ungeschriebene TV-Gesetz, dass selbst Antagonisten ein gewisses Charisma haben müssen. Auch der überhöhte Sozialrealismus, den der Film in dieser Anfangsphase verströmt, wirkt eher abschreckend.

    Erst danach führt Schier seine Hauptfiguren und damit die eigentliche Geschichte ein: Eine Stiftung besitzt diverse Grundstücke im titelgebenden Mauerpark. Hier soll ein Areal mit Luxuswohnungen entstehen, was allerdings am mangelnden Kooperationswillen eines Schrottplatzbesitzers (Hansjürgen Hürrig) scheitert. Geschickt verknüpft Schier nun Gegenwart und Vergangenheit. Am Schauplatz des heutigen Mordes, dem Schrottplatz, hat die Polizei damals die Indizien gefunden, die den Kidnapper überführten. Der wiederum arbeitet heute für die Stiftung; deren Leiterin (Rebecca Immanuel) ist die Zwillingsschwester der Mutter des Babys, die sich damals aus Gram das Leben genommen hat. Und mittendrin bewegt sich ein junger Mann (Robert Gwisdek), der auf dem Schrottplatz arbeitet und dauernd wirres Zeug brabbelt. Aber wer die britische Pop-Band Fun Boy Three und ihren einzigen großen Hit aus den Achtzigern kennt, der versteht, warum sein ständig wiederholter Satz „Unsere Lippen sind versiegelt“ der Schlüssel zur Lösung dieser reizvollen Geschichte ist. tpg.

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