Filmhandlung und Hintergrund

Kommissarin Odenthal befasst sich eindringlich mit einem Mädchen, das in einem Fall eine entscheidende Rolle spielt.

Lena Odenthal und Mario Kopper von der Kripo Ludwigshafen stehen vor dem Fund der Leiche eines Mannes. Da nicht feststellbar ist, um wen es sich handelt, bleiben für die Ermittlung nur zwei Anhaltspunkte: Ein Papier mit einer Adresse, das der Tote bei sich hatte, sowie ein Stofffetzen aus seinen Schuhen. In dem sozial unterprivilegierten Stadtteil, auf den die Adresse verweist, lebt das zwölfjährige kurdische Mädchen Leyla. Ihre Puppe ist mit einem Stoff benäht, der dem betreffenden Fetzen gleicht.

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Kritikerrezensionen

  • Tatort: Leyla: Kommissarin Odenthal befasst sich eindringlich mit einem Mädchen, das in einem Fall eine entscheidende Rolle spielt.

    Es ist mehr als ein Teufelskreis: Menschen lassen sich mit Hilfe von Schlepperbanden aus ihrer Heimat nach Deutschland schmuggeln. Weil sie die Schlepper nicht bezahlen können, werden sie gleich weiter verfrachtet, zum Beispiel in die Ukraine; als menschliches Ersatzteillager.

    Oft genug haben sich „Tatort“-Filme um gesellschaftskritischen Anspruch bemüht; oft entstanden auf diese Weise flammende Plädoyers und Appelle, aber keine spannenden Kriminalfilme. Auch „Leyla“ beweist, dass Krimis und Botschaften nicht gut zueinander passen. Allerdings hatte Regisseur Martin Weinhart anscheinend auch nie vor, einen gewöhnlichen „Tatort“-Beitrag zu drehen. Filmisch ist „Leyla“ fast schon ein Experiment: Weinhart verzichtet konsequent auf alles, was man ihm als Ästhetisierung hätte auslegen können. Die Kamera bleibt grundsätzlich statisch. Es gibt kaum Schwenks oder Zooms, von Fahrten ganz zu schweigen. Auch das harte Licht ist weit entfernt von der eher weichzeichnenden typischen Fernsehästhetik.

    All das mag das sinnliche Erlebnis erheblich einschränken, doch es passt perfekt zur gleichfalls tristen Geschichte. Die beginnt mit einem Toten in der Kiesgrube. Der Mann ist im wahrsten Sinne des Wortes vertrocknet, als sei er in der Wüste gestorben; doch es ist November. Immerhin findet sich bei ihm ein Hinweis auf eine Sozialsiedlung. Dort treffen Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und Mario Kopper (Andres Hoppe) die zwölfjährige Kurdin Leyla. Sie macht sich große Sorgen um ihren Bruder, der vor einigen Tagen verreist ist. Die Polizei ortet sein mobiles Telefon in der Ukraine, wo er offenbar auf dem Operationstisch gestorben ist; und Leyla ist die nächste auf der Liste der Organmafia.

    Die Geschichte erinnert von Ferne an den Klassiker „Fleisch“ von Rainer Erler aus dem Jahr 1979. Die Thematik hat sich seither zugespitzt: Allein hierzulande warten 10.000 Patienten auf eine Spenderniere; nur jeder fünfte wird auch eine bekommen. Der Handel mit Organen ist in Deutschland verboten; anderswo hingegen verdienen Menschen ganz legal Geld damit, dass sie eine Niere spenden.

    Geschickt verknüpft Autor Harald Göckeritz die beiden Ebenen: hier die Schlepperbande, dort die Ängste des Mädchens (ganz famos: Maral Schäfer), das sich ausgerechnet jenem Sozialarbeiter (Jürgen Tarrach) anvertraut, der den Menschenhandel einfädelt. Ein Krimi ist dieser „Tatort“ trotzdem nicht. tpg.

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