Tatort: Im Schmerz geboren

   Kinostart: 01.07.2014

Filmhandlung und Hintergrund

Mal große Oper, mal Western und immer wieder mit Shakespearschen Anklängen, dazu eine Prise Tarantino - der neue Murot-"Tatort" lässt es krachen.

Bilderstrecke starten(16 Bilder)
Alle Bilder und Videos zu Tatort: Im Schmerz geboren

Darsteller und Crew

Videos und Bilder

Kritiken und Bewertungen

5,0
2 Bewertungen
5Sterne
 
(2)
4Sterne
 
(0)
3Sterne
 
(0)
2Sterne
 
(0)
1Stern
 
(0)

Wie bewertest du den Film?

Kritikerrezensionen

  • Tatort: Im Schmerz geboren: Mal große Oper, mal Western und immer wieder mit Shakespearschen Anklängen, dazu eine Prise Tarantino - der neue Murot-"Tatort" lässt es krachen.

    Im auf dem Filmfest München und mit dem Medienkulturpreis von Ludwigshafen ausgezeichneten Krimi ermittelt Murot gegen einen Ex-Freund und -Kollegen.

    „Leichen pflastern seinen Weg“ - wie Sergio Corbuccis Italowestern-Klassiker könnte dieser „Tatort“ von Florian Schwarz auch gut heißen, bei dem es final geschätzt vierzig Tote zu beklagen gibt und einer der Verblichenen selbst noch nach seinem Ableben die Geschehnisse in direkter Anrede an die Zuschauer kommentieren darf. Sehr gewagt, innovativ und überaus wirkungsvoll! Mit den Highlights der ARD-Flagschiffserie, siehe etwa „Manila“ oder „Frau Bu lacht“, kann es „Im Schmerz geboren“ spielend aufnehmen, wobei Vergleiche eigentlich nicht zulässig sind - so einzigartig ist diese Episode des Hessischen Rundfunks.

    Konventionen werden hier radikal gesprengt, keine Blödeleien wie zwischen Boerne und Thiel, kein ewiges Rekapitulieren der Geschehnisse wie bei Odenthal und Kopper und schon gar kein knatterndes Moped wie beim Saarbrücker Neo-Ermittler. Dem Kino und der Shakespeareschen Tragödie ist dieser beinharte Kriminalfilm verpflichtet, der ganz museal beginnt. Zwei Gemälde, die an einer feuerrot gestrichenen Wand hängen, sind zunächst zu sehen. Eine pastorale Urwaldidylle - Bolivien 1982 verrät die Schrifteinblendung - links, ein „Familienfoto“ rechts. Was zwischen diesen beiden Bildern passiert, wird in den nächsten knapp 90 Minuten furios erzählt, untermalt mit einem hoch dramatischen Klassikscore des hr-Sinfonieorchesters.

    Dann ist Alexander Held zu sehen, gleichzeitig der theatersinnige kriminelle Strippenzieher Bosco, „Zeremonienmeister“ und Off-Kommentator. Alles was in der Folge passiert ist, so weiß er, nur „Illusion“ und „nicht real“. Gleich darauf gibt’s die ersten drei Toten zu beklagen - seine Söhne, alle benannt nach „Hamlet“-Figuren. Drei Kugeln, drei Treffer. Bei jedem Schuss friert das Bild farbverfremdet ein - rot, gelb, blau… unbedingter, selbstbewusster Stilwille. Mit unbewegter Miene sieht ein Mann dem Morden auf dem verschlafenen Bahnsteig zu: Richard Harloff (teuflisch gut: Ulrich Matthes), Wiedergänger Frank Millers aus „Zwölf Uhr Mittags“. Rache will er nehmen - an seinem ehemaligen Freund, dem LKA-Mann Felix Murot (Ulrich Tukur).

    Eine „Jules et Jim“-Liaison unterhielten die beiden einst mit der verführerischen Marielle, die bei der Geburt ihres Sohnes David gestorben ist. Dafür macht Harloff Murot verantwortlich, dafür soll er büßen. „Weibern und dem Spiel zuliebe, werden manche Männer Diebe“ räsoniert der Ermittler, „Chaos dreht das Rad des Hades“ deklamiert Bosco, während der am Stendhal-Syndrom leidende Harloff Fritz Langs „Dr. Mabuse“ gleich seinen Racheplan in die Tat umsetzt. Lustvoll zitiert der Regisseur die Filmgeschichte, frönt dem Grand Guignol, baut frech eine Kreisblende à la Chaplin ein und lässt sein Drama in einem Blutbad gipfeln, das er mittels Comic-Panelen in Szene setzt. „Tatort“ mal ganz anders - und hoffentlich auch wegweisend. geh.

Kommentare

  1. Startseite
  2. Alle Filme
  3. Tatort: Im Schmerz geboren