Tatort: Erntedank e.V.

  1. Ø 0
   2007
Tatort: Erntedank e.V. Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Damit sie und ihr Baby viel frische Luft abbekommen, wird Charlotte Lindholm von Mitbewohner Martin in eine Kleingartensiedlung geschleppt. Die Gärtnergemeinschaft ist ihr prompt suspekt. Als sich ein gefundener Knochen als menschlich entpuppt, ist das Jagdfieber der LKA-Ermittlerin geweckt. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion buddelt sie ein komplettes Skelett mit Loch im Schädel aus; jetzt hat sie ihren Fall.

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Kritikerrezensionen

  • Charlotte Lindholm hat es geahnt. Ausgerechnet in eine Siedlung von Kleingärten schleppt Mitbewohner Martin Felser die Kriminalhauptkommissarin im Mutterschutz. „Brutstätte übler Nachrede“ ist noch das Beste, was sich aus Lindholms Sicht über das Gartenzwergparadies sagen lässt. Prompt gibt es zur Begrüßung bereits den ersten Toten. Der Mann ist zwar beim Heckenschneiden einem ganz normalen Herzinfarkt erlegen, aber trotzdem hat die LKA-Beamtin das Gefühl: Irgendwas stimmt hier nicht.

    Angelina Maccarone (Buch und Regie) hat sich mit ihrem letzten „Tatort“ aus Niedersachsen ganz schön in die Nesseln gesetzt: Der Inzestfall „Wem Ehre gebührt“ hat eine muslimische Minderheit auf die Barrikaden gehen lassen, weil man sich verunglimpft fühlte. Dank „Erntedank e.V.“ wird es sich Maccarone nun auch mit den Kleingärtnern verscherzen: Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) fühlt sich durch die verschworene Gemeinschaft nicht zu Unrecht an die Horrorfilmnachbarinnen aus Roman Polanskis Gruselsatire „Rosemary’s Baby“ erinnert. Ein Ehepaar, dass das Treiben in der Anlage besonders aufmerksam beobachtet, gilt als „Garten-Gestapo“. Kurze Einschübe verdeutlichen, dass auch mit den anderen Mitgliedern dieser Gemeinschaft aller vorgeblichen Freundlichkeit zum Trotz nicht gut Kirschen essen ist: Brutal wird ein (allerdings sichtbar unechter) Maulwurf geplättet, und mit hässlichem Knirschen zertritt eine Frau eine Handvoll Schecken, die sie zuvor in einer Plastiktüte gesammelt hat. All das aber ist nicht strafbar, und so bliebe Charlotte Lindholm nichts als ein instinktiver Widerwille, würde sich ein gefundener Knochen nicht als menschlich entpuppen. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion buddelt sie ein komplettes Skelett mit Loch im Schädel aus; jetzt hat sie ihren Fall. Allerdings haben ihre Ermittlungen einen weiteren grausigen Mord zur Folge.

    Dank der mitunter fast parodistisch anmutenden Drehbuchideen funktioniert „Erntedank e.V.“ ähnlich wie die ARD-Serie „Mord mit Aussicht“: Die Kommissarin dreht in einer vermeintlich heilen Welt so lange jeden Stein um, bis sie tatsächlich fündig wird. Gerade die Dialoge, aber auch die Konstellation der Figuren unterstreichen den komödiantischen Charakter dieses Krimis; selbst wenn Maccarone bei den Schrebergärtnern gar nicht übertreiben musste, um sie satirisch zu überhöhen. Eine deutlich umfangreichere Rolle als sonst spielt Ingo Naujoks als Krimischriftsteller. Dessen größter Fan ist ausgerechnet Lindholms ungeliebte Kollegin (Eva Löbau), die ihr bei diesem Fall zudem vor die Nase gesetzt wird. Noch hübscher ist der Einfall, der Kommissarin einen neuen Verbündeten zur Seite zu stellen: Der junge Gerichtsmediziner Edgar (David Rott) ist zwar eine eifrige Hilfe, aber bloß Praktikant; und außerdem auf der Stelle verknallt in die Ermittlerin.

    Dass dieser „Tatort“ kein gewöhnlicher Film ist, verdeutlicht schon die Ausstattung: Für einen Sonntagskrimi, in dem ansonsten die gedeckten Farben dominieren, ist „Erntedank e.V.“ rekordverdächtig bunt; selbst die tristen LKA-Büros leuchten in allen Farben. Am schönsten aber sind die übermütigen Details, wenn Maccarone harmlose Momente – eine Küchenschabe krabbelt auf das Baby zu – mit den Mitteln des Horrorfilms inszeniert. Ein höchst kurzweiliges Krimivergnügen, das übrigens auf einer Idee von Maria Furtwängler beruht. tpg.

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