Filmhandlung und Hintergrund

Auch der zweite Fall für das neue Frankfurter "Tatort"-Team lebt vom brillanten Zusammenspiel zwischen Król und Kuzendorf.

Im Nachtzug aus Warschau wird ein Toter gefunden. Der Mann war bis zu seiner unehrenhaften Entlassung Bundeswehrsanitäter und in Afghanistan an einem schwungvollen Rauschgifthandel beteiligt. Ebenfalls im Zug war sein früherer Komplize. Die Freundschaft der beiden ist nach einem Streit in erbitterte Feindschaft umgeschlagen. Als Conny Mey den Mann durchs Frankfurter Rotlichtviertel verfolgt, wird sie von zwei Militärpolizisten mit einem Elektroschocker aus dem Verkehr gezogen.

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Kritikerrezensionen

  • Tatort: Der Tote im Nachtzug: Auch der zweite Fall für das neue Frankfurter "Tatort"-Team lebt vom brillanten Zusammenspiel zwischen Król und Kuzendorf.

    Auch in ihrem zweiten Fall glänzen Joachim Król und Nina Kunzendorf als gegensätzliches Frankfurter Ermittlergespann Steier/Mey.

    Wenn zwei miteinander verfeindete Männer den selben Nachtzug benutzen und die Fahrt für einen von beiden die letzte Reise war, muss man nicht Sherlock Holmes sein, um den Fall zu lösen; erst recht nicht, wenn sich der Verdächtige noch vor der Ankunft des Zuges im Frankfurter Hauptbahnhof aus dem Staub macht.

    „Der Tote im Nachtzug“ ist der zweite Fall für das neue Frankfurter „Tatort“-Team Kunzendorf/Król, und erneut lebt der Film vor allem von seinen beiden wunderbar gegensätzlichen Hauptfiguren, zumal die Unterschiede hier noch vertieft werden. Frank Steier, ohnehin ein eher mürrischer Einzelgänger, zieht sich diesmal noch stärker zurück, weil er nach der lebensgefährlichen Verwundung gegen Ende des letzten Falls immer wieder Panikattacken erleidet. Joachim Król spitzt die kauzigen Eigenarten des Hauptkommissars, der in seinem Büro übernachtet und die Dämonen gern mal mit zwei Flaschen Rotwein verjagt, noch stärker zu. Und Nina Kunzendorf ist immer noch eine Wucht: Conny Mey wirkt mit ihren Teenagerklamotten herrlich deplatziert. Geschickt macht sich Lars Kraume, der auch schon beim ersten Film für Buch und Regie verantwortlich war, die Eigenarten der Ermittler für die Geschichte zunutze.

    Mey und Steier finden raus, dass der Tote vor seiner unehrenhaften Entlassung als Sanitäter für die Bundeswehr gearbeitet hat und in Afghanistan an einem schwungvollen Handel beteiligt war: Penicillin gegen Opium. Der Verdächtige (Jevgenij Sitochin) aus dem Zug war sein Komplize, bis die Sache aufflog und aus Freunden Feinde wurden. Als Conny Mey den Mann durchs Frankfurter Rotlichtviertel verfolgt, wird sie durch einen Elektroschocker aus dem Verkehr gezogen. Die beiden Täter sind ausgerechnet Militärpolizisten, und weil Mey den gut gebauten Feldjäger Major Thomsen (Benno Fürmann in einer Stargastrolle) auf Anhieb äußerst reizvoll findet, lässt sie der Aufforderung, die beiden Behörden sollten sich austauschen, gleich mal Taten folgen. Dank der auf dem hautnahen Dienstweg gewonnen Informationen scheint der Fall erst recht klar zu sein. Bloß Steier ist wie besessen von einer ganz anderen Lösung.

    Die Geschichte ist zwar längst nicht so verzwickt, wie Kraume sie verpackt, aber das stört nicht weiter; es geht ohnehin vor allem um Król und Kunzendorf. Herrlich, wie Mey Steiers Bemühen um Distanz ignoriert und seine unsichtbaren Barrieren einfach über den Haufen rennt; wunderbar, wie Steier in der Schlüsselszene des Films, der Rekonstruktion des Mordes in der engen Schlafwagenkabine, seine Berührungsängste überwindet und sogar auf sympathisch ungelenke Weise mit der Kollegin flirtet. Aber solche Reibungseffekte zwischen neuen Figuren nutzen sich erfahrungsgemäß ab; der nächste Film muss vor allem durch seine Geschichte überzeugen. tpg.

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