Tatort: Borowski und der Himmel über Kiel

Filmhandlung und Hintergrund

Nach dem Mord an einem Drogensüchtigen müssen die Kieler Kommissare eine Zeugin beschützen...

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Kritikerrezensionen

  • Tatort: Borowski und der Himmel über Kiel: Nach dem Mord an einem Drogensüchtigen müssen die Kieler Kommissare eine Zeugin beschützen...

    Christian Schwochows „Tatort“ aus Kiel ist ein düsterer Anti-Drogen-Krimi und ein Beispiel für bestes Fernsehhandwerk.

    Der Krimi beginnt wie ein Horrorfilm: Ein Mann wird in einen Wald gezerrt und enthauptet. Auch mit der Ankunft der Mordkommission ändert sich die Stimmung nicht, im Gegenteil: Die Dörfler wirken wie Gestalten aus jenen Filmen, in denen zurückgebliebene Hinterwäldler zu unvorstellbar grausamen Taten fähig sind. Dieser erste Eindruck ist zwar nicht völlig falsch, weil die Menschen tatsächlich was zu verbergen haben; aber Mörder sind sie nicht. Für ein wenig Abwechslung sorgt in diesen Anfangsminuten allein Hauptkommissar Borowski (Axel Milberg), der seine Kollegin (Sibel Kekilli) mit einer Imitation des Balzgeräusches der Saatkrähe erheitert. Später wird er mit seinem Chef die gruseligen Details des Mordes besprechen, während die beiden genüsslich ein Hühnchen mit Estragon aus dem Römertopf vertilgen. Allein wegen solcher Einfälle sind die „Tatort“-Beiträge aus Kiel immer wieder sehenswert, aber Rolf Basedow will eigentlich eine ganz andere Geschichte erzählen. Deshalb wandelt sich der Krimi im Mitteldrittel komplett und stellt sich ganz in den Dienst der Botschaft „Keine Macht den Drogen“. Hauptdarstellerin dieser langen Passage ist eine junge Frau, die zur wichtigsten Zeugin für Borowski wird: Rita war Junkie und die Freundin des Toten. In Rückblenden schildert der Film die Ekstase ihrer ersten Begegnungen mit Crystal Meth. Die Szenen wirken fast wie eine Verherrlichung der Droge, aber dann folgt der gnadenlose Absturz ins Bodenlose. Ihre große Kraft verdankt diese lange Sequenz Elisa Schlott. Die zwanzigjährige Schauspielerin hat zwar bereits einige Kameraerfahrung, spielt hier jedoch ihre erste wichtige Hauptrolle und macht das derart famos, dass man durchaus von einem Durchbruch sprechen kann. Dass die Auflösung der Krimiebene am Ende ein bisschen konstruiert wirkt, lässt sich angesichts der großen Qualität des restlichen Films verschmerzen. Dank des großartigen Axel Milberg ist der „Tatort“ aus Kiel ohnehin unkaputtbar. Davon abgesehen ist „Borowski und der Himmel über Kiel“ allein schon wegen der winterlich düsteren Bildgestaltung (Frank Lamm) bestes Fernsehhandwerk. Die Bilder verbreiten einige Male profundes Unbehagen. Den Rest besorgt die mit ihrer Kombination aus Musik (Daniel Sus) und Geräuschen ausgesprochen sorgfältig gestaltete Tonspur, und das nicht nur, weil einige Schnitte den Puls hochtreiben. tpg.

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