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Tatort: Borowski und das Haus am Meer

  

Filmhandlung und Hintergrund

Gemessen an seiner Kubrick-Hommage „HAL“ ist Niki Steins erste Arbeit für den „Tatort“ aus Kiel ein klassischer Krimi für den Kopf, der von einem Drama rund um eine protestantische Pfarrersfamilie handelt. Vom Ende her betrachtet sind die meisten Krimigeschichten ganz simpel, weil Tat, Täter und Motiv ein schlüssiges Gesamtbild ergeben. Die Kunst besteht also darin, die Handlung so zu gestalten, dass sie möglichst...

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Gemessen an seiner Kubrick-Hommage „HAL“ ist Niki Steins erste Arbeit für den „Tatort“ aus Kiel ein klassischer Krimi für den Kopf, der von einem Drama rund um eine protestantische Pfarrersfamilie handelt.

    Vom Ende her betrachtet sind die meisten Krimigeschichten ganz simpel, weil Tat, Täter und Motiv ein schlüssiges Gesamtbild ergeben. Die Kunst besteht also darin, die Handlung so zu gestalten, dass sie möglichst lange rätselhaft bleibt. Eine beliebte Methode, diese Verpackung besonders kunstvoll wirken zu lassen, sind Zeitsprünge, die oft schon deshalb für Verwirrung sorgen, weil die unterschiedlichen zeitlichen Ebenen erst mal sortiert werden müssen. „Borowski und das Haus am Meer“ wäre jedoch auch ohne diesen Kunstgriff ein interessanter Krimi, weil es Niki Stein (Buch und Regie) nicht allein um die übliche Aufklärung eines Mordes geht. Aus Sicht des Kieler Hauptkommissars Borowski (Axel Milberg) und seiner jungen Kollegin Mila Sahin (Almila Bagriacik) beginnt die Geschichte, als mitten in der Nacht auf einer Landstraße ein kleiner Junge vor ihr Auto läuft. Das Kind erzählt von einem Hund, der seinen Opa angefallen, und einem Indianer, der das Tier „totgemacht“ habe. Borowski kann allerdings weder den einen noch den anderen entdecken; auch keinen Hund. Am nächsten Tag wird der Großvater tot am Strand gefunden. Der alte Mann litt an Alzheimer, doch er ist keines natürlichen Todes gestorben, sondern ertränkt worden.

    Niki Stein hat eine Vielzahl vorzüglicher Fernsehfilme gedreht, allen voran das Scientology-Drama „Bis nichts mehr bleibt“ (2010). Einige seiner besten Arbeiten sind für den „Tatort“ entstanden, darunter vor allem die trilogische Einführung des Frankfurter Duos Sänger/Dellwo (Andrea Sawatzki, Jörg Schüttauf, 2002/03). Sein ungewöhnlichster Beitrag für die Reihe war die Kubrick-Hommage „HAL“ (Stuttgart, 2016). Gemessen daran ist „Borowski und das Haus am Meer“, Steins erste Arbeit für den „Tatort“ aus Kiel, eine eher klassische Krimigeschichte, die von einem Drama rund um eine protestantische Pfarrersfamilie handelt.

    Interessanter als die triste Gegenwart ist zudem die Vergangenheit, denn der nunmehr tote Großvater, Heinrich Flemming (Reiner Schöne), hat einst seine schwangere Frau verlassen, um mit einer Geliebten in Dänemark eine reformpädagogische Schule zu gründen. Die Kinder sollten dort in völliger Freiheit aufwachsen; der Verzicht auf Grenzen galt auch für die Entdeckung der Sexualität. Als Heinrich an Alzheimer erkrankt ist, hat ihn sein Sohn Johann (Martin Lindow) im Pfarrhaus aufgenommen, aber das Zusammenleben ist geprägt von gegenseitigen Spannungen, die immer wieder offen ausbrechen, zumal der alte Mann zeitlebens mit seinen eigenen Wurzeln gehadert hat. Die Befragung der Dänin (Jannie Faurschou), die den offenbar regelmäßig in seinem Zimmer eingesperrten Heinrich gemäß der Devise „Etwas Besseres als den Tod findest du überall“ befreien wollte, kristallisiert sich schließlich als Rahmenhandlung der Geschichte heraus. Natürlich spielt auch der Enkel eine Schlüsselrolle, selbst wenn eine Psychologin überzeugt ist, dass sich der kleine Simon den „Indianer“ als imaginären Beschützer ausgedacht hat, um die Erlebnisse in der Nacht verarbeiten zu können - bis der Mann tatsächlich auftaucht. Selbstverständlich findet sich auch die Lösung des Rätsels in der Vergangenheit.

    Teile der „Tatort“-Gemeinde werden womöglich enttäuscht sein, weil sich „Borowski und das Haus am Meer“ den herkömmlichen Erwartungen verweigert; der Film ist eher ein Krimi für den Kopf. Dafür ist es Stein und seinen langjährigen Weggefährten Arthur W. Ahrweiler (Bildgestaltung) und Jacki Engelken (Musik) umso besser gelungen, den Szenen im Pfarrhaus mit Hilfe von Lichtsetzung und Untermalung mit ungefälliger Musik eine äußerst unbehagliche Atmosphäre zu verleihen; dass hier etwas gewaltig im Argen liegt, muss gar nicht mehr ausgesprochen werden. tpg.

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