Filmhandlung und Hintergrund

Was soll man sagen: „So was kann sich bloß eine Frau ausdenken“? Aber vermutlich ist das bereits sexistisch. Entscheidender ist ohnehin die Originalität des Einfalls, selbst wenn er nicht zuletzt eine gewisse Verzweiflung verdeutlicht: Der Krimi ist mit Abstand das Lieblingsgenre der deutschen Fernsehzuschauer; entsprechend schwer ist es, ungewöhnlich Geschichten zu erfinden. Henriette Piper ist das ohne Frage zumindest...

Eine Mitarbeiterin der Frankfurter Mittagstafel ist an Zyankali gestorben. Vorsichtshalber konfisziert die Polizei alle ausgelieferten Lebensmittel, bis sie die Tatwaffe entdeckt: ein vergifteter Tampon. Der Verdacht fällt auf den Ex-Mann der Toten, der sie jahrelang misshandelt hat: Er besitzt einen Wohnungsschlüssel und arbeitet außerdem mit dem Gift. Doch dann stellt sich raus, dass die Frau ein Zufallsopfer war: Der Tampon war geliehen.

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Kritikerrezensionen

  • Was soll man sagen: „So was kann sich bloß eine Frau ausdenken“? Aber vermutlich ist das bereits sexistisch. Entscheidender ist ohnehin die Originalität des Einfalls, selbst wenn er nicht zuletzt eine gewisse Verzweiflung verdeutlicht: Der Krimi ist mit Abstand das Lieblingsgenre der deutschen Fernsehzuschauer; entsprechend schwer ist es, ungewöhnlich Geschichten zu erfinden.

    Henriette Piper ist das ohne Frage zumindest im Ansatz gelungen: In ihrem „Tatort“ mit dem etwas rätselhaften Titel „Bevor es dunkel wird“ stirbt eine Frau an Zyankali. Die Gerichtsmedizinerin kann allerdings keinerlei Hinweise auf Lebensmittelvergiftung feststellen. Da hat Charlotte Sänger (Andrea Sawatzki) die entscheidende Ahnung: Es gibt schließlich noch andere Körperöffnungen. Und in der Tat: Tatwaffe war ein Tampon. Gemeinerweise lässt Piper eine ihrer Figuren prompt feststellen, ein derart perfider symbolischer Akt könne auch nur einem Mann einfallen. Dabei weiß doch jeder, dass es stets Frauen sind, die mit Gift morden; jedenfalls im Fernsehen.

    Zum Glück hat das von Martin Enlen (zuletzt „Der Tote am Strand“, ZDF) mit Blick fürs Detail und ansonsten sehr konzentriert umgesetzte Drehbuch noch mehr zu bieten als bloß das ausgefallene Tötungsdelikt. Wie schon zuletzt das Sozialdrama „Unter uns“ führt auch dieser „Tatort“ die Mitarbeiter der Frankfurter Mordkommission in die Welt von Hartz IV: Weil die Tote bei einer Mittagstafel arbeitete, einer Einrichtung für Bedürftige, muss die Polizei vorsichtshalber sämtliche ausgelieferten Lebensmittel konfiszieren. Als feststeht, dass der Anschlag wohl nicht der Tafel galt, scheint der Fall im Nu geklärt: Die tote Frau ist jahrelang von ihrem Mann misshandelt worden. Das Paar hat sich zwar längst getrennt, doch die Indizienkette ist überzeugend: Der Ex hat noch einen Wohnungsschlüssel, in seinem Betrieb Zugang zu Zyankali und arbeitet außerdem an einem „Tampongalvanisierer“.

    Ein Fall wie gemalt also, aber natürlich kommt alles ganz anders, als sich rausstellt, dass sich die Tote den Tampon nur geliehen hat und dem Mordversuch daher bloß zufällig zum Opfer gefallen ist. Dennoch ist „Bevor es dunkel wird“ trotz einer durchaus interessanten Krimihandlung nur guter „Tatort“-Durchschnitt. Die Frankfurter Geschichten haben längst nicht mehr die Intensität der Auftakttrilogie von Niki Stein, der das Potenzial der Figuren auch ungleich stärker zu nutzen wusste; selbst wenn Sänger noch blasser und rothaariger ist und ihr Blick daher noch sezierender wirkt als sonst. tpg.

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