Tage und Wolken

  1. Ø 3
   2007
Tage und Wolken Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Tage und Wolken: Drama das ein Ehepaar während ihres sozialen Abstiegs begleitet.

Gerade feiert Elsa (Margherita Buy) ihre Promotion in Kunstgeschichte und plant den nächsten Urlaub. Da teilt ihr der Gatte Michele (Antonio Albanese) mit, dass er seinen Job als Geschäftsführer verloren hat. Eine Segeljacht, die teure Immobilie und weiterer lieb gewonnener Luxus werden unhaltbar. Zwar ist die 20-jährige Tochter Alice (Alba Rohrwacher) bereits flügge, doch vor allem Michele resigniert ob des Sozialabstiegs. Nur Elsa ergreift die Initiative.

Silvio Soldini

Michele und Elsa führen ein gutbürgerliches Leben und haben es sich in der gehobenen italienischen Mittelschicht gemütlich gemacht. Doch dann verliert Michele seine Stellung als Geschäftsführer. Folglich müssen die Wohnung und die Segelyacht verkauft, das luxuriöse Dasein umgestellt werden. Gemeinsam zieht das Ehepaar in eine Hochhaussiedlung und versucht sich mit Nebenjobs über Wasser zu halten. Doch nicht nur der soziale Status, auch die Ehe beginnt unter der Belastung zu bröckeln.

Darsteller und Crew

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Kritikerrezensionen

  • Ein Ehepaar, im sozialen Abstieg begriffen, versucht, wieder auf die Beine zu kommen und kämpft um seine Würde ebenso wie um den Erhalt der Liebe: das Drama hat Regisseur Silvio Soldini („Brot und Tulpen“) leicht und immer wieder witzig inszeniert, nicht als Geschichte eines Sturzes ins Elend, sondern als ein Weg, der zwar materielle Einschränkungen und Verlust von Freundschaften bedeutet, aber den Eheleuten Elsa und Michele auch einen ganz neuen Blick auf sich und den anderen eröffnet.

    Michele hat Elsa monatelang seine Arbeitslosigkeit verschwiegen. Und auch nach dem Geständnis will er zunächst dem Anschein nach weiter machen wie zuvor: zu groß ist sein Stolz, zu viel Angst hat er vor Gesichtsverlust, um sich auf die neue Realität des Lebens einzulassen. So ist es die Frau, die die Zukunft in die Hand nehmen muss. Elsa organisiert, sucht sich einen Minijob, packt an, ganz pragmatisch – während Michele dröge bleibt und den Frust an der Tochter auslässt, deren Freund er ganz und gar nicht leiden kann.

    Die Rollen sind klar verteilt – aber sie sind differenziert ausgestaltet, ohne Klischee, ohne Verurteilung, ohne Schuldzuweisung. Michele kann einfach nicht aus seiner Haut, er hat durchaus Prinzipien, an denen er festhält – deshalb wurde er auch von seinen Teilhabern aus der gemeinsamen Firma ausgebootet. Er will sich nicht unter Wert verkaufen, er will nicht die Demütigung über sich ergehen lassen, jemanden um Geld zu bitten. Doch er ist zugleich ein Klotz am Bein mit seinem wehmütigen Blick zurück, der das Zurechtfinden in einer weniger angenehmen Zukunft erschwert.

    Elsa übernimmt einen Job im Callcenter, arbeitet auch noch abends als Sekretärin, während Michele Vorstellungsgespräche sausen lässt, bei denen er ohnehin unterfordert wäre. Frust staut sich auf auf beiden Seiten, gegenseitiges Unverständnis – denn Elsa entwickelt praktisches Handlungsvermögen, patent stellt sie sich viel schneller auf die neue Situation ein. Indem Soldini die beiden verschiedenen Wege zweier Eheleute beschreibt, die mit unterschiedlicher Geschwindigkeit in der neuen Zukunft ankommen, feiert er die Tatkraft der Frau. Sie ist promovierte Kunsthistorikerin und restauriert ein Deckenfresko in einem alten Genueser Gebäude – auch unter Schmutz und Dreck und Schichten alten Gipses kann sie Schönheit finden.

    Ihr Mann wiederum beginnt erst langsam, aus dem Schneckenhaus zu kriechen: er renoviert in seiner Tagesfreizeit Wohnungen von Nachbarn, schließt gar neue Bekanntschaften. Hilft der Tochter und ihrem Freund bei der Buchhaltung im Restaurant. Er, der so unflexibel ist, öffnet sich im Stillen. Und auch wenn er sich von seiner Frau entfernt hat, wenn er sie oft unbeachtet lässt – allmählich erkennt sie auch seine Bewegung, und sie erkennt sie an.

    Fazit: Ein Drama, mit Leichtigkeit erzählt.
  • Sensibel inszeniertes Drama um ein gut situiertes Ehepaar, das durch die Arbeitslosigkeit des Mannes in eine emotionale Krise gerät.

    Der Absturz der Mittelschicht ist nicht nur gesellschaftlicher Fakt, sondern bei Silvio Soldini auch Thema eines an der Realität orientierten Films. Er skizziert sukzessive den Verlust von Selbstachtung und Selbstbewusstsein des Familienvaters, der seine traditionelle Rolle als Ernährer nicht mehr erfüllen kann. Elsa und Michele (Margherita Buy, Antonio Albanese) geht es wie so vielen. Ihr Leben scheint saturiert, die Altbauwohnung ist abgezahlt, die Tochter flügge, man lässt es sich gut gehen, reist viel. Elsa hat gerade in Kunstgeschichte promoviert und feiert den Erfolg mit einem rauschenden Fest. Sie restauriert ein Deckenfresco quasi ohne Bezahlung, kann sich dieses „Hobby“ leisten. Doch dann der Schock nach der Party: Michele hat seinen Job als Geschäftsführer verloren, die Wohnung und die Segelyacht müssen verkauft, das luxuriöse Dasein umgestellt werden. In der neuen Hochhaussiedlung kommt es zur Begegnung mit dem bis dato unbekannten Prekariat und zur schweren Krise zwischen den Eheleuten.

    Nicht ganz so gefühlvoll wie „Brot & Tulpen“, aber mit genauem Blick auf die Summe der Kleinigkeiten, die an den Grundfesten der Existenz rütteln, erzählt Soldini die Geschichte vom sozialen Abstieg, dem Auseinanderdriften des Freundeskreises und der mühsamen Aufrechthaltung einer Fassade, die nach und nach bröckelt. Es ist die Frau, die die Initiative übernimmt, tagsüber im Call-Center arbeitet und abends als Sekretärin, während der Mann nach einigen vergeblichen Versuchen, beruflich wieder Fuß zu fassen, als Vespa-Kurier und Billig-Renovierer von Wohnungen ein Standbein gewinnt, um dann doch in Apathie zu verfallen. Soldini macht keine wütende Abrechnung mit dem System oder reiht sich ein in die Liga diffuser Globalisierungsgegner, sondern zeichnet die persönlichen Folgen von Sozialstatus- und Jobverlust. Dabei beweist er Mut, gelingt ihm ein durchaus differenziertes Bild der italienischen Gesellschaft mit ihren Aus- und Abgrenzungen. Durch die Handkamera erhält die kammerspielartige Inszenierung einen fast dokumentarischen Look (ganz im Gegensatz zu Soldinis „Agata und der Sturm“) und unterstreicht den Wirklichkeitsbezug. Am Ende keine Tristesse, sondern der Wille zum Zusammenhalten in Zeiten der Unsicherheit. mk.

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