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Fakten und Hintergründe zum Film "Tage des Zorns"

Kino.de Redaktion |

Tage des Zorns Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Director`s Note

Bereits im Frühjahr 1943 wurde Citron Mitglied einer der ersten dänischen Widerstandsgruppen. Seinen Beinamen hatte er bekommen, weil er zuvor kurzzeitig in einer Fabrik von Citroën gearbeitet hatte, in der Autos für die deutschen Besatzer gebaut wurden. Diesen kippte er heimlich Zucker in den Tank oder entfernte entscheidende Teile des Motors. Letzten Endes steckte er die Fabrik sogar in Brand. Citron war ein sensibler, humorvoller Mensch, der von einer Arbeit an Theatern und Varietés träumte und sich zwischen Schauspielern und Bohemiens wohl fühlte. Er war ein sympathischer Kerl, doch unter der Oberfläche brodelte eine unterdrückte Wut über den Einmarsch der Deutschen und die Besatzung. Eine Wut, die ihn völlig aus der Fassung bringen konnte, manche fürchteten sich geradezu vor ihm. Bei Flame war es anders. Sein Zorn rührte nicht allein vom Einmarsch her. Er hatte eine verbissene anti-faschistische Haltung, verabscheute die ganze Idee des Nationalsozialismus.

Vor dem Einmarsch hatte er einige Zeit in Deutschland verbracht und dabei die nationalsozialistische Psychose der Deutschen aus nächster Nähe erlebt. Seine Familie war nicht allgemein gegen die Deutschen, sie bewunderte sogar die deutsche Kultur, Sympathien für den Nationalsozialismus hegte sie jedoch nicht. Flame war immer schon ein wilder Junge, der sich in seiner Kindheit auch von seinem Vater nicht bändigen ließ. Als er neun Jahre alt war, kam er mit seiner ersten Winchester nach Hause. Als junger Mann war er höflich und freundlich, redete nicht viel, aber man mochte ihn, wo immer er auftauchte. Er war ein glänzender Koch, ein Weinkenner und wusste alles über Etikette.

Und er traf immer das Ziel. Kurzzeitig diente er in der dänischen Flotte, wurde dort 1941 Schütze des Jahres. Während des Krieges entstanden richtiggehende Mythen über seine Treffsicherheit: Geschichten über deutsche Flugzeuge, die er mit dem Maschinengewehr heruntergeschossen haben soll; oder über Gruppen deutscher Gestapo-Angehöriger, die er mit einer Pistole vom Fahrrad aus erschossen hatte. Es gab unverkennbar Badarf an einem Helden. Unterstützt wurde der Mythos Flame dadurch, dass er so gut wie nie Angst zeigte. Als er in den inneren Kreis der Widerstandsgruppe von Holger Danske eintrat und als Sabotagewache eingeteilt wurde, muss er gegenüber den Fabrikwachen eine beeindruckende Autorität und Sicherheit vermittelt haben. Dieser freundliche, in sich gekehrte Junge. Das Nationale und das Anti-Faschistische. Zwei verschiedene ideologische Ansätze, die kennzeichnend für ganz Europa waren.

Die anti-faschistische Strömung hatte z.B. einige Jahre zuvor Tausende aus ganz Europa nach Spanien geführt, um gegen Franco zu kämpfen. Wenn man wie diese Menschen oder wie Flame und Citron den Faschisten oder den nationalsozialistischen Aggressoren den Krieg erklärte, dann geschah dies entweder aus der Motivation heraus, dass man sich nicht mit dem allgemein vorherrschenden Pragmatismus arrangieren wollte. Oder weil man sich nicht seiner Angst unterordnen wollte.

Der 23-jährige Flame und der 33-jährige Citron entschieden sich dafür, den Kampf aufzunehmen, um die Freiheit ihres Landes für spätere Generationen zu sichern. Sie haben frühzeitig eine klare Wahl getroffen. Viele werden sich sicherlich schon einmal selbst gefragt haben, was sie in einer vergleichbaren Situation tun würden. Das Richtige, das Heroische? Oder würden sie die Umstände akzeptieren, d.h. im Falle der Besatzung Dänemarks versuchen, die Idee des Nationalsozialismus zu verstehen und die Besatzungszeit als Möglichkeit zu sehen, den eigenen Profit daraus zu ziehen?

Der Krieg stellt uns vor eine schwierige Wahl. Egal, welche Entscheidung man trifft und wie weitreichend sie ist, man muss damit leben und später Rechenschaft darüber ablegen. Mein Film TAGE DES ZORNS handelt von den unterschiedlichen Haltungen, die man zum Krieg einnehmen kann. Von den Entscheidungen, die man dabei treffen kann. Primär zeigt er dabei natürlich die Wenigen, deren Entscheidungen und Handlungen etwas bewirkten. Mein Film erzählt, wie diese Leute lebten. Er erzählt vom Untergrundkrieg und davon, was es heißt, einem anderen Menschen das Leben zu nehmen. Und er erzählt davon, unsichtbare Grenzen zu überschreiten – und einen hohen Preis dafür zu zahlen.

(Ole Christian Madsen)

Über die Produktion

TAGE DES ZORNS verbindet einen actionreichen Genreplot mit einer brisanten politischen Botschaft. Der Widerstand gegen eine Besatzungsmacht und die Frage der angemessenen Mittel im politischen Kampf haben darüberhinaus eine große Aktualität: Der echte Flame und der echte Citron waren überzeugt, einen gerechten Kampf zu führen und auf der richtigen Seite zu stehen. Aber legitimierte das ihre kaltblütigen Morde? Oder waren die beiden schlicht Terroristen? Kann es im Krieg eine richtige Seite geben? Diese Fragen übersteigen den geographischen und historischen Kontext der Geschichte von TAGE DES ZORNS und sind heutzutage brisanter denn je.

Deshalb hat Regisseur Ole Christian Madsen TAGE DES ZORNS als hochmodernen Film von großer Wucht und Direktheit angelegt. Der zeitgenössische und genrehafte Ton der Geschichte erinnert dabei bewusst eher an die rohe Kraft der Gangsterfilme Scorseses, als an filmische Ausmalungen des 2. Weltkriegs der letzten Jahre.

TAGE DES ZORNS wirft nicht nur ein Licht auf ein insgesamt noch zu wenig beleuchtetes Kapitel deutscher und europäischer Geschichte, sondern der Film tut dies auf eine so ungewöhnliche Weise, dass man sich einer großen Aufmerksamkeit bei einem cineastisch und historisch interessierten Publikum in Deutschland sicher sein kann. Vor allem auch, weil die Geschichte der beiden Freunde einen universalen emotionalen Kern in sich trägt: Das tragische Drama zweier Killer, die als Helden gefeiert werden, aber an Sinn und moralischer Legitimität ihrer Taten zu zweifeln beginnen und daran zu Grunde gehen.

Für die Hauptrollen konnten mit Mads Mikkelsen und Thure Lindhardt zwei dänische Schauspieler gewonnen werden, die bereits international für Furore gesorgt haben. Komplettiert wird der Cast von zwei deutschen Darstellern, die ebenfalls nationale und internationale Erfolge zu verzeichnen haben: Hanns Zischler spielt den vermeintlichen Nazi Gilbert, der Flame in einen folgenreichen philosophischen Dialog über das Wesen des Krieges verwickelt. Und Christian Berkel spielt Flames teuflischen Gegenspieler, den Gestapo-Chef Hoffmann.

TAGE DES ZORNS erzählt im Gewand des Genre-Kinos eine emotionale und dramatische Parabel mit weitreichenden politischen Implikationen. Doch die tragische Geschichte von Flame und Citron, von ihrer Freundschaft, von ihrem Kampf, von ihrem Leben und ihrem Tod ist nicht ausgedacht, sondern wahr. Deshalb muss sie erzählt werden.

(Ralph Schwingel, Stefan Schubert und Björn Vosgerau)

Historie: Besetzung Dänemarks und Widerstand

Am 9. April 1940 wurde Dänemark von Deutschland besetzt. Mit einer Politik der Zusammenarbeit mit der Besatzungsmacht versuchte die dänische Regierung, ihre Souveränität weitestgehend zu erhalten.

Im Gegensatz zu anderen besetzten Ländern blieben das Staatsoberhaupt Dänemarks, König Christian X., die Regierung, Parlament, Verwaltung und sogar die Streitkräfte unangetastet und intakt. Als Gegenleistung für ihre sanfte Dänemark-Politik forderte die deutsche Besatzungsmacht, Frieden und Ordnung zu gewährleisten und Ansätze von Aufruhr und Widerstand niederzuschlagen.

Die Sympathien für die nationalsozialistische Weltanschauung und die Kriegsziele der Deutschen waren in Dänemark gering, dennoch stützte die große Mehrheit der Dänen die eigene Regierung im Bemühen um eine defensive Zusammenarbeit mit den deutschen Besatzern. Mit zunehmend negativem Kriegsverlauf für die Deutschen - Niederlagen in Stalingrad und El Alamein - stieg Ende 1942 die Zahl der Sabotageaktionen jedoch stark an.

Im Frühjahr 1943 fanden Parlamentswahlen statt, bei denen der dänische NSDAP-Ableger lediglich auf knapp 3% der Stimmen kam. Gleichzeitig wuchs der Eindruck, dass Deutschland den Krieg nicht gewinnen kann. Es kam zu zivilen Unruhen und Streiks, in deren Folge die deutsche Besatzungsmacht verlangte, den Ausnahmezustand zu erklären und die Todesstrafe einzuführen. Als die dänische Regierung dies ablehnte, wurde sie im August 1943 abgesetzt. Zu dieser Zeit hatte der Widerstandstandskampf schon fest Fuß gefasst.

Im Frühling 1943 begannen sich die ersten Widerstandsgruppen zu formieren. Die ersten waren die Holger Danske Gruppen, benannt nach einem dänischen Sagenheld. (Wie Friedrich Barbarossa und König Arthur ist Holger der dänischen Legende nach ein ,König im Berge’, der im Schloss von Kronborg wohnt und dort bis zu dem Tag schläft, an dem Dänemark höchste Gefahr droht. Zu jener Zeit werde er aufstehen und die Nation in die Freiheit führen.) Die Aktionen der Gruppe konzentrierten sich u.a. auf die Durchführung von Sabotageakten und die Ermordung von Personen, die der Kollaboration mit dem Naziregime bezichtigt wurden. Die Danske-Gruppen wurden rasch von der Gestapo aufgespürt - und genauso rasch entstanden neue, besser organisierte Gruppen.

Die kommunistische Gruppe BOPA (Borgerlige Partisaner - Bürgerliche Partisanen) z.B. begann, größere Sabotage-Aktionen durchzuführen, es gab den Studenternes Efterretningstjeneste (Nachrichtendienst der Studenten) und nicht zuletzt den Hærens Efterretningstjeneste (Nachrichtendienst des Heeres), der sich zwar loyal gegenüber der Kooperations-Politik der Regierung verhalten musste, gleichzeitig aber im Widerstand aktiv war.

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