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Tabu - Es ist die Seele ... ein Fremdes auf Erden

   Kinostart: 31.05.2012
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Filmhandlung und Hintergrund

Schön gefilmtes, poetisches Drama um die leidenschaftliche-obsessive Beziehung der Geschwister Trakl, das auch den Texten und der Musik der beiden Rechnung trägt.

Als Georg Trakl 1910 damit kämpft, dichterisch kreativ zu werden und sich erfolglos als Pharmazie-Student versucht, folgt ihm seine vier Jahre jüngere Schwester Grete nach Wien. Vorgeblich, um an der Meisterklasse von Professor Brückner zu lernen, tatsächlich aber, um das seit der Kindheit enge Verhältnis zu Georg um einige inzestuöse Details zu erweitern. Was die verbotene Liebe beim aufstrebenden expressionistischen Dichter nicht ruiniert, erledigt seine Drogensucht. Schließlich zwingt Georg Grete in eine bürgerliche Ehe mit Brückner.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Im Mittelpunkt des kreativen Schaffens von Georg Trakl steht die enge Bindung zu seiner Schwester. Wie eng diese Bindung war oder ob die Geschwister bis zum Äußersten gegangen sind, ist historisch nicht belegt. In "Tabu - Es ist die Seele ein Fremdes auf Erden" wird also in erster Linie über eine solche Beziehung der beiden spekuliert. Warum auch nicht? Schließlich handelt es sich ja um einen fiktiven dramatischen Film und nicht um eine Dokumentation über einer der berühmtesten Expressionisten. Seltsam ist allerdings, dass es dem Produzenten nach eigener Aussage um einen Film über eine leidenschaftliche, aber unmögliche Liebe ging. Dass es sich dabei um den Dichter Georg Trakl und seine Schwester handelt, sei dabei zweitrangig. Da stellt sich aber schon die Frage, warum es sich bei den Protagonisten dann nicht um zwei vollkommen fiktive Figuren handelt.

      Trakl hin oder her, der Film von Regisseur Christoph Stark ist und bleibt nicht sehenswert. Das liegt nicht grundsätzlich am Thema der verbotenen Geschwisterliebe und erst recht nicht an dem Spekulationspotential über eine eventuelle leidenschaftliche Beziehung zwischen Georg Trakl und seiner Schwester Grete. Die Macher von "Tabu - Es ist die Seele ein Fremdes auf Erden" - allen voran Drehbuchautorin Ursula Mauder machen einfach nichts aus dieser Geschichte. Seltsamerweise sind auch die Hauptdarsteller keine große Hilfe. Schwer zu sagen, wo die grauenhaft gestelzten Dialoge aufhören und das Unvermögen, diese glaubhaft zu machen anfängt. Ja, wir befinden uns in einer anderen Zeit und ja, damals hat man anders gesprochen, das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass die Dialoge nicht echt sind, sondern aufgesagt wirken.

      Charakterdarsteller Lars Eidinger ist hier zur Abwechslung mal nicht als schlaksiger Unentschlossener zu sehen, sondern als ständig schwitzender, aufgedunsener Unsympath - wirklich glaubhaft eigentlich nur dann, wenn Trakls Verse zitiert werden. Die Neuentdeckung Peri Baumeister macht ihre Sache den Umständen entsprechend eigentlich gar nicht so schlecht. Die Einführung von Grete Trakl als junge, moderne zielstrebige Frau mit offenem, wehendem Haar funktioniert sogar. Allerdings ist Grete nicht minder unsympathisch. Das führt natürlich unweigerlich dazu, dass man als Zuschauer vor einem Dilemma steht: Wenn keiner der beiden Protagonisten sympathisch ist, geschweige denn als Identifikationsfigur dient, wie soll man dann mit den beiden mitfühlen oder gar mitleiden? Richtig, es funktioniert nicht. Es ist uninteressant, ob sich diese vermeintlich leidenschaftliche Liebe auf Dauer erfüllen lässt, obwohl sie eigentlich nicht sein darf. Vermeintlich deshalb, weil Eidinger und Baumeister nicht in der Lage sind, zu transportieren, dass es sich bei ihren Figuren um Seelenverwandte handelt, die sich - obwohl sie es nicht dürften - auf das Heftigste zu einander hingezogen fühlen. Blöd nur, dass das Drama doch eigentlich genau davon handelt.

      Wirklich sehenswert sind nur die Kostüme von Peri Baumeister. Die Kleider sind nicht nur wunderschön, sie passen auch exakt zu der Figur Grete Trakl. Kostümbildnerin Birgit Hutter versteht offensichtlich etwas von ihrem Beruf.

      Fazit: Das einzig Sehenswerte an "Tabu - Es ist die Seele ein Fremdes auf Erden" sind die Kostüme von Grete Trakl. Auf alles andere kann man getrost verzichten.
    2. Tabu - Es ist die Seele ... ein Fremdes auf Erden: Schön gefilmtes, poetisches Drama um die leidenschaftliche-obsessive Beziehung der Geschwister Trakl, das auch den Texten und der Musik der beiden Rechnung trägt.

      Hassliebesdrama um das inzestuöse Verhältnis des Expressionisten Georg Trakl zu seiner Schwester in Wien vor dem Ersten Weltkrieg.

      Fernsehregisseur Christoph Stark, der schon mit seinem Kinodebüt „Julietta“ eine provokante Beziehung schilderte, legt eine fabelhaft gespielte Moritat von Blutschuld, Seelenpein und Passion über den Salzburger Lyriker Trakl vor. Im Fokus liegt nicht das Biografische - auch wenn „Tabu“ allen Vorstellungen von Genie und Wahn entspricht - sondern die, historisch keinesfalls belegte und aus Trakls Gedichten bestenfalls erahnbare, selbstzerstörerische Inzest-Liebe. Ein mit zahlreichen künstlerischen Freiheiten gespicktes Kostümdrama, das, mal unorthodox, mal konventionell, Lebenswelt und Kunst verzahnt. Die Rezitation von Trakls tiefsinnig-depressiver Dichtung verleiht überdies eine ganz besondere Wucht und verdichtet die Emotionen.

      Sie denkt nur an ihn, er nur an seine Gedichte: Aus dem bürgerlichen Elternhaus folgt Georgs vier Jahre jüngere Schwester Grete ihm nach Wien, beider Leidenschaften befinden sich fortan im Schleudergang - das steht mitunter kurz vor der Soap und ist nicht immer involvierend. Aber die beiden Mimen meistern ihre schwierigen Rollen mit Bravour: Zum einen der Berliner Theaterstar Lars Eidinger („Alle anderen“), der wie ein junger Sepp Bierbichler mürrisch-störrisch die zerrissene Künstlerseele freilegt. Vor allem aber Muriels Schwester Peri Baumeister, bislang am Theater engagiert, deren erotisch-intensive Darbietung zwischen Ellen Paige und Beatrice Dalle ihr völlig zu Recht den Max Ophüls Preis 2012 einbrachte. Baumeister ist eine echte Neuentdeckung, die Eidinger fast die Show stiehlt.

      Und das, obwohl es keinen wirklichen Sympathieträger gibt in einem Film, der das Zerstörungspotenzial der Begierde erforscht, bisweilen orgiastisch mit viel Sex, Drogen und Gewaltausbrüchen. Es ist die Hingabe, die für das überaus fleischliche Charakterporträt zweier schwieriger Menschen einnimmt, deren Beziehung sie vergiftet wie eine Droge: Ein Pendeln zwischen Exzess und Entzug - mit allen, meist negativen, Konsequenzen. Das übersetzt Christoph Stark oft gekonnt in Bilder, die immer nahe an den Figuren bleiben und einen Hauch des Free Cinema verströmen, meist in Innenräumen spielend und optisch historisiert durch ein dunkles Farbspektrum. In geringerem Maße gerinnt daraus auch ein kammermusikalisch verziertes Sittenbild, auch wenn im Zentrum deutlich das Leiden steht, das die Kunst gebiert. Die Frage, wie man seinen Frieden mit der Welt schließen kann, wenn man das Leben mehr fürchtet als den Tod, beantwortet zumindest die Geschichte. tk.
    3. „Wertvoll”

        Ihre Liebe war grenzenlos, leidenschaftlich und doch verboten. Den expressionistischen Dichter Georg Trakl und seine Schwester Grete verband eine inzestuöse Beziehung, der beide versuchten zu entkommen. Doch ohne Erfolg. Ohne einander konnten sie nicht sein und miteinander rissen sie sich gegenseitig in ein obsessives Verderben, welches mit dem Selbstmord der Geschwister endete. Der Filmemacher Christoph Stark hat sich der selbstzerstörerischen Liebesgeschichte der Trakls gewidmet und zeigt, ganz in der Tradition klassischer Künstlerfilme, die Sehnsucht und die Qual in starken und perfekt komponierten Bildern. Durch die reduzierte Ausstattung und eine ganz eigene Farbdramaturgie entsteht eine theaterhafte und kammerspielartige Atmosphäre. Lars Eidinger und Peri Baumeister liefern ein eindringliches Spiel und lassen die historischen Figuren auferstehen. Die Kamera ist dicht am Geschehen, doch die Erzählung ist ruhig, fast träumerisch. Eine würdige filmische Hommage an einen großen Künstler und eine tragische Liebe.

        Jurybegründung:

        Ein außergewöhnlicher Titel, ein ungewöhnlicher Film, ein Thema, das in diesen Tagen wieder Aktualität erlangt durch ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs: Geschwisterliebe, Sexualität zwischen Bruder und Schwester. Die Geschwister Georg und Grete Trakl umgibt dieses Gerücht, es ist nirgends biografisch bestätigt, doch der Film macht es zum Inhalt. Die tragische Geschichte von Grete und Georg wird zum Mittelpunkt des Kammerspiels. Die schwüle Atmosphäre der Salons im anbrechenden 20. Jahrhundert, die großbürgerliche Attitüde wird in jeder Szene deutlich. Der Regisseur verlegt das Geschehen vor allem dorthin, nur wenige Szenen in der Natur sind zu sehen. Auch diese vermeiden es, den Horizont zu zeigen, für diese Beiden gibt es keine Hoffnung.

        Großartig die Besetzung der Rollen, Lars Eidinger und Peri Baumeister verkörpern glaubwürdig die tragische Verstrickung von Leidenschaft und Begehren, die durch ihre Tabuverletzung um so zwingender wird. Jeder Versuch, die Situation zu klären, misslingt und treibt den jeweils anderen noch weiter in die Hoffnungslosigkeit. Die Gefühle und Befindlichkeiten spiegeln sich in Ausstattung und Milieu. Gleichzeitig lässt das den Film künstlich wirken, schafft Distanz, die theatralisch wirkt. Die Gedichtzitate aus Georg Trakls Werk tragen noch dazu bei.

        Bei aller künstlerischen Qualität der Inszenierung, der Darstellung, der Ausstattung zeigt der Film Substanz und wird damit Cineasten erreichen.

        Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

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