Swans

Kinostart: 14.07.2011
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Filmhandlung und Hintergrund

Minimalistisches Arthouse-Drama um Pubertät und Tod, bei dem Berlin als trostloser Nicht-Ort für eine bedrückende Atmosphäre sorgt.

Nach einer riskanten Chemotherapie liegt Petra im Wachkoma. Ihr Exmann Tarso reist aus Lissabon nach Berlin, um sie auf der Intensivstation zu besuchen und auf ein Wunder zu hoffen. Mit dabei ist sein halbwüchsiger Sohn Manuel, der seine Mutter zuletzt mit drei Jahren sah. Ihn lässt ihr Schicksal nur vorgeblich ungerührt. Während der langen Zeit des Wartens erkundet er die Berliner Skater-Szene und findet über Petras Mitbewohnerin Kim, die ein Hermaphrodit ist, einen bizarren Weg, sich seiner Erzeugerin anzunähern.

Tarso besucht samt halbwüchsigem Sohn seine im Wachkoma liegende Exfrau. Minimalistisches Arthouse-Drama um Pubertät und Tod, bei dem Berlin als trostloser Nicht-Ort für eine bedrückende Atmosphäre sorgt.

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Kritikerrezensionen

    1. Der Anfang des Films, die erste minutenlange Einstellung, ist durchaus interessant. Wir sehen ein Flugzeug direkt nach der Landung, das Andocken der Gangway, einer mit einem Schlauch macht irgendwas vorne am Bug – tanken? –, das dauert lange, es ist eine präzise, routinemäßige Arbeit, die doch auch ein Kümmern ist. Ein Vorgang, den wir im normalen Alltagsleben nicht zu sehen bekommen.

      Angekommen am Flughafen sind ein Vater, der laut Abspann Tarso heißt, und sein Sohn Manuel. Sie kommen aus Portugal nach Berlin, Tarsos Ex-Freundin, Manuels Mutter – die dieser gar nicht kennt – liegt nach einer Chemotherapie im Wachkoma. Mehr geschieht nicht; und war die Anfangseinstellung mit ihrer ungewöhnlichen Perspektive auf einen alltäglichen Vorgang noch irgendwo spannend, weil nicht alltäglich, so wird der Rest des Films lang bis langweilig. Tarso bei der komatösen Patientin oder wie er vor dem Fernsehen rumhängt, wo langweiliger Sport läuft, Curling oder Golf. Manuel ohne Worte in seinem Zimmer, beim Straßenbahnfahren mit dem Vater – auch ohne Worte –, oder beim Skaten, auch das ohne Worte. Immerhin gibt es hier so etwas wie Dynamik, sprich: eine äußerst bewegliche Kamera, wenn Manuel, gespielt von Profi-Skater Kai Hillebrand, selbstvergessen seine Skateboard-Tricks vollführt. Die Bewegung vor der Kamera und die Kamerabewegung selbst gehen da eine schöne kleine Choreographie miteinander ein; und diese Rasanz erinnert wiederum daran, wie statisch der Rest des Filmes ist…

      Natürlich ist es gewollt, dass nichts passiert. Dass alle stillstehen, dass alle sich langweilen. Das Koma der Mutter ist eine Metapher für die Isolation der Charaktere, die vorgeblich gesund sind, aber auch nicht agieren; und schon gar nicht interagieren. Kommunikation: Fehlanzeige. Aufeinander eingehen: das schon gar nicht. (Das wird auch mal unfreiwillig komisch, wenn der Film allzu sehr darauf beharrt, diesen communication breakdown zu verdeutlichen: ein Polizist rät Tarso einmal sehr platt und plakativ: „Vielleicht sollten Sie mit ihrem Sohn sprechen, das könnte helfen.“) Appartement, Krankenhaus, ein paar Straßen irgendwo in Berlin: in äußerst begrenzten Schauplätzen geschieht äußerlich nichts; nur im Inneren, so deutet es der Film an, brodelt es.

      Tarso möchte Kontakt herstellen zur Komapatientin, berührt sie, spricht sie sogar mal an; und als sie zuckt, möchte er nicht akzeptieren, dass dies nur ein Nervenreflex war. Was Manuel angeht, setzt Regisseur Hugo Vieira da Silva aufs Extrem: neben dem Skaten ist Manuel auch ein Proto-Perversling. Das Appartement, in dem die beiden unterkommen, beherbergt auch eine geheimnisvolle asiatische Frau, Kim, offenbar die Lebensgefährtin der Mutter, die äußerst selten daheim ist. Ihr Zimmer übt erotische Anziehungskraft auf ihn aus, er schnüffelt an ihrer Unterwäsche, zieht sie sich über. Das gipfelt in einer Masturbationsszene, bei der man alles sieht, wirklich alles – was den sonstigen Stillstand des Films sehr plötzlich aufbricht (gedoubelt wurde Kai Hillebrand da offenbar von einem Herrn mit dem sprechenden Porno-Namen Jerry Steel). Zuvor schon hat er Kim nackt gesehen, er beim Pinkeln, sie in der Badewanne liegend – und sie hat einen Pimmel. Im weiteren Verlauf wird er seiner Mutter, die nackte Komapatientin, die Muschi fingern, damit neben Homosexualität, Voyeurismus, Fetischismus, Transvestizismus / Transsexualität mit dem Ödipalinzest auch ja noch mehr Perversionen und sexuelle Abartigkeiten zusammenkommen. Und das ist dann auch das Hauptmoment des Films, völlig unmotiviert und unbegründet, wo man sich fragt, was das alles eigentlich soll.

      Dass der ominöse – und in unergründlichem Ratschluss des Regisseurs englischsprachige – Filmtitel „Swans“ niemals erklärt wird, versteht sich von selbst. „Der Ausdruck ‚Swans’ führt natürlich eine Vielzahl an Bedeutungen mit sich und eine symbolische Dimension, die von Kultur zu Kultur verschieden ist“, erklärt da Silva. „Ich möchte seine Bedeutung für den Film aber nicht eindeutig definieren. Ich glaube, dass jeder Zuschauer sicher eine eigene Beziehung zwischen dem Titel und der Geschichte finden wird, vielleicht nicht nur auf der symbolischen Ebene...“ Wer also will, kann gerne rätseln. Mir ist die Titelbedeutung recht gleichgültig.

      Fazit: Ein Film über den Stillstand einer Vater-Sohn-Beziehung, über den Stillstand von Kommunikation, über den Stillstand von Entwicklung und Reifen. Ein Film, der selbst still steht und, damit überhaupt was passiert, unversehens und unmotiviert in diverse Perversitäten verfällt.
    2. Swans: Minimalistisches Arthouse-Drama um Pubertät und Tod, bei dem Berlin als trostloser Nicht-Ort für eine bedrückende Atmosphäre sorgt.

      Minimalistisches Arthaus-Drama um Pubertät und Tod, bei dem Berlin als trostloser Nicht-Ort für eine bedrückende Atmosphäre sorgt.

      Man kann trefflich darüber diskutieren, ob man Hugo Vieira da Silvas Forum-Beitrag für die Berlinale 2011 als Drama oder lieber Anti-Drama betrachten sollte. Denn das minimalistische Werk handelt von einem Vater-Sohn-Gespann, das völlig unfähig ist, einander menschlich zu begegnen und miteinander zu kommunizieren. Dadurch gerät diese in Stil und Inhalt als glattes Gegenteil eines Heimatfilms durchgehende Bestandsaufnahme von betäubten Menschen auf der Suche nach ihrer verlorenen Mitte zu einem trostlosen Schweige-Traktat.

      Es ist vornehmlich ein zwei-, mitunter auch drei-Personen-Stück, das in bedrückender, kammerspielartiger Atmosphäre in einem winterkalten Berlin spielt. Diffuse, widersprüchliche Gefühle rumoren in dem äußerlich ruhigen Vater Tarso seiner komatösen Ex-Frau Petra gegenüber, Hilflosigkeit dominiert sein Verhältnis zum heranwachsenden Sohn Manuel, der sich rigoros abschottet. Das Schicksal seiner gespenstisch aussehenden Mutter lässt diesen nur vorgeblich kalt und er versucht auf ganz eigene, ziemlich bedenkliche Art, diese Erlebnisse zu verarbeiten. Eine Impulsgeberin ist dabei Petras Lebensgefährtin Kim, die wie ein Phantom auftaucht und sich als Hermaphrodit erweist.

      Das Epos über den Stillstand des gebürtigen Portugiesen da Silva handelt auch von gefrorenen Gefühlen, die sich ihren Weg aus der Unterdrückung bahnen und in einer irritierenden Kombination aus Coming-of-Age, sexuellem Erwachen der pathologischen Art und (über solche Umwege erfolgenden) emotionalen Annäherung. Doch die pubertäre Entfremdung überwiegt und leistet unvermuteten pornografischen Szenen Vorschub, bei denen der jugendliche Hauptakteur von einem Profi gedoubelt wird. Ob das von der Berliner Schule beeinflusste Zeitlupenporträt nun nichtssagendes Kunstgewerbe ist oder nur ausgefallen und schwer zugänglich, muss ein verständnisvolles Publikum entscheiden. tk.

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