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„Suicide Squad“ – die Kritik

„Suicide Squad“ – die Kritik

Das bringt der Serienherbst auf Disney+

Regisseur David Ayer schickt ein prominent besetztes Team aus Comic-Schurken in den Kampf gegen uralte Magie.

Filmriese Warner hat einen Traum: Ein gewaltiges, verzahntes Comic-Universum, in dem seine Helden solo oder in Gruppen die Welt vor finsteren Mächten schützen – und nebenbei Milliarden in die Kassen spülen. Disney und Marvel machen es mit den Mitgliedern seiner „Avengers“ vor. Doch trotz in der Comicwelt mächtiger Zugmaschinen wie Superman und Batman verliert Warner beim Wettstreit der Superhelden rasant an Boden.

Seine „Suicide Squad“ soll jetzt endlich verlorenes Territorium gutmachen: Ein Team übelster Superschurken, zusammengestellt aus nur einem Grund: Den Kampf mit übernatürlichen Bedrohungen aufzunehmen, von denen neuerdings weder in Batmans Gotham City noch in Supermans Metropolis Mangel herrscht. Konventionelle Einsatzkräfte haben den Attacken übellauniger Meta Humans nichts entgegenzusetzen. Und was hat die Regierung – oder doch zumindest deren skrupellosere Vertreter – schon zu verlieren? Wenn die Einsätze funktionieren, wurde eine gefährliche Krisensituation eliminiert. Wenn die „Suicide Squad“ jedoch ihrem Namen gerecht wird, gibt es eine Handvoll Abschaum weniger, der ansonsten nur Platz im Hochsicherheitstrakt der Gefängnisse belegt.

Für die Besetzung seiner Selbstmördereinheit hat Warner daher keine Kosten und Mühen gescheut: Will Smith spielt den unfehlbaren Auftragskiller Deadshot, Margot Robbie das durchgeknallte Joker-Liebchen Harley Quinn, den Joker selbst verkörpert Jared Leto und It-Girl Cara Delevingne wird zur Magierin Enchantress. Auch die weiteren Rollen – ob gut oder böse – sind durchgehend hochklassig besetzt. Dazu hat Regisseur David Ayer ja mit „Herz aus Stahl“ oder dem initialen „Fast & Furious“ schon hinreichend bewiesen, dass er Action virtuos inszenieren kann. Alle Einzelteile sind vorhanden, um der Comic-Welt zu zeigen, was eine konzertierte Attacke ist. Ihr endlich das Abenteuer im gezeichneten Universum des Comic-Verlags DC zu präsentieren, auf das Fans seit Jahren warten, hoffen, bangen.

Nur beim Zusammenmontieren der Teile passiert, was nie hätte passieren dürfen: Sie werden zusammengepresst, ohne ein stimmiges Ganzes zu ergeben. Bereits die Einführung der zehn wichtigsten Charaktere dauert geraume Zeit und ist dabei letztlich noch der stimmigste Teil des Abenteuers. Die Mission selbst – ein antiheldenhafter Kampfeinsatz gegen uralte Magie und deren zahlreiche Manifestationen – ist dann bei aller brachialen Action erstaunlich wenig fesselnd. Hier fehlt es an Rhythmus, emotionalen Ankern, letztlich sogar einfach an Übersicht: Der inflationäre Umgang mit Rückblenden, Nebenhandlungen und Akteuren lässt den Film immer wieder zerfasern, ohne wirklich zum Geschehen beizutragen.

So spielt Jared Leto als greller Soziopath Joker sich zwar bis hart an die Grenze zum Overacting. Doch würde man seine gewalttätige Suche nach der Geliebten Harley – inklusive Vorgeschichte  des dysfunktionale Paars – komplett weglassen, hätte es für die Basishandlung des Films keinerlei Konsequenzen. Gleiches gilt für den Auftritt von Batman. David Ayer arbeitet immer wieder mit filmischen Finten und Einsprengseln, die den Film nicht inhaltlich abrunden sondern lediglich längen, und dabei wohl nur vom Zuschauer ernst genommen werden. Ayer selbst scheint im Verlauf das Interesse an seinen Schlaglichtern zu verlieren – oder vergessen zu haben, worauf er damit eigentlich hinaus wollte.

Natürlich hat die „Suicide Squad“ auch gute Szenen: Margot Robbie als blondes Gift mit nacktem Chaos in den Augen ist in vielerlei Hinsicht eine Show – selbst, wenn man ihr knackigere Dialoge wünscht. Will Smith als geschäftstüchtiger Killer knüpft mit erfreulicher Lässigkeit an die Zeiten an, wo er noch ein cooler Hund war. Und auch die anderen Teammitglieder – Jai Courtney als Captain Boomerang, Jay Hernandez als Feuerteufel Diablo – ja sogar Adewale Akinnuoye-Agbaje als menschenfressender Killer Croc: Jeder davon hätte intensivere Momente verdient. Was man ihnen zugesteht sind einförmige Dauerkämpfe mit buchstäblich gesichtslosen Handlangern des Bösen und den einen und anderen Oneliner. Viel zu viel ungenutztes Charakter-Potential – auch, wenn in diesen Schlachten zuweilen ein echtes Action-Feuerwerk abgebrannt wird.

Überhaupt das Böse: Jahrtausende alt, Gottgleich mächtig, immun gegen nahezu jeden Feuersturm. Und wie wird ihm letzten Endes das Lebenslicht zerblasen? Sagen wir mal: Ziemlich konventionell. Merke: Sogar Comic-Verfilmungen sind gut beraten, wenn sie sich an ein Minimum an Plausibilität und dramaturgischer Logik halten. Die unter Einsatz immenser filmischer Mitteln aufgebaute Illusion – bei Comics inhaltlich per se fragil – zerfällt beim Publikum sonst nämlich zu einem ernüchterten „echt jetzt?!?“. Den Zuschauer dann wieder komplett in den Film zurückzuholen, ist fast unmöglich. Raus ist raus – in der Welt filmbasierter Fantasie ebenso wie in der EU.

Nicht raus hingegen ist, ob es tatsächlich ein Wiedersehen mit der „Suicide Squad“ geben wird. Teil zwei ist zwar offiziell schon angekündigt. Doch damit Teil eins nicht zum finanziellen Reinfall wird, müssen die Abenteuer der sympathischen Mistkerle fast eine Milliarde Dollar einspielen. Und ob das Superschurken-Team diese Zugkraft aufbringt, steht in den Sternen.

Der Hype im Vorfeld war unbeschreiblich. Die filmische Realität wird ihm – wie so oft – leider nicht gerecht. Dabei könnte man sich ein Wiedersehen mit dem bunten Haufen durchaus vorstellen. Und Freunde knalliger Trigger-Action kommen mit der „Suicide Squad“ ja auch durchaus auf ihre Kosten. Nur die anspruchsvollen Fans der  gezeichneten Welt von DC werden enttäuscht sein. Auf den ganz großen Wurf, den Urknall in ihrem Comic-Universum haben sie wieder einmal vergebens gehofft.