Filmhandlung und Hintergrund

Seit dem Überfliegererfolg von „Pulp Fiction“ gilt John Travolta als Comeback-König der Neunziger Jahre. Mit der smarten Nr.-1-Satire „Schnappt Shorty“ festigte er seine reaktivierte Starposition. Genau von dessen Ruf wird das etwas ungelenke Sozialdrama „White Man’s Burden“ anfangs profitieren können, in dem Drehbuchautor („Letzte Ausfahrt Brooklyn“) und Regisseur Desmond Nakano als Gimmick die Rollen von Schwarzen...

Afro-Amerikaner stellen die herrschende Oberklasse dar, Weiße sind die unterpriviligierte Unterschicht. Der weiße Fabrikarbeiter Louis verliert zu Unrecht seinen Job, und in Konsequenz seine Wohnung und Familie. Verzweifelt kidnappt daraufhin den schwarzen Fabrikbesitzer, um von ihm Geld zu bekommen. Trotz einer behutsamen Annäherung, eskaliert die auswegslose Situation schließlich.

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  • Seit dem Überfliegererfolg von „Pulp Fiction“ gilt John Travolta als Comeback-König der Neunziger Jahre. Mit der smarten Nr.-1-Satire „Schnappt Shorty“ festigte er seine reaktivierte Starposition. Genau von dessen Ruf wird das etwas ungelenke Sozialdrama „White Man’s Burden“ anfangs profitieren können, in dem Drehbuchautor („Letzte Ausfahrt Brooklyn“) und Regisseur Desmond Nakano als Gimmick die Rollen von Schwarzen und Weißen in der amerikanischen Gesellschaft vertauscht. Der Regisseur asiatischer Abstammung konstruiert aus der in Science fiction und Satire bereits mehrfach verwendeten Prämisse ein Melodram, in dem er es anscheinend allen Parteien recht machen will. Einige der Plotwendungen und Dialoge wirken geradezu lächerlich anbiedernd und dienen lediglich dem Zweck, jedes halbwegs offensive Statement wieder zu relativieren. In der von Nakano präsentierten Utopie stellen Afro-Amerikaner die herrschende Oberklasse (bar einer Mittelschicht) dar, die allesamt der Créme de la Créme angehören und in Villen leben, Luxusschlitten steuern und für Wohltätigkeitszwecke weiße Waisenkinder unterstützen. Weiße gehörden zur unterprivilegierten Unterschicht, die an einem „Mangel an Bildung und Kultur leiden und andere für ihre Misere verantwortlich machen“. Zu jenen zählt auch der weiße Fabrikarbeiter Louis (Travolta), der zu Unrecht beschuldigt wird, der Frau des Oberbosses Thaddeus (Harry Belafonte auch mit 70 voller Charisma) unsittliche Blicke zugeworfen zu haben. Prompt gefeuert, versucht der verzweifelte Arbeiter ohne Erfolg beim einflußreichen Tycoon vorzusprechen. Sein Leben degeneriert in einer konstanten Talfahrt: Job weg, Wohnung weg, Familie weg, Stolz weg. Als letzten Ausweg kidnappt er Thaddeus und verlangt von ihm „die Summe, die ihm zusteht“. Da die Banken jedoch erst am Montag wieder aufmachen, verbringen sie wider Willen ein gemeinsames Wochenende, das ihnen die Parallelen zwischen Schwarz und Weiß vor Augen führt. Travolta beweist sich einmal mehr als großartiger Schauspieler, der mit rötlich-verschnippelter Haarpracht und Bierbauch einen zunächst stolzen Working Class Hero überzeugend porträtiert, dessen Haltung proportional zu seinen Lebensumständen absackt. Doch in der Essenz ist seine Figur ein wenig cooler Ignorant, der mit seinem Revolver herumfuchtelt. Die sich in Gemeinplätzen ergehende Story läßt ihm keinen Raum, sich als echter Symphatieträger oder süffisanter Bad Guy zu etablieren. Ob seine neuen Fans das nun wiederum besonders cool finden, ist eher unwahrscheinlich. ara.

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