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Stillwater - Gegen jeden Verdacht

Kinostart: 09.09.2021
  • Kinostart: 09.09.2021
  • Dauer: 140 Min
  • Genre: Drama
  • FSK: ab 12
  • Produktionsland: USA
  • Filmverleih: Universal

Filmhandlung und Hintergrund

Drama um einen US-Amerikaner, der alles daran setzt, die Unschuld seiner wegen Mordes im Gefängnis in Frankreich sitzenden Tochter zu beweisen.

US-Amerikaner Bill Baker schlägt sich in seinem Heimatland mehr schlecht als recht mit Gelegenheitsjobs durch. Doch als seine Tochter, die in Frankreich studiert, wegen Mordes an ihrem Mitbewohner verurteilt wird, steht er am Abgrund. Als es neue Beweise geben soll, hat er nur noch ein Ziel. Er will ihre Unschuld beweisen. Er reist nach Marseille, kommt in den Ermittlungen aber nicht weiter, lernt dafür eine alleinerziehende Mutter kennen und kommt langsam zur Ruhe.

Darsteller und Crew

Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Stillwater - Gegen jeden Verdacht: Drama um einen US-Amerikaner, der alles daran setzt, die Unschuld seiner wegen Mordes im Gefängnis in Frankreich sitzenden Tochter zu beweisen.

    Drama um einen US-Amerikaner, der alles daran setzt, die Unschuld seiner wegen Mordes im Gefängnis in Frankreich sitzenden Tochter zu beweisen.

    Es gibt keine Wahrheit, nur die Geschichten, die wir uns erzählen, deklamiert eine Figur in „Stillwater“ in einer sehr überraschenden Szene während einer Probe im Theater. Und doch ist es das verzweifelte Streben nach Wahrheit, das Erzwingen um Klarheit in einer unübersichtlich gewordenen Welt, das die Figuren in den Filmen von Oscargewinner Tom McCarthy umtreibt, die aufrechten Journalisten in „Spotlight„, die nicht ruhen können, bis sie die Missstände in der katholischen Kirche aufgedeckt haben, und nun auch der aufrechte Amerikaner in „Stillwater“, der die Unschuld seiner wegen Mordes in Marseille inhaftierten Tochter beweisen will, koste es, was es wolle. War die Mission in „Spotlight“ indes noch glasklar und nachvollziehbar - wir brauchen eine kritische, unabhängige Presse -, begibt sich McCarthy hier bewusst und gezielt in Untiefen moralischer und ethischer Art. Die Prämisse mag eine Art „Taken“ suggerieren, einen neuen Ausflug von Matt Damon in die Welt eines Jason Bourne, aber ganz eindeutig sind die Dinge eben nicht in diesem amerikanischen Drama, das es sich erlaubt, ambivalent zu sein, indem es einem Amerika den Spiegel vorhält, das sich moralisch im Recht fühlt, aber längst die Bodenhaftung verloren hat.

    Ob er Trump gewählt habe, wird der von Damon gespielte Jedermann Bill Baker von Virginie gefragt, einer alleinerziehenden Mutter aus Marseille, gespielt von Camille Cottin aus der französischen Hitserie „Call My Agent!“, die sich nach und nach mit diesem fleischigen Mann aus Oklahoma angefreundet hat. Eine berechtigte Frage: mit seiner rechteckigen Erscheinung, dem buschigen Ziegenbart, den schlichten Hemden und der stets auf dem Kopf getragenen Baseballcap, auf die er eine billige Sonnenbrille drapiert hat, ist er der Inbegriff des MAGA-Mannes. In diesem Outfit wäre er auch am 6. Januar nicht fehl am Platze gewesen in der Menge, die das Capitol gestürmt hat. Ich darf nicht wählen, ich bin vorbestraft, antwortet Baker, der schon lange eher überlebt als lebt, sich mit Gelegenheitsjobs auf dem Bau über Wasser hält und ansonsten vor dem Abgrund steht, seitdem seine in Frankreich studierende Tochter wegen Mordes an ihrem Wohngenossen verhaftet und verurteilt wurde. Obwohl sie ihre Unschuld beteuert, ist der Fall - wie der Fall Amanda Knox, der dem Film offenbar als Ausgangspunkt zugrunde liegt - alles andere als klar. Nun gibt es vermeintlich neue Beweise, jemand will einen Jungen gehört haben, der mit dem Mord angab, und Bill Baker kann nicht anders, als der Sache nachzugehen. Was anderes hat er nicht. Es ist die letzte Sache, an die er sich klammert.

    Wie ein Fremder in einer fremden Welt bewegt sich der stoische, tief gläubige Mann durch Marseille, bellt „Yes Ma’m“ oder „No Ma’m“ und beobachtet. Der Zufall bringt ihn in Kontakt mit Virginie und ihrer bezaubernden achtjährigen Tochter Maya. Während ihn seine Ermittlungen nicht weiterführen, beginnt er ein neues Leben zu führen, sich nützlich zu machen und nützlich zu sein, als würde uns Tom McCarthy auf einmal in einen anderen Film führen: Bill beginnt das zu finden, was seine Tochter bei einem seiner Besuche im Gefängnis „mektoub“ nennt: Er beginnt die Dinge zu akzeptieren, einen inneren Frieden zu finden, wie er ihn niemals kannte. Bis, und darauf läuft „Stillwater“ hinaus, ihn ein Zufall während eines Fußballspiels von Olympique Marseille auf eine heiße Fährte führt und der neue Bill Baker sozusagen in Konflikt mit dem alten Bill Baker. Und Entscheidungen treffen muss. Das ist ziemlich viel Holz für einen Film, speziell einen amerikanischen Film. Man spürt regelrecht, dass es schon beim Drehbuch zu diesem Zusammenprall der Weltsichten gekommen sein muss, den „Stillwater“ thematisiert: Das Buch hat Tom McCarthy zusammen mit Thomas Bidegain (und dessen Partner Noé Debré) geschrieben, der sich einen Namen gemacht hat mit seinen Arbeiten für Jacques Audiard. Tatsächlich scheint man Audiards Anwesenheit förmlich zu spüren. Sein erzählerischer Ansatz ist wie eine Leitfigur in diesem Film, der sich viel Zeit nimmt, sich aber, wenn er auf seine Zielgerade kommt, jede Minute verdient hat.

    Thomas Schultze.
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