Stilles Chaos (2008)

Originaltitel: Caos calmo
Stilles Chaos Poster

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Filmhandlung und Hintergrund

Stilles Chaos: Drama über einen Mann, gespielt von Nanni Moretti, der nach dem überraschenden Tod seiner Frau wieder im Leben Fuß fassen muss.

Ausgerechnet als Pay-TV-Manager Pietro (Nanni Moretti) eine Ertrinkende (Isabella Ferrari) rettet, stirbt seine Frau ganz plötzlich in ihrem Strandhaus. Daraufhin ist er emotional schockgefroren. Als Pietro im Herbst seine kleine Tochter (Blu Yoshimi) zur Schule bringt, setzt er sich auf eine Parkbank – und harrt dort bis zum Ende des Schuljahres aus. Aus dem Workaholic wird ein sorgender Vater, der Kollegen und Verwandten mit Weisheiten beisteht.

Der politisch engagierte Regisseur Nanni Moretti (“Das Zimmer meines Sohnes”) brilliert diesmal als Schauspieler in dem heiter-melancholischen Märchen um einen Vater, der durch seine Trauer zurück zur Familie findet. Antonello Luigi Grimaldi (“Im Zeichen des Drachen”) erzählt die anrührende Geschichte mit viel Komik.

Der Medienmanager Pietro Paladino muss erfahren, dass, während er eine Frau vor dem Ertrinken rettete, seine eigene im Garten überraschend gestorben ist. Geschockt weiß Paladino nicht, wie er sein Leben nun in den Griff bekommen soll. Am Morgen bringt er seine Tochter in die Schule und verbringt den Vormittag damit, vor der Schule auf sie zu warten. Nach und nach wird er zur Hilfsstation für andere, sogar der neue Chef sucht das Gespräch mit ihm. Seine Ratschläge sind gefragt, obgleich er selbst Rat bräuchte.

Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Trauer kann viele Gesichter haben. Pietro macht Folgendes: Er schwänzt das Büro – immerhin ist er leitender Manager eines Medienunternehmens – und nistet sich Tag für Tag im kleinen Park vor der Schule seiner Tochter ein, sitzt Forrest-Gump-mäßig auf einer Parkbank, winkt der Tochter am Fenster zu, fertigt im Kopf Listen an, mit welchen Fluggesellschaften er schon geflogen ist, wo er schon einmal gewohnt hat, wohin er nie wieder gehen will, grüßt eine schöne Frau, die ihren Hund spazieren führt, lässt die Autofunkfernbedienung für einen Down-Syndrom-Jungen hupen, geht in das kleine Café, wird gar von einem Parkanlieger zum Pastaessen eingeladen.

    Das ist durchaus surreal, seine Kollegen und Chefs besuchen ihn, Besprechungen finden unter freiem Himmel statt. Er ist aus dem normalen Alltagsbetrieb gefallen, das ruhige Auge im Sturm des Lebens, ist aus dem Karussell von Beruf und Hektik ausgestiegen, um in sich selbst zu ruhen. Wie etwas aus einer fernen Welt erscheinen ihm die Händel und Intrigen seiner Firma wegen einer bevorstehenden Fusion mit einem internationalen Konzern.

    Pietro ist mit seiner Gefühlsverwirrung, seinem inneren Aufruhr der Trauer und des Schmerzes ein ruhender Pol im Chaos der Welt: das ist offenbar die Grundidee des Films, die Regisseur Grimaldi aber nicht scharf genug herauszuschnitzen vermag. Zu sehr verzettelt er sich in den Familienangelegenheiten Pietros, mit dessen leicht verrückter Schwägerin, schwanger von einer Zufallsbekanntschaft, die ihn beschimpft und ihm jede Liebe zu seiner verstorbenen Frau abspricht. Mit seinem Bruder, einem Jeansdesigner und Teenieidol, der unpassende Ratschläge gibt und Opium raucht. Auch mit seinem Freund, der vielleicht Gelder unterschlagen hat, dessen Frau in ganz normaler Tonlage Unflätiges von sich gibt und dergleichen mehr: das ist alles eher als Stückwerk zusammengefügt als dass es ein rundes Ganzes ergäbe.

    Nanni Moretti, Hauptdarsteller und Drehbuchautor, einer der bekanntesten Filmregisseure und -darsteller in Italien und mit seiner Mischung aus Witz und Melancholie auch international beim Arthousepublikum gefragt, ist natürlich gut. Und abgesehen von der fehlenden direkten Zusammenhang, dem untergründigen zusammenhaltenden, formgebenden Gerüst, sind einzelne Sequenzen sehr schön, sehr einfühlsam gezeichnet: Das ziellose, schmerzvolle Warten der Hauptfigur etwa, eigentlich kaum darstellbar, ist sehr emotional, sehr berührend und mit einem Gestus der Traumhaftigkeit gestaltet. Doch Stringenz, sowohl der Handlung als auch des Gefühlsgemischs des Films, geht irgendwo verloren. Da kann auch Roman Polanskis Cameo-Auftritt am Ende als eine Art Deus ex Machina nichts helfen.

    Fazit: Ein Trauernder steigt aus den Mühlen des Alltags aus: der reizvolle surreale Touch dieser zarten Geschichte geht trotz des wunderbaren Nanni Moretti in der Hauptrolle verloren, wenn sich der Film zu sehr verzettelt.
  • Nach dem plötzlichen Tod seiner Frau fällt ein Manager aus seiner geordneten Welt und leistet stille Trauerarbeit.

    Das Leben, der Tod und die Hoffnung. Antonello Luigi Grimaldi bringt diese drei existenziellen Dinge nach dem gleichnamigen Bestseller von Sandro Veronesi zusammen. Und ein bisschen ist es auch ein Nanni-Moretti-Film, denn der schrieb am Drehbuch mit und spielt die Hauptrolle.

    Pietro Paladino ist viel beschäftigter Manager eines Medienunternehmens. Während er couragiert eine Ertrinkende aus den Wellen rettet, stirbt seine Gattin aus heiterem Himmel im Garten. Ein Schock, den er verarbeiten muss. Erst einmal konzentriert er sich auf seine kleine Tochter, bringt sie zur Schule und wartet ganz einfach bis Schulschluss vor dem Gebäude auf sie. Der Beruf interessiert ihn nicht mehr, er nimmt seine tägliche Auszeit vor der Schule. Nach und nach wird er zur Hilfsstation für andere, sei es für die schwangere in den falschen Mann verliebte Schwägerin, den Bruder in der Krise, Freunde oder Kollegen, die bei der drohenden Fusion Angst vor Jobverlust plagt, sogar der neue Chef sucht das Gespräch im Auto mit ihm. Seine Ratschläge sind gefragt, obgleich er selbst Rat bräuchte. Bald kennt er die täglichen Spaziergänger, tauscht mit Wildfremden ein Lächeln aus, seine Blicke kreuzen sich immer öfter mit einer jungen Frau, die ihren Hund ausführt. Fast ständig ruht die Kamera auf Nanni Moretti, der mit gewohnter Nonchalance und leiser Ironie diese schauspielerische Hürde nimmt. Seine Grundfesten und Überzeugungen geraten sukzessive ins Wanken, seine Reflexion und sein Trauerprozess eröffnen letztendlich ungeahnte Möglichkeiten. Aber es ist die Tochter, die ihn aus dem “Stillen Chaos” erlöst und wieder ins Leben schickt, dem sie beide gestärkt und mit neuer Kraft begegnen.

    Die Szenen wechseln zwischen Trauer und Komik, es dauert lange, bis sich Melancholiker Moretti dem Schmerz stellt und ihn akzeptiert, erst dann kann der Witwer seine alte Haut abstreifen und den erstickenden Kokon aus fest gezurrten und oft falschen Erwartungen verlassen. Er öffnet sich dem Unvorhergesehenen, lässt Verletzbarkeit und lang verschüttete Gefühle zu. mk.

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