Still Walking

  1. Ø 0
   2008
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Filmhandlung und Hintergrund

Still Walking: Subtil erzähltes Familiendrama, das sich beim Besuch der erwachsenen Kinder samt Anhang im Elternhaus entspinnt.

Ein einladendes Haus an der japanischen Küste. Hier wohnen der pensionierte Arzt Shohei Yokoyama und seine Frau Toshiko. Die Familie versammelt sich wie jedes Jahr, um dem Tod Junpeis, des erstgeborenen Sohnes und Bruders zu gedenken. Der zweite Sohn, Ryoto, ist immer im Schatten des Älteren gestanden und fühlt sich von seinem Vater unverstanden. So will er bei dem Treffen auch nicht verraten, dass er gerade arbeitslos ist. Erschwerend kommt hinzu, dass er eine Witwe mit einem zehnjährigen Sohn geheiratet hat.

Beim Familientreffen birgt der unverstandene Sohn Geheimnisse: Er ist arbeitslos, und hat eine Witwe mit Kind geheiratet. Der Japaner Hirokazu Kore-eda („Nobody Knows“) beobachtet voller Ruhe eine Familie über 24 Stunden.

Darsteller und Crew

Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Auf den Spuren des japanischen Meisterregisseurs Yasujiro Ozu bewegt sich Hirokazu Kore-eda in seinem vorletzten Werk, das ein Familientreffen an einem einzigen Tag in den Mittelpunkt stellt. Anlass der jährlichen Zusammenkunft liefert die Erinnerung an den vor 15 Jahren ertrunkenen ältesten Sohn, dem mit einem stets wiederkehrendem Ritual gedacht wird. Mehrere Arbeiten des Regisseurs nähern sich dem Tabuthema Tod und dem gesellschaftlichen Umgang damit an – der reichlich gleichförmig inszenierte „After Life“ spielt sogar vollständig im Jenseits, doch das Element der Vergänglichkeit fließt eher beiläufig in die bewusst unspektakulär gehaltene Inszenierung ein.

    Zunächst folgt man noch den täglichen Verrichtungen wie der Zubereitung von Mahlzeiten, den Begrüßungsfloskeln und gemeinsamen Spaziergängen in sommerlicher Idylle als Teil der friedlichen Stimmung. In Alltagssituationen und –gesprächen in scheinbarer Harmonie offenbaren sich erst langsam unüberwindbare Brüche, da der pensionierte Vater Shohei mit Ryotas Lebenswandel keineswegs einverstanden ist. Stets muss sich der jüngere Sohn den Vergleichen mit dem bei den Eltern stärker geachteten Bruder Junpei stellen. Während der Patriarch mitunter offen seine Ablehnung demonstriert und dem gemeinsamen Essen fern bleibt, setzt Mutter Toshiko ihre Spitzen versteckter, aber ebenso unmissverständlich. Besonders bildet ihr die Ehe ihres Sohnes mit einer Witwe und das Fehlen eigener Enkel ein Dorn im Auge.

    Auch dem Jungen, für den Junpei bei seiner tödlich endenden Rettungsaktion unfreiwillig sein Leben lassen musste, will die resolute Rentnerin nicht vergeben. Trotzdem sorgt sich der an seinem Weg unmissverständlich festhaltende Ryota insgeheim um die Zukunft seiner gebrechlichen Eltern. Selbst angesichts seines unterdrückten Zorns werden die starken Familienbande deutlich, zumal der selbst gerechte Vater gelegentlich sympathische Seiten erkennen lässt. Auf die Enkel reagiert er weitaus freundlicher – stets mit nachdrücklichem Lob der medizinischen Fachrichtung als späteren Berufsvorschlag. Letztlich erkennt man, dass sich die Familie trotz aller schwelender Differenzen stets wieder zusammen raufen wird.

    Kore-eda wirft einen realistischen, ruhigen Blick auf unüberwindbare Generationskonflikte, auf dessen undramatischen Rhythmus man sich erst einlassen muss. Auf einen spektakulären Klimax wartet man vergeblich, was jedoch kaum zur subtilen Erzählweise passen würde. Obwohl „Still Walking“ schon im Frühjahr 2009 auf dem Frankfurter Nippon Connection-Festival seine Deutschlandpremiere hatte, ist es zu begrüßen, dass das humorvoll-authentische Familiendrama jetzt noch die deutschen Kinos erreicht.

    Kurz vor dessen Deutschlandstart lief auf dem Wiesbadener Exground zudem Kore-edas aktueller Spielfilm „Air Doll“ - eine für den Regisseur recht ungewöhnliche melancholische Manga-Adaption über den Erkundungsstreifzug einer lebendig gewordenen Sexpuppe. Hier heißt es zu Beginn in einer Videothek: „Filme gehören ins Kino. DVDs sind nur ein Ersatz“. Das trifft auf jeden Fall auch auf das Werk von Hirokazu Kore-eda zu.

    Fazit: Beiläufig sezierende Familienstudie über unterschwellige Konflikte und den gesellschaftlichen Wandel in Japan.
  • In der Tradition seines Landsmannes Yasujiro Ozu beobachtet Hirokazu Kore-eda einen Tag im Leben einer japanischen Familie, die am Tod des Erstgeborenen leidet.

    24 Stunden aus dem Leben der Familie Yokoyama. Ihr Erstgeborener ist ertrunken, als er einem Jungen das Leben rettete. 15 Jahre ist das her, aber Junpei ist immer noch allgegenwärtig. So auch beim diesjährigen Familientreffen im Haus der Eltern, das nun drei Generationen unter dem Dach vereint. Man kocht, isst, spricht, schweigt, denkt nach und sieht den Kindern beim Spielen zu. Kurz wird der Friedhof besucht, die Kleinen spielen im Garten. Doch die meiste Zeit hält man sich in geschlossenen Räumen auf.

    Ein klassisches Kinothema neu variiert. Ein Familienfest und andere Schwierigkeiten, inszeniert vom Japaner Hirokazu Kore-eda, den man hierzulande am ehesten durch „Nobody Knows“ kennt. Doch im Gegensatz zu den meisten Kinozusammenkünften, in den geschrien und gestritten, gelacht und gekämpft wird, geht es bei „Still Walking“ ruhig, fast beschaulich zu. Die Stimmung ist zwar gespannt, aber außer ein paar scharfen Wortwechseln und bösen Blicken passiert hier (oberflächlich) wenig. Inhaltlich, stilistisch und handwerklich orientiert sich der Filmemacher an seinem Vorbild Yasujiro Ozu, als Hommage und Modernisierung von dessen „Die Reise nach Tokio“ lässt sich das Werk lesen. Der Tod eines Sohnes fungiert auch hier als Katalysator der Geschichte, die Stellung von Witwen sowie gesellschaftliche Konventionen und deren Rückwirkungen auf die Familie werden beleuchtet.

    Zentrale Figur ist Ryoto (Hiroshi Abe), Junpeis Bruder, ein arbeitsloser Restaurator, der zum Ärger seines Vaters Shohei (Yoshio Harada) nicht Arzt geworden ist und so nicht dessen Praxis übernehmen kann. Und dann hat er zu allem Überfluss auch noch eine Witwe geheiratet, die einen zehnjährigen Sohn hat. Ebenfalls anwesend sind Ryotas Schwester, die mit ihren Kindern gerne ins Haus der Eltern einziehen würde, und die umtriebige Matriarchin, die auch nicht anders kann als ihren Zweitgeborenen mit Junpei zu vergleichen.

    Es geht um die Schatten der Vergangenheit und deren Auswirkungen auf die Gegenwart, um Dramen, die mühsam vertuscht werden, doch gerade deswegen noch nachhallen. Geradezu feindselig wird die Stimmung als der ungelenke und pummelige Mann zu Besuch kommt, den Junpei einst vor dem Ertrinken rettete. Unverhohlenen Hass bringt ihm Shohei entgegen, lässt ihn spüren, dass er doch besser gestorben wäre. Das Heim, das Innen, ist hier feindselig, repräsentiert mit seinen Ritualen die Enge des Lebens. Nur das Außen, das so selten besucht wird, gewährt Freiheit, öffnet den Blick und lässt (unbeobachtetes) Atmen zu.

    Einfach, schlicht und in klaren Farben hält Kameramann Yushun Atsuta die Bilder, es gibt wenig Tempo, kaum Bewegung. Dass aber dennoch keine Langeweile aufkommt, liegt an Kore-edas Blick fürs Detail. Er beobachtet feiste Gefühlregungen, weiß diese in Zusammenhang zu setzten und erlaubt sich durchaus kurze, humoristische Momente. geh.

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