Bislang wurde der Berlinale-Wettbewerb von eher bedrückenden, wenn auch interessant umgesetzten Themen dominiert.

Stehende Ovationen für Julia Jentsch als Sophie Scholl und Regisseur Marc Rothemund Bild: Berlinale

Das Bürgerkriegs-Epos „Hotel Ruanda“ und unglückliche Liebesdramen wie „Les temps qui changent – Changing Times“ oder „Asylum“ trafen die Besucher mitten in die Seele. Doch am Samstag setzte der erste deutsche Wettbewerbsbeitrag einen heiteren Glanzpunkt: Hannes StöhrsOne Day in Europe„, ein Episodenfilm, in dem Touristen in europäischen Städten von Moskau bis Santiago di Compostella (vermeintliche) Opfer von Raubüberfällen werden.

Alle vier Geschichten spielen zeitgleich, vor dem Hintergrund eines fiktiven Champions-League-Finales. Fußball ist das einende Element in Europa. Stöhr bedient die landestypischen Klischees seiner Charaktere, die gleiche Variation des Themas nützt sich im Verlauf des Films ein wenig ab. Doch sein heiterer Tonfall und die kulturelle Interaktion und Kommunikation in sechs verschiedenen Sprachen stießen auf großen Anklang bei Presse und Publikum.

"Asylum"-Star Natasha Richardson geriet beim Feiern im Club 37 im Casino Berlin etwas aus dem Konzept Bild: 24u Media

Steht auf, wenn ihr für Sophie seid!

Alle Bilder und Videos zu Stellas Versuchung

Bei Presse und Fachbesuchern herrscht dieses Jahr ein richtiger Run auf die deutschen Filme – angestachelt durch den Vorjahresbärengewinner „Gegen die Wand“ und den internationalen Erfolg von sehr unterschiedlichen Filmen im letzten Jahr: von „Der Untergang“ bis „Die fetten Jahre sind vorbei„.

Erster wirklicher Bären-Kandidat war dann aber am Sonntag Marc RothemundsSophie Scholl„. Das bewegende Drama um die junge Widerstandskämpferin der Weißen Rose erntete zehn Minuten lang stehende Ovationen im bis auf den letzten Platz ausgebuchten Berlinale-Palast. So konnten Rothemund, seine Hauptdarstellerin Julia Jentsch, die wiederum ein heißer Kandidat für den Darstellerpreis ist, Produzenten, Verleiher und Fans anschließend auch entspannt feiern in dem Berliner Szenetreff „week-END Club“ – im oberen Stockwerk eines ehemaligen Plattenbaus am Alexanderplatz.

Fußball ist kontinentales Leben: "One Day in Europe" Bild: Piffl

Bis der Arzt kommt

Partymarathon war allgemein angesagt am Wochenende. Die Must-Have-Einladung war am Freitag die von VW gesponsorte People’s Night im renommierten Restaurant Borchardt in Mitte. Hier gaben sich deutsche Stars und Sternchen die Klinke in die Hand, von Jungstar Matthias Schweighöfer über Heike Makatsch und Herbert Knaup und Sebastian Koch bis zur zweiten Riege der TV-Celebrities.

Deutlich jünger und handfester ging es dagegen bei der Eröffnungsfeier des Internationalen Forums des Jungen Films und der Party zum osteuropäischen Episodenfilm „Lost and Found“ zu.

Doku mit Sprengkraft: "Inside Deep Throat" Bild: Constantin

Porno und Prosecco

Jungstars satt gaben sich auch auf der noblen Shooting Stars Gala im traditionsreichen Adlon Hotel die Ehre. Deutscher Shooting Star in diesem Jahr ist der junge Berliner Max Riemelt („Napola„).

München in Berlin erlebte man Sonntagnacht in Oliver Berbens Bar „Sopranos“ am Ku’Damm. Dort hatte die Constantin geladen, um die Aufführung des Dokumentarfilms „Inside Deep Throat“ über den berüchtigten Siebziger-Jahre-Porno und seine Entstehung zu feiern. Da wollten sich einige weiblichen Gäste wohl nicht lumpen lassen: Sie waren entsprechend leicht bekleidet und mit High Heels bewehrt erschienen. Der Prosecco floss in Strömen bis in die Morgenstunden.

Vorfreude auf "Gespenster": Julia Hummer glaubt, ihre entführte Tochter wiedergefunden zu haben Bild: Piffl

Deutscher Honig lockt den Bären

Die hiesige Branche ist in Feierstimmung und das internationale Interesse am deutschen Film groß, wie auch die Filmverkäufer auf dem Berlinale Film Markt berichten. Am Dienstag feiert der dritte deutsche Wettbewerbsbeitrag Premiere, Christian PetzoldsGespenster„, der schon mit Spannung erwartet wird.

Es ist also im Bereich des Möglichen, dass auch dieses Jahr die heimischen Filme im Wettbewerb abräumen. Aber noch hat der internationale Film sechs Tage Zeit, Highlights zu positionieren. Es bleibt spannend.

Zu den Kommentaren

Kommentare