1. Kino.de
  2. Filme
  3. Stella und der Stern des Orients
  4. Fakten und Hintergründe zum Film "Stella und der Stern des Orients"

Fakten und Hintergründe zum Film "Stella und der Stern des Orients"

Kino.de Redaktion |

Stella und der Stern des Orients Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Interview mit Axel Prahl als „Kleinheinz“

Gucken Sie gern Kinderfilme?

In unseren Kindern leben wir weiter! Wenn Kinder einen Film mögen, dann werden sie sich auch später, wenn sie erwachsen sind, daran erinnern. So wie mich noch heute ein merkwürdiges aber durchaus angenehmes Gefühl ereilt, wenn ich die Filme meiner Jugend schaue.

Bilderstrecke starten(17 Bilder)
Alle Bilder und Videos zu Stella und der Stern des Orients

Muss man für Kinderfilme anders spielen als für Erwachsenenfilme? Und worin bestehen die Unterschiede?

Das ist einer der größten Fehler, der auch häufig im Kinder- und Jugendtheater begangen wird. Man sollte Kinder und Kinderfilme immer sehr ernst nehmen. Der für mich einzig erwähnenswerte Unterschied ist meines Erachtens die Dramaturgie eines Filmstoffes, die sich natürlich in ihrer Verständlichkeit nach der angestrebten Altersklasse oder Zielgruppe richten muss.

Was hat Sie am Drehbuch für „Stella“ besonders interessiert?

Allein die Tatsache, dass es ein Kinderfilm werden würde, hat mich schon sehr gereizt. Aber natürlich auch die Figur „Kleinheinz“, die Zeitreise in ein vergangenes Jahrhundert bzw. Jahrtausend und darüber hinaus diese wunderbare Schneelandschaft, die ja auch schon im Buch so beschrieben war. Dass wir allerdings beim Dreh so ein Glück haben und eine solch großartige Kulisse vorfinden würden, hätte ich nicht erwartet. Normalerweise müssen solche Szenen immer hinterher am Computer mit Schnee „aufgefüllt“ werden.

Wie würden Sie die Stella beschreiben - ist das ein durchschnittliches Mädchen?

Sie ist auf jeden Fall ein Mädchen, mit dem sich jedes andere Mädchen gern identifizieren wird. Sie ist klug, mutig, witzig und hat ein sehr ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden. Insofern könnte man behaupten sie sei ein außergewöhnliches Mädchen, aber ich glaube davon gibt es noch viel, viel mehr in Deutschland oder in anderen Teilen der Welt.

Wie haben Sie sich für Ihre Rolle als Kleinkrimineller vorbereitet?

Ich habe bei Karstadt, Hertie und Kaisers natürlich vorher geübt, wie man am besten ein paar leckere Süßigkeiten klaut, bin Nachts mal probeweise in mein eigenes Haus eingebrochen und habe das Sparbuch meiner Eltern geplündert…

Spaß beiseite. Eine solche Vorbereitung kann sich ja nur im Kopf abspielen, dass man sich beispielsweise anhand der im Drehbuch beschriebenen Szene überlegt, welches der beste Moment sein könnte unbemerkt das gute Silberbesteck der Familie beiseite zu schaffen. So bin ich beispielsweise mit der Kostümbildnerin zu dem Gedanken gelangt, das der Mantel von „Kleinheinz“ viele kleine Ösen haben könnte in denen er dann das Besteck „ordnungsgemäß“ verstauen kann.

Hilft es Ihnen, selber Vater zu sein, wenn Sie eine solche Rolle spielen, weil Sie sich vielleicht gut vorstellen können, was Kinder sehen wollen?

Das ist sicherlich zuträglich, das denke ich schon. Die Stimme des „Kleinheinz“ zum Beispiel, habe ich vorher schon mal beim Vortragen einer Gutenachtgeschichte bei meinen Kindern ausprobiert. Die fingen dann immer an zu lachen. Und da der „Kleinheinz“ trotz seines kriminellen Hintergrunds auch etwas sympathisches bekommen sollte, wie die Belegschaft der Olsen-Bande etwa, habe ich mich entschlossen ihm diese Stimme zu verpassen.

Sind Ihre Kinder kritisch, was ihre Arbeit als Schauspieler betrifft? Oder freuen die sich generell, ihren Vater im Kino zu sehen?

Theodor und Helene sind ja nun gerade mal 3 Jahre alt, für die ist es wahrscheinlich eher merkwürdig ihren Papa auf der Leinwand oder dem Bildschirm zu sehen. Diesbezüglich fällt mir gerade eine kleine Anekdote aus meiner Theaterzeit ein. Als Mascha, meine erstgeborene (mittlerweile 22 Jahre alt) im zarten Alter von 3 Jahren ihren Vater erstmals auf der Bühne bei einem Weihnachtsmärchen erleben durfte, war das ein ziemliches Desaster. Ich spielte in diesem Stück ebenfalls einen Bösewicht und bezog in einer Szene, eine kräftige Tracht Prügel mit einem riesigen Knüppel und meine Tochter schrie: „Lasst meinen Papa in Ruhe!!! “

Sie mussten auch körperlich einiges für die Rolle durchstehen - auf dem Eis herumglitschen, den widerspenstigen Wagen mit der Kurbel anbekommen, die Draisine bedienen, anstrengend oder Spaß?

Anstrengender Spaß! Es hat tierisch Laune gemacht in meterhohem Schnee einen Abhang herunter zu kullern, aber spätestens nach dem vierten Mal wird einem dann doch etwas kühl.

Interview mit Martin Dolejs (Drehbuch)

Bitte erzählen Sie etwas zur Entstehung von Stella – woher kommt die Idee?

Kurz vor seinem Tod hat mein Großvater immer erzählt, wie schnell das Leben vergangen ist. Eben noch ein kleiner Junge mit großen Träumen und jetzt schon ein alter Mann. Dieser Gedanke hat mich beschäftigt und ich dachte darüber nach, wie es wohl wäre, den Großvater als kleinen Jungen kennen zu lernen. So entstand eine Geschichte über Generationen, Träume und Freundschaft.

Bilderstrecke starten(17 Bilder)
Alle Bilder und Videos zu Stella und der Stern des Orients

Was war wichtig, als sie die Figur der Stella konzipierten – Identifikationsmöglichkeit, Vorbildcharakter, einfach Spaß?

Die Identifikationsmöglichkeit für Kinder stand bei Stella immer im Vordergrund. Sie sollte so sein, wie Kinder gerne wären. Aktiv, mutig, voll toller Ideen und natürlich liebenswert und lustig. Ihr Mut und ihr Witz sollten Kindern, wie auch Erwachsenen, aber natürlich auch Spaß machen.

Woher kommt die Leidenschaft für die Zeit vor 100 Jahren?

Ich finde diese Zeit so faszinierend, weil dort alles begann, was uns heute technologisch prägt. Das Auto, die Industrie, die Eisenbahn, das Flugzeug, Telefon und vieles mehr. Außerdem finde ich die Metapher spannend, dass die Menschen ebenso am Anfang eines Jahrhunderts standen wie wir und voller Zuversicht, Träume und naiver Visionen in die Zukunft blickten. Dass Stella für kurze Zeit diesen Blickwinkel einnehmen kann ist komisch, kann aber auch die eigene Sichtweise verändern auf das, was vor uns steht. Außerdem liebe ich die Kostüme und das Interieur dieser Zeit.

Können Sie etwas über das Casting erzählen, sowohl das der jungen als auch der erwachsenen Protagonisten?

Nein, das kann ich leider nicht, weil ich nicht daran beteiligt war. Ich kann aber sagen, dass ich mit dem Cast überaus zufrieden bin. Ich finde die Kinder bezaubernd, sie treffen den jeweiligen Charakter und meine Vorstellungen von ihm genau – und dass so großartige Schauspieler wie Axel Prahl, Hans-Martin Stier, Uwe Kockisch und Gabriela Maria Schmeide die Erwachsenen spielen ehrt mich sehr!

Wie waren Sie als Kind – ebenfalls abenteuerlustig und mutig? Oder eher die zurückhaltende Leseratte?

Ich glaube ich war ein bisschen was von beidem. Ich habe sehr viel Jules Verne und ähnliches gelesen und war als Einzelkind mit meinen Traumwelten beschäftigt (den Dachboden aus dem Film gab es so ähnlich übrigens bei uns zu Hause wirklich). Ich war zugleich aber auch viel draußen und war Mitglied in einer Mädchengang. Meine Cousine war nämlich zwei Jahre älter als ich und hat mich stets zum Spielen mitgenommen. Vielleicht sind die Hauptfiguren der „Stella“ ja deshalb Mädchen.

Für welche Altersstufen ist der Film geeignet?

Da der Film ein Familienfilm ist, denke ich, dass er für alle Altersgruppe geeignet ist, die unterhaltsame Abenteuergeschichten mögen.

Sind kindliche Zuschauer eher kritischer oder eher genügsamer als erwachsenes Publikum?

Was ich bisher beobachten konnte, sind kindliche Zuschauer ganz einfach impulsiver und entscheiden nur nach Gefühl und Bauch. Das ist der perfekte Gradmesser dafür, ob etwas funktioniert oder nicht. Die intellektuellen Reaktionen der Erwachsenen sind da schon zu verwässert. Ich persönlich genieße einen Film auch am liebsten aus dem Bauch. Wenn ich beginne über ihn nachzudenken, hat er meist verloren.

Sind Kinderfilme in der Filmwirtschaft genauso etabliert wie Erwachsenenkino?

In den letzten Jahren wurden ja vornehmlich nur dann Kinderfilme gedreht, wenn sie auf erfolgreichen Romanvorlagen beruhten. Das war fast alles sehr erfolgreich. Aber es ist schade, dass Originalstoffe so wenig mutige Produzenten finden. Da habe ich ja mit der Stella persönlich großes Glück!

Interview mit Ingelore König (Produzentin)

Können Sie etwas dazu erzählen, wie und wann Sie das erste Mal von dem Projekt gehört haben?

Die Redakteurin Heike Lagé sprach mich im Rahmen der Sommerakademie des Fördervereins Deutscher Kinderfilm/Goldener Spatz an, ob ich Lust und Interesse an einer sehr schönen Zeitreise-Geschichte für die ganze Familie hätte. Sie hatte das Projekt in dieser Fortbildungsreihe für Kinderfilmstoffe betreut. Das war 2001.

Was hat Sie daran gereizt?

Die Idee hat mich sofort bezaubert, die Redakteurin steckte mich mit ihrer Begeisterung an und der Autor gewann mein Herz durch seinen sensiblen leisen Humor. Seine Haltung schien so ganz tschechisch modern…

Gibt es genug „moderne“ Mädchenfiguren wie Stella (die mutig, interessiert, stark und nicht zickig sind) im Kino? Oder ist sie eher die Ausnahme?

Genug gäbe es nur, wenn alle Mädchen in der Realität immer mutig und stark wären. Aber so lange wir existieren, ob klein oder groß, ob jung oder alt, werden wir individuelle Defizite bei uns spüren, werden wir Lebensumstände verfluchen und uns wünschen, dass alles anders wäre, dass wir anders sein könnten, stärker, mutiger, hartnäckiger… Starke Mädchen spiegeln Träume. Und solche Vorbilder brauchen wir noch heute. Es sei denn wir glauben, dass Schönheit und Zickenattitüde für ein erfülltes Leben reichen.

Ist „Stella“ eher ein Jungen- oder ein Mädchenfilm? Oder ist das vielleicht sogar völlig egal?

In erster Linie wollten wir Kindern von heute emotional nahebringen, wie es vor über hundert Jahren so war, als die Väter ihre Töchter noch in tradierte Rollenbilder zwingen wollten und es auch noch konnten. Welches Mädchen kann sich bei uns heute noch vorstellen, dass studierende Frauen damals keineswegs alltäglich waren? Das Studium beispielsweise der Hauswirtschaft galt damals lediglich als förderlich auf die spätere Rolle als Ehegattinnen und Mutter. Würden das Mädchen von heute noch so wollen?

Ein bisschen Staunen über derartige Verhältnisse dürfte für die Jungen jedenfalls auch nicht schädlich sein. Außerdem haben wir eine sehr starke Jungenfigur zwischen zwei Mädchen. Gustav ist zwar der kleinste, aber ausgesprochen gewitzt, technisch begabt, mit guten Manieren und sehr, sehr tapfer, wenn er den Mädchen beistehen muss. Denn eigentlich ist STELLA ein Film über Bedeutung der Familie und die Auseinandersetzung mit der eigenen Tradition und Herkunft. Das scheint uns als Thema für Jungen wie für Mädchen wichtig.

Welche Kinderfilme haben Sie gemocht oder mögen Sie noch immer? Und warum?

Seit über 15 Jahren beschäftige ich mich Kinderfilm und Kinderfernsehen. Ich habe die DEFA-Märchenfilme als Kind geliebt und mag unsere Neuinterpretationen. Ich mag verrückte und unkonventionelle Filme, die Kinder und Erwachsene gleichermaßen berühren und ihnen auf mehreren Ebenen Unterhaltsames und Genretypisches bieten. Die dramatische wie komische Ernsthaftigkeit der Skandinavischen Kinderfilme und der dort viel weiter verbreitete Mut zur skurrilen Betrachtung von Realität beeindrucken mich immer wieder, auch wenn sie leider oft viel zu wenige Zuschauer in Deutschland haben. Und natürlich nimmt mich das Amerikanische Family Entertainment gnadenlos in seine professionellen Kinofänge. Aber davon sind wir zumeist mit unseren deutschen Drehbüchern und unseren Produktionsmöglichkeiten viel zu weit entfernt.

Sind Kinder die kritischeren Zuschauer?

Kinder sind kritische Zuschauer. Sie urteilen nach ihren Gefühlen und lassen sich im dunklen Kino von gutgemachten Geschichten einfangen. Sie sind heute ausgesprochen medienkompetent und streng in der Beurteilung des Gesehenen. Aber die Erwachsenen sind nicht auch nicht unkritischer, sie nehmen nur auf andere Dinge Bezug. Und sie glauben leider allzu häufig, geschmackssicherer als Kinder zu sein.

Zu den Kommentaren

News und Stories

Kommentare