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Fakten und Hintergründe zum Film "Spieglein Spieglein - Die wirklich wahre Geschichte von Schneewittchen"

Kino.de Redaktion |

Spieglein Spieglein - Die wirklich wahre Geschichte von Schneewittchen Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Über die Produktion

Ein unschuldiges junges Mädchen von königlichem Geblüt, ein Märchenprinz und sieben kleine Männer, die im Wald leben – die Zutaten zu Tarsem Singhs neuestem Epos kommen einem irgendwie vertraut vor… Und doch warten auf die Zuschauer einige Überraschungen und neue Wendungen, die der visionäre Regisseur der alten Legende von SPIEGLEIN SPIEGLEIN hinzugefügt hat.

Produzent Bernie Goldmann, der mit seinem Kollegen Josh Pate und der Autorin Melisa Wallack die ursprüngliche Idee zu SPIEGLEIN SPIEGLEIN hatte, ließ sich von einem Foto inspirieren, auf dem ein Model als Schneewittchen zu sehen war: „Wir wollten aus dem Märchenklassiker ,Schneewittchen‘ einen Realfilm machen, der aber vom Aussehen und von der Erzählweise her wie ein Animationsfilm wirken sollte. Uns war aufgefallen, dass diese großartige Geschichte nie wirklich in einem Film mit echten Schauspielern auserzählt worden ist.“

Auf der Suche nach einem Regisseur, der dieses Konzept umsetzen sollte, war Tarsem Singh von Beginn an der nächstliegende Kandidat. „Tarsem ist als Filmemacher perfekt für diesen Film geeignet“, sagt Goldmann. „Er weiß genau, welche Farben und welches Licht man für so eine Geschichte braucht, und er ist auch vertraut mit Projekten dieser Größenordnung. Es gibt keinen Zweiten wie ihn.“

Für Singh, der gerade noch mit den letzten Arbeiten an seinem Actionepos Krieg der Götter (Immortals, 2011) beschäftigt war, bot sich so die Gelegenheit, eine Art von Film anzugehen, an der er sich noch nie versucht hatte: einen actionreichen Familienfilm, der Elemente der Komödie und eine spannende Story mit seinem typischen, visuell überschäumenden Stil verbinden würde. „Mir wurden einige Projekte angeboten, aber dieses war eines der ganz wenigen, die mich wirklich interessierten“, sagt Singh. „Es hat eine völlig andere Energie als meine vorigen Filme, und es hat mich einfach gereizt, diese klassische Geschichte auf den neuesten Stand zu bringen.“

Nachdem Singh an Bord war, nahm auch das Drehbuch bald Gestalt an: als spektakuläres Kino-Epos mit viel Humor und auch Romantik. Singh und Goldmann entschieden sich, für ihre einzigartige neue Version die Geschichte an ihren Ursprung zurückzuverfolgen – und schon tat sich vor ihnen eine große Vielzahl an Möglichkeiten auf. „Die Geschichte hat in der einen oder anderen Form schon seit hunderten von Jahren in vielen europäischen Ländern existiert“, sagt Goldmann, „und wir konnten das, was wir bei unseren Recherchen herausfanden, gleich in unser Konzept für den Film einbauen.“ Singh erklärt: „Den Weg ganz bis an den Anfang zurückzugehen, war für mich ein sehr wichtiger Teil des Prozesses, denn es gibt tausende von Varianten der Geschichte, die sich entwickelt haben, seit sie zuerst niedergeschrieben wurde. Und die Unterschiede zwischen den verschiedenen Versionen haben uns zu vielen der Ideen geführt, die im fertigen Film zu sehen sind.“

So gibt es eine Variante der Märchen-Tradition, in der die sieben Zwerge Räuber sind, die Reisende auf der Landstraße bestehlen – oder, wie einer von ihnen im Film sagt: „Wir nehmen von den Reichen – und behalten’s!“ Goldmann sagt: „Wir fanden, das könnte eine spannende Sache sein, denn so zeigen die Figuren eine ganz andere Seite ihres Charakters. Sie sind an den Rand der Gesellschaft verbannt worden, und dies ist nun ihre Rache.“ „In manchen Fassungen der Geschichte ist auch von einem wilden Tier die Rede, das im Wald sein Unwesen treibt, und wir entschieden uns, auch das in unsere Story aufzunehmen“, so Goldmann weiter. „Außerdem haben wir die Rolle des Königs ausgebaut und ihn mit einem düsteren Geheimnis umgeben.“ Es waren aber nicht nur die historischen Abwandlungen der Geschichte von Schneewittchen, die den Film formten – auch Singh selber, für seine überaus lebhafte Fantasie bekannt, brachte immer wieder eigene Ideen ein: „Mir war von Anfang an klar, dass im Zentrum der Geschichte das Verhältnis zwischen Schneewittchen, der Königin und dem Prinzen stehen müsste.“

Goldmann ist zuversichtlich, dass der Film alle Altersgruppen ansprechen wird; er sieht ihn in einer Reihe mit anderen großen Kinoadaptionen klassischer Märchenerzählungen: „Ich hoffe, dass dieser Film auch in vielen Jahren noch die Familien begeistert und die klassische Geschichte von ,Schneewittchen‘ neu definiert.“

Produktion: Die Besetzung

Als Singh und Goldmann sich daran machten, die Story von SPIEGLEIN SPIEGLEIN in ihre endgültige Form zu bringen, schälte sich eine ganz bestimmte Figur, die im Märchen eher im Hintergrund bleibt, als Hauptrolle – und als Hauptbösewicht – heraus. Singh erklärt: „In der traditionellen Fassung des Märchens wird die Königin von ihrer Eitelkeit getrieben. In unserem Film ist aber die Machtfrage das Entscheidende. Sie will die Kontrolle über das Königreich behalten, und ihr Aussehen ist dabei vor allem Mittel zum Zweck.“

So hinterhältig, eitel und skrupellos wie die Königin ist, hätte die Rolle schnell zum Klischee werden können, aber Singh hatte eine differenziertere Vorstellung und traf konsequenterweise eine Besetzungsentscheidung, die im ersten Moment unerwartet klingt. Für die Rolle, die im Film das Böse schlechthin verkörpert, wünschte er sich eine Schauspielerin, die für das breite Publikum das genaue Gegenteil verkörpert. „Ich sah die Königin als jemanden, der gemein, verschlagen und böswillig ist, aber gleichzeitig auch andere Menschen mit ihrem Charme einwickeln kann“, sagt der Regisseur. „Julia Roberts besitzt ein so ungeheures Charisma, dass sie es mit diesem Teil der Rolle leicht hatte.“ Roberts setzt ihren beträchtlichen Charme ein, um eine skrupellose Monarchin zu spielen, die es auf einen reichen – und dazu noch gut aussehenden – jungen Mann abgesehen hat und gleichzeitig für das Waisenmädchen in ihrer Obhut nichts als Hass übrig hat. „Sie war unsere erste und einzige Wahl für die Rolle“, sagt Goldmann. „Wie sie lächelt und wie sie lacht, ist geradezu ein Markenzeichen geworden, und hier werden dieselben Attribute plötzlich zu Teilen ihrer bösen Persönlichkeit. Es hat großen Spaß gemacht, ihr zuzusehen, wie sie hier mit ihrem Image spielt.“

Gerade weil sie eigentlich ein ganz und gar anderer Typ ist, konnte Roberts ihrer Rolle noch eine zusätzliche Dimension verleihen. „Wer könnte die böse Königin besser spielen als die beliebteste Darstellerin weit und breit? Dass jemand mit einer so starken Präsenz wie Julia Roberts eine der ganz großen Übeltäterinnen der Literaturgeschichte spielt, hat uns die Möglichkeit eröffnet, wirklich ganz neu und innovativ an die Sache heranzugehen“, sagt Produzent Kevin Misher.

Weil sie Singhs bisherige Filme kannte, war Roberts umso neugieriger auf dieses Projekt. „Seine Filme sind optisch so eindrucksvoll, originell und interessant“, sagt sie. „Ich habe mich immer gefragt, wie er das bloß macht. Aber er ist einfach unerschrocken, und sein Wagemut führt dazu, dass seine Filme aus einem Guss sind, weil er sich einfach nicht verbiegen lässt. Und so hatten auch alle Schauspieler die Möglichkeit, ihre Parts voll auszuleben. Das Märchen der Gebrüder Grimm ist bloß ein paar Seiten lang, und der Disney-Film, der mit unserem rein gar nichts zu tun hat, gibt auch nicht viel her, was die Charakterisierung der einzelnen Figuren betrifft. Tarsem dringt viel tiefer in die Geschichte ein.“

Für Roberts war es auch gerade die Vielschichtigkeit ihrer Figur, die sie veranlasste, die Rolle anzunehmen: „Mich hat fasziniert, dass es sich bei der Königin um eine gespaltene Persönlichkeit handelt“, erklärt die Oscargewinnerin. „Wir sehen die Königin einerseits, wie sie im täglichen Leben erscheint, andererseits sehen wir sie als Spiegelbild, und die Gestalt im Spiegel ist ruhiger und selbstbewusster. Sie hat die Kraft und das Selbstvertrauen, das der Königin im echten Leben abgeht.“

Vor allem aber handelt SPIEGLEIN SPIEGLEIN davon, wie ein Mädchen zur jungen Frau heranwächst – trotz aller Schwierigkeiten, die sich ihr in den Weg stellen. Roberts sagt es so: „Die Königin ist eigentlich nur wegen des Konflikts da, der die Handlung antreibt. Wirklich beeindruckend ist Lily Collins als Schneewittchen. Sie sieht genauso aus, wie Schneewittchen auszusehen hat. Ich war von ihr völlig fasziniert – sie ist noch so jung und schon ein Vollprofi. Sie hat es immer sportlich genommen, dass meine Figur immer so gemein zu ihr ist, und war zu mir die Liebenswürdigkeit in Person.“

Lily Collins selbst, die schon mit ihren Auftritten in Blind Side – Die große Chance (The Blind Side, 2009) und Atemlos – Gefährliche Wahrheit (Abduction, 2011) ein breites Publikum beeindruckt hat, war fasziniert, wie mühelos Roberts sich immer wieder in ihre Filmfigur verwandelte: „Alle lieben Julias Lächeln, aber so wie sie es hier einsetzt, ist es gruselig und unheimlich. Aber weil Schneewittchen noch so jung und unerfahren ist, fällt sie auf die Königin herein. Am Anfang hat die Königin die Oberhand, aber schließlich kann Schneewittchen den Spieß umdrehen, indem sie ihre eigenen Worte gegen sie wendet. Für mich war es eine ganz bizarre Erfahrung, gemein zu Julia Roberts zu sein.“

Die Filmemacher scheuten keine Mühe und suchten einen Monat lang nach der richtigen Schauspielerin, die Schneewittchens Unschuld, aber eben auch ihre Willensstärke darstellen könnte, und fanden schließlich, nachdem sie bereits 300 Darstellerinnen hatten vorspielen lassen, Lily Collins. „Schon als sie hereinkam, wussten alle im Raum, dass sie unser Schneewittchen sein würde“, sagt Misher. „Wir casteten sie an einem 1. April, und als ihr Agent sie am nächsten Tag anrief, um ihr zu sagen, dass sie die Rolle hätte, hielt sie es für einen Aprilscherz. Es ist wirklich schwierig, eine Schauspielerin von heute zu finden, die die Eleganz einer Audrey Hepburn mit der Klasse einer Elizabeth Taylor verbindet, und dabei nichts von den aktuellen Modetorheiten übernommen hat. Lily hat man die Güte, die ihre Figur auszeichnet, sofort abgenommen.“

Goldmann stimmt zu: „Die Natur liebt Schneewittchen, und sie liebt die Natur. Ihre äußerliche Schönheit ist nur der Ausdruck ihrer inneren Schönheit. Viele junge Mädchen sind heute schon mit 21 so abgeklärt, dass es einem vorkommt, als seien sie 35. Aber Lily wirkt jung und unschuldig. Sie ist echt, nicht nur auf der Leinwand, sondern auch im wirklichen Leben, und genau so jemanden haben wir gesucht.“ Ihre Figur wird auf den aktuellen Stand gebracht, wie Collins berichtet: „Ich fand es gleich toll, dass wir Schneewittchen modernisieren. Am Anfang ist sie noch die großäugige und naive Märchenprinzessin, die wir alle kennen. Sie war immer im Turm eingesperrt und hatte keine Ahnung von dem, was draußen vor sich geht – aber sie entwickelt sich zu einem Mädchen, das für seine Überzeugungen kämpft. Sobald sie gelernt hat, sich selbst zu akzeptieren, kann sie auch in der großen weiten Welt bestehen und erwachsen werden.“ Collins ist überzeugt, dass ihre Figur überall auf der Welt Freunde finden wird: „Ich glaube, dass jedes Mädchen und jede junge Frau etwas von Schneewittchen in sich trägt“, sagt sie. „Wir haben versucht, das mit Humor rüberzubringen. Es ist eine Abenteuerkomödie für die ganze Familie.“

Auch Schneewittchens Verehrer Prinz Alcott, gespielt von Armie Hammer, entspricht nicht dem Klischee vom Märchenprinzen, sondern ist hier viel mehr ein Held unserer Zeit. Der Prinz ist die zentrale Figur im Konflikt zwischen Schneewittchen, das ihn um seine Hilfe bittet, den Thron zu besteigen, und ihrer Stiefmutter, die den Plan geschmiedet hat, den attraktiven jungen Mann selbst zu heiraten, koste es, was es wolle. „Es gibt nur wenige Schauspieler, die Würde und Adel glaubhaft verkörpern können und gleichzeitig auch in der Lage sind, sich lächerlich zu machen, so wie es der Film erfordert“, sagt Misher. „Armie gelingt dieser Balanceakt, einerseits natürliche Autorität zu haben, andererseits nicht zu merken, wenn er sich lächerlich macht, perfekt. Er ist ein Typ, den Männer gern zum Kumpel und Frauen gern als Liebhaber hätten – was eigentlich die Definition eines Filmstars ist.“

Wie Goldmann sagt, war Hammer mit seinen klassischen Gesichtszügen und seinem Maß von 1,96 Metern wie für die Rolle gemacht: „Wenn es einen Prinzen von Amerika gäbe, wäre Armie der Mann. Er ist ein sehr gutaussehender Typ mit herrschaftlicher Ausstrahlung, aber in diesem Film sehen wir auch einmal seine andere Seite. Er ist so offen, charmant und lustig – kein Wunder, dass er am Set gleich mit allen gut befreundet war.“ Auch Roberts ist der Meinung, dass es für die Rolle keinen besseren als Hammer geben konnte: „Zunächst einmal ist er ein sehr netter junger Mann“, sagt sie. „Wir hatten viele gemeinsame Szenen zu drehen, und er war immer perfekt vorbereitet und unglaublich komisch. Er hat viel Humor, er hat aber auch eine große Ernsthaftigkeit. Man möchte einfach immer noch mehr von ihm sehen.“ Für Hammer wurde die Rolle natürlich auch dadurch besonders interessant, dass er so die Chance hatte, mit Roberts zusammen zu arbeiten: „Sie ist hundertprozentig Julia in ihrer Rolle, und das ist einfach fantastisch. Ich war immer wieder beeindruckt, mit welcher Perfektion sie ihr Handwerk beherrscht. Jede Bewegung, jede Geste – alles spielt sie mit unglaublicher Genauigkeit. Das Publikum kriegt hier eine Julia zu sehen, die es so noch nicht kennt.“

Dabei hatte Hammer anfangs noch Zweifel, ob die Rolle des „Märchenprinzen“ wirklich zu ihm passen würde: „Es hörte sich so süßlich an“, sagt er. „Ich habe Tarsem meine Sorgen geschildert und er sicherte mir zu, dass ich meine Figur auch selbst mitgestalten könnte. Er sagte, dass er einen Film darüber machen wollte, wie man Mut, Liebe und seinen Platz in der Welt findet, und das mit viel Humor und hoffentlich großartigen schauspielerischen Leistungen. Seine Begeisterung für das Projekt war wirklich ansteckend. Man kann gar nicht anders, als bis in die Haarspitzen motiviert zu sein, wenn man mit ihm am Set ist.“ Hammer sieht den Prinzen als eine Figur, die ebenso sehr wie Schneewittchen auf der Suche nach ihrem Lebenszweck ist: „Er hat eigentlich alles, was ein guter Prinz so braucht“, sagt er. „Er kann mit dem Schwert umgehen, er kann tanzen, er hat Geschichte, Naturwissenschaften und Mathematik gelernt. Er kennt die Welt – aber eben nur auf dem Papier. Er weiß nicht, wie es wirklich in der Welt zugeht, und so zieht er los auf der Suche nach Abenteuern – und er erlebt auch welche, und zwar mehr, als er sich gewünscht hat…!“

In Abweichung von der Überlieferung erfanden die Filmemacher eine wichtige Figur am Hofe der Königin hinzu: Brighton, ihren ergebenen, aber unfallträchtigen Diener. „Brighton füllt den Platz in der Geschichte, den sonst der Jäger eingenommen hatte“, sagt Goldmann. „Es ist eine ziemlich vielschichtige Rolle. Er ist derjenige, der entscheidet, Schneewittchen leben zu lassen, aber er ist eben auch der Sidekick der Königin. Als wir uns verschiedene Schauspieler daraufhin anguckten, wie sie sich an Julias Seite machen würden, wurde uns auch immer klarer, was für einen Film wir eigentlich machen wollten.“

Nathan Lane, mehrfach mit Tonys und Emmys ausgezeichnet, erweckt Brighton in einer komödiantischen Meisterleistung zum Leben. „Nathan hat auch die anderen Darsteller sehr beeinflusst“, sagt Goldmann: „Er ist als Komiker ein echter Könner, und dabei so freigiebig mit seinem Talent. Er war auch immer für die anderen Darsteller, mit denen er zusammenspielte, da.“ Brighton hat als Diener der Königin schon viel gelitten und sich viele Beschimpfungen anhören müssen, und doch gibt er immer wieder sein Bestes, ihre Wünsche zu erfüllen, wie Lane sagt: „Er ist eine ständige Enttäuschung für sie. So, stelle ich mir vor, muss es Faye Dunaways Assistenten gegangen sein, aber bei uns gibt es dabei wenigstens etwas zu lachen.“ Scherzhaft erklärt Lane, was ihn an der Rolle besonders anzog: „Ich habe wegen des Kostüms Ja gesagt“, erklärt er. „Es war die Gelegenheit, wie Shirley Booth, Gott hab sie selig, auszusehen, und daher konnte ich gar nicht anders: Ich musste Brighton spielen.“

In Wirklichkeit, gibt er zu, war es doch eher die Gelegenheit, mit Roberts zusammen zu spielen. Begegnet waren sich die beiden schon vor einigen Jahren auf einer Benefiz-Veranstaltung für Paul Newmans „Hole in the Wall Gang Camp“-Stiftung für Kinder mit lebensbedrohlichen Krankheiten. „Ich war sicher, dass wir sehr viel Spaß miteinander haben würden“, sagt er. „Ihre Rolle ist ein bisschen wie die in Die Hochzeit meiner besten Freundin, nur noch viel gemeiner. Sie ist im Film nicht nett, aber die besten Rollen sind nun mal die Bösewichter. Wenn man jemanden wie die böse Königin spielt, macht es besonderen Spaß, eine Person zu spielen, die anscheinend völlig gewissenlos ist. Und außerdem sieht Julia in ihren Kostümen einfach umwerfend aus.“

Wie Lane und Roberts miteinander umgehen, gehört zu den komischen Glanzstücken des Films. „Zusammen sind sie geradezu verspielt, wenn sie ihre finsteren Pläne schmieden“, sagt Misher. „Das erwachsene Publikum sieht sie als die Schurken, aber für die Kinder sind sie vor allem die Quatschmacher. Brighton war ursprünglich eine viel kleinere Rolle, aber wenn man jemanden wie Nathan besetzt, wird es automatisch eine Rolle für einen Star.“

Nachdem Brighton Schneewittchen allein im Wald zurücklässt, gerät sie an eine Bande von streitsüchtigen Gesetzlosen, von denen ihr keiner weiter als bis zum Kinn reicht. Singh hat die arbeitsamen Zwerge als Gaunerbande neu erfunden, die sich auf Verbrechen verlegt haben, nachdem sie aus ihrem Dorf vertrieben wurden. „Der Königin geht es nur um äußere Schönheit, und weil sie nicht dem Schönheitsideal entsprachen, hat sie sie vertreiben lassen“, sagt Goldmann. „Das ist so ein Detail, das der Geschichte und den Figuren emotionale Tiefe gibt; dadurch versteht man viel besser, was sie antreibt.“ Für seine radikale Neuinterpretation der Sieben Zwerge fand Singh sieben außergewöhnliche Darsteller: „Wir haben mit der Besetzung unglaubliches Glück gehabt, und das gilt auch für diese Schauspieler“, sagt er: „Es war wirklich phänomenal, mit welcher Energie und mit wie viel Kreativität sie ihre Rollen angegangen sind.“

Die Filmemacher wollten keinesfalls die bekannten Figuren nachstellen; stattdessen hatten die Darsteller die Aufgabe, ihre Rollen mitzugestalten. „Wir haben zuerst die Schauspieler ausgewählt und danach dann die Rollen entwickelt, entsprechend ihrer jeweiligen Persönlichkeit“, erklärt Goldmann. „Alle Darsteller waren daran beteiligt, ihre Rollen auszuarbeiten; jeder von ihnen musste schließlich mit seinem ganz besonderen Talent dazu beitragen, Schneewittchen zu helfen, erwachsen zu werden.“

So nahmen die Rollen von Grummel, Grimm, Romeo, Napoleon, Wolf, Grins und Mampf (gespielt von Martin Klebba, Danny Woodburn, Mark Povinelli, Jordan Prentice, Sebastian Saraceno, Ronald Lee Clark und Joe Gnoffo) nach und nach Gestalt an. Klebba erklärt: „Meine Figur heißt Grummel, weil sie im Dorf der mürrische Metzger war. Romeo war der Kneipenwirt. Grimm war Lehrer. Alle haben im Dorfleben ihren festen Platz gehabt, aber es verbindet sie eigentlich nichts, außer dass sie alle wegen ihrer Körpergröße ausgestoßen wurden.“ Clark fügt hinzu: „Nachdem sie verbannt wurden, werden die Sieben zu einer richtigen Familie. Sie streiten sich dauernd, aber sie halten eben auch zusammen, weil sie wissen, dass sie aufeinander angewiesen sind.“

Und auch Schneewittchen ist auf sie angewiesen, um ihren Weg aus dem Wald hinaus zu finden. Nach und nach lernt sie ihre ungewöhnlichen Lehrmeister besser kennen, und so erfährt auch der Zuschauer, welche speziellen Fähigkeiten jeder der Sieben hat. Woodburn sagt: „Jeder bringt ihr etwas anderes bei: Schwertkampf, Ringen, schmutzige Tricks und Geistesgegenwart. Vor allem bringen sie ihr aber bei, an sich selbst zu glauben.“

Collins arbeitete eng mit ihnen allen zusammen, und so entwickelte sich bald ein Kameradschaftsgeist, ganz ähnlich wie der, den man im Film sieht. Sie sagt: „Martin, Danny, Mark, Sebastian, Jordan, Ronald und Joe sind einfach großartig. Sie haben allesamt wunderbare Figuren geschaffen, die sich alle perfekt in die Gruppe einfügen, auch wenn jede ihre ganz besonderen Eigenheiten hat.“ Das Ensemble runden die Oscar-nominierte Mare Winningham als Margaret, die Bäckerin und Schneewittchens Vertraute im Palast, der Oscar nominierte Michael Lerner als Baron, dessen ungeschickte romantischen Avancen die Königin auf Hundertachtzig bringen, Sean Bean als König und Schneewittchens wohlmeinender, aber unglückseliger Vater und der junge britische Darsteller Robert Emms als Charles Renbock, Prinz Andrews treuer Diener und Reisegefährte, ab. Singh war überglücklich angesichts der Leistungen all seiner Nebendarsteller, die ihren entscheidenden Beitrag dazu leisteten, seine Fantasie zum Leben zu erwecken. Er sagt: „Man will immer die besten Schauspieler für seinen Film. Der Film soll ja möglichst lange Zeit überdauern, und ein solch wunderbares Ensemble ist die beste Garantie dafür.“

Roberts sieht die Ensembleleistung auch als Ergebnis von Singhs Talent und Vorstellungskraft: „Jeder hat in seiner Rolle alles gegeben“, sagt sie, „und ichbin überzeugt, das liegt auch daran, dass wir es für Tarsem getan haben, um so Teil der magischen Welt zu werden, die er geschaffen hat.“

Produktion: Kostüme und Design

Wer schon einmal einen von Tarsem Singhs Filmen gesehen hat, den wird nicht überraschen, dass auch SPIEGLEIN SPIEGLEIN ein optisch außergewöhnliches Werk geworden ist. Die Sets, darunter der verschneite Wald, die Behausung der Zwerge in einem hohlen Baum, der große Festsaal der Königin und das riesige Schlafzimmer der Königin – ihr Lieblingsort um ruchlose Pläne auszuhecken, entstanden in großen Studiohallen in Montreal. Ergänzt wird das Bild durch die üppigen Kostüme, Frisuren und Make-Up, die fröhlich Stilelemente mehrerer Jahrhunderte verbinden und historisch korrekte Details mit purer Fantasie mischen. Wie der ausführende Produzent Kevin Misher sagt: „Tarsem versteht es, jeden seiner Filme mit einer ganz speziellen Mischung aus Poesie, Magie und einem ausgewöhnlichen Look zu versehen. Bei ihm kommen Einflüsse von ostasiatischer Architektur bis zu westlicher Kultur zusammen – und alles dazwischen auch.“

Das Szenenbild war von Beginn an ein Herzstück der Produktion, wie Singh sagt: „Als ich anfing, mir die Bilder von SPIEGLEIN SPIEGLEIN vorzustellen, erinnerte ich mich an einen russischen Film mit dem Titel Ivans Kindheit (Ivanovo detstvo, 1962). Darin gibt es eine Liebesszene, die sich in einem Birkenwald abspielt. Ich dachte gleich, dass ein solches Set den Tonfall des ganzen Films bestimmen könnte.“ Singh erklärt seine große Leidenschaft für optische Details so: „Eine künstliche Welt zu erfinden, ist eine wundervolle Erfahrung. Mir geht es darum, eine Welt zu schaffen, in der die Figuren wirklich leben könnten, denn so können die Schauspieler ihre Rollen besser verstehen. Es war eine reine Freude, diese Welt für die Figuren aufzubauen.“

Szenenbildner Tom Foden, Kameramann Brendan Galvin und Kostümbildnerin Eiko Ishioka hatten alle schon mit Singh bei dessen ersten drei Kinofilmen zusammengearbeitet. Diese jahrelange künstlerische Partnerschaft war einer der Schlüssel zum Erfolg, wie Goldmann sagt: „Tom und Tarsem haben eine Art der Zusammenarbeit entwickelt, die von Beginn an die Atmosphäre des Films vorgibt. Tom hat die Grundlage für die Magie und die Emotionen gelegt, die dann die Geschichte liefern würde. Er ist ein wunderbarer Designer, der uns mit seiner Arbeit schon sehr viel bei der Gestaltung der Rollen abgenommen hat.“ „Dabei zu sein, wie die Sets entstanden, war einfach umwerfend“, so Goldmann weiter. „Mir war immer klar, dass ich so etwas vielleicht nie wieder zu sehen bekommen würde. Es war in gewisser Weise ganz altmodisch, so als ob wir uns in den 30er oder 40er Jahren befänden und bei Warner Bros. einen Film drehten. Das handwerkliche Niveau war bis ins letzte Detail hinein einfach unglaublich, wir sind da wirklich in die Vollen gegangen.“

Die Filmemacher entschieden sich auch dafür, so wenige Spezialeffekte wie möglich zu verwenden und lieber so viel wie möglich mit echten Bauten zu drehen. „Natürlich haben wir auch Green Screen verwenden müssen, und die Spezialeffekte, die wir haben, sind wundervoll“, sagt Singh. „Aber mir war es wichtig, dass die Schauspieler in einer realen Umgebung agieren können, und dazu brauchten wir so viele derart große Sets.“

Das so entstandene Szenenbild war anders als alles, was Roberts jemals gesehen hatte. „Die Sets waren sensationell“, sagt sie voller Bewunderung. „Die verzauberte Hütte, in der die Königin ihr Alter Ego trifft, ist wunderschön, und der große Festsaal, wo wir die Partyszenen gedreht haben, war überwältigend. Wenn man diesen riesigen Raum voller Menschen in schrillen Kostümen sieht, macht das schon etwas her. Solche Filme werden eigentlich gar nicht mehr gemacht.“ Auch Hammer hatte sich die Sets längst nicht so groß und dramatisch vorgestellt: „Das Schlafzimmer der Königin war größer als ein Amphitheater“, sagt er. „Das Ganze hatte solche gewaltigen Ausmaße und eine solche Atmosphäre, dass man sich ganz auf diese fantastische Welt einlassen konnte. Wer sich den Film anschauen geht, bekommt etwas ganz Einzigartiges zu sehen.“

Die wahrhaft außergewöhnlichen Kostüme – von den extravaganten goldenen und blutroten Roben der Königin bis zu Schneewittchens pastellfarbenen Kleidern und der klar konturierten Kleidung, die sie bei den Kämpfen trägt – sind die letzten Schöpfungen der jüngst verstorbenen Eiko Ishioka für einen Kinofilm gewesen.

Die Oscar-prämierte Kostümbildnerin hat mit Singh an allen seinen Kinofilmen gearbeitet. „Die Zusammenarbeit zwischen Tarsem und Eiko fand auch auf einer spirituellen Ebene statt, und diese Verbindung merkt man ihren gemeinsamen Arbeiten auch an“, sagt Misher. „Für mich ist ihre Arbeit an diesem Film ein wunderbares Zeugnis ihres gesamten Schaffens und insbesondere ihrer Arbeit für Tarsem. Ihr einmaliges Geschenk wird uns immer daran erinnern, was für ein besonderer Mensch sie war.“ Ishioka, die für die spektakulären Kostüme von Francis Ford Coppolas Bram Stokers Dracula (Dracula, 1992) mit einem Oscar ausgezeichnet wurde, war auch als bildende Künstlerin renommiert, deren Arbeiten etwa im New Yorker Museum of Modern Art gezeigt werden. „Sie war eine herausragende Künstlerin“, sagt Singh. „Sie hat nicht nur Kostüme entworfen, sie hat Kunst geschaffen.“

Ihre aufwendigen und fantasievollen Entwürfe sind wahre Schaustücke, dabei aber immer auf die Persönlichkeit der jeweiligen Figur abgestimmt. Hier ließ sie sich von verschiedenen Stilepochen vom 16. bis zum 19. Jahrhundert inspirieren, um daraus etwas gänzlich Neues, Eigenes zu schöpfen. „Eiko war immer für dramatische Effekte zu haben“, sagt Goldmann. „Aber genau wie Tom Foden und Brendan Galvin beruhte alles, was sie machte, auf den Charakteren. Sie war ein visuelles Genie, aber sie war nicht weniger genial, wenn es darum ging, die Figuren von Schneewittchen und dem Prinzen zu formen. Die Schauspieler machten so nicht nur eine emotionale Entwicklung im Lauf der Geschichte durch, sondern auch eine körperliche.“ Zu Ishiokas beeindruckender Leistung gehören nicht nur die Kostüme für die Hauptdarsteller: Sie entwarf auch die über 300 Kostüme für die Komparsen, die fast alle in Handarbeit hergestellt wurden. Wie Armie Hammer sagt, machten auch all diese Anstrengungen für ihn den besonderen Reiz des Films aus: „Die Kostüme haben den Ton schon vorgegeben. Eiko hat großartige Arbeit geliefert, die Kostüme sind gleichzeitig völlig überzogen, aber auch absolut glaubwürdig.“

Das Makeup und die Frisuren im Film, die die überkandidelte Opulenz der Kostüme verlängern, sind das Werk von Maskenbildnerin Felicity Bowring. „Alles beruhte auf Eikos Entwürfen“, sagt sie. „Es war ein großes Vergnügen, mit den lebhaften Farben, die sie ausgewählt hatte, zu arbeiten. Man muss sich nur den Effekt vorstellen, wenn Leute Knallrot, Gelb, Orange, Grün, Pink und Silber in ein und derselben Szene tragen. Für den Kostümball haben wir den Gästen verschiedene Tiermasken, die wir selbst entworfen hatten, aufgesetzt und haben eben keine konventionellen Masken verwendet. Und auch die Frisuren mussten mit den Kostümen mithalten können. Wenn ein Kleid mit seinem Reifrock einen Meter weit vom Körper absteht, mussten wir das mit einer Perücke ausbalancieren, die groß genug war, um auch selbst außergewöhnlich zu wirken.“

Produktion: Stunts und Dreharbeiten

Vor dem Hintergrund der bis ins Detail ausgearbeiteten Welt erzählt SPIEGLEIN SPIEGLEIN davon, wie eine überbehütete Prinzessin das Leben außerhalb der Palastmauern zu meistern lernt. Dank des Trainings ihrer Gastgeber im Wald lernt Schneewittchen, sich zu verteidigen – wie in eindrucksvollen Actionsequenzen zu sehen ist. Wie stets ging es Singh auch hier um Authentizität. „Ich wollte echte Kämpfe mit echten Waffen und echter Aggression“, sagt er. „Vor allem aber wollte ich, dass die Dreharbeiten für die Schauspieler ein echtes Abenteuer würden.“ Die Hauptdarsteller unterzogen sich einem monatelangen harten Training, das sie für die äußerst fordernden Actionszenen, die unter anderem Schwertkämpfe, Akrobatik und Reiten im gestreckten Galopp umfassten, fit machte. „Wir haben fünf Tage die Woche sechs Stunden täglich mit dem Schwert geübt“, sagt Hammer, „und ich habe auch noch die Schwielen als Beweis. Ich habe gelernt, mit dem Schwert in der Hand einen Überschlag zu machen, und zwar vorwärts, rückwärts und seitwärts – alles Sachen, die ich vorher beim besten Willen nicht hingekriegt hätte. Ich konnte kaum abwarten, den nächsten Trick zu lernen. Am besten hat mir gefallen, im Galopp direkt ins Set hinein zu reiten.“

Collins fügt hinzu: „Wir hatten sehr viel Kampftraining. Wir haben Schwertkampf und Fechten und Akrobatik trainiert und hatten daneben auch noch Ausdauertraining. Wir haben Workout betrieben, wir sind gelaufen und wir haben Gewichte gehoben. Das war alles eine sehr intensive Erfahrung.“ Kampftrainer Jean Frenette brachte den Schauspielern Schritt für Schritt die Grundlagen der Kampfkunst bei. „Das Ganze baut aufeinander auf. Am Anfang ist es wie bei der Grundausbildung beim Militär. Dadurch, dass wir alle Übungen so oft wiederholen, kriegen die Schauspieler mehr Selbstbewusstsein und verbessern ihre Fähigkeiten. Wir machen schon ernst, aber wir wollten es natürlich auch nicht übertreiben und sie zum Burnout treiben. Es ist sehr ähnlich, wie wenn man einen Spitzensportler auf einen großen Wettkampf vorbereitet.“ Der Stuntkoordinator Marc Desoudry fügt hinzu: „Lily und Armie waren fantastisch. Sie sind talentiert und haben eine Super-Körperkoordination, und sie sind schnelle Lerner. Lily hat sehr viel Wert darauf gelegt, ihre Stunts alle selbst zu machen. Wir haben sie Überschläge und andere akrobatische Übungen machen lassen, und mit Armie haben wir dasselbe gemacht. Wenn man sie in Nahaufnahme bei den Fechtszenen sieht, sind sie das in jeder Einstellung selbst.“ Das Endergebnis, das so mühelos wirkt, rechtfertigt den enormen Aufwand, der in die Actionsequenzen gesteckt wurde, wie Goldmann sagt. „Wenn man sie in den Szenen sieht, vergisst man einfach, wie viel Mühe es gekostet hat. Lily und Armie haben geübt und trainiert, sie haben so viel Zeit in die Vorbereitung gesteckt, dass sie wirklich perfekt waren, als es dann darauf ankam.“

Eine von Singhs trickreichen Neuerungen führte zu einer Reihe von Actionszenen, die gründliche Vorbereitung und Wagmut erforderten. Weil die Zwerge seinerzeit wegen ihrer mangelnden Körpergröße aus dem Dorf vertrieben wurden, stellte er sich vor, dass Größe bei ihnen zu einer fixen Idee wurde: Um ihre geringe Größe zu kompensieren, gehen sie bei ihren Raubüberfällen auf Stelzen. Desoudry tat im französischen Toulouse eine Gruppe von furchtlosen Stelzenartisten auf, die den Schauspielern Unterricht gaben. „Sie waren großartig“, sagt er. „Sie haben unseren Jungs nicht nur beigebracht, wie man auf Stelzen geht, sondern auch, wie man auf ihnen rennt und hüpft. Die Stunts mit den Stelzen sind absolut sensationell und anders als alles, was man bisher gesehen hat. Das ist ein echter Leckerbissen für das Publikum.“

Der spektakuläre Höhepunkt des Films ist ein Galaball aus Anlass der Hochzeit von Schneewittchen und ihrem Prinzen. Singhs Idee war es, die ausgelassene Feststimmung noch mit einer glanzvollen Tanznummer im Bollywood-Stil zu steigern. Er wählte Nina Harts Popsong „Love“, der Ende der 60er Jahre erstmals ein Hit wurde. „Den Song hatte ich gleich von Anfang an im Sinn gehabt, aber es hieß immer wieder, wir würden die Rechte daran nicht bekommen können“, erzählt der Regisseur. „Aber ganz kurz vor Drehbeginn klappte es dann doch noch. Und als ich hörte, dass Lily richtig gut singen konnte, ließ ich sie den Song im Studio aufnehmen. Sie war fantastisch. Wir wussten, dass wir ihren Gesang bei der großen Tanznummer einfach verwenden mussten.“ Choreograf Paul Becker war schon in der Vorbereitungsphase des Drehs dabei, um die Nummer zu gestalten, bei der nicht nur das gesamte Ensemble, sondern auch zusätzlich 200 Statisten auftreten sollten. „Es fängt ganz unvermittelt an“, sagt er. „Lily fängt plötzlich an zu singen und zu tanzen und alle anderen wundern sich im ersten Moment, was sie vorhat. Doch dann machen als erster die Zwerge mit, und schließlich tanzen alle. Es ist eine Riesenparty.“

Becker gestaltete die Tanznummer in Anlehnung an die legendären, aufwendigen Choreografien von Busby Berkeley – Aufnahmen aus der Vogelperspektive eingeschlossen, die die wirbelnden Muster zeigen, wie sie die Tänzer mit ihren Bewegungen bilden. Collins sagt: „Es war unglaublich toll. Es war wie in einem großen Musikvideo, hunderte von Leuten tanzten um mich herum. Wir haben richtig vom Leder gezogen. Ich hätte mir nie vorstellen können, jemals bei einer solchen Sache mitzumachen. Es war einfach wundervoll.“ Was Singh mit seiner reichhaltigen Fantasie immer wieder gelingt: die Darsteller und das Publikum gleichermaßen in seine funkelnden Fantasiewelten hineinzuziehen, wie Collins sagt: „Jeder liebt eine schöne Märchengeschichte. Sie schaffen einen Raum, in dem man lachen kann, in dem man sich fürchten kann und in dem man sich einfach mitreißen lassen kann. Unsere Geschichte ist für alle Generationen gedacht, und genauso ist es ja auch bei einem Märchen: etwas, mit dem jeder etwas anfangen kann.“ Roberts stimmt zu: „Ich glaube, das Publikum kann sich in diesem Film verlieren. Ich wünsche mir, dass sich das Publikum einfach zurücklehnt und sich für zwei Stunden voll und ganz in diese Welt versetzen lässt.“

Singhs größte Hoffnung ist es, dass das Publikum auf diese Weise das genießt, wofür Schauspieler und Crew so hart gearbeitet haben. „Mein Hauptziel bei diesem Film war es, einen Familienfilm zu schaffen, der den Leuten einfach Spaß macht“, sagt er. „Es war eine große Ehre für mich, diese klassische Geschichte neu zu interpretieren, die so viele Menschen über Generationen hinweg fasziniert hat. Ich kann nur hoffen, dass dem Publikum auch gefällt, was wir geschaffen haben.“

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