Späte Aussicht

  

Filmhandlung und Hintergrund

Anfangs ist es bloß eine Wette, am Ende ein flammendes Plädoyer gegen den Pflegenotstand. Geschickt verpackt Ariela Bogenberger ihre Botschaft in eine Geschichte über Vater und Tochter. Selbst wenn die Botschaft schließlich auch noch explizit ausgesprochen wird, so hat die Autorin ihr Ziel trotzdem erreicht: Man ist nicht bloß ergriffen und erschüttert, sondern auch bereit zu handeln. Denn anders als bei Dokumentationen...

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Kritikerrezensionen

  • Anfangs ist es bloß eine Wette, am Ende ein flammendes Plädoyer gegen den Pflegenotstand. Geschickt verpackt Ariela Bogenberger ihre Botschaft in eine Geschichte über Vater und Tochter. Selbst wenn die Botschaft schließlich auch noch explizit ausgesprochen wird, so hat die Autorin ihr Ziel trotzdem erreicht: Man ist nicht bloß ergriffen und erschüttert, sondern auch bereit zu handeln.

    Denn anders als bei Dokumentationen zum Thema „Satt & sauber“, die einen ähnlichen Effekt erzielen wollen, sieht man das Schicksal der betroffenen alten Menschen hier durch die Augen eines Mannes, der das vorher alles nicht so schlimm fand. Tochter Silvia (Anna Maria Mühe) schon, und deshalb will sie die Ausbildung zur Altenpflegerin abbrechen. Vater Peter (Herbert Knaup) ist sauer: Er hat ihr schon drei teure Lehrwege finanziert. Also schlägt er ihr einen Deal vor: Wenn er es zwei Monate als Hilfspfleger in dem Altenheim aushält, wird sie die Ausbildung beenden.

    Schon das Angebot ist märchenhaft, erst recht aber die Konstruktion, die das Drehbuch nun bemüht: Peter hat eine eigene Firma und arbeitet rund um die Uhr, kann die Geschäfte jedoch mal eben seiner Mitarbeiterin (Rosel Zech) überlassen, die den Laden prompt zur Zufriedenheit aller schmeißt. Aber wichtiger sind ja auch die Erfahrungen, die Peter quasi inkognito bei den Senioren sammelt. Bogenbauers Schilderungen mögen klischeehaft erscheinen, doch gerade das ist ja das Traurige: Das Klischee entspricht der Realität. Die Belegschaft des Heims ist chronisch unterbesetzt. Das Personal reicht gerade, um die Heimbewohner körperlich zu versorgen; für seelische Notstände ist keine Zeit. Auf den ersten Blick bergen die verschiedenen Marotten der alten Herrschaften sogar Potenzial für komische Momente; Herr Hausschild (Heinz Baumann) zum Beispiel will sich ständig aus dem Staub machen, um seine (längst verstorbene) Gattin in Brüssel zu besuchen. Wenn aber gleichzeitig eine Frau umkippt, eine andere es nicht mehr rechtzeitig zum Klo geschafft hat und der Pfleger sich eigentlich klonen müsste, um alle drei zu versorgen: Dann ist das Schmunzeln ganz schnell aus dem Gesicht gewischt.

    Glücklicherweise konnten es sich Buch, Regie (Sylvia Hoffman) und Redaktion verkneifen, die dramatischen Missstände in irgendeiner Form zu beschönigen. Deshalb fruchten auch alle Verbesserungsversuche nichts: Agnes (Suzanne von Borsody), examinierte Pflegerin, sorgt zwar dafür, dass das Heim kontrolliert wird, doch das hat bloß zur Folge, dass der alte Herr Geier (Ernst Stankovski) nicht mehr in der Küche helfen darf. Damit wird ihm der Lebensinhalt genommen; er beginnt, Schlaftabletten zu sammeln. Außerdem soll ein Zaun um das Heim gezogen werden, was den Etat belastet; das Geld muss anderswo wieder eingespart werden. Selbst am Rande der Handlung bleibt Bogenbauer ihrer Linie treu: Agnes, die zunächst der Meinung ist, Peter und Silvia hätten ein Verhältnis, wäre selbst nicht abgeneigt, doch eine Romanze ist ihr vorerst nicht vergönnt. Peter und Silvia erleben gleichfalls nicht das Ende, das sie zweifelsohne erhofft haben; auch wenn der Vater zum Abschied noch eine engagierte Sonntagsrede hält.

    Gegenentwurf zu den Aufrechten ist neben der emotionslosen Heimleiterin (Franziska Walser) eine von Sabine Orléans bis an den Rand des Zumutbaren gespielte Pflegerin, die die Alten in ihrer völligen Erschöpfung anschreit, beschimpft und schließlich fixiert. Trotzdem gelingt dem Film das Kunststück, nicht zu deprimieren, sondern aufzurütteln. tpg.

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