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Fakten und Hintergründe zum Film "Sounds and Silence"

Fakten und Hintergründe zum Film "Sounds and Silence"
Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Über den Film

Das erste Mal begegneten wir Manfred Eicher bei Dreharbeiten. Er und Bruno Ganz im Radiostudio in Zürich bei Sprachaufnahmen von T.S. Eliots „Das wüste Land“: Stimme, Musik, dann absolute Ruhe. Eine Konzentration, die den Raum erfüllte. Eine Diskussion im Flüsterton um die richtige Pausenlänge, dann ein erneuter Versuch… Es war faszinierend, den beiden beim Hören und Zuhören zuzuschauen. Die Konzentration und die Leidenschaft in die Gesichter geschrieben. Da ein Runzeln auf der Stirn, dort ein Glänzen in den Augen, ein Räuspern und ein Blick zum Andern. Und wieder Stille…

Das zweite Mal trafen wir Manfred Eicher am Firmensitz von ECM. Eine Betonburg neben der Autobahn München-Lindau, Ausfahrt Gräfelfing. Lange mussten wir suchen, bis wir neben einem alles dominierenden Eingang eines HiFi-Discountmarktes das unscheinbare Schild „Editon of Contemporary Music / ECM“ fanden. Im obersten Stockwerk eine Türe wie zu einem Lagerraum. Dahinter sechs Zimmer, nüchtern eingerichtet, einzig belebt durch die mit CDs zum Bersten vollen Holzregale. Vor den Fenstern, in verwitterten Eternitwannen, ein paar Ziertannen. Der Blick auf die Schlaufe der Autobahnausfahrt. Hier trafen wir ihn wieder, den Gründer, die Seele, den Motor von ECM. Er sass hinter seinem Schreibtisch, den Kopf in die Hände gestützt und hörte aus den in die Jahre gekommenen Studiomonitoren eine Musikprobe. Eine helle Frauenstimme überstrahlte die spätherbstliche Nebelstimmung. Eleni Karaindrou, die griechische Komponistin, sagt im Film ein paar bemerkenswerte Sätze über Manfred Eicher: „Dort wo Manfred arbeitet, setzt er sich voll und ganz ein. Das ist das Wesen der Leidenschaft. Er gibt sich dem Moment hin und gehört dann voll und ganz dem jeweiligen Künstler“.

Es ist die Leidenschaft, die Konzentration, das Verschmelzen mit der Arbeit, die diesen kostbaren Moment, wo die Zeit stehen zu bleiben scheint, herzustellen vermag. Diesen Zustand zu erfassen und weiterzugeben, das ist die Faszination unserer filmischen Arbeit.

„Köln Concert“ von Keith Jarrett, „Officium“ von Jan Garbarek und dem Hilliard Ensemble, „Tabula Rasa“ von Arvo Pärt … Es gibt kaum jemanden, der nicht schon Musik aus dem Haus ECM gehört hat. Man kennt einzelne Werke oder Künstler, kaum aber das Netzwerk, dessen Teil sie sind. Und schon gar nicht den Mann, der das Netzwerk formt und zusammenhält. Dabei ist ECM das einflussreichste Label für zeitgenössische Musik und Manfred Eicher der bedeutendste Produzent in diesem Bereich. Weltweit.

Doch es geht uns nicht um Quantität und Superlative. Es geht uns um künstlerische Inhalte, um musikalische Qualität und um die ganz besonderen Bedingungen, unter denen sie entstehen. Trotz der Grösse und Vielfalt der Palette, die inzwischen über 1’000 Veröffentlichungen umfasst, und trotz des kommerziellen Erfolgs produziert ECM nicht Mainstream, ist die Edition of Contemporary Music keine Fliessbandfabrik für Musik. Sie ist im Reich der Töne, was Hans-Magnus Enzensbergers „Andere Bibliothek“ bei Eichborn im Reich der Wörter ist: eine Garantin für das intelligente Besondere. Manfred Eicher steht für Musik, die nicht nur konsumiert werden will, und für Künstler mit Lebensgeschichten, Überzeugungen und herausragendem Können.

Diese Welt wollen wir vor Augen und zu Ohren führen. In Zeiten von MusicStar-Retorten, Videoclip-Überreizung, Soundtrack-Zumüllung und kommerziellem Allgegenwärtigkeitsanspruch wollen wir Musik filmisch anders und Film musikalisch anders behandeln. Bildwelten schaffen, statt Kürzestsequenzen zusammenpuzzeln, Tönen nachgehen, statt Sounds reproduzieren – und auch der Stille Raum geben. Nicht das fertige Produkt in Szene setzen, sondern die Entstehung von Musik begleiten, ihre Bedingungen erkunden und ihre Bedeutung ergründen: Menschen entdecken, Stimmungen folgen, Erklärungen finden, Töne einfangen – und das Viele zu einem Ganzen verdichten, zu einer konzertierten Reise durch Klanglandschaften. Der Musik auf der Spur.