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Fakten und Hintergründe zum Film "Sonic Mirror"

Fakten und Hintergründe zum Film "Sonic Mirror"
Poster

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Über den Film

In den alten archaischen Kulturen vergangener Zeiten hatte Rhythmus und Klang rituellen Anteil am Leben des Menschen; Der Mensch konnte sich als Einheit eines kosmischen Ganzen betrachten. Die innere Welt des menschlichen Organismus war durchwoben mit sphärischen Klängen und Rhythmen. Der Mensch erlebte sich selbst im Einklang mit der Welt, durchwoben vom kosmischen Herzschlag. In den darauffolgenden Kulturen der menschlichen Entwicklung erlebte sich der Mensch immer stärker abgesondert von diesem kosmischen Ganzen und wurde zu sich selbst geführt.

Im Film SONIC MIRROR wird dieser archaische Klangspiegel erlebbar; Musik wird hier als eine nonverbale Ausdrucksmöglichkeit verstanden, welche es ermöglicht über den Rhythmus und den Klang die unsichtbare innere Welt mit der äusseren Welt abzugleichen. Das Konzert mit Billy Cobham und Okuta Percussion war der Versuch des Jazzmusikers und einer afrikanischen Percussion group, einen musikalischen Dialog mit Menschen zu führen, die ihr seelisches Vermögen nicht entsprechend zum Ausdruck bringen können; Menschen des autistischen Spektrums.

Autismus ist eine tiefgreifende Entwicklungsstörung und lässt sich aus dem griechischen ableiten, das soviel wie > selbst < bedeutet. Dieser Begriff hat sich zum Synonym gebildet für das nach Innen gewandt sein, der fehlenden Interaktion und Identifikation mit der jeweiligen Umwelt, bis hin zur Isolation und damit das auf sich Selbst geworfene Sein. Dass eine solche Isolation bis zum Identitätsverlust führen kann, wird durch biographische Erzählungen in der zeitgenössischen Literatur autistischer Menschen belegt.

Der Einbruch in die Tiefen der Identitätslosigkeit seit der frühesten Kindheit verhindert den Aufbau von Selbstkompetenz, d.h. bestimmte Entwicklungsschritte werden nur bedingt durchlaufen oder entwickeln sich nicht kongruent zur Gesamtentwicklung. Der Dialog mit sich selbst, ist mehr auf innere Prozesse und spezifische Erfahrungen bezogen und damit für die Aussenwelt selten nachvollziehbar. Die fehlende Eigenwahrnehmung und damit der Verlust des sozialen Kontexts führt in der Folge zu übersteigerten Reaktionen, die sich dann in massiven selbst- und fremdaggressiven Verhaltensweisen zum Ausdruck bringen.

Im Filmkontext selber wird ein Ausdrucksmittel erwähnt, die gestützte Kommunikation, welche dem autistischen Menschen eine erweiterte Ausdrucksmöglichkeit bietet und individuell sein Kommunikationsspektrum erweitern hilft. Gelingt es über verschiedene methodische Ansätze das individuelle Potential des Einzelnen zu aktivieren, so nehmen die aggressiven Verhaltensweisen deutlich ab. In der Folge eines solchen Ansatzes zeigt sich eine deutlich ausgeprägte Selbstkompetenz und damit aufbauend eine entsprechende Handlungskompetenz, die bis in den sozialen Kontext hinein wirkt.

In der Musik gibt es die Möglichkeit aus sich heraus zu treten zu können, einem Resonanzbogen vergleichbar, zwischen dem was ich bin, was ich aushalten muss und dem was noch nicht anwesend ist, was kommt, das erst aufgebaut werden muss. Dieses Spannungsfeld auszubalancieren ist nicht einfach und braucht nonverbale Ausdrucksmittel die über die rein sprachliche Verständigung hinausgehen; die Musik lotet dabei den seelischen Gestaltungsraum aus und versucht durch rhythmisierende Elemente, klangliche Improvisationen und interaktives Singen den Menschen als Resonanzkörper zu stimulieren. Diesen Resonanzkörper zu bilden sehen wir als Mittelpunkt einer gemeinsamen Arbeit autistischer und nicht autistischer Menschen, um einander besser zu verstehen zu können!