SommerHundeSöhne

  1. Ø 3
   2004
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Filmhandlung und Hintergrund

SommerHundeSöhne: Muttersöhnchen Frank wird entführt und muss nun nach Marokko anstatt mal eben zu Ikea fahren...

Frank (Fabian Busch) ist ein grenzenlos naiver Träumer und unselbständiges Muttersöhnchen wie aus dem Bilderbuch. Marc (Stipe Erceg), ein impulsiver Macho, glaubt, jemanden getötet zu haben, und braucht deshalb dringend einen Tapetenwechsel. Nun zwingt der Zufall die beiden so ungleichen Männer gemeinsam in ein Auto und auf große Fahrt geradewegs von Deutschland nach Nordafrika. Unterwegs warten illustre Bekanntschaften und jede Menge Gelegenheiten, den Horizont in ungeahnte Richtungen zu erweitern.

Großes Buddy-Kino im märchenhaften Roadmovie und Spielfilmdebüt von Regisseur und Koautor Cyril Tuschi.

Der ängstliche Hypochonder Frank gerät durch Zufall an den egozentrischen Macho Marc, der sich auf der Flucht befindet, weil er glaubt, dass er im Streit versehentlich jemanden getötet hat: Frank fegt Marc ebenso versehentlich im Wohnmobil seiner Mutter vom Motorrad, woraufhin Marc Fahrzeug und Fahrer mal eben kidnappt – und mit beiden nach Marokko durchbrennt.

Darsteller und Crew

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Es ist Sommer, man setzt sich ins Auto und fährt einfach los in Richtung Süden. Oder man dreht einen Film, im Kopf die vielen schönen Roadmovies, die zum Nachmachen animieren. So etwas schwebte offenbar dem Regisseur und Drehbuchautor Cyril Tuschi für sein Spielfilmdebüt vor: "Als ich das Projekt begann, wollte ich mal etwas Simples machen, den Ballast von total übergeplanten Filmen abwerfen - einfach mit zwei guten Charakteren und einem Mini-Team losfahren".

    Die zwei guten Charaktere hat er gefunden: Stipe Erceg als Marc ist aggressiv, zynisch, eine Augenweide an Leinwandpräsenz. Fabian Busch als Frank sieht aus wie 30, kann nicht Auto fahren, hyperventiliert bei Aufregungen, wirkt erschöpft vom korrekten Kleinsein. Es ist ein Phänomen, wie dieser Mensch unterwegs ein Leuchten in seine Augen kriegt, ein Lächeln um die Mundwinkel.

    Dreh-und Angelpunkt dieser Fahrt ins Blaue bleiben Frank und Marc in ihrer Gegensätzlichkeit, die sich natürlich angleicht: Frank darf endlich was erleben und jemand werden, Marc übt sich fluchend und angewidert in Geduld, Toleranz, Rücksicht, Respekt. Wenn Frank ihm einen Schokoriegel anbietet, wendet Marc vielsagend den Kopf. Wenn unterwegs Sachen passieren, die nichts mit seinem Ziel, den Vater in Tanger zu finden, zu tun haben, dreht Marc lautstark durch. Und damit tut er dem Film einen großen Gefallen, denn Cyril Tuschi weicht unterwegs gerne vom Weg ab, in einen Orangenhain mit Versteckspiel, eine Westernstadt mit feindseligen Cowboys, in Fata Morganas wie den plärrenden Straußenvögeln, die plötzlich im Bild stehen, dann wieder weg sind.

    Die blonde Ilvy (Lilja Löffler), in die sich Frank verliebt, bleibt rätselhaft, abgehoben, spricht in theatralischen Sätzen. Fällt irgendwann ihrem Freund in die Arme, der sie verfolgt. Der sammelnde Rucksacktourist Pauli (Martin Clausen) spricht mit einem Teddybären, den Marc deswegen zum Fenster hinauswirft. Dann ist auch Pauli weg, aber wie Marc schon sagte, wahrscheinlich nur um sich selbst zu suchen.

    Die Fahrt durch Spanien ist schon ziemlich lang. Es wird auch mal im Meer gebadet, oder Marc bekommt plötzlich Lust, den bizarren Felsen am Straßenrand entgegenzulaufen. Doch es sind auch unschöne Dinge zu sehen, eine terroristische Bombenexplosion in Benidorm, wilde Müllhalden in der Landschaft, aufgelassene Rohbauten in Tanger. Die deutschen Touristen bleiben ohne nennenswerte Kontakte zu den Einheimischen, reden sie auf Deutsch an, haben ihr eigenes Programm, ziehen weiter.

    So ist das in Wirklichkeit ja auch, und Fahrten ins Blaue haben Zeitpunkte der Erschöpfung, Verwirrung, so dass Tuschis Experimente mit surrealen Bildern und Begebenheiten so fremd auch wieder nicht wirken. Zumindest hat der Regisseur keine Angst, frischen Wind in sein Roadmovie hereinzulassen. Aber nur dank der konfliktreichen Männerfreundschaft von Frank und Marc geht Tuschi die Geschichte unterwegs nicht völlig verloren.

    Einen höheren Sinn macht die Handlung keineswegs, und im Gegensatz zur Gewohnheit von Kinogängern, in Bildern und Szenen versteckte Zeichen, Hinweise, Symbole zu finden, ist eine solche Suche hier sinnlos. Der Film hat kürzlich den Publikumspreis beim 1. Festival des deutschen Films im Rhein-Neckar-Dreieck gewonnen. Solche Reisen haben schon ihren Reiz, gerade weil nicht alles in ein Schema passt.

    Fazit: Ein Macho und ein Muttersöhnchen unterwegs nach Marokko: skurriler Trip ins Ungewisse ohne höheren Sinn, aber mit zwei guten Charakteren.
  • Auf den vergangenen Hofer Filmtagen erwies sich „SommerHundeSöhne“ als Publikumsrenner. In seinem Spielfilmdebüt lässt Regisseur und Koautor Cyril Tuschi ein Muttersöhnchen und einen Macho aufeinandertreffen, schickt sie im Wohnmobil von Deutschland nach Marokko. Was formal als schräges, komisches Road Movie beginnt, entpuppt sich rasch als frischer, mutiger Erstling, der die Selbstfindung seiner beiden gegensätzlichen Protagonisten einfühlsam nachvollzieht.

    Ein Wohnmobil, geparkt vor IKEA. Darin sitzt ein junger Mann: Frank. Der Stutzer wartet auf Mama und (Stief-)Papa. Kaut inbrünstig auf einem Bounty-Riegel herum. Langweilt sich. Rutscht hinters Steuer. Und fährt prompt Marcs Motorrad über den Haufen. Marc, einen ganzen Kopf größer als Frank, ist außer sich. Das kantige Gesicht verzerrt vor Wut. Weil sein geliebtes Zweirad kaputt ist. Weil er glaubt, im Streit jemanden getötet zu haben. Weil die Polizei vermutlich schon hinter ihm her ist. Also verfrachtet er das Motorrad kurzerhand ins Wohnmobil, den verdutzten Frank auf den Beifahrersitz und schon geht’s ab nach Marokko. Zum (verhassten) Vater, den er ewig nicht gesehen hat.

    Zwei, drei Einstellungen, wenige Worte, ein paar Schnitte und schon ist man mitten drin in diesem versponnenen Abenteuertrip, dieser inneren und äußeren Reise, die Spielfilmdebütant Cyril Tuschi, Jahrgang 1969, mit leichter Hand inszeniert hat. Bewährte Kino-Urtypen, das Muttersöhnchen – Fabian Busch aus „Liegen lernen“-, das entfernt an den jungen Bud Cort aus „Harold und Maud“ erinnert, und der großspurige Macho – Stipe Erceg aus „Die fetten Jahre sind vorbei“ -, der zuhaut, bevor er fragt, treffen aufeinander. Reisen miteinander. Von Berlin nach Tanger via Frankreich und Spanien. Lernen voneinander. Weil’s Geld fehlt, muss stets „improvisiert“ werden. Learning by doing. Dazwischen jede Menge schräge Typen. Etwa Pauli (Martin Clausen), der durchgeknallte Sammler zivilisatorischen Treibguts, Luis (Fernando Rebollo), der freundliche Schafhirte, oder die rätselhafte Sirene Ilvy (Lilja Löffler), an die Frank Unschuld und Herz verliert.

    Weggehen, um anzukommen, wie eigentlich bei allen Road Movies, heißt es hier. Die Bewegung, die das Kino charakterisiert, charakterisiert auch Frank und Marc. Einmal grob skizziert, driften sie fortan von Ort zu Ort. Landen außerhalb der Saison in Touristenhochburgen an menschenleeren Stränden, in aufgelassenen (Italo-)Western-Geisterstädten und schließlich in der Altstadt von Tanger, bei Marcs Vater – Paul Bowles lässt grüßen. Derweilen schalten Hühner Scheinwerfer an und aus und jagen Lasso-schwingende Cowboys dem Wohnmobil hinterher. Mag es Haken und Lücken im Erzählfluss geben, stimmt es manchmal mit Timing und dramaturgischer Stringenz nicht ganz, machen der Mut zur Phantasie, der überraschende Schnitt und die geradezu überbordende Ideenfülle dies alles wett. Während man mit Freude den überragenden Darstellern Busch und Erceg bei der Arbeit zusieht. Hoffentlich ist „SommerHundeSöhne“ eine lange Kinoreise vergönnt. geh.

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