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Fakten und Hintergründe zum Film "So ist Paris"

Kino.de Redaktion |

So ist Paris Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Produktion: Klapisch über die Figuren

Pierre (Romain Duris) – Das Herz des Films

Seit meinem Film „Le Péril jeune“, in dem Romain Duris 1995 die Hauptrolle spielte, ist dies der sechste Film, in dem ich ihm eine Rolle anvertraue. In 14 Jahren haben wir eine besondere Beziehung zueinander entwickelt, in der sich Freundschaft und berufliche Erfahrung vermengen. Wenn man sich so lange kennt, hat man den Vorteil, sich ohne viele Worte verständigen zu können. Außerdem schlagen wir ohnehin immer die gleiche Richtung ein. Nach „L’Auberge Espagnole – Barcelona für ein Jahr“ und „Wiedersehen in St. Petersburg“ wollten Romain und ich die Figur des Xavier gerne hinter uns lassen. Schauspielerisch war das kein Problem, denn Romain hat viel gelernt, während er auch mit anderen Regisseuren in unterschiedliche Welten eingetaucht ist. Außer seinem Talent brauchten wir nichts als einen neuen Haarschnitt, um Pierre entstehen zu lassen, einen ehemaligen Profitänzer, der früher im Moulin Rouge aufgetreten ist. Seit der Dreißigjährige an einem Herzleiden erkrankt ist, lebt er mit der Angst und Energie dessen, der weiß, dass seine Tage gezählt sind. Diese Figur fesselt, gerade weil sie den anderen zugewandt ist. In seiner Verkörperung des Pierre hat Romain mir Seiten und Emotionen gezeigt, die ich zuvor noch bei keinen Dreharbeiten an ihm gesehen hatte. Nach der Ungezwungenheit unserer vorhergehenden gemeinsamen Drehs war es überraschend zu erleben, dass unser Verhältnis plötzlich angespannter war. Ich glaube, dass das wichtig war, weil er seiner Figur so die nötige Ernsthaftigkeit verleihen konnte, und dass wir Pierres Leiden auf diese Weise unbewusst unseren Respekt gezollt haben.

Elise (Juliette Binoche) – Die unendlich Großzügige

Elise arbeitet als Sozialarbeiterin und ist alleinerziehende Mutter von drei Kindern. Um ihren Beruf ausüben zu können, hat sie sich ein dickes Fell zugelegt, doch in Wahrheit ist sie diejenige, die ein wenig Hilfe gebrauchen könnte. Diese Mischung aus Stärke und Zerbrechlichkeit passte sehr gut zu Juliette Binoche. Ich hatte sie 1986 kennengelernt, während ich als Beleuchter am Set von „Die Nacht ist jung“ von Leos Carax arbeitete, und habe 20 Jahre auf eine Gelegenheit gewartet, mit ihr zu drehen! Da ich sie zudem gern mit Romain Duris zusammenbringen wollte, habe ich noch beim Schreiben entschieden, dass sie Pierres Schwester darstellen sollte. Er spielt die Grille, sie die Ameise. Bei den Dreharbeiten hat Juliette Binoche mir einmal mehr gezeigt, was für eine tolle Schauspielerin sie ist und dass sie sich sehr stark einbringt. An ihren Striptease werde ich mich noch lange erinnern. Solche Szenen sind sehr schwierig, da sie schnell Gefahr laufen, lächerlich zu wirken. Doch Juliette hat sich furchtlos bis an den Rand des Abgrunds gewagt, ohne abzustürzen. Sie ist nicht einschüchternd, aber sie nötigt einem Bewunderung und Respekt ab!

Roland (Fabrice Luchini) – Der Professor in Aufruhr

Für die Rolle des Professors, der gerade mitten in einer Lebenskrise steckt, kam niemand anderes in Frage als Fabrice Luchini! Ebenso wie Roland Verneuil, dieser Historiker mit dem Spezialgebiet Paris, der von einem Fernsehsender gebeten wird, sein Wissen in einer allgemein verständlichen Sprache an das Publikum weiterzugeben, ist auch Fabrice ein extrem gebildeter Mensch, der sich bemüht, seinem Gegenüber komplexe Fragestellungen nachvollziehbar zu machen. Aufgrund seiner Meisterschaft und seiner Redegewandtheit schafft er es spielend, Nietzsche clownesk und Schopenhauer total modern erscheinen zu lassen. Seit „Kleine Fische, große Fische“ von 1993 hatte ich Lust, wieder mit ihm zu arbeiten, weil ich ein großer Fan seines zugleich extrovertierten und gehemmten Stils bin. Luchini ist ein Perfektionist, der jedes Wort, jede Betonung auf die Goldwaage legt. Er kann mich um zwei Uhr nachts anrufen, um mit mir einen bestimmten Satz durchzugehen. Ich erinnere mich an eine Szene, in der ich ihn gebeten hatte, enttäuscht zu gucken, nachdem er nur den Anrufbeantworter seiner Liebsten erreicht hat. Er befragte mich genauestens dazu, wie schlimm diese Enttäuschung sein solle, und bewies mir eindrucksvoll, dass das Gefühl des Unglücklichseins sehr unterschiedlich ausfallen kann, je nachdem, ob man einen Tag oder eine Woche ohne die Liebe eines anderen Menschen zubringen musste. Ich war baff.

Laetitia (Mélanie Laurent) – Die ewige Studentin

Laetitia ist die typische ewige Pariser Studentin. Man spürt, dass sie intelligent und aufrichtig ist, und dennoch ist sie es, die ihrem Professor, Roland Verneuil, den Kopf verdrehen wird. Es zeichnet die Persönlichkeit und das Talent von Mélanie Laurent aus, dass sie es vermeidet, diese Figur einfach als ein Biest erscheinen zu lassen. Ich kannte Mélanie zwar als meine Nachbarin (wir haben zwei Jahre lang auf der gleichen Etage gewohnt), hatte aber nicht gesehen, was sie in Philippe Liorets „Keine Sorge, mir geht’s gut“ als Schauspielerin geleistet hat. Doch beim Casting hat sie sich die Rolle der Laetitia dank ihrer Natürlichkeit und ihres unglaublichen Talents sofort gesichert. Ihr Spiel ist so präzise, dass es einem, selbst wenn man sie aus der Ferne durch eine Glasscheibe filmt, noch erlaubt, alle Nuancen ihrer Persönlichkeit zu erkennen. Mélanies Kunst ist wie Mikrochirurgie.

Franky (Gilles Lellouche) – Der Grobe mit dem weichen Kern

Franky verkörpert zugleich den Charme und die Makel der Virilität. Die Frauen fühlen sich von seiner Brutalität angezogen, unter der sie doch auch leiden. Für einen Mann wie mich ist es beunruhigend und ärgerlich mitzubekommen, dass die Frauen immer die bösen Jungs attraktiver finden, während man uns beigebracht hat, sanft und höflich zu sein. Gilles Lellouche bringt diese Ambiguität hervorragend rüber. Er spielt einen raubeinigen, sehr männlichen, impulsiven Fischhändler, der ein Stück weit auch den Playboy der Markthallen gibt. Er ist ein Freund von Jean, der von Albert Dupontel gespielt wird, und hat ein Auge auf dessen Exfrau – Caroline, gespielt von Julie Ferrier – geworfen. Da er eine starke Szene mit ihr drehen musste, in der Franky die Frau, die er eigentlich liebt, schlecht behandelt, war er doppelt aufmerksam Julie gegenüber, so als hätte er das Gefühl, sich dafür entschuldigen zu müssen. Ebenso wie die anderen Schauspieler stellt auch Gilles seine Figur sehr nuanciert dar. Die Rollen sind ja ohnehin wie Kleider; sie müssen bei der Arbeit angepasst werden, bis sie richtig sitzen. Und der Film ist wie eine Partitur; die man einen Ton höher oder tiefer singen kann.

Mourad (Zinedine Soualem) – Der Gemüsehändler mit dem sanftmütigen Blick

Da Zinedine Soualem in jedem meiner Filme mitgespielt hat (vom sanftmütigen Zurückgebliebenen in „… und jeder sucht sein Kätzchen“ bis zum Flurnachbarn in „L’Auberge Espagnole – Wiedersehen in St Petersburg“), wäre ein Dreh ohne ihn inzwischen eine traurige Angelegenheit. Er ist ein sehr guter Freund. Und an seinem Spiel liebe ich diese bodenständige Seite. In SO IST PARIS spielt er neben Albert Dupontel und Gilles Lellouche einen Gemüsehändler, der morgens seine Ware auf dem Großmarkt in Rungis abholt. Wenn ich auch nicht sagen möchte, dass Paris in diesem Film die Hauptfigur ist, hat diese Stadt doch gleichwohl etwas von einem menschlichen Körper. Sie hat ein Herz, Arterien, einen Kreislauf, Lungen, und man sagt, Rungis sei der Bauch von Paris.

Produktion: Klapischs moderner Blick auf Paris

Nachdem Cédric Klapisch mit Filmen wie „L’Auberge Espagnole – Ein Jahr in Barcelona“ und „Wiedersehen in St. Petersburg“ in den vergangen Jahren international Furore gemacht hat – Filmen, die außerhalb von Frankreich angesiedelt waren –, wendet er sich in SO IST PARIS dezidiert seiner Heimat zu. Dies bedeutet jedoch keineswegs, dass er seinen Horizont verkleinert, im Gegenteil: Sein neuer Film entfaltet die atemberaubend komplexe Welt einer modernen Weltmetropole, in der Altes und Neues, Großartiges und Banales nebeneinander besteht und durch die sich täglich Millionen von Menschen mit den unterschiedlichsten Zielen, Gedanken, Sehnsüchten und Wünschen bewegen. Entstanden ist ein schillerndes, unterhaltsames Porträt des modernen Paris und ein Blick wie durch ein buntes Kaleidoskop auf ihre Bewohner.

Mithilfe von zehn Figuren, die für je unterschiedliche Aspekte des Lebens in dieser Stadt stehen, fächert Klapisch eine Vielzahl von Milieus auf, die er in einen – wenn auch lockeren – Zusammenhang stellt. Der Regisseur sieht seinen ebenso kühnen wie gelungenen Zugriff selbst als das Ergebnis eines Reifungsprozesses und beschreibt im Interview, dass er hier viele der Themen, die in seinen vorhergehenden Filmen schon anklingen, wieder aufgreift und zusammenführt. Vielleicht sind es gerade seine Auslandserfahrungen, die es ihm ermöglichen, einen neuen, frischen Blick auf „sein“ Paris zu entwickeln, das Vertraute mit neuen Augen zu sehen, so wie er im Fremden einiges Vertrautes entdecken konnte.

Produktion: Die Stadt als Drehort

„Paris heute, das ist weder der Louvre noch das ultramoderne Museum am Quai Branly, es ist die Verbindung der beiden … Ich liebe dieses Verbindende, die Tatsache, dass Paris ein Bindestrich ist zwischen seiner Geschichte und der Avantgarde.“ Das Hineinwirken der Vergangenheit in die Gegenwart interessiert Klapisch ebenso wie die rasante Veränderung, die manche Viertel und Milieus von Paris heute erfahren und durch die vielerorts überraschend Neues entsteht. Nicht das Monumentale, Grandiose und Schöne bestimmt sein Bild dieser Stadt, sondern das Nebeneinander der Epochen und Gemeinschaften, die Nachbarschaft von Schönem und Normalem, Atemberaubendem und gänzlich Alltäglichem. „Heute ist das Marais eine Mischung aus der klassischen Architektur des 17. Jahrhunderts, Schwulenviertel, Judenviertel, ein bisschen Chinesenviertel und ein wichtiger Mode-Treffpunkt mit Boutiquen renommierter Designer“, sagt er im Interview. „Seine Identität ergibt sich aus diesen aufeinander folgenden Schichten. Sei es im Gegensatz oder in der Vereinigung – dieses Nebeneinander erzeugt Vitalität.“

Folgerichtig hat Klapisch seinen Film an Originalschauplätzen gedreht. Der Film entstand an spektakulären Plätzen, die jeder kennt und liebt, ebenso wie an unbekannten Ecken der Cité de l’amour, deren Charme sich erst beim zweiten Hinschauen offenbart. Der Verkehrsknotenpunkt Nation, das bunte Immigrantenviertel Belleville und der Großmarkt von Rungis, weltgrößter Umschlagplatz für Lebensmittel, der ganz Paris mit frischen Gütern aus der Provinz und aller Welt versorgt, sind hier ebenso präsent wie die Sorbonne, die älteste Universität Frankreichs, Père Lachaise, der berühmteste Friedhof der Welt, oder die symbolkräftige Bastille. Selbst das weltweit zu einem Markenzeichen für Unterhaltung gewordene Moulin Rouge erteilte Klapisch eine Drehgenehmigung.

Und auch Paris als Weltstadt der Mode ist vertreten; der Regisseur ist stolz darauf, dass es ihm gelungen ist, eine Modenschau von Jean-Paul Gaultier mit versteckter Kamera zu filmen. Aber keiner dieser Orte verkommt bei Klapisch zum bloßen Dekor, zur Postkartenansicht, auch diejenigen nicht, die man schon 1000 Mal gesehen zu haben glaubt. Vielmehr gelingt es ihm, den Zuschauer in den Strudel der Ereignisse hineinzuziehen, ihm das Lebensgefühl dieser Metropole so nahezubringen, dass ihm all diese Figuren und Orte irgendwie vertraut vorkommen. Nicht dem Besonderen spürt Klapisch nach, sondern dem Verbindenden. SO IST PARIS bringt den Betrachter auf Tuchfühlung mit der Stadt und ihren Bewohnern und fügt sich damit in den Reigen der großen Paris-Filme ein, als unvergessliche Liebeserklärung an eine ewige Stadt.

Produktion: Klapischs zärtlicher Blick auf se

„Eine Stadt besteht mehr aus ihren Bewohnern als aus ihren Orten. Das merkt man besonders, wenn man im Ausland ist“, erklärt der Regisseur. So komplex und facettenreich das Porträt von Paris auch ist, das Klapisch vor den Augen des Zuschauers entfaltet, es verharrt nie auf der Oberfläche, im Klischee – weil es immer von konkreten Menschen und ihren Schicksalen erzählt. Selbst wenn er mit der Kamera berühmte Ansichten von Paris einfängt, wie Sacré-Cœur oder den Eiffelturm, ist dieses Bild rückgebunden an eine konkrete Erzählsituation, die das gezeigte Monument unter Umständen in einem überraschend neuen Licht erscheinen lässt. Die unerfüllten Sehnsüchte eines Geschichtsprofessors rücken uns durch die intelligente und sensible Erzählweise Klapischs ebenso nah wie das Schicksal eines erkrankten Tänzers, einer alleinerziehenden Mutter im Dauerstress oder eines Gemüsehändlers auf einem der berühmten Märkte von Paris. Der zärtliche Blick, den Cédric Klapisch auf sie alle richtet, sorgt dafür, dass SO IST PARIS trotz seines kaleidoskopartigen Charakters in jedem Moment berührend bleibt.

Dass Klapischs Figuren wie aus dem prallen Leben gegriffen wirken, verdanken sie einerseits den zahlreichen persönlichen Erinnerungen, die Klapisch und seine Hauptdarsteller mit Paris verbinden, andererseits aber auch der Neugier, mit der der Regisseur sich durch den Pariser Alltag bewegt. Seine Wege durch die Stadt legt er auf seinem Motorroller oder mit der Métro zurück, was ihm reichlich Gelegenheit zum Studium seiner Mitmenschen gibt. „Ich schaue den Leuten ins Gesicht“, erklärt er im Gespräch. „Und ich versuche mir immer vorzustellen, was für ein Leben sie führen.“

Produktion: Klapisch und seine „Familie“

„Cédric liebt es, die menschliche Seele auszukundschaften. Er ist den Menschen wirklich zugeneigt. Und so wie er sie liebt, liebt er auch seine Schauspieler und holt sie immer wieder vor seine Kamera. (…) Wir bilden auf unsere Art eine Familie.“ Dies sagt Zinedine Soualem, Darsteller des Mourad und ebenso wie Romain Duris zur Stammbesetzung in Klapischs Filmen zählend, über den Regisseur.

Für sechs der wichtigsten Rollen in seinem Film stand für Klapisch die Besetzung bereits fest, während er noch an seinem Drehbuch arbeitete. Die Auswahl kam durch Rückgriff auf bewährte Mitglieder seiner „Darsteller-Familie“ sowie Schauspieler zustande, mit denen er entweder bei früheren Projekten selbst schon gearbeitet hatte oder deren Spiel er seit Langem einfach bewunderte. Die restlichen Rollen besetzte er auf dem Wege von klassischem Casting und Vorsprechproben.

Doch Klapischs Wahlfamilie besteht nicht nur aus Darstellern: Auch Bruno Levy, sein Produzent, Kostümbildnerin Anne Schotte, Toningenieur Cyril Moisson, der Musiker Loïc Dury, Cutterin Francine Sandberg und Produktionsleiter Jacques Royer sind ein festes, eingespieltes Team, auf das er immer wieder zurückgreifen kann. „Bei Cédric ist das Gemeinschaftsgefühl stark ausgeprägt, die menschliche Dimension – das zeigt sich an dem, was jeder zu geben hat und wie er es gibt. Ich habe mit vielen verschiedenen Leuten des Teams darüber gesprochen, und sie schätzen das, weil sie sich respektiert fühlen. Es macht sie unentbehrlich für das Projekt, aber alles bleibt zwanglos“, erklärt Romain Duris im Interview.

Und bei diesem Film gönnte Klapisch sich sogar das Vergnügen, seine eigene, echte Familie ans Set zu holen: Seine drei Kinder haben einen Kurzauftritt in SO IST PARIS.

Interview mit Cédric Klapisch

Was hat Sie zu SO IST PARIS inspiriert?

Ich habe in den letzten Jahren viel im Ausland gedreht, in London, St. Petersburg, Barcelona … und hatte Lust, mit meiner Arbeit nach Hause zurückzukehren, von meiner Stadt zu erzählen. Die Stadt Paris war zwar schon häufiger Schauplatz meiner Filme (etwa in „Kleine Fische, große Fische“ und „… und jeder sucht sein Kätzchen“), aber sie war nie das Thema. Ich hatte ein bisschen den Eindruck, wie die Katze um den heißen Brei herumzuschleichen, und dann hielt ich den richtigen Zeitpunkt für gekommen.

Der Stadt und ihren Einwohnern werden auch negative Eigenschaften zugeschrieben. Wie stehen Sie dazu?

Es stimmt, dass oft ein negatives Bild von Paris und den Parisern gezeichnet wird. Als in Paris ansässiger Mensch wird man schnell als Snob abgestempelt, als eingebildet, bourgeois oder unangenehm, mit einem Zug zum Nörgler obendrein. Und all das ist auch nicht direkt falsch. Die Pariser sind nie wirklich zufrieden. Aber das ist generell eine französische Spezialität: Auch an französischen Helden à la Gabin oder Delon oder Figuren von Céline, Léo Malet oder Tardi kann man das ablesen. Zu Hause zieht der Pariser ein Gesicht, hat Weltschmerz, er täuscht sich nie und ist immer entrüstet. In dieser Einstellung liegt auch etwas Schönes, und sie ist ziemlich gesund. Paris, das ist die Stadt der kultivierten Schwermut. Es gibt eine Melancholie, die bizarrerweise Teil des Lebens ist, Reaktion darauf, nicht Resignation. Die großen Stunden der Stadt, das sind die Revolution von 1789, die Kommune, die Befreiung, Mai ´68 … Paris ist bekannt für seine – gesunden – Ausbrüche.

Sind Sie selbst in Paris geboren?

Nein, in Neuilly-sur-Seine. Dort bin ich drei Tage geblieben. Und das waren drei Tage zu viel! Danach habe ich zehn Jahre lang in der Nähe der Place de Contrescarpe im 5. Arrondissement gewohnt. Der Park, in den ich nach der Grundschule immer gegangen bin, waren die Arènes de Lutèce mit dem alten römischen Amphitheater, dem ältesten erhaltenen Bauwerk der Stadt. Wenn man als Kind am ältesten Ort der Stadt gespielt hat, dann ergibt das eine seltsame Verbindung zwischen der eigenen Kindheit und der Kindheit von Paris. Wie viele Stunden habe ich dort verbracht! Das Ergebnis ist eine extrem enge, fast organische Beziehung zu dieser Stadt.

Was haben die Pariser Ihrer Meinung nach für ein Verhältnis zu ihrer Stadt?

Ich glaube, es gibt immer einen Grund zu vergessen, dass es ein Privileg ist, hier zu wohnen. Andererseits glaube ich auch, dass alle Pariser diese Augenblicke der Heiterkeit und des Glücks kennen, wenn sie zum Beispiel die Seine überqueren und nach rechts und nach links schauen und sich sagen: „Wahnsinn! Wo bin ich hier eigentlich?“ Es ist kein Zufall, dass Paris die Stadt mit den meisten Besuchern auf der Welt ist.

Sie haben Paris schon häufig gefilmt – fällt Ihnen das immer noch leicht?

Ich bin ja der Ansicht, je häufiger Fotografen wie Willy Ronis, Robert Doisneau, Cartier-Bresson, Depardon oder William Klein Paris abgelichtet haben, desto besser wurden ihre Aufnahmen. Paris hat etwas Unerschöpfliches. Daher verausgabe ich mich nicht. Ich glaube, gerade weil ich Paris so oft gefilmt habe, beginne ich gerade erst zu verstehen, wie man das macht.

Wie würden Sie SO IST PARIS in kurzen Worten beschreiben?

Es ist die Geschichte eines Parisers, der durch eine einschneidende Veränderung einen neuen, anderen Blick auf die Menschen gewinnt, denen er begegnet. In dieser neuen Situation gewinnt das Leben plötzlich an Wert, das Leben der Mitmenschen ebenso wie das der gesamten Stadt. Auf dem Métro-Plan ist Paris ein Geflecht von Kreuzungen. Um ein Porträt dieser Stadt zeichnen zu können, muss man in alle Richtungen gehen, nicht nur in eine. Man muss die Komplexität der Stadt respektieren. Diese wuchernde Form verleiht ihr ihren Überfluss, sie ist das Lebendige an Paris.

Sprechen wir von all den Figuren, die sich in SO IST PARIS begegnen …

Es gibt in einer Stadt wie Paris viele verschiedene Menschen und Welten, die ohne Verbindung nebeneinander existieren, soziale Klassen, die nicht miteinander in Berührung kommen, doch es gibt auch Überschneidungen zwischen den verschiedenen Welten und Milieus. Oft sogar innerhalb einer Familie, durch Geschwisterbeziehungen.

In meinem Film gibt es drei verschiedene Geschwisterpaare. Einmal einen Bruder und eine Schwester, Juliette Binoche und Romain Duris: Sie ist Sozialarbeiterin und befasst sich mit Problemen der Allgemeinheit, er ist Tänzer und lebt in einer Welt mit komplett anderen Wichtigkeiten. Dann gibt es die beiden Schwestern aus dem 16. Arrondissement, Audrey Marnay und Annelise Hesme: Sie arbeiten beide in der Modebranche und leben ein sorgloses, abgesichertes Leben in Paris. Und nicht zuletzt die beiden Brüder Verneuil, dargestellt von Fabrice Luchini und François Cluzet: Der eine ist Architekt und baut die Biologische Fakultät „Paris Diderot“, ist also eher der Gegenwart zugewandt, der andere ist ein auf Paris spezialisierter Historiker und damit auf die Vergangenheit ausgerichtet.

Daneben gibt es andere Gruppen von Menschen, die mehr oder weniger miteinander verbunden sind: Etwa die Gemüsehändler, die zwischen Rungis und Ménilmontant pendeln. Auch einige eher isolierte Individuen treten auf: die Bäckerin, die verzweifelt versucht, eine junge Angestellte zu finden, der Kameruner Benoît, der Afrika durchquert, um zu seinem Bruder nach Paris zu gelangen, Laetitia, die junge Studentin.

Ich versuche zu zeigen, dass an einem Ort, an dem es so viele Gegensätze und getrennte Welten gibt, immer eine enorme Komplexität herrscht. Neben Einsamkeit gibt es auch Solidarität, oder die Leben der Menschen kreuzen sich zufällig. Ein Film beschreibt oft den Weg einer bestimmt Figur. Hier folgt man mehreren Individuen, also mehreren Wegen. Und durch die Möglichkeiten der Montage entstehen Wechselwirkungen zwischen den Problemen der unterschiedlichen Charaktere. Mir kam es von Anfang darauf an, aus all diesen Elementen eine zusammenhängende Geschichte entstehen zu lassen.

In SO IST PARIS wirken viele Darsteller mit, mit denen Sie noch nie gearbeitet hatten …

Es gibt bestimmte Darsteller, die in meinen Filmen immer wieder auftauchen, wie Romain Duris oder Zinedine Soualem, aber es gibt darin immer auch zahlreiche neue Akteure, denn in jedem Film möchte ich neue Gesichter entdecken.

Als ich mir gesagt habe, ich nenne den Film PARIS (so der Originaltitel), war mir klar, dass er der Stadt gleichen muss, in der das Banale und das Monumentale sich abwechseln, farblos wirkende Straßen neben grandiosen, spektakulären Szenerien existieren. Die Seine zu überqueren oder am Eiffelturm vorbeizugehen, das ist für jeden Pariser immer ein besonderer Moment. Auch wenn das einerseits ein Klischee ist, ist es andererseits ebenso ein Element unseres Alltags, und das kann niemals ganz banal sein. Auch das musste ich zeigen. Bei den Schauspielern galt letztendlich dasselbe. Ich brauchte unbekannte Gesichter, aber auch Kinogrößen. Bei der Arbeit mit Darstellern wie Romain Duris, Juliette Binoche, Fabrice Luchini, Albert Dupontel, François Cluzet, Julie Ferrier, Gilles Lelouche, Mélanie Laurent, Zinedine Soualem – da bewegt man sich nicht im Banalen, da bewegt man sich im Außergewöhnlichen, im Grandiosen. Daher die Entscheidung, lieber in Cinemascope als in HD zu drehen: Ich hatte den Wunsch, die Dinge zu verzaubern, denn Paris hat diese mythische, grandiose Seite.

In einem Flashback sieht man Romain Duris als Tänzer im Moulin Rouge. Hat er Sie überrascht?

Ich komme aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Ich habe sechs Filme mit ihm gedreht, und jedes Mal überrascht er mich von Neuem. Es war ein verrückter Moment, dieser Tag war irgendwie verklärt, denn es war Romains letzter Drehtag, also kein unbedeutender Augenblick.

Ihn so tanzen zu sehen, mitzuerleben, mit welcher unglaublichen Leichtigkeit er sich diesem Universum, diesem Kostüm, diesem Charakter, dieser Choreographie anvertraut hatte, war sehr aufwühlend. Er hatte beides, dieses Aufmerksamkeit heischende Getue eines Tänzers, der versucht, an Jobs zu kommen, und gleichzeitig diese klassische Ausstrahlung eines Moulin-Rouge-Tänzers. Fantastisch, wie er beide Aspekte verkörpert hat. Wenn man einen Film über Paris macht, in dem das Moulin Rouge eine Rolle spielt und eine der Hauptfiguren dort Tänzer ist, lädt man sich eine Menge Verantwortung auf. Wenn das im Film funktioniert und nicht unglaubwürdig oder plump erscheint, dann ist das nur Romain zu verdanken.

Für Juliette Binoche und Sie war es die erste Zusammenarbeit …

Was sie in diesem Film leistet, ist atemberaubend. Sie besitzt eine ungeheure Großzügigkeit, und ich halte sie für eine großartige Schauspielerin.

Machen Sie Filme für ein großes Publikum?

Ja, mir ist es wichtig, die Menschen mit meinen Filmen zu erreichen. Ich richte mich an ein großes Publikum, aber ich würde niemals eine Szene schreiben, um beim Publikum anzubiedern.

Sie gehören zu den wenigen Filmemachern in Frankreich, die zwar Erfolg an der Kinokasse haben, aber trotzdem als Autorenfilmer gelten …

Das sehen nicht alle so! Aber ich betrachte das inzwischen mit einer gewissen Gelassenheit. Ich habe das Glück, Filme machen zu können, die mir am Herzen liegen. Ich möchte mit Schauspielern arbeiten, Geschichten erfinden, Filme drehen, mit meinem Filmteam zusammen etwas entwickeln… Das alles ist für mich unersetzlich. Wie andere mich beurteilen, ist da eher sekundär.

News und Stories

  • Fakten und Hintergründe zum Film "So ist Paris"

    Kino.de Redaktion05.11.2012

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  • Geschichten aus "Paris" mit Juliette Binoche

    Ehemalige BEM-Accounts12.03.2008

    Der französische Film „Paris“ mit Juliette Binoche („Caché“) wird im Herbst auch in den USA gezeigt. Samuel Goldwyn Films sicherten sich die Rechte an dem Werk von Regisseur und Drehbuchautor Cédric Klapisch („L'Auberge Espagnole - Barcelona für ein Jahr“), das in Frankreich am 20. Februar erfolgreich gestartet ist.  Die miteinander verbundenen Geschichten begleiten Menschen in Paris durch ihren Alltag.  Zum Cast...