Snowman's Land

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   2009
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Filmhandlung und Hintergrund

Snowman's Land: Rabenschwarze deutsche Groteske um zwei unfähige Auftragskiller, für die ein Job in den eingeschneiten Bergen zum Albtraum wird.

Der glücklose und immer schweigsame Hitman Walter hat versehentlich einen semiprominenten Schlagersänger auf dem Pissoir gelyncht. Sein nächster Job scheint viel einfacher zu sein. Er soll auf den Gangsterboss Berger und seine junge Geliebte Sibylle aufpassen, die sich in die Abgeschiedenheit der Berge flüchteten. Gemeinsam mit seinem aufgedrehten Kollegen Micky macht er sich auf den Weg zu Bergers Anwesen in den verschneiten Bergen. Dort angekommen, kommt Sibylle auf unglückliche Weise zu Tode. Walter und Micky versuchen es mit Schadensbegrenzung.

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Kritikerrezensionen

  • Nach dem TV-Film „Stiller Sturm“ von 2001 legt der deutsche Regisseur Tomasz Thomson jetzt sein zweites Werk, den für das Kino konzipierten „Snowman’s Land“ vor. Dieser Film ist ein Thriller im verschneiten postsozialistischen Jagdrevier weit draußen Richtung Russland. Der eigenwillige Stil und der ungewöhnliche Handlungsverlauf, der die Erwartungen nicht erfüllt, lassen an einen Abgesang auf das Genre denken. Die Charaktere sind abgerissen und es passiert über weite Strecken kaum etwas, zumindest aber nichts, was logisch vorhersehbar wäre. Wenn die Figuren sich zum Gruseln in den Wald begeben, erklingen unbeschwerte Folksongs.

    Walter, gespielt von Jürgen Rissmann, ist zwar nicht mehr der Jüngste, doch seinen Platz im Leben hat er immer noch nicht gefunden. Morgens steht er nur widerwillig auf, und dann erwischt er auch noch das falsche Opfer. Der Chef ist nicht erfreut. Ein Kumpel hilft ihm aus der Patsche mit einem Auftrag, den er, weil er Familie hat, nicht annehmen kann: für eine Weile weit weg in die Berge fahren, der reinste Urlaub. Doch schon auf dem Weg zum Domizil des unbekannten Auftraggebers Berger trifft Walter auf eine weitere Gestalt, die nicht nur optisch ein Loser ist: der jüngere Micky, der Sprache nach ein Asozialer, ein Kleinganove, mit sehr schlechter Laune im Schnee.

    Dieser Micky, gespielt von Thomas Wodianka, entpuppt sich im Laufe des Films als Sympathieträger, obwohl seine Ausdrucksweise und seine Mimik abstoßend sind. Selten hat man in einem deutschen Film so eine gelungene Milieufigur gesehen, die nichts zu sein behauptet, was zu böse oder zu schön wäre, um wahr zu sein. Micky langweilt sich nicht gerne, und kaum in dem großen Gebäude angekommen, sorgt sich der bedächtige Walter, dass der Kollege etwas kaputtmachen könnte. Der abwesende Boss hat nämlich eine blonde junge Frau, die sich auf die Herstellung von Drogen versteht. Eines Abends feiern Micky und diese Sibylle also, und Walter kann nicht mehr verhindern, dass Sibylle durch einen Pistolenschuss stirbt.

    Als postsozialistische Kulisse dient das abseits gelegene, mehrstöckige Haus, in dem ein ausgestopfter Bär und etliche Rehbockgeweihe an den Wänden von einer ruhmreichen Jagdhistorie künden. Das einst mit seinem progressiv-nüchternen Stil wohl moderne Gebäude beherbergt längst keine kommunistischen Funktionäre mehr, nur Sibylle. Dennoch gibt es Wasser im Becken des weiß gekachelten Schwimmbads. Im Wohnzimmer, das mehr nach Eingangshalle aussieht, vertreiben sich Walter und Micky das Warten auf Berger mit Fernsehen, doch der Empfang ist gestört.

    Eine männliche Offstimme steuert von Zeit zu Zeit ein paar ironisch-zynische Erzählhäppchen bei. So erfährt man auch, illustriert mit alten Bildern, dass schon Dschingis Kahn und Napoleon um diese wilde Gegend lieber einen Bogen machten. Berger, gespielt von Reiner Schöne, hält von den mysteriösen Einheimischen ebenfalls nichts, doch diese bleiben, bis auf seine rechte Hand Kazik, im Hintergrund, allenfalls tauchen sie mal schemenhaft am Waldrand auf. Spuren im Schnee führen vom Haus in den Wald und die Spannung verläuft sich oft in den leeren Gängen des Gebäudes. Der Film aber hat Atmosphäre, nihilistisch, labyrinthisch, und Walter ist sozusagen der Narr, der Hans im Glück.

    Fazit: Ganz weit weg in den verschneiten Wäldern Osteuropas, in einem leeren Jagdhotel, vermasseln zwei Gangster ihren Auftrag auf stilvolle Weise.
  • Rabenschwarze deutsche Groteske um zwei unfähige Auftragskiller, für die ein Job in den eingeschneiten Bergen zum Alptraum wird.

    Einen Guy-Ritchie-Gangsterfilm im kältestarren Aki-Kaurismäki-Terrain hat Thomasz Thomson bei seinem Kinodebüt entworfen. Tiefschwarzer Humor und lässige Lakonie sind Trumpf im ausgefallenen wie stimmigen und skurrilen Werk, das ziemlich untypisch für eine bundesdeutsche Produktion ist. Thomson lässt seine beiden Halbwelt-Gestalten in einer Deppenkomödie in der ersten – deutlich besseren Hälfte – auf Godot warten. Er nimmt dabei Anleihen bei „Fargo“ sowie bei Filmen von Regisseuren aus der Alpenrepublik wie Michael Glawogger („Contact High“) und Ulrich Seidl („Import Export“).

    Ein ironischer Off-Kommentator führt in bester Noir-Tradition den glücklosen Hitman Walter (Jürgen Rißmann) ein, der soeben versehentlich einen semiprominenten Schlagersänger auf dem Pissoir lynchte und nun im Suff untertaucht. Der nächste Job soll für den Gangsterboss Berger (Veteran Reiner Schöne) stattfinden, wofür der abgehalfterte Slacker zu dessen weltabgeschiedenen Hotel im eingeschneiten Bergland weit im Osten fährt. Auf dem Weg liest der schweigsame Stoiker seinen aufgedrehten Kollegen Micky (ergänzt Rißmann ideal: Thomas Wodianka) auf und nach einer komischen Odyssee finden sie das Anwesen. Dort wartet allerdings nur Bergers amüsiersüchtige Mieze Sibylle (Eva-Katrin Hermann), die zugedröhnt einen fatalen Unfall provoziert.

    Bis dahin sind die Erlebnisse der beiden Pechvögel sagenhaft witzig und einfallsreich, wenn auch in gemütlichem Tempo erzählt und mit einem kultigem Soundtrack unterlegt. Wenn Walter und Micky jedoch anschließend brutal unter die Räder des paranoiden Berger geraten, zieht sich Thomsons selbstgeschriebene Crime- und Loser-Story empfindlich in die Länge. Wer es nicht sonderlich eilig hat, kann sich vom Figurenarsenal schräger Vögel, denen in fast surrealen Situationen böse mitgespielt wird, dennoch vorzüglich unterhalten lassen, auch wenn die zweite Halbzeit nicht mehr die Ideenfülle der ersten ausweist. Trotzdem leuchtet „Snowman’s Land“ so stilvoll und visuell ausgefeilt die Extreme des schräg-absurden Spektrums aus, dass er wenigstens hierzulande ein Kaliber für sich ist. tk.

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