Seine Enthüllungen lösten einen weltweiten Skandal aus, die als sogenannte „NSA-Affäre“ in die Geschichte eingingen. Während viele Jahre Edward Snowden das Topthema in den Nachrichten war, überrascht es umso mehr, dass es nun schon seit längerem eher ruhig um den Whistleblower ist. Wir zeigen euch, was aus dem amerikanischen Flüchtling geworden ist.

Heute am 18. August 2019, feiert der Film „Snowden“ seine Free-TV-Premiere auf RTL. In dem Film von Oliver Stone („Wall Street“, „Savages“) wird die Entwicklung des einstigen NSA-Mitarbeiters Edward Snowden (Joseph Gordon Levitt) hin zum Whistlerblower dargestellt. Dabei zeigt das Biopic, das 2016 in den deutschen Kinos anlief, nicht nur die gesamte Enthüllungsaffäre rund um den amerikanischen Geheimdienst, sondern gibt auch Einblicke in die Flucht und die Konsequenzen der Affäre auf das Leben des ehemaligen IT-Spezialisten. Doch die Jagd der US-Regierung auf Edward Snowden ist weniger Fiktion, als es den Anschein hat.

Die Opferung der Privatsphäre

Die Sicherheit der Menschen hat für Edward Snowden oberste Priorität. Er selbst wollte dafür eigentlich nicht vor dem Computer sitzen, sondern in der US-Army dienen, doch ein Trainingsunfall durchstrich seine Pläne. So landete der damals 22-jährige Informatiker schließlich 2005 im Geheimdienst CIA, wo er für die IT-Sicherheit eingesetzt wurde. Er zeigte ein großartiges Hacking-Talent, wofür er von den Geheimdiensten regelrecht umworben wurde. Schon vier Jahre später lebte er auf Hawaii und arbeitete für die NSA. Doch was so paradiesisch klingt, hatte seinen Preis.

Denn auch wenn er durch seine Arbeit ein sorgloses Leben hätte führen können, überwog Snowdens Gewissenhaftigkeit. Die Tatsache, dass er in den Geheimdiensten nicht nur der Terrorverteidigung diente, sondern ebenso auch der Kontrolle normaler Bürger, wurde ihm zu seiner eigenen ethisch-moralischen Last, wie er im Interview mit Glenn Greenwald (via The Guardian) zugab:

„Ich will nicht in einer Welt leben, in der alles, was ich sage, tue […] aufgezeichnet wird. Und das ist nichts, das ich bereit bin zu unterstützen, das ist nichts, das ich bereit bin aufzubauen und das ist nichts, worunter ich leben möchte.“

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Snowden sah in seiner Arbeit für die NSA eine Form der Gleichschaltung der Menschheit, wobei die Freiheit der Menschen genau dieser Arbeit zum Opfer fiel. Im Jahre 2013 begann er deswegen viele Dokumente und Informationen anonym nach außen zu tragen, indem er an verschiedene Journalisten herantrat, unter anderem an Glenn Greenwald. Aber schließlich flog, oder besser floh, Snowden nach Hongkong, gab von dort aus seine millionenfachen Daten und Informationen über verschiedene Sicherheitsbehörden an amerikanische Zeitungen preis und lüftete schließlich seinen anonymen Schleier.

Vorher signierte er seine E-Mails stets mit dem Pseudonym „citizen four“. Laura Poitras, an die Snowden in dieser Zeit ebenfalls herantrat, nutzte diesen Namen schließlich als Titel für ihren 2014 erschienenen Dokumentarfilm über Edward Snowden.

Die vertuschte Kontrolle durch die Geheimdienste

Snowdens Enthüllungen offenbarten, dass die Geheimdienste verschiedenste Wege nutzten, um die Gewalt über die globale (Internet-)Kommunikation zu haben, natürlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Und genau das machte die Affäre nicht nur in den USA, sondern weltweit skandalös. 15 Jahre lang wurden über Glasfaserkabel, Router, E-Mails, Telefongespräche, Apps, Online-Spiele, Hardware und noch vieles mehr Menschen verschiedener Länder beobachtet.

Auch vor Deutschland wurde kein Halt gemacht. Der BND und die NSA arbeiteten sogar zusammen, aber zogen ihre Kreise nicht „nur“ in der Bevölkerung, sondern auch in der Regierung. So entpuppte sich das Handy der Bundenkanzlerin als perfektes Spionagemittel. Weltweit wurde aber auch Regierungen, Banken, Unternehmen, diversen Kongressen und so weiter überwacht. Unter dem Vorwand der Terrorbekämpfung fand diese Spionagearbeit ihre angebliche Legalisierung.

Das führte schließlich dazu, dass Snowden den einzig richtigen Ausweg in der Veröffentlichung genau dieser geheimen Dokumente sah, was schließlich der Startschuss für das langwierige Katz-und-Maus-Spiel zwischen dem Whistleblower und der amerikanischen Regierung war. Nach zahlreichen gestellten, abgelehnten und angebotenen Asylanträgen und der Sperrung seines Reisepasses durch die US-Regierung landete Snowden letztendlich in Russland, wo er bis heute zusammen mit seiner Freundin lebt.

Vom Überwacher zum Überwachten

Das Asylrecht für Snowden in Russland gilt noch bis 2020. Was danach mit Edward Snowden geschehen wird, ist ungewiss. In den USA präferiert der derzeitige Präsident die Todesstrafe, ob sie eintritt, ist nicht klar. Aber eine Anklage nach mehreren Punkten gilt als sicher.

Doch Snowden sitzt heute nicht traurig in einer Ecke und wartet zitternd auf sein Ende. Unter Geheimhaltung seines Standortes wird er live in Konferenzen über IT-Sicherheit und Pressefreiheit zugeschalten und nutzt Twitter, um seine politische Meinung kundzutun, auch über die russische Regierung:

Mit der Veröffentlichung seiner Informationen und Dokumente konnte Edward Snowden viele Veränderungen herbeiführen. Gesetzestexte über die Internetsicherheit wurden vereindeutigt und von möglichen Schlupflöchern befreit und auch die Kontrolle über die Arbeit der Geheimdienste wurde verschärft. Ebenso haben Internetriesen wie Google und Microsoft nachgezogen und sind mehr und mehr um die Privatssphäre ihrer Nutzer bemüht. Auch wenn die Situation heute immer noch nicht perfekt ist, konnte Snowden dennoch viel erreichen.

Der amerikanische Whistleblower ist ein Mann, der durch Verrat zum Helden wurde und seinen politischen Einfluss bis heute für die Menschen einsetzt. Joseph Gordon Levitt hat sich mittels der Interviews und Videoaufnahmen Snowdens Charakter so zu eigen gemacht, dass er dessen Intellekt einfangen konnte. Wer sich also für das Leben und die Person Edward Snowden interessiert, darf sich den biographischen Film am Sonntagabend auf RTL nicht entgehen lassen. Aber obwohl „Snowden“ ein spannendes Drama ist, sollte man nicht vergessen, dass es ein Thema beschreibt, das aktueller denn je ist.

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