Filmhandlung und Hintergrund

Friedemann Fromm beschreibt in seinem bedrückenden Drama, wie eine Frau zur Amokläuferin wird.

Von außen betrachtet ist das Leben von Silvia Schubert perfekt. Sie hat einen liebevollen Mann und eine wohlgeratene Tochter, die Familie ist gesund und wohlhabend. Und doch wird ihr Alltag immer wieder durch Irritationen gestört, die in der Summe dazu führen, dass sie sich mehr und mehr von den anderen entfremdet. Als das Fass aus ihrer Sicht irgendwann überläuft, rüstet sie sich, um es allen heimzuzahlen, die sie in ihrem Leben gedemütigt haben.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Silvia S. - Blinde Wut: Friedemann Fromm beschreibt in seinem bedrückenden Drama, wie eine Frau zur Amokläuferin wird.

    Blinde Wut„: Das klingt nach einer Tat ohne Ziel und Vorsatz; als ob jemand bei einem Amoklauf wahllos wildfremde Menschen umbringt. Aber die Wut der weiblichen Hauptfigur von Friedemann Fromms bedrückendem Drama ist nicht ziellos.

    Im Gegenteil: Lange Zeit richtet sich die Aggression von Silvia Schubert gegen sich selbst, doch dann erlebt sie schließlich eine Demütigung zuviel und rüstet sich mit kalter Wut zum Rachefeldzug, um es allen heimzuzahlen, die ihrer Ansicht nach daran Schuld sind, dass ihr Leben verpfuscht ist. Fromm und Autorin Katrin Bühlig nehmen die Tat nicht vorweg, aber kurze verfremdete Zwischenspiele deuten immer wieder an, dass sich etwas Schreckliches ereignen wird. Das Psychogramm eines unaufhaltsamen Absturzes lässt ohnehin keinen Zweifel daran, dass die Geschichte kein gutes Ende nehmen wird.

    Beide, Autorin und Regisseur, haben mit „Silvia S.“ einen Fernsehfilm von außerordentlicher Qualität geschaffen. Wie in einem Krimi suchen Fromm und Bühlig im Leben ihrer Hauptfigur nach Hinweisen und Spuren, die das blutige und wie ein Thriller inszenierte Finale erklären. Geschickt lenkt Fromms Inszenierung den Blick auf kleine Irritationen, ohne diese Details allzu sehr in den Vordergrund zu rücken. Auf diese Weise vermittelt er von Anfang an die subjektive Isoliertheit Silvias (Maria Simon): Die anderen haben Spaß, etwa beim Geburtstagsfest ihrer Tochter Laura, aber sie fühlt sich ausgeschlossen. Dass sich dieses Gefühl zunehmend manifestiert, ist auch eine Frage der optischen Auflösung: Aus Silvias Sicht bilden ihr Mann Andreas (Florian Lukas) und das Mädchen eine Einheit. Dabei scheint die Familie von außen betrachtet glücklich. Hinter der intakten Fassade aber gibt es eine tiefe Verletztheit, die auch Andreas nicht wahrnimmt. Der Film verdeutlicht dies durch Silvias ständiges zwanghaftes Kratzen, das schließlich großflächige blutige Wunden verursacht.

    Die kluge Konstruktion des Drehbuchs zeigt sich auch in den wenigen, aber wichtigen Szenen mit Silvias Angehörigen. Diese Momente wirken auf den ersten Blick nicht ungewöhnlich, aber nach und nach kristallisiert sich heraus, wie stark Silvia bis heute darunter leidet, dass ihre Mutter (Ulrike Kriener) sie nie ernst genommen hat. Silvia betrachtet ihre Schwester Uta (Sophie von Kessel) noch heute als Konkurrentin. Beide sind Architektinnen. Uta hat die Firma des Vaters übernommen, Silvia ist Mutter geworden. Deshalb legt sie um so größeren Wert darauf, den sportlichen Wettkampf mit Uta - beide waren erfolgreiche Biathletinnen - regelmäßig gewonnen zu haben. Die namhafte Besetzung von Mutter und Schwester verdeutlicht die Bedeutung dieser beiden vergleichsweise kleinen Rollen; und dass Bühlig eine eher ungewöhnliche Sportart gewählt hat, ist selbstredend auch kein Zufall. Natürlich funktioniert so eine Geschichte nur, wenn die Hauptdarstellerin glaubwürdig ist. Trotzdem ist es vor allem Fromms Inszenierung, die vermittelt, wie fremd sich Silvia im eigenen Leben fühlt. tpg.

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