Sieben Tage Sonntag (2007)

Sieben Tage Sonntag Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Sieben Tage Sonntag: Packendes authentisches Drama perspektivloser Jugendlicher, von den Hauptdarstellern intensiv gespielt.

Januar 1996, ein trister Winter im Plattenbau. Schulabbrecher Adam (Ludwig Trepte) und Tommek (Martin Kiefer) leben ohne Arbeit in den Tag hinein und schlagen die Zeit tot. Der aggressive Tommek stiftet Adam immer wieder zu kriminellen Halbstarkentaten an und nervt Sarah (Jil Funke) mit plumpen Anmachversuchen. Denn sie steht eigentlich auf den schüchternen Adam. Doch dann wetten die Jungs aus Langeweile, ob sie einen Menschen töten können.

Deprimierend realistischer Einblick in die Existenz Jugendlicher in verfallenen Plattenbauwüsten. HFF-Absolvent Niels Laupert stellt mit diesem harten, schonungslosen Gewaltdrama einen wahren Fall nach. Lange Gespräche mit den beiden Tätern führten zu einer erschütternden Chronik.

Die 16-jährigen Kumpels Adam und Tommek haben keine Lust zu arbeiten. Sie ziehen um die Häuser, klauen Messwein aus der Sakristei, gehen auf eine Party, streiten sich und balzen um die blonde Sara. Sie wollen “etwas durchziehen” und testen, ob sie jemanden einfach so umbringen können. Ein Passant einer U-Bahn-Unterführung wird ihr Opfer.

Zwei 16-Jährige wollen testen, wie einfach es ist, jemanden umzubringen. In einer Unterführung wird ein Passant ihr Opfer. Packendes Porträt perspektivloser Jugendlicher, Niels Lauperts auf Tatsachen basierendes Regiedebüt.

Kritiken und Bewertungen

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    Der Druck der peer group, Langeweile und Perspektivlosigkeit gehen unheilige Allianzen ein und führen zu Dynamiken bei den Jugendlichen, die in grausamen, unverständlichen Taten enden. Ein gut recherchiertes, detailgetreues und authentisch rekonstruiertes Erstlingswerk nach einer realen Begebenheit, das filmisch gut ausgearbeitet ist und das von einer ambitionierten Regie zeugt, die ihren Weg machen wird. Besonders der Umgang mit Gewalt überzeugt, weil nie die Sensationslust des Publikums angesprochen und dennoch das Schreckliche der Taten eindrücklich spürbar wird; das geht unter die Haut, beklemmt.

    Jurybegründung:

    Wie kann es dazu kommen, dass zwei 16jährige Polen völlig willkürlich einen Mann schwer verletzen und einen zweiten töten? Niels Laupert hat den 1996 tatsächlich geschehenen Fall genau recherchiert und ihn in seinem Erstlingsfilm möglichst detailtreu und authentisch rekonstruiert.

    Bei diesem ehrgeizigen Projekt fallen Schwächen ins Auge: Man merkt etwa an vielen irritierenden Details, dass nicht in Polen, sondern in einer Leipziger Plattenbausiedlung gedreht wurde, leider verliert der Film dadurch viel Glaubwürdigkeit und Atmosphäre. Auch im Drehbuch gibt es kleine Schwächen. So würde etwa kaum ein 16jähriger aus diesem Milieu einen Satz wie "Das sollte doch das geringste Problem sein!" über die Lippen bringen.

    Beeindruckend ist dagegen die Ernsthaftigkeit, mit der der Regisseur mit dem Thema umgeht, und ebenso seine filmische Art zu erzählen. Besonders der Umgang mit Gewalt überzeugte, weil er durch die Stilisierung und Aussparungen nie die Sensationslust des Publikums anspricht und dennoch das Schreckliche der Taten eindrücklich spürbar werden lässt.

    Dies ist kein gänzlich gelungener Film, aber ein vielversprechendes Debüt, dem nach einer knappen Jury-Entscheidung ein Prädikat zugesprochen werden kann.

    Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

Kritikerrezensionen

  • Imponiergehabe, Prahlerei, pubertäre Machtspiele und Sinnsuche, Perspektivlosigkeit, Langeweile in den tristen Outskirts einer Großstadt, wo die Schulabbrecher unbehelligt in den Tag leben können, weil sich keiner um sie kümmert: ein Mord ohne augenfälliges Motiv ist das schreckliche Ergebnis einer Gemengelage, die der Film präzise nachzeichnet.

    Niels Laupert hat genau recherchiert und die einzelnen Schritte filmisch nachgezeichnet, die damals, im Januar 1996, zu einem Schwerverletzten und zu einem Toten führten und dazu, dass die jugendlichen Täter als Präzedenzfall in Europa trotz ihres Alters von nur 16 Jahren wegen der Schwere der Tat nach Erwachsenenstrafrecht zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt wurden.

    Tommek und Adam haben sich gegenseitig hochgeschaukelt, mit Kumpelei, die unversehens in Rivalität umschlägt um die gleichaltrige Sarah, aber auch darum, wer cooler ist, überlegener, souveräner. Wobei Adam meist den Kürzeren zog, obwohl er sich so bemüht. Wo er doch als Ministrant den Messwein aus der Sakristei stiehl, als ihn Tommek, der eigentlich Schmiere hätte stehen sollen, ganz fies im Stich ließ. Aber der Tommek, der biegt alles so hin, dass nie irgendein Makel an ihm hängen bleibt – und so geht es immer mehr in Richtung Gewalt, in Gedanken, dann, bei einem Geldbörsendiebstahl, auch ganz real. Und nachts, bei einer Alk-Party, dann der Plan: einen Menschen umbringen, einfach so. Das können wir doch fertig bringen.

    Und was ist das für ein Adrenalinkick, kaltblütig das Schicksal eines Anderen in der Hand zu haben! Ein toller Moment kumpelhafter Freundschaft, der da entsteht, eine gemeinschaftsstiftende Tat, eine Euphorie, die sich hier Bahn bricht, wenn der nächste, der einem begegnet, des Todes ist. Von den Darstellern ganz wunderbar ausgelassen gespielt, als gäbe es kein Morgen, als gäbe es keine Kamera. Und dann die Ernüchterung am Tag danach, als sich alles abkühlt, die Begeisterung an der eigenen Untat, die eben nicht mehr unmittelbar wirkt, wenn die gefühlte Freundschaft nachlässt. Natürlich werden die beiden ganz schnell gefasst.

    Ganz kühl und nüchtern werden die Ereignisse abgehandelt, oberflächlich ohne jede Wertung. Doch dann ist da die dynamische Kamera, die das Geschehen sehr flott, sehr beweglich verfolgt. Und die aggressiven Popsongs, von den Babyshambles, von Portishead, die das Geschehen kommentieren. Und dann ist da die ausgeprochene Trostlosigkeit des Sets, die verfallene Fabrik, die leeren öffentlichen Plätze, die tristen Plattenbauten. Und dann ist da, als Kontrast, Adams Verhalten zuhause, wo er sich lieb um die Oma kümmert, bei der er aufwächst – die dann, am Ende, sich mehr über Adams Knasttattos aufregt als über den Mord: „Die Sache ist irgendwann vergessen, aber du malst dir die Vergangenheit unter die Haut.“ Eine Milieuzeichnung, die einen Erklärungsversuch enthält – ohne je entschuldigen zu wollen.

    Wie Truman Capote in den 60ern hat Niels Laupert einen kaltblütigen Mord fiktionalisiert, ohne das Authentische, das Reportagehafte der Schilderung zu vernachlässigen – inzwischen arbeitet Laupert an einem Dokumentarfilm über die Täter, die nun 10 Jahre Haft hinter sich haben. Und nur eines verhindert die vollkommene Unmittelbarkeit in seinem Spielfilm: das präzise Hochdeutsch, das die Figuren sprechen und das sich doch recht gekünstelt anhört.

    Fazit: Filmisch zeichnet Niels Laupert die Ereignisse eines Mordes ohne vordergründiges Motiv nach: nüchtern, präzise – und hoch emotionalisierend.
  • Packendes authentisches Drama perspektivloser Jugendlicher, von den Hauptdarstellern intensiv gespielt.

    In 16 Tagen Drehzeit entstanden, ist das Regiedebüt von Niels Laupert, der Musikvideos und Werbefilme inszenierte, sein Abschlussfilm an der HFF München und ein formaler, wie darstellerischer Kraftakt. Laupert geht den Abläufen vom 14. Januar 1996 nach, als zwei 16-jährige Jugendliche in Folge einer verhängnisvollen Wette – “Kannst du einen umbringen?” – einen Passanten in einer U-Bahn-Unterführung überfielen und töteten. Erklärungen werden nicht geliefert, kein Dialogsatz lässt auf ein Motiv schließen, die Tat bleibt unfassbar. Laupert beobachtet Adam (Ludwig Trepte) und Tommek(Martin Kiefer), wie sie um die Häuser ziehen, Messwein aus der Sakristei stehlen, um die blonde Sara (Jil Funke) balzen, sich streiten, auf eine Party gehen und sich Wodka aus einer Getränkehandlung besorgen.

    Sie reden von “Respekt”, “sich frei machen vom Schmerz”, “etwas durchziehen” und vor dem fatalen Schlussakt: “Der Nächste muss dran glauben.” Ludwig Trepte (Goldene Kamera 2008 für “Ihr könnt euch niemals sicher sein”), der Adam als ziellosen und chancenlosen Jugendlichen spielt, der aber auch seine Möglichkeiten verkennt, fungiert als Erzähler des lakonischen Kommentars, der berichtet, nicht erläutert. Nur der zynische Titel “Sieben Tage Sonntag”, weil kein Tag Arbeit, ist hier Orientierung.

    Die Hälfte des Films spielt nachts, die trostlose Welt der Plattenbausiedlung wird eingefangen in tadellos ausgeleuchteten Cinemascope-Bildern, die in bewusstem Kontrast zur sozialen Misere der Jugendlichen stehen, die so aggressiv wie hilflos, frustriert wie cliquenorientiert, verwahrlosen. Ihnen zumindest formal zu Glanz zu verhelfen, ist die beachtliche Leistung eines Films, der im Soundtrack mit Songs von Naked Lunch bis Babyshambles und Portishead treffende Akzente setzt. ger.

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