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Sein Bruder

   Kinostart: 06.11.2003
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Filmhandlung und Hintergrund

Stilles und radikales Meisterwerk von Patrice Chéreau über zwei Brüder, die angesichts des nahenden Todes des Älteren wieder zueinander finden.

Jahrelang hatten die Brüder Thomas (Bruno Todeschini) und Luc (Eric Caravaca) wenig miteinander zu schaffen, jeder lebte seine individuelle Existenz an einem anderen Ort der Welt. Jetzt aber, wo Thomas an einer mysteriösen Blutkrankheit leidet und nur noch wenige Wochen zu leben hat, kommt es zum Wiedersehen. Zunächst hat Luc wenig Lust, sich um Thomas zu kümmern. Doch mit der Zeit kommt man einander näher, die Erinnerungen an die Jugend kehren zurück, und die Gegenwart verliert an Bedeutung.

Emotional gefärbte Meditation zum Thema Freundschaft, Liebe und Sterben in einer hochintensiven Inszenierung von Patrice Chéreau („Intimacy„). Ausgezeichnet mit dem Regiepreis auf der Berlinale 2003.

Der große Bruder Thomas leidet an einer mysteriösen Bluterkrankheit und muss akzeptieren, dass ihm nur noch wenige Wochen zum Leben bleiben. Der kleine Bruder, Luc, kümmert sich erst widerwillig, dann engagiert und mit allen Konsequenzen um den Sterbenden und übernimmt die Verantwortung für den Älteren. Im Vertauschen der Rollen finden die Brüder wieder zueinander.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Sein Bruder: Stilles und radikales Meisterwerk von Patrice Chéreau über zwei Brüder, die angesichts des nahenden Todes des Älteren wieder zueinander finden.

    Berlin bringt Patrice Chéreau Glück: Vor zwei Jahren holte er sich den Goldenen Bären für „Intimacy“, jetzt wurde er mit dem Regiepreis für das Drama „Mon Frère“ ausgezeichnet. Die berührende Geschichte eines langen Sterbens spiegelte die Tendenz der diesjährigen Berlinale wieder, über existenzielle Dingen zu reflektieren - Krankheit und Schmerz, Tod und Vergänglichkeit.

    Nach Philippe Bessons Roman inszeniert der eigenwillige Franzose „Körper in Räumen, Körper, die sprechen“ und verbindet diese Darstellung mit einer diffizilen Bruderbeziehung. Der große Bruder Thomas leidet an einer mysteriösen Bluterkrankheit, der kleine Bruder Luc kümmert sich erst widerwillig, dann engagiert um ihn (überzeugend Bruno Todeschini und Eric Caravaca).

    Chéreau verzichtet auf eine Versuchsanordnung wie in „Intimacy“, er zeigt manchmal fast beiläufig Bilder von Krankheit und Tod, die tiefe Kerben in die Seele schlagen. Da wird der Patient vor der Operation eingeseift und der ausgemergelte Körper von freundlichen Krankenschwestern rasiert, die Brusthaare, die Achselhaare, sogar die Schamhaare, nur ein kleines weißes Tuch bedeckt das Geschlecht. Was übrig bleibt, ist ein bleicher Körper, ein seiner Intimität beraubtes Bündel Mensch, schutzlos den Blicken der anderen ausgesetzt, hilflos der Krankenhausmaschinerie ausgeliefert - Assoziationen an eine tote Christusfigur. Das Summen des Rasierapparates bohrt sich in den Kopf des Zuschauers, ein grausames, nicht zu vergessendes Geräusch. Die Annäherung an die Wirklichkeit des Klinikalltags ist nicht polemisch, die Ärztin kein gefühlloses Monster. Man tut, was man tun muss, um Leben zu verlängern. Aber der Mann will nicht irgendein, sondern sein Leben und nimmt sich das Recht, dieses bewusst zu beenden. Im Tod gewinnt er die Würde wieder, nicht im dunklen Winter, sondern im sonnenhellen Sommer an der bretonischen Küste.

    Diese leise Tragödie geht unter die Haut, forscht die Gefühle aus, die Beziehungslosigkeit und umreißt hart eine Familie in Agonie, ohne Verständnis und Liebe füreinander. Die Kamera begleitet in großer Nähe das Leiden eines Menschen, tastet sich am siechen Körper entlang, durch die Falten der müden Haut, macht nicht Halt vor Blut, Schweiß und anderen Sekreten, nimmt mit auf eine intensive und schmerzliche Gratwanderung zwischen Hoffnung und Hoffnungslosigkeit. Und wenn Marianne Faithfull vom Tod singt und dem Staub zu dem wir werden, ist es nicht weit zur inneren Gänsehaut.

    „Mon Frère“ handelt von der Erniedrigung des Körpers und dem emotionalen Wiederfinden zweier Brüder, deren Rollen sich vertauschen, der Jüngere übernimmt Verantwortung für den Älteren, vergisst die Schikanen der Jugend. In einer Szene hält der Gesunde den Todkranken beschützend im Arm und massiert ihn ganz vorsichtig, eine Geste größter Zärtlichkeit. Das stille Meisterwerk hätte auch noch einen anderen Bären verdient. mk.
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