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Fakten und Hintergründe zum Film "Seelenv?gel"

Kino.de Redaktion |

Seelenvögel Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Director´s Statement

Vor einiger Zeit habe ich einen Abend mit einigen Ärztinnen und Pflegerinnen verbracht, die schwerkranke oder auch sterbende Kinder betreuen. Die Austrahlung dieser Frauen hat mich sehr beeindruckt und berührt. Etwas Kraftvolles lag darin, etwas Wesentliches, Essentielles. So, als ob die todkranken Kinder, mit denen sie zu tun hatten, ihnen etwas da gelassen hätten. Diese Kraft wurde zu meinem Thema.

Seelenvögel ist in jeder Hinsicht ein besonderer Film für mich. Die Art wie er über drei Jahre hinweg entstanden ist und natürlich besonders die Thematik „Kinder und der sie bedrohende Tod“. Eine Situation die nicht sein darf, vor der sich jeder fürchtet und lieber wegschaut. Ich habe selbst zwei Kinder und manchmal waren die Ereignisse nur auszuhalten, weil ich mich auf die Position des Filmemachers zurückziehen konnte. Trotzdem bleibt für mich nach diesen drei Jahren keine Frustration oder Deprimiertheit, es bleibt ein Gefühl der Kraft und Energie, das mir diese Kinder geschenkt haben. Ich glaube, dass dieser Film etwas davon vermitteln kann.

Interview mit dem Regisseur

Wie sind Sie zum Thema von Seelenvögel gekommen? Gab es eine Begegnung, die ausschlaggebend war?

Vor einigen Jahren war ich eingeladen eine Sondervorführung meines Filmes Touch the Sound im Hörsaal eines Universitätskrankenhauses zu besuchen. Im Anschluss saß ich noch mit einigen Frauen zusammen, die alle mit Palliativmedizin, mit todkranken oder sterbenden Kindern zu tun hatten. Die Erzählungen dieser Frauen und besonders ihre Ausstrahlung haben mich sofort gefangen genommen. Es schien so, als ob die Kinder ihnen trotz der Schwere ihres Schicksals eine ganz besondere Energie hinterlassen hätten. Ich hatte das Gefühl, dass diese Energie eher mit dem Leben als mit dem Tod zusammenhängt und wollte dem nachgehen. Also ein Projekt über das Leben, das aber um den Tod kreist.

Nach diesem ersten Impuls: Wie sind Sie an die Konzeption des Films gegangen?

Ich habe zunächst die ersten Kontakte ausgebaut und vertieft. Schließlich konnte ich einige Schwestern und Ärztinnen für meinen Film gewinnen, die mir dann bis zum Abschluss der Dreharbeiten zweieinhalb Jahre später eine große Hilfe waren. Über diese Gruppe bin ich dann auch, sehr langsam, zu den ersten Kontakten zu betroffenen Kindern und deren Eltern gekommen. Uns allen war klar, dass ein Filmprojekt über sterbende Kinder auf vielen Ebenen sehr schwierig werden würde. Kann man überhaupt einen Film machen, der die Zuschauer an der Energie, wie ich sie verspürt habe, teilhaben lassen kann? Wie vermeidet man es, die Schicksale der Kinder für oberflächliche Emotionen auszubeuten? Wer will so etwas überhaupt sehen, wer wird sich dem aussetzen? Wie kann man die Betroffenen ansprechen und überzeugen? Und wie kann man ihnen auch ein Aussteigen aus dem Filmprojekt gewährleisten, wie geht man mit den Persönlichkeitsrechten um? Letztlich habe ich das Projekt begonnen, weil ich auf mehreren Ebenen ein großartiges Vertauen gefunden habe. Von den betroffenen Kindern und Eltern, von den unterstützenden Ärzten und von den mitfinanzierenden Partnern. Das BKM und später auch der WDR haben diese sehr spezielle Situation verstanden und das Projekt unterstützt, obwohl bis zum Beginn des Schnitts nicht feststand, ob ich die nötigen Einverständniserklärungen bekommen würde. Schlimmstenfalls wäre nie ein Film entstanden. Dieses Risiko haben die Finanzierer und unsere Firma getragen. Die Rückzugsmöglichkeit für die Beteiligten war aber sicher eine wichtige Voraussetzung ihrer Zusammenarbeit mit mir. Ich bin also nicht nur den Betroffenen und dem unterstützenden Klinkipersonal, sondern auch den Mitfinanzierern zu großem Dank verpflichtet.

Wie haben Sie Ihre Protagonisten gesucht und ausgewählt?

Alle betroffenen Kinder und Eltern wurden erst von den Betreuern oder Ärzten auf das Projekt hin angesprochen – ich selbst habe nie Namen oder Adressen von der Klinik bekommen. Es waren dann immer die Eltern, die mich kontaktiert haben. Die Reaktionen, nachdem ich das Projekt vorstellen konnte, waren meist positiv. Und manchmal auch entwaffnend ehrlich. Pauline sagte mir zum Beispiel: „Ich weiß nicht, ich find’s schon gut. Aber letztlich will ich nicht, dass du mich interessant findest, nur weil ich vielleicht bald sterbe. Und dass ist es doch, was du suchst, oder?“ Ich wußte wenig darauf zu sagen. Natürlich gab es auch Fälle, in denen ich es nicht geschafft habe, die Kinder zu überzeugen. Ich erinnere mich an einen 16-jährigen Jungen, den ich sehr gerne im Film gehabt hätte und den ich oft besucht habe. Sein Argument dagegen war immer: „Weißt du, mein ganzes Leben lang muss ich jedem erzählen, wie es mir geht. Ich will nicht, dass ständig jemand in mich reinschaut.“ Wir haben dann beschlossen, den Film nicht mehr zu erwähnen, und ich habe ihn trotzdem weiterhin besucht. Ein Projekt wie dieses ist einfach mehr als der Film, der am Ende herauskommt. Im Laufe der zweieinhalb Jahre Drehzeit habe ich sechs Kinder und deren Familien begleitet. Nachdem ich bis zum Beginn der Schnittzeit nicht wusste, wie sich das Projekt entwickeln würde, habe ich einfach jede sich bietende Möglichkeit wahrgenommen. Manche Geschichten sind dann aus verschiedenen Gründen nicht weitergegangen oder im gegenseitigen Einverständnis nicht in den Schnitt aufgenommen worden.

Wie hat sich das offenkundig große Vertrauen zwischen den Protagonisten und Ihnen entwickelt?

Ich habe versucht, nichts zu forcieren und meine eigene Unsicherheit zu formulieren. Vor allem die Unsicherheit, ob es gelingen würde, einen Film zu machen, wie ich ihn mir vorgestellt habe – mehr über das Leben als über den Tod. Ich habeversucht, die Kreativität der Kinder mit einzubeziehen und nicht mit einer vorgefertigen Idee anzukommen. Ich wollte den Film beim Machen entwickeln. Wichtig für das Vertrauen waren sicher auch meine früheren Filme als Referenz und die Möglichkeit für alle Beteiligten, ohne Angabe von Gründen jederzeit aussteigen zu können. Natürlich gab es auch Zweifel, und es gab viele Diskussionen. Schließlich wollte ich eine generelle Freigabe des Materials für den Schnitt. Das heißt, die betroffenen Eltern hätten nicht mehr das verbriefte Recht gehabt, den Film hinterher zu verändern. Das waren schwerwiegende Diskussionen und Entscheidungen, die für alle nicht einfach waren. Ich glaube aber sagen zu können, dass ich das Vertrauen nicht missbraucht habe, denn die Reaktionen der Eltern auf den Film waren durchweg positiv.

Sind bei Ihnen selbst im Laufe der Arbeit am Film Zweifel entstanden?

Ich hatte durchaus Zweifel und Angst. Zweifel darüber, dass ich mir als Filmemacher anmaße, etwas über so eine Situation auszusagen. Zweifel darüber, ob man überhaupt so ein Thema als Film behandeln kann, soll und darf. Und Angst vor der Reaktion der Eltern, die mich so großartig unterstützt haben. Angst etwas zu produzieren, in dem sie sich und ihr Kind überhaupt nicht wiederfinden. Es war wie ein Spagat, denn es war allen klar, dass der Film letzlich mein Blick auf die Kinder sein würde. Ich hatte auch oft das Gefühl: „Das wird nichts.“ Allerdings nicht, weil ich an der Einzigartigkeit undGroßartigkeit meiner Protagonisten gezweifelt hätte, sondern an meinen Fähigkeiten, daraus einen Film zu machen, der meinen Ansprüchen und den Ansprüchen der Beteiligten genügen würde. Wenn ich am Ende das Gefühl gehabt hätte, der Film sei nur belastend, hätte ich ihn nicht veröffentlicht. Das hätte nicht meiner Erfahrung entsprochen, denn es war nicht nur belastend.

Es gibt eine Reihe von assoziativen Aufnahmen und Einstellungen in Seelenvögel. Waren diese Momente von vornherein Teil des Konzepts? Wie sind sie entstanden?

Wer meine Filme kennt, weiß, dass ich gerne versuche, mehrere Ebenen in meinen Bildern anzusprechen. Der „poetische“ Touch von Seelenvögel war also durchaus Teil eines groben Konzeptes. Die Aufnahmen sind alle im Laufe der Dreharbeiten mit den Protagonisten entstanden. So haben mich zum Beispiel die Papierfetzen am Bauzaun vor Lennis Häuschen an japanische Wunschzettel, ein bisschen sogar an das Denkmal zum 11. September in New York erinnert. Es sind solche „irrationalen“ Assoziationen, die mich interessieren. Der eine sieht sie, der andere nicht. Vielleicht spürt man aber in jedem Fall etwas.

In welcher Verbindung mit Ihren beiden letzten Filmen sehen Sie Seelenvögel?

Das ist schwer zu sagen. Das verbindende Glied bin natürlich erstmal ich als Filmemacher. Ich glaube, man kann Erkenntnisse aus Rivers and Tides oder Touch the Sound in Seelenvögel spüren und vielleicht auch analysieren. Aber ich selbst möchtedas gar nicht tun. Ich wollte bewußt einen, im Sinne der Technik und des Aufwandes, „kleinen“ Film machen, der sich über einen nicht im Vorfeld abgesteckten Zeitraum entwickeln kann.

Sie haben in einem Text zum Film davon gesprochen, dass die Erfahrungen während der Drehzeit so intensiv waren, dass Sie manchmal „froh“ waren, sich in die Distanz des Filmemachers zurückziehen zu können.Was meinen Sie damit?

Das „Gerät“ Kamera und der „Auftrag“ Film geben mir die Möglichkeit, mich auf meinen Beruf als Filmemacher zurückzuziehen. Indem ich mich also auf so banale Dinge wie Belichtung, Ausschnitt, Ton konzentriere, schaffe ich eine gewisse Distanz, die mich vielleicht auch schützt. Ich erlebe etwas nicht nur „privat“ sondern auch mit einem „Auftrag“, an den ich denken muss. Das ist manchmal eine schizophrene Situation, die gerade in diesem Projekt sowohl gute als auch schlechte Seiten hatte.

Sie haben vorher gesagt, ein Projekt wie Seelenvögel sei mehr als der Film, der am Ende herauskommt. Was haben die Erfahrungen in Ihnen selbst ausgelöst?

Was mit mir selbst passiert ist, kann ich nicht so ohne weiteres sagen. Es war eine sehr intensive Zeit, die sicher noch lange in mir wirkt und auch vieles bewirkt. Ich denke, ich würde dem ganzen aber nicht gerecht werden und vielleicht auch die Magie zerstören, wenn ich versuchen würde, das in Worte zu fassen. Ich glaube, dass das, was ich erfahren durfte, auf komplexeren Ebenen als nur der sprachlichen funktioniert.

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