Fakten und Hintergründe zum Film "Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt"

Kino.de Redaktion |

Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Director´s Statement

„Ich habe 2004 das erste Mal von Scott Pilgrim gehört als mir Bryan Lee O'Malleys Comic-Buch in die Hand gedrückt wurde. Da ich in meiner Arbeit immer versucht habe, das Mondäne mit dem Durchgedrehten zu vermengen, war ich sofort am Haken. Ich habe Bryans Einsatz von Manga und Videospiel-Elementen geliebt, mit denen er die Gefühlswelt seiner jungen Charaktere illustriert hat. Diese Bücher verfilmen zu dürfen war ein Geschenk. Sie sind nicht nur witzig, charmant und einfühlsam, sondern schweifen mit zunehmend verrückteren Einfällen ins Fantastische ab. Romantik, Komik, Action und Fantasy in einem Film vereinen zu dürfen, war eine faszinierende Herausforderung.

Die Welt von ‚Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt’ lässt sich am besten so beschreiben: es ist die ganz normale Welt eines ganz normalen jungen Mannes - allerdings gefiltert durch sein überaktive Vorstellungskraft. Bryan Lee O’Malley beschreibt Scott als ‚Helden in seinem eigenen Film’. Mein Ziel war es, genau diesen Film zu machen.

Bilderstrecke starten(51 Bilder)
Alle Bilder und Videos zu Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt

Die Gefühle und Beziehungen im Film sind von den Medien und Unterhaltungsangeboten beeinflusst, mit denen seine Generation aufgewachsen ist - nicht nur Musik, Film und Animation, sondern über 30 Jahre Videospiele. Dem Leben unserer Charaktere ist die enormen Zeit anzumerken, die sie vor ihren Nintendo-Konsolen verbracht haben. Für die Twentysomething-Charaktere im Film sind die Klänge von 'Zelda' so tief eingebrannt wie die Schlaflieder unserer frühen Kindheit.

In der Welt von „Scott Pilgrim“ werden auch kleine Unstimmigkeiten in tödlichen Duellen geregelt. Als er anfängt, mit der Frau seiner Träume auszugehen, wird unser Held in eine Welt des Schmerzes geschleudert. Die geheimnisvolle Ramona ist mit einem Fluch belastet: sie hat sieben Exfreunde, die ihren neuen Schwarm nacheinander zu einer Reihe von tödlichen Duellen herausfordern. Viele Menschen haben schon alles Mögliche und Unmögliche getan, um einen unerreichbaren Geliebten zu gewinnen. Scott muss aber buchstäblich um seine neue Beziehung kämpfen, wenn er überleben will.

Die zunehmend verrückten Geschehnisse sind fast so etwas wie eine wilde Übertreibung, ein Ausspinnen von Ereignissen. Wenn Teenager oder Twentysomethings beschreiben, was sie in einer Nacht erlebt haben, dann steht das meistens kaum noch im Verhältnis mit dem tatsächlichen Geschehen. Meine Erklärung für die Kämpfe im Film ist, dass sie extrem auf- und überdrehte Versionen von Ereignissen und Begegnungen sind. Es wird doch beispielsweise manchmal über den ‚Riesenstreit’ gesprochen, den es letzte Nacht irgendwo gab. Und auf der Leinwand sehen wir nun die riesengroße, explosive Version dieses Streits.

Die Kampfsequenzen in ‚Scott Pilgrim’ sind in etwa das im Actiongenre, was Songs oder Tanzeinlagen im Musical sind. Wenn die Gefühle zu groß werden und den Rahmen von Worten sprengen, fangen die Charaktere in Musicals zu singen an. In ‚Scott Pilgrim’ beginnt in diesen Momenten eine Auseinandersetzung um Leben und Tod.

Der Film spielt in einer Welt der ‚ersten Wohnungen’, schrammeligen Bands, Secondhand-Läden und Coffee-Shops. Und er handelt von junger Liebe, lauter Musik und großen Gefühlen. Wir sehen die Welt durch die Augen junger Leute, die eine Menge zu bieten und noch eine Menge zu lernen haben. Oh, und wenn Leute explodieren, dann explodieren sie in Kleingeld…“

Über die Produktion

Produzent Marc Platt wurde von seinen Kollegen Jared LeBoff und Adam Siegel auf Bryan Lee O’Malleys Comic-Roman-Serie gestoßen, als sie ihm 2004 den ersten „Scott Pilgrim” Band mitbrachten.

„Mir fiel sofort der Schwung und die vibrierende Lebendigkeit des Materials auf und wie es präzise Ort und Zeit einer Gruppe von Charakteren einfängt und damit auch das Lebensgefühl einer Generation beschreibt”, erinnert sich Platt. „Diese Charaktere bewegen sich in einer Welt, die teils Comic, Ninja und Kungfu, teils Anime und Manga ist, und trotzdem sind es eben völlig normale liebenswürdige Kids mit Gefühlen und Hoffnungen, die man sehr gut kennt.”

Für Platt waren die Figuren aus O’Malleys Comics so echt, dass er sofort von einer Umsetzbarkeit auf Film überzeugt war: „Die neurotische Sorgenwelt von Scott Pilgrim und natürlich seine romantische Sehnsucht nach dem Mädchen seiner Träume haben mich berührt. Um zu erreichen, was er will, muss er sich einigen Herausforderungen stellen,”

Nachdem sich LeBoff und Siegel Edgar Wrights Spielfilmdebüt „Shaun of the Dead“ angeschaut hatten, schlugen sie Platt vor, dass der für seine Genre-Übergriffe bekannte Regisseur den Film machen sollte. „Ich habe sofort erkannt, dass sein Stil und unser Material eine unwiderstehliche Kombination ergeben“, so Platt. „Als er sagte, dass er interessiert wäre, vervierfachte sich meine Begeisterung für unseren Stoff. Er arbeitet härter als jeder andere Filmemacher, den ich kenne, und diese Arbeit hat sich ausgezahlt, da es ein sehr komplexer Film ist und jeder der zahllosen Bestandteile ineinander greifen musste. Edgar hat jedes einzelne Teil im Auge behalten, so dass es perfekt passte. Er ist akribisch in der Vorbereitung, er ist geistreich und witzig, und er liebt die Charaktere und das Material.”

Ko-Autor und Regisseur Wright bekam O’Malleys erstes Buch „Scott Pilgrim’s Precious Little Life” von LeBoff und Siegel überreicht, als sie sich in Los Angeles bei einer Voraufführung von „Shaun of the Dead“ trafen. „Es war gerade erst herausgekommen und diese beiden geschäftstüchtigen Leute sagten, es wäre der perfekte Stoff für mich“, erinnert sich Wright. „Das Buch schlief dann mindestens den einen Monat der U.S.-Pressetour mit 'Shaun' bevor ich endlich dazu kam, die mittlerweile schon etwas zerknautschte Ausgabe zu lesen. Ich habe es von der ersten Seite an genossen und war vollends begeistert spätestens nach der Szene als Scott Pilgrim eine Mail erhält, die seinen baldigen Tod ankündigt. Noch bevor ich dieses erste Scott Pilgrim-Buch fertig hatte, kreisten in meinem Kopf die Gedanken darum, wie man daraus einen Realfilm machen könnte.“

Wright war nicht nur von der Story des Buchs beeindruckt, sondern auch von O'Malleys spielerischem Einsatz von Videospiel- und Manga-Ikonographie für die extremen bis melodramatischen Emotionen der Charaktere. „Es erinnerte mich an die Fernsehserie ‚Spaced’, die ich gemeinsam mit Simon Pegg und Jessica Hynes gemacht habe“, so Wright. „Ich hatte mich danach gesehnt, etwas machen zu können, das den magischen Realismus, den es in der Serie gibt, noch weiter treibt. Ich war begeistert von der Idee, die Bücher zum Leben erwecken zu können und einige dieser völlig durchgedrehten Actionsequenzen auf die Leinwand bringen zu dürfen. Ich habe in meiner Karriere immer versucht, Komödie auch visuell spannend zu gestalten, und diese Adaption war eine Riesengelegenheit, meiner Fantasie völlig freien Lauf zu lassen.”

Die Adaption der Comicbücher wurde zur Gemeinschaftsaufgabe als Michael Bacall zum Team stieß, um gemeinsam mit Wright das Drehbuch zu schreiben. Bacall erinnert sich an den über fünfjährigen Schreibprozess, der noch vor Wrights Arbeit an der Actionkomödie „Hot Fuzz“ begann: „Wir haben auf jede erdenkliche Art und Weise zusammengearbeitet: Kontinente voneinander entfernt, im gleichen Raum, er schrieb mit der linken, ich mit der rechten Hand, die ‚Schiffe versenken'-Methode mit gegenüberliegenden Laptops. Wir haben aufeinander folgende Szenen geschrieben, sie dann ausgetauscht und gegenseitig überarbeitet. Manchmal haben wir die gleiche Szene sogar gleichzeitig geschrieben und geschaut, wohin uns das führt.”

Die Struktur des Drehbuchs ähnelte in gewisser Weise einem Videospiel - Scott muss nacheinander immer gefährlichere Gegner besiegen, um zu gewinnen. Als sie gemeinsam daran arbeiteten, stellte Bacall fest, dass er in Wright einen Bruder im Geiste gefunden hatte. „Edgar motiviert sich selbst am besten und er hat eine unfassbare Arbeitsmoral. Die Arbeit mit ihm war wirklich inspirierend”, so Bacall. „Der Mann schläft nicht, und seine Konzentration auf jedes Detail der Story und des Drehbuchs sorgte für eine spannende Arbeit. Und außerdem genießen wir beide den Adrenalinkick, den nahende Deadlines oder vierfache Espressos bereiten.”

Als der Autor von „Scott Pilgrim” von der Idee erfuhr, seinen Comic in einen Film zu übersetzen, hatte er gerade das erste Buch fertig und keine Ahnung, wie es thematisch weiter gehen sollte. „Ich tat aber so, als wüsste ich es“, lacht Bryan O'Malley, „und habe ihnen einen groben Umriss geschrieben.“

Die Charaktere in O’Malleys Büchern haben Ähnlichkeiten zu den Menschen, denen er und seine Freunde in ihren späten Zwanzigern in Toronto begegnet sind: „Scott ist so etwas wie eine Wunschfigur und eine Hommage. Er ist ein bisschen Trottel, etwas naiv, die Frauen lieben ihn und er kann kämpfen wie ein Superheld. Ich hatte damals ein paar neue Freunde gewonnen, spielte in einer Band und wollte etwas machen, das ihnen gefällt und außerdem unser Leben widerspiegelt.‚Scott Pilgrim’ hat die japanischen Comics, den Indie Rock, den klassischen Rock und die Videospiele, die mir Spaß gemacht haben. Mein Ziel war es, diese übertriebenen, aufregenden Elemente mit meinen mondänen Lebensalltag zu verknüpfen. Es ist eine duale Welt, die sich aus totaler Realität und fantastischer Abstraktion zusammensetzt – und beide Seiten haben ihre Berechtigung.“

Wright und Bacall waren nicht nur daran interessiert, wie es mit den Charakteren in den nächsten Büchern weiter gehen würde – sie wollten den Autor auch als Paten des Projekts und als Hüter aller „Scott Pilgrim“-Belange. Die beiden Autoren versuchten, O’Malleys Welt so treu wie möglich zu bleiben und die Storys gleichzeitig für die Leinwandversion zu erweitern. Im Laufe dieses Prozesses schuf O’Malley das nächste Kapitel der Scott-Saga und schickte Wright Bacall die Fahnen des Buches.

„Zuallererst bestand die Herausforderung darin, das Gefühl und den Geist des Buches auf die Leinwand zu transportieren“, erklärt Wright. „Dieses Gefühl lag zum Teil in den Dialogen. Bryan und ich haben einen ähnlichen Sinn für Humor und wir beide lieben es, die unglaublichsten Ereignisse mit knochentrockenen Reaktionen zu kontern. Wir beginnen beide unsere Geschichten auch gerne in einer naturalistischen Welt, um sie dann in völliger Verrücktheit explodieren zu lassen.”

Mit fertigem Drehbuch und grünem Licht für die Produktion war es an der Zeit, Scott Pilgrims Welt mit Freunden und Feinden aus O’ Malleys verzwicktem Comic-Universum zu bevölkern.

Produktion: Die Besetzung

Die Besetzung der mehr als ein Dutzend Charaktere aus den Comicbüchern war eine Herausforderung. Mit anzusehen wie echte Menschen für die Figuren seines Torontos ausgesucht wurden, war für O’Malley eine - wie er es nennt - „unglaubliche, erfreuliche, seltsame und schaurige Erfahrung.“

Michael Cera kannte schon die ersten beiden „Scott Pilgrim”-Bände, als man ihm die Titelrolle anbot, und er wusste somit ziemlich genau, dass Scott eine sehr klar definierte Rolle ist, bei der man nicht mehr allzu viel dazu erfinden muss. „Bryan Lee O’Malley hat einen so einzigartigen und klaren Charakter erschaffen, dass es einfach für mich war, mich in ihn hineinzuversetzen“, so Cera, „aber auf der anderen Seite hatte ich schon ein paar Sorgen, weil ‚Scott Pilgrim’ eine begeisterte Fangemeinde hat, die sehr klare Vorstellungen von ihm und seiner Welt hat. Edgar hat mir da sehr geholfen, den richtigen Ton zu finden und es nicht zu überziehen in der Darstellung.”

Während der Vorbereitung auf den anstrengenden Dreh, verließ sich Cera immer mehr auf die Vision seines Regisseurs. „Man hat von Anfang an das Gefühl, dass der Film eine ganz eigene Stimme hat. Das ist Edgar mit all seinen Filmen gelungen“, so Cera. Als die Dreharbeiten begannen, war O’Malleys Comicuniversum längst zur zweiten Heimat für die Besetzung und das Team geworden. „Da wir schon wochenlang geprobt hatten“, so Cera, „wirkt das alles vertraut und sehr real.“

Cera ist bekannt für seine Nette-Jungs-Rollen in solchen Filmen wie „Superbad“ und „Juno“. Nicht zuletzt reizte ihn also auch die Chance, mal etwas mehr Kanten zeigen zu können. Und genau das wollten die Filmemacher auch aus ihm herauskitzeln. Was Ceras Talent vielleicht am besten beschreibt ist laut Platt sein „beiläufiges Spiel, das wirkt, als würde er eigentlich gar nichts machen. Das ist genial und gleichzeitig unglaublich präzise. Er verkörpert den Charakter komplett. Die Leute werden schockiert sein, Michael auf einmal als Kämpfer zu sehen und seine bislang unbekannten härteren Seiten zu erkennen. Es war toll mitzuerleben, wie Edgar das aus ihm herausholte.“

Scott hat die die Trennung von Envy Adams, die seinem „Herz einen Arschtritt gab“, noch nicht wirklich verdaut, als er der mysteriösen Amerikanerin Ramona Flowers begegnet. Und er glaubt zuerst, dass er sie mit bloßem Willen zum Leben erweckt hat. Cera beschreibt die besondere Anziehungskraft: „Scott ist besessen von ihr, als er sie in seinen Träumen sieht. Als er ihr dann im wahren Leben begegnet, weiß er zunächst nicht so recht, was er davon halten soll: sie scheint ihm immer wieder zu entwischen und genau das erhöht die Anziehungskraft nur noch. Aber er hat ja auch noch diese andere Freundin und gar nicht das Recht, sie so richtig zu mögen… und genau deswegen mag er sie noch mehr.“

Ramona kann sehr reserviert und distanziert sein, was sie natürlich noch interessanter für Scott macht. Und dann wäre da selbstverständlich noch die Liga der bösen Exfreunde, die jeden ihrer Schritte überwacht. „Dieser Titel Liga der Exfreunde sollte ganz bewusst ominös und albern klingen“, so O’Malley, aber diese Ex-Lieben meinen es buchstäblich todernst, wenn es um Ramonas Liebesleben geht und darum, Scott daraus fernzuhalten.

Mary Elizabeth Winstead, bekannt durch ihren Auftritt in „Live Free or Die Hard“, wurde nach ihrem Treffen mit Edgar Wright als Dimensionsreisende Ramona besetzt, und sie weiß wahrscheinlich am besten, was dieser Ramona an Scott gefällt. „Scott ist für sie eine neue Art Geliebter. Er ist anders als all die anderen Typen, mit denen sie vorher zusammen war – Typen, die man als düster, hart und geheimnisvoll zusammenfassen könnte. Scott ist dagegen dieser süße kleine Trottel, den sie unter die Fittiche nehmen muss.“

Da Ramona und Scott in den meisten Szenen von „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ zu sehen sind, waren Winstead und Cera fast während der gesamten Dreharbeiten gefragt, und weil die sieben bösen Ex-Freunde nacheinander in ihr Leben stürmen, wirkte es so, als würden sie mit jedem Ex einen neuen Film machen. „Alle paar Wochen gab es eine neue Energie am Set, wenn der nächste Ex an der Reihe war“, so Winstead.

Neben Mr. Pilgrim besteht seine Sex Bob-omb-Band aus Drummer Kim Pine und lead-Sänger und Songwriter Stephen Stills. Der größte Fan und Anhänger der Band (vorm Auftritt von Knives Chau) ist der aufstrebende Bassist Young Neil.

Kim, die intelligenteste der Gruppe, war in Highschoolzeiten mit Scott zusammen und mag ansonsten kaum jemanden oder besser gesagt eigentlich niemanden. Die in Toronto geborene Alison Pill wurde als die junge Frau besetzt, die für ihre Freunde und im Film so etwas wie die unbeteiligte Stimme der Vernunft ist. Kim kennt Scott am besten und längsten. Sie ist eher still zurückhaltend, aber auf der Bühne wird sie zum Rock-Tier. Um sich auf die Rolle vorzubereiten und ihre Percussion-Fähigkeiten zu tunen, arbeitete Pill mit Drummer-Guru Charlie Drayton und Sloan-Frontmann Chris Murphy.

Frontmann, Sänger und Songwriter Stephen Stills sorgt sich am meisten um den Erfolg von Sex Bob-omb, aber er hat unglaubliche Neurosen, was die Bühnenauftritte angeht. Mark Webber, der Stephen Stills spielt, erinnert sich an den Trick, mit dem Wright, O’Malley und Bacall das Kernensemble des Film auf ihre Rollen einstimmte: „Vor der der ersten Probewoche gab Edgar uns eine private Liste, auf der 10 wichtige Dinge über unsere jeweiligen Figuren standen. Diese 10 Dinge sollten wir für uns behalten und einige davon waren ziemlich schockierend.“

Vollendet wird Scotts engster Kreis durch den „Jennifer’s Body“-Star Johnny Simmons, der den oft verwirrten Young Neil spielt, Mitbewohner von Stephen und Groupie Nummer 1 der Band.

Es geht für Scott nicht nur darum, das Herz von Ramona zu erobern, sondern auch darum, genügend Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen und Reife auf dieser Reise zu finden und nicht selbst als böser Ex zu enden. Von Kampf zu Kampf mit der Liga der bösen Ex-Freunde wird Scott dabei stärker.

Newcomer Satya Bhabha wurde als Ramonas erster böser Ex Matthew Patel (aus Junior Highschool-Tagen) besetzt. Er überrascht Scott, als er mit seinen dämonischen Hipster Chicks durch die Decke des Clubs bricht und ihn angreift. Wobei man dazu sagen muss, dass Matthew ihm vorher eine E-Mail geschickt hatte. Unglücklicherweise hatte Scott diese E-Mail gelöscht.

Auch Chris Evans gehört zur Liga der Ex. „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ ist Chris Evans Debüt als Superschurke. Bekannt ist er für seine Rollen in den beiden „Die Fantastischen Vier“-Filmen und in „Losers“ sowie für seinen nächsten Superheldenjob als Titelheld in „Captain America: The First Avenger“ - kurzum als Actionstar. Und genau mit dieser Rolle und diesem Image konnte Evans hier genussvoll spielen, da er als die ultimative Karikatur eines Actionstars besetz wurde: Ramonas zweiter böser Ex, der Profi-Skateboarder und neuerdings Actionheld Lucas Lee.

Auch Brandon Routh hat selbstverständlich Comicvorkenntnisse. ‚Superman’ selbst verstärkte das Team der bösen Ex-Freunde als Ramonas dritter Ex Todd Ingram, ein Power-Veganer, der mit Envy Adams ausgeht und bei The Clash at Demonhead spielt. Der blondierte Telekinetiker ist dabei mindestens so arrogant wie dumm - und das ist seine größte Schwäche. Scott weiß, dass er ihn niemals mit ein paar Schlägen und Kicks besiegen kann. Er hat nur eine Chance, wenn es ihm gelingt, ihn auf andere Art auszutricksen.

Da Scott sich ziemlich sicher ist, dass Ramonas Liga der bösen Ex-Freunde eine rein männliche Truppe ist, wartet mit Roxy Richter eine genauso tödliche wie weibliche Überraschung auf ihn. Schimpfwörter spuckend und Ketten schwingend ist Roxys Martial Arts-Können mindesten so tödlich wie ihre giftige Zunge. Gespielt wird die verschmähte Ex mit ihren Unsichtbarkeitsfähigkeiten von Mae Whitman (bekannt aus „Parenthood” und „Arrested Development“).

So wie die meisten Ex-Lieben von Ramona, fühlt sich auch Roxy nicht wirklich bedroht durch Scott. Sie will nur ganz grundsätzlich jeden aus dem Weg räumen, der versucht mit dem Mädchen anzubändeln, das ihr das Herz gebrochen hat. Eine weitere experimentelle Phase in der Geschichte von Ramonas Liebesleben kommt mit den nächsten beiden bösen Exfreunden auf den Tisch. Nummer 5 und Nummer 6 sind Kyle und Ken Katayanagi, die von den eineiigen Zwillingen Keita und Shota Saito gespielt werden. Sie sind die beiden letzten Kämpfer in Gideons Armee, die Scott besiegen muss, bevor es in den Endkampf mit dem bösesten der bösen Exfreunde geht. Um die Zwillinge zu zerstören, müssen Scott und Sex Bob-omb sich ihnen Verstärker gegen Verstärker in einem buchstäblichen ‚Battle of the Bands’ stellen. Zwei Bands kommen auf die Bühne, nur eine wird sie lebend wieder verlassen nach einem epischen Duell zwischen Katayanagis Weiße-Drachen-Avataren gegen Sex Bob-ombs grünäugigen Yeti.

Wenn Scott seine Gefechte gegen all diese Exes überleben kann, steigt er in die Bonusrunde auf und trifft dort auf Gideon Graves, den bösen Ex, der noch den meisten Einfluss auf Ramona hat. „Er ist der böse Exfreund, der hinter allem steckt“, erklärt Cera. „Er ist der, den Scott am wenigsten ertragen kann, und Jason Schwartzman ist fantastisch in der Rolle, weil er ihn gleichzeitig witzig, charmant und widerwärtig macht.“

Dass Gideon durchaus daran interessiert ist, Sex Bob-omb bei seinem Label unter Vertrag zu nehmen, macht ihn dabei kein bisschen ungefährlicher. „Gideon ist deswegen so gut im böse sein, weil er eigentlich ganz liebenswert ist“, verrät Schwartzman. „Er ist passiv-aggressiv – wie ein Mückenstich. Er stört kaum, aber wenn du anfängst, dich zu kratzen, steht dir eine wilde Nacht bevor. Es könnte sein, dass Blut fließt. Und Scott setzt diese dunkle Seite Gideons frei.“

Produktion: Die Musik

In der Geschichte der Comics und Comic-Romane haben musikalische Referenzen immer eine große Rolle gespielt. Genau so ist das auch der Fall in O’Malleys Büchern, in denen sich Scotts Band mit anderen Bands musikalische Bühnen-Duelle liefert „Das ist eine Tradition in Comics“, O'Malley, „die bis zu ‚The Archies’ zurückreicht.”

Schon beim Schreiben des Drehbuchs war Wright klar, dass der Soundtrack von „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ einerseits das Universum von Scott und seinen Freunden widerspiegeln und andererseits zu einer Generation sprechen sollte, die mit Videospielen aufgewachsen ist. „Ich bin ein großer Musik-Fan und die Idee, die Leute mit dem Soundtrack vom Stuhl zu hauen, hat mir extrem gut gefallen“, so Wright.

Bacall kann sich noch an die Gespräche mit Wright über die Herangehensweise an die Musikauftritte erinnern. „Edgar sagte sofort, dass ‚live’-Musik in Filmen meistens blöd ist“, so Bacall. „Wir haben uns also allerhand lustige Sachen einfallen lassen, um Bandauftritte zu vermeiden, bis Edgar loszog und einige der spannendsten Musiker der Welt versammelte, um neue Originalsongs zu schreiben, die perfekt in den Film passen.“

Für die Auswahl und Produktion der Musiker, engagierten Wright und die Filmproduzenten den erfahrenen Musikproduzenten Nigel Godrich, der schon mit solchen Giganten wie Radiohead und Paul McCartney zusammen gearbeitet hat. Godrich kannte sich also mit dem Sound aus, den sich Wright für die Actionkomödie vorstellte, und einer von Godrichs erfolgreichsten Partnern, Beck, konnte für die Gestaltung der Musik für Sex Bob-omb gewonnen werden.

Beck, verantwortlich Sex Bob-omb-Tracks, arbeitete mit Godrich und Wright zusammen, um Songs zu erschaffen, die im Laufe der Story die wachsenden Fähigkeiten der Band zeigen. Bei der ersten Begegnung mit der Band, findet sie sich gerade erst. Naturgemäß ist Stephen Stills’ Gesang da noch etwas wackelig (so wie auch sein Gitarrenspiel). Mit jedem Musikduell - vom Aufeinandertreffen mit Crash and the Boys bis zur epischen Schlacht gegen die Katayanagi Zwillinge - wird Sex-Bob-ombs musikalisches Auftreten selbstbewusster und klarer.

Die kanadische Alternative/Indie Rock-Band Broken Social Scene (angeführt von Kevin Drew) steuerte die Songs für die Filmband Crash and the Boys bei. Der Name der Band hat seinen Ursprung in dem Nintendo Entertainment System (NES) Videospiel „Crash ’n the Boys: Street Challenge”. Zur Band gehört die 10jährige Trasha (gespielt von Abigail Chu) am Schlagzeug, die gut darauf verzichten könnte, eine anderes Drummer-Mädchen als Konkurrenz (Kim Pine) als Konkurrenz zu haben.

Die Landsleute von Metric gaben ihren Song „Black Sheep” für The Clash at Demonhead (angeführt von Scotts eigener böser Ex: Envy Adams) her. Angeführt von Lead-Sängerin Emily Haines hat das in Toronto beheimate Quartett einen bemerkenswerten, magischen Song geschaffen, der Scott verführerisch wieder in Envys Welt lockt. Während Knives und Julie begeistert eingefangen werden von von Envys kraftvollem Gesang für The Clash at Demonhead, weiß Scott nur zu genau, welchen Preis man zu zahlen hat, wenn man ihr verfällt. Und übrigens basiert der Name der Band auf dem NES Videospiel „Clash at Demonhead“.

Dan The Automator sorgte für die Musik der Bollywood Sequenz von Matthew Patel und seinen Demon Hipster Chicks, sowie für die Sounds von Knives und Scotts anderer Leidenschaft: dem Spiel „Ninja Ninja Revolution“. Zu guter Letzt lieferte der japanische Kult-Musiker Cornelius (geboren als Keigo Oyamada) die Instrumentals für den Stand-Off zwischen den Katayanagi Twins und Sex Bob-omb. Um sicher zu gehen, dass Sex Bob-omb, Crash and the Boys, The Clash at Demonhead und die Katayanagi Twins auftreten, als wären sie echte Bands, wurden sie vom Sloan-Frontmann Chris Murphy als Musical Performance Supervisor betreut.

Was die eigenen Erfahrungen der Schauspieler angeht, konnte Cera einen gewissen Musik-Background und Simmons hatte mal Gitarre gespielt. Pill hatte noch nie getrommelt und konnte am Ende mitspielen wie ein Profi. Auch Webber hatte einiges nachzuholen, fühlte sich aber am Ende wie ein echter Rocker.

Produktion: Die Stunts

Für Wright war es wichtig, dass die Schauspieler einen guten Teil der Kämpfe selber durchführen und die Stuntteams sie dabei unterstützen und nicht ersetzen. Das sollte die Authentizität erhöhen. Darüber hinaus hatten die Kameras meisten eher Weitwinkelobjektive und so gab es in einigen Schlüsselsequenzen gar keine Chance, zu sehr zu mogeln. Für die Gestaltung der Kämpfe, verließ sich Wright vor allem auf seine Phantasie und seine Kindheitserinnerungen. „Ich wollte mich auf die gleichen Dinge beziehen wie Bryan“, so Wright, „und da ich mit dem gleichen Einflüssen aufgewachsen bin wie er, spukten mir Videospiele, japanische Animation und Kung-Fu durch den Kopf.“

Verschiedene Mitglieder aus den legendären Teams von Jackie Chan und Jet Li standen den Schauspielern zur Seite und brachten ihnen bei, die Schwerkraft zu überwinden. „Die Kampfszenen in ‚Scott Pilgrim’ sollen einen schwindlig machen“, so Wright. „Es ist eine Kombination aus der fantastischen Kampfchoreographie von Brad Allan und seines Kollegen Kampf-Koordinator Peng Zhang mit kaleidoskopischen Animations-Spezialeffekten. Wir haben versucht, eine eingängige Beschreibung für die einzigartigen Actionsequenzen des Filmes zu finden. Einmal machte das Wort ‚Fightsical’ die Runde – eine Mischung aus Musical und Kampf – was sich auf die musikalische Natur der Szenen bezog. Wir hatten einmal auch ‚Hughes Fu’, um auf den Mix aus einer John Hughes Coming-of-Age-Komödie mit brutalem Kung-Fu anzuspielen. Aber das sah auf dem Papier besser aus als es sich gesprochen anhörte.“

3 Monate vor Drehbeginn im April 2009 begannen Cera, Winstead, Schwartzman und Whitman ihr Training in Los Angeles – Ausdauer, inklusive Liegestütze in jeder Form, endlose Rennerei sowie Stunt- und Kung-Fu-Training. Eine intensives Programm, das die Schauspieler unter der Anleitung des fantastischen Martial Arts-Trainers Zhang zusammenschweißte.

Wie viele andere Schauspieler wollte Schwartzman schon lange mal in einem Film als Kämpfer zu sehen sein, bekam aber nie die Chance. „Das Kämpfen mit dem Schwert zu lernen, war eine grandiose Erfahrung. Hart war es dann allerdings, gegen Michael zu kämpfen. Ich liebe ihn ganz einfach.“

Einer von Gideons Sparring-Partnern ist Knives Chau und ihre Darstellerin Ellen Wong war schon vor den Dreharbeiten mehr als bereit für das Kampftraining, mit dem sie sich auf ihr Duell gegen Gideon und Ramona vorbereiten sollte. Für die kampfsporterfahrene Schauspielerin war es ein reines Vergnügen: „Wer wäre nicht begeistert, ein Wand hoch zu rennen und einen Rückwärts-Salto inklusive 360 zu machen? Es war einfach nur cool.“

Produktion: Die Dreharbeiten

Toronto wird gerne auch als ‚Hollywood North’ bezeichnet und war schon Filmdouble fast jeder großen Stadt in den Vereinigten Staaten, sowie verschiedener Metropolen in Europa und Asien. „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ ist eine der seltenen Gelegenheiten, bei denen man Toronto auf der Leinwand als Toronto zu sehen bekommt.

Weil die Comicbücher in Toronto angesiedelt sind und die Stadt selbstverständlich über die nötige Infrastruktur verfügt, um einen Film von der Größenordnung „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ zu bewältigen, lag die Entscheidung natürlich auf der Hand, dort zu drehen. Viele markante Plätze spielen eine zentrale Rolle in O’Malleys Büchern und kommen auch im Film nicht zu kurz, darunter Casa Loma, Honest Ed’s, Lee’s Palace, Pizza Pizza und Second Cup – „allgegenwärtige Plätze in Toronto, für die ich eine große Schwäche habe“, so O’Malley.

Als sie den Look für die Actionkomödie festlegten, waren sich Wright und Produktionsdesigner Marcus Rowland einig, dass sie das urbane Toronto feiern wollten. Sie wollten nicht bloß ein paar lustige Sprüche und Dialoge aus den Comics unterbringen. „Ich wollte Bryans Artwork so gut wie möglich treffen, aber auch die realen Locations nutzen, die man in seinen Büchern wiedererkennen kann“, so Wright. „In verschiedenen Schlüsselszenen haben wir genau die Häuser, Büchereien, Parks und Musikclubs gedreht, die Bryan 2003 als Inspiration für seine grafische Umsetzung fotografierte.”

Rowland fügt hinzu: „Wir haben versucht, den Geschmack und das Gefühl Torontos einzufangen. Toronto ist eine der multikulturellsten Städte Nordamerikas und „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ wurde an den echten Locations gedreht, an denen Bryan auch seine Bilder gezeichnet hat.“

Der Designer erklärt, dass er ganz bewusst alle möglichen Farben verwendete, um die Emotionen der Story zu transportieren, bis hin zur Farbe der Schwerter, mit denen sich Scott und Gideon im Duell gegenüberstehen. O’Malley war extrem beeindruckt von dieser Detailliebe: „Marcus hat das Comicuniversum auf eine unglaubliche Art und Weise für die Leinwand aufbereitet, bis hin zu den kleinsten Einrichtungsgegenständen in den Apartments aller Charaktere. Einen der verrücktesten Momente hatte ich, als ich auf dem Set in Wallaces Wohnung stand: es war, als wäre es direkt aus den Seiten des Comics gesprungen.“

In den Studioateliers in Toronto hatte Rowland die Apartments von Wallace und Scott sowie Ramona Ein-Zimmer-Wohnung nachgebaut. O’Malley fügt hinzu: „Die Räume waren genauso, wie ich sie mir vorgestellt hatte, nur echter. Es war schon etwas seltsam.“

Und was sie selbst anging, konnte sich Ramona Flowers wie zu Hause fühlen. „Es war, als wären wir wirklich dort,“ beschreibt es Ramona-Darstellerin Winstead. „All die Orte, die gebaut wurden, die Clubs, die Bars… es fühlte sich überhaupt nicht an, als wären wir an einem Set. Ich wäre am liebsten in mein Film-Apartment eingezogen, so echt und gut fühlte es sich an.“

Kameramann Bill Pope, bekannt für seine atemberaubenden Action-Aufnahmen von „Spider-Man 2“ und der „Matrix“-Serie, begegnete Wright das erste Mal in Los Angeles, als der Regisseur seinen Film „Hot Fuzz“ der Presse vorstellte. Doch es sollte noch ein paar Jahre bis zur ersten Zusammenarbeit der beiden dauern, einem für beide absolut passenden Projekt, bei dem Pope unbedingt dabei sein wollte. „Dieser Film, diese Geschichte hat geradezu nach Edgar geschrien und er hat mich und jeden anderen Beteiligten mitgerissen“, so Pope. „Seine Begeisterung ist ansteckend.“

Für Pope lag der besondere Reiz von „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ vor allem in der Einzigartigkeit des Projektes: „Als ich das Drehbuch las, wurde mir klar, dass ich so einen Film noch nie zuvor gesehen habe. Es war unglaublich frisch und neu, aber gleichzeitig auch ein Mammut-Aufgabe. Wir haben tatsächlich drei Monate vor den eigentlichen Dreharbeiten einen dreitägigen Testdreh gemacht, um zu beweisen, dass die Grafik, die Geschwindigkeit, die Stunts am Kabeln, die Arbeit den Blue Screens, die Ironie und die Selbstreflexion auch wirklich so funktionieren wie geplant.”

Den Kamerastil könnte man als ‚geschäftig’ beschreiben, wenn man zur Untertreibung neigt: „Es gibt eine riesige Anzahl an Einstellungen, weil es im Film so viele Charaktere gibt, er sich an einer schnellen Videospielästhetik orientiert und sich im Rhythmus der Schnitte fortbewegt. Die Kamera ist stetig in Bewegung – an der Angel, auf Kränen, Wägen, mit schnellen und langsamen Zooms, von links nach rechts, von unten nach oben, alles… Es gibt keine einzige Szene ohne diese ganz bewusst eingesetzten Manierismen – die Geschwindigkeit und der Rhythmus sind entscheidend.“

Eine der Herausforderungen lag für den Kameramann in der Rekordanzahl von Setups und Einstellungen, die das Drehbuch von Wright und Bacall vorgab. „Um einen Vergleich zu bieten: der Film ‚Clueless’ hat 500 Setups, ‚Chinatown’ hat 600 und Scorseses frühe Filme vielleicht 800,“ erklärt Pope. „Und ‚Scott Pilgrim’ hat dagegen mehr als 4000. Edgar hat ein perfektes Gefühl dafür, wie der Schnitt und der Rhythmus aussehen müssen. Mehr als jeder andere Regisseur, den ich kennen gelernt habe.“

Die meiste Zeit dreht Pope mit 2 Kameras, um das Geschehen und die vielen verschiedenen Charaktere möglichst umfassend einfangen zu können. Tatsächlich findet sich in jedem einzelnen Bild so viel, dass man bei jeden neuem Anschauen auch etwas neues entdecken kann – z. B. mit den von Wright überall im Film verteilten Anspielungen und Referenzen auf die bösen Ex-Freunde (die Nummer 3 auf Todds Sporthose, die Adresse des Clubs, in dem Roxy ihren Kampf anzettelt.)

Dazu kam die Gestaltung der visuellen Effekte für „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“. Da fast jede Szene bestimmten Vorgaben für den Schnitt und die Spezialeffekte folgen musste, war es ein langer und komplizierter Prozess. Jede Szene musste im Hinblick auf die Spezialeffekte und den Schnitt genau geplant und durchdacht sein. Wenn Wright und Pope also eine Einstellung im Kasten hatten, begann damit erst die Arbeit für VFX Producer Lucy Killick, SFX Koordinator Laird McMurray und die Cutter Jonathan Amos und Paul Machliss. Jeder in Wrights Team musste immer mehrere Schritte voraus denken, um wirklich verstehen zu können, wohin der Dreh sie am Ende führen sollte.

Produktion: Visuelle Effekte

Anstelle der üblichen 3-D Previsualisierung, die heute bei vielen Filmen gemacht wird, wurde die Previsualisierung für Scott Pilgrim als eine Hommage an den grafischen Stil von O’Malley’s Büchern gestaltet und mit zusätzlichen animierten Einfügungen abgerundet. In der Vorbereitungsphase entstand eine Trickfassung des Kampfes zwischen Scott Pilgrim und Matthew Patel, um den Look anschaulicher zu machen, den sich Wright für seine Umsetzung vorstellte.

Mit den Bildertafeln, die direkt aus dem Comicbüchern auf die Leinwand übersetzt werden, vermengt „Scott Pilgrim“ Anspielungen auf japanische Anime-Kunst und auf Videospiele aus verschiedenen Zeiten. Als die Vorproduktion begann, wurde der Film von Oscar Wright in Form eines Storyboards übersetzt… und im Stil der Comicbücher. Wright war verantwortlich für Grafik und Artwork. Wenn möglich wurden die Bilder aus den Büchern als exakte Vorlage für die Einstellungen übernommen und für den Film mit Wirklichkeit aufgefüllt. Die visuelle Gestaltung wurde dabei immer wieder mit einer simplen Frage überprüft: „Ist es so, wie Bryan es gezeichnet hätte?“

An jedem Drehtag wurden die betreffenden Storyboards an die Crew verteilt – als Vorlage für die Komposition der einzelnen Einstellung. Produktionsdesign und Artdirection folgten der Vorgabe, auf grafische Vereinfachung zu achten, um im Stil des Comics zu bleiben. Diese Vorgabe wurde auf alle Bereiche angewendet, auch auf die Sets, die Kostüme und die Requisiten.

Aus praktischen Gründen war es nicht immer möglich, diesen Look allein durch die Arbeit des Art Departments entstehen zu lassen, und so mischten selbstverständlich auch schon am Set die Spezialeffekte-Abteilungen mit. Obwohl der Film in Toronto gedreht wurde, musste das Team die Location-Aufnahmen erweitern und ausbauen, um den von Wright gewünschten hyperrealen Look zu entwerfen (beispielsweise wenn Scott und Ramona durch den Schnee zu den Schaukeln laufen). Da es unmöglich war, mitten im Sommer eine ganze Straße mit perfekt aussehendem Schnee zu bedecken, bestand ein Teil der Arbeit des Teams darin, das Aussehen tatsächlicher Locations zu vereinfachen und sie im winterlichen Stil des Filmes zu verpacken.

Für die Spezialeffekte-Crew wurden die sogenannten „Helden-Text-Grafiken“ (die im Film animiert eingeblendet werden) zu einer ihrer Lieblingsaufgaben. Am Set legten die Teams eine simple statische Grafik auf den Video-Assist-Monitor, um die Bildkomposition zu gestalten. Aufregend war es dann schließlich zu sehen, wie die bekannten Sätze aus O’Malleys Comics in der fertigen Animation über die Leinwand brennen. Ungefähr sechs Monate vor der Vorproduktion begann Produktionsdesigner Rowland mit der Suche und Auswahl der Locations. Da O’Malley eine nennenswerte Anzahl der Zeichnungen in seinen Büchern nach tatsächlichen Locations gemalt hatte (Wallaces Apartment, Wychwood Library, Goodwill, Stephen Stills’ Wohnung, Ramonas Apartment, das Haus, in dem Scott aufwuchs, und Knives’ Highschool), konnte das Team glücklicherweise auf eben diese Locations zurückgreifen.

Die Mitglieder des Effektteams begleiteten Rowland und fotografierten die Locations genau so, dass sie die Komposition und den Winkel der Bilder in den Comics trafen. Mit diesem Ausgangsmaterial stellten sie ein Bilderpaket zusammen, das jede der Locations in verschiedenen Stufen der Vereinfachung zeigte – angefangen mit dem unbearbeiteten Bild bis zu einem Grad der Vereinfachung und Stilisierung, die ziemlich präzise O’Malleys Stil traf. Unter Wrights Anleitung wurde dann eine Visualisierung ausgesucht, die irgendwo zwischen den beiden Stil-Extremen rangierte.

Das Resultat waren reale Aufnahmen mit tricktechnisch stark reduzierten Details in bestimmten Szenen. Das Team hörte mit der Vereinfachung auf, wenn die Sets zu künstlich aussahen oder man sie gar nicht mehr hätte filmen können. Beispielsweise ‚beschnitt’ das Effektteam die Bäume und ließ ihnen im Design nur die dicksten Äste. Dann wurde dieser Look bei ein paar jüngeren Bäumen etwas entschärft, damit es realistischer wirkt. Die Schnee-Glasur der Szenen wurde auf eine besondere Art und Weise aufgetragen und stammte von dutzenden Referenzfotos mit perfektem, unberührtem, frischem Puderschnee. Alle Spuren von Matsch und Körnigkeit wurden vorher dabei entfernt. Am Set war die Regel, dass innerhalb von knapp vier Metern Entfernung von der Kamera mit echtem Kunstschnee oder Schneedecken gearbeitet wurde, und alles, was weiter entfernt ist, vom Team für die visuellen Effekte mit Computer-Schnee bedeckt wurde. Für den fallenden Schnee hatte das Team extra ein hervorragend zu steuerndes 3-D-Schneeflocken-System entwickelt, mit dem der Schneefall nach Menge, Dichte, Fallgeschwindigkeit, Windeinfluss und Wetterlage ‚natürlich’ eingestellt werden konnte. Die Wettermuster funktionieren innerhalb des Filmes wie ein eigenständiger Charakter – von fotorealistischem Schnee bis zur artifiziellen Version, die am stärksten an die Bilder in O’Malleys Büchern erinnert. So hatten die Filmemacher die Möglichkeit, auch mit dem Schnee für die richtige Stimmung zu sorgen.

Zu den Kommentaren

News und Stories

  • J.J. Abrams und Edgar Wright 'kollidieren'

    Collider - das ist der Titel eines neuen Science Fiction-Projektes, das in den nächsten Monaten oder Jahren von der Planungs- in die Produktionsphase übergehen, und dann, so alle höheren Mächte Hollywoods dem Projekt geneigt sind, auch irgendwann in die Kinos kommen soll. Klingt zunächst recht unspektakulär und wie tausend andere, ähnlich gelagerte Projekte. Doch dank der Beteiligten wird diese mysteriöse Produktion...

    Kino.de Redaktion  

Kommentare

  1. Startseite
  2. News
  3. Film-News
  4. Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt
  5. Fakten und Hintergründe zum Film "Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt"