Filmhandlung und Hintergrund

Komödie um zwei Brüder, die ihr Familienerbe, einen Schrottplatz, mit einem Überfall retten wollen.

Der Versicherungskaufmann Mirko Talhammer (Lukas Gregorowicz) hat einst die Provinz hinter sich gelassen, um in der Stadt etwas aus sich zu machen. Eines Tages spazieren zwei seltsame Typen in sein piekfeines Büro und fordern ihn unsanft zur Rückkehr auf. Mirko hat nämlich zusammen mit seinem Bruder namens Letscho (Frederick Lau) den Schrottplatz ihres gemeinsamen Vaters vererbt bekommen. Der Ex-Provinzler kehrt daraufhin in sein beschauliches Heimatdorf zurück, um zusammen mit seinem Bruder den Schrottplatz aufzuteilen. Der Nachlass lässt sich jedoch nicht so einfach verwalten, wie gedacht. Um das Familienunternehmen zu retten, planen die ungleichen Brüder einen riskanten Coup: Sie möchten einen Zug im großen Stil ausrauben. Dummerweise kriegt das ihr Gegenspieler Kercher (Jan-Gregor Kremp) das mit, der der größte Konkurrent des verstorbenen Vaters war. Auch wenn Letscho noch immer sauer auf seinen Bruder ist, der ihn in der Heimat zurückgelassen hat, müssen die beiden zusammenarbeiten. Schließlich geht es um die Familienehre. Regisseur Max Zähle erhielt 2012 eine Oscar-Nominierung für seinen Kurzfilm „Raju“. Die Komödie „Schrotten!“ ist eine Koproduktion von Tamtam Film in Zusammenarbeit mit dem NDR, HR und ARTE.

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Kritiken und Bewertungen

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61 Bewertungen
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Kritikerrezensionen

    1. „Wertvoll”

        Die liebe Familie: Man kann sie sich nicht aussuchen, man kann sie aber auch nie wirklich loswerden. Davon kann Mirko ein Lied singen. Er entstammt einer Schrottplatz-Dynastie mit langjähriger Tradition. Die er selbst nicht fortführen wollte. Deswegen ging er nach Hamburg und wurde Versicherungskaufmann. Das ist was Stabiles, da kann man Karriere machen - und es hat vor allen Dingen nichts mit Schrotten zu tun. Doch dann stirbt plötzlich Mirkos Vater. Und nun hat Mirko den Schrottplatz geerbt, gemeinsam mit seinem kleinen Bruder Letscho, einem Hitzkopf, der auf Mirko nicht gut zu sprechen ist. Mirko will die Sache so schnell wie möglich erledigen: Schrottplatz an die Konkurrenz verkaufen, Geld aufteilen, zurück nach Hamburg, auf Nimmerwiedersehen. Letscho jedoch hat andere Pläne. Vor allem will er sich nicht kampflos dem korrupten Großunternehmer Kercher unterwerfen, der sowieso schon die ganze Stadt kontrolliert. Und so sehr sich Mirko auch dagegen wehrt, muss auch er einsehen: Einmal Schrotti, immer Schrotti! In seinem Debütfilm erzählt Regisseur Max Zähle eine klassische David gegen Goliath-Geschichte. Diese im Schrottplatz-Milieu anzusiedeln, ist nur eine der vielen außergewöhnlichen und originellen Ideen, mit denen SCHROTTEN! überzeugen kann. Es ist eine klare Stärke des Films, dass er auf glatte und geschönte Bilder verzichtet. Das Setting ist rau und ein wenig abgerockt, doch nichtsdestotrotz herzlich, ebenso wie die Figuren, die sich auf dem Schrottplatz tummeln. Das Panoptikum an originellen Typen schließt der Zuschauer sehr schnell ins Herz. Da gibt es die Kumpel „Träumchen“ und „Schmied“, die taffe Schweißerin Luzi und den Opa, der die Gemengelage von seinem Rollator aus beobachtet. Und bad guy Kercher ist ein richtig schön fieses Scheusal. Allesamt großartig besetzt mit Lars Rudolph, Heiko Pinkowski, Anna Bederke und Jan Gregor Kremp. Und Lukas Gregorowicz und Frederick Lau spielen die beiden ungleichen Brüder Mirko und Letscho mit einer solchen Spielfreude und Gefühl zueinander, dass es ein großes Vergnügen ist, den beiden Sturköpfen dabei zuzusehen, wie sie immer wieder aneinandergeraten und langsam erkennen, dass Blut nunmal dicker ist als Wasser. Gekonnt wird mit Hilfe des tollen Kostüms in Szene gesetzt, wie Mirko sich von einem gelackten Anzugträger in einen Vollblutschrotti verwandelt. Gregorowicz spielt das mit trockenem Witz und einer gehörigen Portion altklugem Charme, der seine Wirkung nicht verfehlt. Und Lau zeigt erneut, dass es wohl niemand anderen gibt, der in einer Rolle so ehrlich wie er das Herz auf der Zunge trägt und sich als einfach gestrickter und unbeherrschter Schrotti Letscho zum entschlossenen Familienoberhaupt wandelt. Dem Film gelingt es, mit seinem bis ins Detail stimmigen Setting und einem gelungenen Soundtrack eine eigene, fast märchenhaft in sich geschlossene Welt darzustellen. Der warmherzige Humor des Films vermittelt sich über die lakonischen Dialoge, die skurrilen Situationen, ein perfektes Timing und die immer erkennbare Hommage an das klassische Genrekino. Ob Western oder Krimi - Max Zähle und sein Team spielen mit bekannten Elementen und variieren sie geschickt und mit vielen kleinen überraschenden Einfällen. SCHROTTEN! ist eine warmherzig erzählte und liebevoll gemachte Komödie, die man fest in sein Zuschauerherz schließen kann!

        Jurybegründung:

        Das Setting ist nicht eben typisch für einen deutschen Film: Max Zähles liebevolle Typen-Komödie SCHROTTEN! spielt zu überwiegenden Teilen auf einem Schrottplatz, erzählt von einem Eisenbahnraub und lässt die Betonköpfe zweier ungleicher Brüder aufeinander krachen. Hat’s den einen als Yuppie-Versicherungsmakler in die Stadt getrieben, hält’s den anderen bei Familie und väterlichem Schrottplatzbetrieb. Erst der Tod des Vaters bringt beide wieder zusammen und bildet den Ausgang von Max Zähles wunderbarer Variante der Geschichte vom verlorenen Sohn und einem Kampf David gegen Goliath.

        Von der gängigen deutschen Filmkomödie hebt sich SCHROTTEN! vor allem deswegen ab, weil er sich der eindeutigen Zuweisung von Schubladen standhaft verweigert. So zeigt er deutliche Anleihen an den Westernfilm in Konfiguration, Plot und Sujet (immerhin erzählt der erste Western der Filmgeschichte auch von einem Zugraub) - belässt es aber bewusst bei adaptierten Andeutungen. Er erzählt von der Dichotomie von Stadt und Land - bezieht seine Komik aber vor allem aus deren Gemeinsamkeiten. Es deuten Montagen am Beginn auf das Übergeschnappte, das aktuelle deutsche Komödien zurzeit ausmachen - und doch bleibt sein Humor wohltemperiert, eigen und als Teil eines runden Rhythmus. SCHROTTEN! erscheint zudem als ein Film für „Jungs“, der die Schlägerei als Liebesakt umdeutet und der seine Geschichte über die Physis erzählt. Die Figuren und ihre Darsteller sind hier nicht Stimme, sondern Statur, es wird nicht aufgesagt, sondern verkörpert. In diesem Sinne ist der Film auch ein Plädoyer für ehrliche, physische Arbeit, deren Wert darin besteht, die Gemeinschaft zu erhalten - im Gegensatz zur virtuellen Geldvermehrung zum Zwecke der Bereicherung des Einzelnen.

        Erzählt wird all das im Stile eines Märchens, in dem Dualismen aufgebaut und Stereotypen variiert werden, um Deutungsebenen Raum zu geben. Eine liebevolle Ausstattung, das herausragende Farbkonzept und ein bis in die Nebenrollen gut aufgelegtes Ensemble prägen Max Zähles Regiedebüt. Ein überaus sympathischer Film also, dem man nicht zuletzt wegen seiner anarchischen Grundhaltung ein großes Publikum wünscht.

        Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

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