Filmhandlung und Hintergrund

Märchen vom emotionalen Aschenputtel, das in Programmkinos ein frankophiles, weibliches Publikum verzaubern sollte.

Die Kosmetikerin Angèle arbeitet in einem kleinen Schönheitssalon, wo sie Beichtmutter für die Kümmernisse des Lebens bei den Madames und Mademoiselles von nebenan ist. Aus Angst vor Abweisung begnügt sie sich mit Zufallsbekanntschaften in Cafés, auch wenn der Instant-Sex die innere Leere nur noch vergrößert. Doch dann taucht Antoine auf, der für sie sogar seine 20-jährige Verlobte verlässt.

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Kritikerrezensionen

  • Schöne Venus: Märchen vom emotionalen Aschenputtel, das in Programmkinos ein frankophiles, weibliches Publikum verzaubern sollte.

    Der kleine Pariser Schönheitssalon mit dem verführerischen Namen „Vénus Beauté“ ist Fluchtpunkt für Frauen (und wenige Männer), die der Vergänglichkeit guten Aussehens ein Schnippchen schlagen wollen. Im Mikrokosmos des Ladens bleiben Liebesfreud und Liebesleid der Ladies kein Geheimnis. Ruhender Pol mit unruhigem Herzen ist Nathalie Baye als einfühlsame Kosmetikerin.

    Ein Mann und eine Frau: Sie redet auf ihn ein, entwirft kleine Zukunftspläne, doch die fallen schnell ins Wasser. Der Herr reist nach drei intensiven Tagen und Nächten wieder ab in die Provinz. Zurück bleibt eine wieder mal von Männerbeziehungen enttäuschte Angèle. Die knapp 40-jährige Kosmetikerin arbeitet mit zwei jüngeren Kolleginnen unter der Fuchtel der couragierten Chefin in einem kleinen Schönheitssalon. Wie rosa Engel schweben sie durch den Raum, aber „la vie en rose“ bleibt nur ein Traum. Sie verbreiten Ruhe und Gelassenheit, sind eine Art Beichtmütter für die Kümmernisse des Lebens, glätten Falten und emotionale Wogen, vermitteln Glauben an ewige Schönheit. In ihrem pastellfarbenen Imperium treffen sich nicht die Damen von Welt, sondern Madame und Mademoiselle von nebenan schütten in den engen Kabinen ihr Herz aus, unterstützen angeknaxtes Selbstbewusstsein mit Cremes, Pülverchen und Elixieren, versuchen ein Stück Jugend zu bewahren. Die romantische Jugendzeit hat Angèle schon lange hinter sich, auch wenn sie sich weigert, erwachsen zu werden. Ihre sanften Massagen sind Streicheleinheiten für die Seele der Kundinnen, aber um den eigenen Seelenfrieden ist es schlecht bestellt. Aus Angst vor psychischen Verletzungen und Abweisung begnügt sie sich mit Zufallsbekanntschaften in Cafés und Restaurants, auch wenn der Instant-Sex die innere Leere nur noch vergrößert. Bis Antoine auftaucht, ein junger Skulpteur, der sich Hals über Kopf in sie verliebt und sogar seine 20jährige Verlobte verlässt. Aber Angèle traut ihm nicht, wie sie auch ihren eigenen Gefühlen misstraut.

    Regisseurin Tonie Marschall wollte nach „Enfants de Salaud“ wieder mit Nathalie Baye drehen und schrieb ihr die Rolle der fragilen Angèle auf den Leib, besetzte gleichzeitig als Kontrapart die vitale Bulle Ogier als Salonbesitzerin. Um diese beiden Figuren arrangiert sie weitere Charaktere wie Robert Hossein als alternden Libertin oder Samuel Le Bihan als ernsthaften Lover. Dreh- und Angelpunkt dieser zärtlich-melancholischen Hommage an die Frauen bleibt Nathalie Baye, die - wie auch in „Eine pornografische Beziehung“ - unter der Unfähigkeit zu Lieben leidet. Das einfühlsame Märchen vom emotionalen Aschenputtel, das letztendlich doch den Herzensprinzen findet, sollte in ausgewählten Programmkinos ein frankophiles und/oder weibliches Publikum verzaubern. mk.

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    Kino.de Redaktion  

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