Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Über den Film

Was ist passiert? Mit 18 ging ich auf die Filmhochschule und wurde Filmemacherin. Mit 30 hatte ich einen Nervenzusammenbruch, eine Psychose. Und dann wieder und wieder. Ich wurde chronisch krank.

Nach sieben Jahren mit der Krankheit begann ich, mich zu filmen und Familie und Freunde um Videobriefe zu bitten. Acht Jahre später ist der Film fertig geworden, die Langzeitbeobachtung begleitet meinen Weg zurück zum „normalen“ Leben.

Bilderstrecke starten(14 Bilder)
Alle Bilder und Videos zu Schnupfen im Kopf

Schnupfen im Kopf ist eine experimentelle Langzeitbeobachtung. Indem ich mich dem Film als Prozeß aussetze, erlaube ich einen direkten Einblick in das Ringen mit der Diagnose „Psychose“ und der Stigmatisierung, die ich erfahren habe. Der subjektive Zugang zum Thema erscheint mir notwendig, auch wenn es mir anfänglich sehr schwer gefallen ist, mich zu „outen“. Ich beziehe Position, wie ich mit der Krankheit lebe und mich arrangiert habe.

Schnupfen im Kopf ist eine autobiografische Arbeit, die in mehreren Stadien entsteht. Das Experiment in Form und Inhalt ergibt sich aus meiner Arbeitsweise, die auf umfassendem Sammeln und behutsamem Vortasten beruht. Die konkrete Arbeit an dem Projekt hat im Sommer 2001 mit einem ersten Projektentwurf begonnen, seit dem Frühjahr 2002 entstand das Mini-DV Materialarchiv aus Selbstinterviews und Gesprächen mit mir sowie Videobriefen von meiner Familie und Freunden.

Schnupfen im Kopf ist eine biografische Erzählung, meine Geschichte bietet den Einstieg in das komplexe Thema, indem sie Anlaßund Beispiel zugleich ist.

Menschen mit meiner Erkrankung sind gezeichnet und gebeutelt. Sie leben zumeist recht ausgegrenzt auf Frührente oder von Hartz 4, können in den seltensten Fällen einer regulären Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt nachgehen. Das Leben ist zerrissen von Krankenhausaufenthalten und langenPhasen der Rekonvaleszenz.

Auf die Krisen folgen oft Depressionen, die fast so schlimm sind wie die Krisen, weil sie länger andauern. Das Selbstbewußtsein ist angegriffen und der ewige Kampf mit den notwendigen Medikamenten und gegen die Nebenwirkungen, die die Lebensqualität beeinträchtigen, ist zermürbend. Wenn ich die Selbstinterviews ansehe, entdecke ich etwas Verblüffendes. Den geduldigen Versuch über Jahre hin tatsächlich zu berichten, was es heißt, diese schwere Krankheit zu ertragen und zu leben. Was ich mir abverlangt habe, hat sich gelohnt. Es ist ein schonungsloser Blick ohne Voyeurismus. Ich habe die Interviewform gewählt, so dass durch die Erzählung, die Auslassung, und die Kommentare von außen (Videobriefe) ein sehr eindrückliches, persönliches Bild entsteht.

Für die konkrete Zielgruppe der Angehörigen, Betroffenen, Therapeuten und Ärzte ist dieser Film ungemein wichtig und wird zu sehr engagierten, kontroversen Diskussionen über meine Position des „compliant“ Patienten führen. Doch der Film geht über die Bearbeitung des Umgangs mit der psychotischen Erkrankung aus persönlicher Sicht hinaus. Er zeigt auch das Leben, den Lebensweg einer freiberuflichen Künstlerin in der Lebensmitte voller Zweifel, warum es so gekommen ist wie es gekommen ist.

Die zentrale Thematik des Films kreist um die Frage der Verantwortung für das eigene Leben, die eigene Erkrankung und das alleinige Zuständigsein dafür. Es geht immer um die große Einsamkeit, in der ich mich befinde, und den Wunsch, die Verantwortung zu teilen. Der Film wird durch diese Ebenen universeller und spannend. Er stellt Fragen, die sich viele Frauen in meinem Alter stellen, die nicht mit der Stigmatisierung psychisch krank zu sein zu kämpfen haben.

Zu den Kommentaren

News und Stories

  • Fakten und Hintergründe zum Film "Schnupfen im Kopf"

    Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

    Kino.de Redaktion  

Kommentare