Schläfer

Kinostart: 11.05.2006
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Filmhandlung und Hintergrund

Die Freundschaft zwischen einem deutschen und einem nordafrikanischen Wissenschaftler wird durch die Liebe und den Verfassungsschutz erschüttert.

Jungwissenschaftler Johannes Merveldt (Bastian Trost) hat gerade erst seine Dozentenstelle an der Technischen Universität in München angetreten, als die ironischerweise undurchsichtige Frau Wasser (Gundi Ellert) auf ihn zutritt. Sie gibt sich als Agentin des Verfassungsschutzes zu erkennen und bittet Johannes, doch mal ein diskretes Auge auf seinen neuen engsten Mitarbeiter zu haben, den terrorverdächtigen Top-Biologen Farid (Mehdi Nebbou). Zunächst freunden sich die Männer an, doch dann treten berufliche wie romantische Rivalitäten auf …

Wie „Falscher Bekenner“ von Christoph Hochhäusler lief auch „Schläfer“ von Jungfilmer Benjamin Heisenberg in der „Un Certain Regard“-Reihe in Cannes und ließ französische Kritiker einen „neuen deutschen Realismus“ bejubeln.

Der junge Wissenschaftler Johannes lässt sich von einer Verfassungsschutz-Dame anwerben, um seinen algerischen Kollegen zu bespitzeln, der ein „Schläfer“ sein soll. Mit ihm forscht er gemeinsam an einem Prestige-Projekt. Als der Deutsche in beruflicher Hinsicht als auch im Werben um eine hübsche Kellnerin den Kürzeren zieht, sinnt er auf Rache.

Der junge Wissenschaftler Johannes Merveldt tritt eine Stelle an der Münchner Universität an. Dort arbeitet er mit dem jungen Algerier Farid zusammen. Zwischen den beiden bahnt sich eine Freundschaft an, die dann zum einen durch den Ehrgeiz nach beruflicher Anerkennung, viel mehr aber noch durch die Kellnerin Beate gestört wird, in die Farid und Johannes sich verlieben. Schließlich stimmt der Deutsche einer mysteriösen Beamtin zu, seinen muslimischen Kollegen für den Verfassungsschutz zu bespitzeln.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. „Morituri te salutant“ – „Die Totgeweihten grüßen dich“, sagt Farid (Mehdi Nebbou), als er Johannes (Bastian Trost) an dessen ersten Tag das Labor zeigt. Farid spricht von den Labormäusen, dabei trifft der römische Gladiatoren-Gruß genauso auf ihn selbst zu. Den Mäusen wird das Genick gebrochen, quälend langsam, dann werden sie auseinander genommen, seziert, bis am Ende des Films ihre Eingeweide zerstampft werden. Die Körper, ihre äußeren Hüllen, landen im Müll. Wie die Wissenschaftler die Mäuse, so seziert Regisseur Benjamin Heisenberg die gesellschaftliche Befindlichkeit in Deutschland - Deutschland nach dem 11. September, nach der Hamburger Terrorzelle, nach Beginn der Rasterfahnundung und der allgemeinen Verunsicherung. Wie eine Labormaus wird auch Farid auseinander genommen, sein Innerstes bloßgelegt, sein Leben zerstört.

      Es geht in „Schläfer“ weniger um die konkrete Terrorismus-Bedrohung, als vielmehr um eine Stimmung, ein kollektives Gefühl, das vermittelt wird. Die Angst herrscht auf beiden Seiten, bei Bedrohten wie vermeintlichen Terroristen, und sie bahnt sich den Weg in die Freundschaft zwischen Johannes und Farid. Jede Kleinigkeit wird überinterpretiert, ihr Verhältnis ist ein fragiles Gebilde, das jeden Moment aus dem Gleichgewicht geraten kann. Denn obwohl Johannes in Farid einen Freund gefunden hat, kann er einmal gewecktes Misstrauen und eine gewisse Skepsis nicht unterdrücken. In solchen Momenten folgt die Kamera präzise seinem fahrigen Blick, achtet auf jedes Detail, registriert alles arabisch Anmutende in Farids Wohnung.

      Das Glück, die heitere Gelassenheit, die in manchen Szenen aufscheint, ist nur von kurzer Dauer und wird schon durch die melancholische Musik relativiert. Entsprechend realistisch ist die Bildgestaltung. Alles erscheint trübe und grau, nur in den seltenen Momenten gelöster Fröhlichkeit verirrt sich die Sonne in den Englischen Garten. „Schläfer“ ist zurückhaltend, kühl und distanziert, konstatiert mehr, als zu werten, beobachtet die schwimmenden Grenzen zwischen Gut und Böse, analysiert die Folgen des allgemeinen Misstrauens. Dieser nüchterne, weitgehend emotionslose Stil ist seine Stärke, denn so entgeht der Film vorschnellen Zuschreibungen und Täter-Opfer-Klischees. In der Stärke liegt aber zugleich auch eine Schwäche, oder zumindest ein Problem des Films. Sein klinisch-kalter, wissenschaftlich-sezierender Grundton lässt kaum Nähe zu und den Zuschauer seltsam unberührt zurück.

      Fazit: Präzise analysiert „Schläfer“ die deutsche Befindlichkeit in Zeiten von Anschlägen und „war on terrorism“.
    2. Schläfer: Die Freundschaft zwischen einem deutschen und einem nordafrikanischen Wissenschaftler wird durch die Liebe und den Verfassungsschutz erschüttert.

      Für Benjamin Heisenberg war die Platzierung im „Certain Regard“ das Beste, was seinem HFF-Abschlussfilm über diffuse Terroristen-Angst, Verrat und enttäuschte Liebe passieren konnte. Damit erhielt er die notwendige internationale Öffentlichkeit. Jetzt fehlt nur noch ein deutscher Verleih, der sich an dieses spröde und gleichzeitig ambitionierte Werk wagt.

      Die „verzwickte Ménage à Trois zwischen den Erzählsträngen Wissenschaft, Liebe und Überwachung“ (Heisenberg) entstand als Folge der Hysterie nach dem 11. September, Zunahme von Sicherheitsmaßnahmen, Abbau des Datenschutzes und einer weit verbreiteten und diffusen Angst vor Terrorismus, die um sich greift. So lässt sich auch der junge Wissenschaftler Johannes Merveldt von einer undurchsichtigen Verfassungsschutz-Dame anwerben, um seinen Kollegen, den Algerier Farid Madani zu bespitzeln - der soll einer der berüchtigten „Schläfer“ sein, die unter dem Deckmantel der Normalität in aller Ruhe Attentate planen und irgendwann zuschlagen. Die Zwei forschen an einem Prestige-Projekt der Technischen Universität München und befreunden sich trotz Konkurrenz. Doch nur einer kann gewinnen beim Run auf internationales Renommee und beim Werben um eine hübsche Kellnerin. Als der Deutsche in beiden Fällen den Kürzeren zieht, sinnt er auf Rache. Die ersten 40 Minuten passiert relativ wenig, außer dass sich das Mädchen in Farid verliebt und trotz heftigem Sex mit Johannes keine Beziehung mit ihm will. Kleine Eifersuchtsszenen, ermüdende Spaziergänge oder öde Essen zu Dritt, die emotionale Spannung steigt relativ langsam. Wie schon Elmer Fischer in „Fremder Freund“ spielt Heisenberg mit persönlichen Verunsicherungen und Verdächtigungen, die noch zunehmen, als eine Bombe in der Stadt explodiert. Der Gewinner des STARTER-Filmpreises der Stadt München („Die Gelegenheit“) schildert in leisen Tönen Verhaltensmuster und den verschlungenen Weg zum Denunziantentum, versucht sich in Psychologie, ohne zu viel vom Hauptcharakter preiszugeben. Unverständlich, warum der Mann sich überhaupt vom Verfassungsschutz anwerben lässt. Die französische Presse lobte den „neuen deutschen Realismus“ dieser deutsch-österreichischen Koproduktion. Ob das kleine ZDF-Fernsehspiel die große Leinwand und das Publikum über Schanelec- und Köhler-Liebhaber hinaus erobert, bleibt abzuwarten. Nicht nur für Heisenberg, auch für den Hauptdarsteller Bastian Trost, könnte „Schläfer“ dennoch der Durchbruch bedeuten. mk.

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