Filmhandlung und Hintergrund

Spitzzüngige und dennoch warmherzige Komödie von und mit der Regisseurin des Kassenerfolges "Lust auf anderes".

Gern wäre Lolita Cassard (Marilou Berry) ein solch hübscher Hungerhaken wie die neue, praktisch gleichaltrige Frau ihres Vaters. Doch leider hat sie einige Pfunde zuviel auf den Rippen und muss die ihrer Ansicht nach mangelnde erotische Ausstrahlung daher mit kulturellen Hochleistungen kompensieren. Doch das ist - selbst mit viel Talent - gar nicht so einfach, wenn der Vater ein berühmter Erfolgsautor und obendrein supereitler Pfau ist. Sein neuer Protegé Pierre (Laurent Greville) könnte Lolita dagegen schon gefallen.

Woody Allen

Um ihren mit einer fast gleichaltrigen Frau verheirateten, arroganten Vater Etienne zu beeindrucken, einen erfolgreichen Autor, nimmt die pummelige, unsichere Lolita Gesangsstunden bei Sylvie. Die ist verheiratet mit einem von Selbstzweifeln geplagten Schriftsteller. Bald gehört das Paar zum Freundeskreis von Etienne, der die Karriere des Erfolglosen mit einer Portion Vitamin B anschiebt.

Während ihr Schriftsteller-Vater sich mit einer wesentlich jüngeren Frau sowie Ego-schmeichelnden Speichelleckern umgibt, steht die übergewichtige Lolita stets in seinem Schatten. Nur beim Singen blüht der schüchterne Teenager auf. Als Lolita bei Sylvie Gesangsstunden nimmt, knüpft sie den Kontakt zwischen deren Mann, einem erfolgslosen Autor, und ihrem Vater. Schon bald entwickelt sich eine Freundschaft zwischen den Paaren. Doch die beteiligten Frauen sind es bald satt, nur zweite Geige zu spielen.

Bilderstrecke starten(15 Bilder)
Alle Bilder und Videos zu Schau mich an!

Darsteller und Crew

Videos und Bilder

Kritiken und Bewertungen

3,0
1 Bewertung
5Sterne
 
(0)
4Sterne
 
(0)
3Sterne
 
(1)
2Sterne
 
(0)
1Stern
 
(0)

Wie bewertest du den Film?

Kritikerrezensionen

    1. Agnès Jaoui liefert in diesem Film erstaunlich pointierte Gesellschaftssatire mit präzise ausgearbeiteten Charakterstudien. Ihre Figuren spiegeln dabei so treffsicher die Realität wieder, daß einem das Lachen oft im Halse steckenbleibt.
      Das Hauptthema, die Sehnsucht der Protagonisten nach Anerkennung und Erfolg trägt der Film bereits im Titel.

      Doch in einer Gesellschaft, in der jeder in erster Linie mit sich selbst beschäftigt ist, wird die Forderung nach Anerkennung von Anderen ein unerfüllbarer Wunsch bleiben. Die Menschen sind für sich der Mittelpunkt ihres Lebens. Unter dieser Voraussetzung ist der Aufbau einer neuen Beziehung ebenso schwer, wie der Erhalt einer bereits bestehenden.

      Häufig agieren die Figuren wie gekränkte Heilige, deren Strafe es ist, in einer Gesellschaft zu leben, die ihre Großartigkeit noch nicht registriert hat. Sie alle besitzen ein gänzlich falsches Selbstbild, das selbst dann nicht in sich zusammenbricht, wenn anderen ihnen einen Spiegel vorhalten. Denn der Weg zur Selbsterkenntnis ist lang und steinig und nur selten geht hier jemandem ein kleines Licht auf, das diesen Weg beleuchten könnte.

      Hier gibt es keinen Menschen, der nicht seine Fehler vor sich hertragen würde.
      Im Mittelpunkt des Ganzen steht Lolita. Sie leidet unter ihrem Äußeren und dem Schattendasein neben ihrem berühmten Vater. Doch sie gefällt sich scheinbar auch in der Rolle der grauen Maus und vernachlässigten Tochter. Für ihr unsicheres Verhalten macht sie allein ihr Körpergewicht verantwortlich. Dabei kreiert sie sich einen Weg, der für sie immer negativ ausfallen muß. Macht ihr jemand ein Kompliment, redet sie sich ein, die Person wolle sich nur wegen ihres Vaters bei ihr einschmeicheln. Macht ihr jemand kein Kompliment, schmollt sie und findet sich in ihrer Selbstverachtung bestätigt. So oder so können es die Menschen in ihrer Umgebung nicht richtig machen, selbst wenn sie es tatsächlich wollten. Ihre Versuche, aus dem Schatten ihres Vaters herauszutreten sind nur zaghaft, denn schließlich ermöglicht ihr diese Beziehung Menschen an sich zu binden, von denen sie (manchmal fälschlicherweise) annimmt, daß sie sich sonst nicht mit ihr abgeben würden. Mutterlos aufgewachsen vergöttert und hasst sie ihren Vater gleichermaßen, will ihn aber auf jeden Fall nicht mit der jungen Karine, seiner zweiten Frau, teilen. „Du bist echt mühsam“ ist dann auch der treffende Kommentar Sébastiens, der versucht, eine Beziehung zu ihr aufzubauen. Ebenso wie die anderen ist sie zu sehr ihrem Selbstbild verhaftet als daß sie merken würde, daß sie es selbst ist, die sich im Weg steht und nicht ihre Mitmenschen.

      Pierre agiert in der Rolle des gekränkten Schriftstellers, dessen Meisterwerke keiner lesen will. Durch gespielte Selbstverachtung fordert er Komplimente. Für den Erfolg kriecht er um Etienne herum, läßt sich zum Medienclown machen und schreckt nicht einmal davor zurück, alten Freunden auf die Füße zu treten.

      Sein berühmtes Vorbild Etienne, ist – gefühllos und selbstgefällig - ein Egozentriker wie er im Buche steht. Schmeichler , Ja-Sager und Prügelknaben umgeben ihn. Er beachtet die Menschen zu wenig, als daß er merken würde, wie sehr er sie verletzt. Und auch wenn ihn seine Frau darauf aufmerksam macht, indem sie ihn kurzerhand verläßt, wird er sich und seinen Lebenswandel kaum ändern. Auch seine Frau Karine, die kaum älter als Lolita, im Gegensatz zu dieser aber geradezu atemberaubend hübsch ist, ist alles andere als perfekt. So geht sie derart in ihrem Schönheitswahn auf, daß sich das auch in einer eßgestörten Erziehung der Tochter auswirkt, mit dem Resultat, daß das Kind irgendwann lieber mit ausgedachten Torten und Bonbons spielt als mit Puppen.

      Alle Personen des Films bleiben in ihren Rollen verstrickt. Am Ende scheint es nur Sylvia und Lolita ansatzweise zu gelingen, ihr Selbstbild zu korrigieren und einen neuen Weg zu beschreiten. Jaoui gelingt es durch genaueste Beobachtung sehr detailliert gesellschaftstypisches Verhalten wiederzugeben.

      „Schau mich an!“ ist ein gleichermaßen sensibler und melancholischer Film. Bedrückend ist er, weil er nur allzu wahr ist. Lacht man, dann aus Gründen der Erfahrung und der Selbsterkenntnis.

      Fazit: Eine treffende komisch-melancholische Gesellschaftssatire mit hohem Unterhaltungswert.
    2. Schau mich an!: Spitzzüngige und dennoch warmherzige Komödie von und mit der Regisseurin des Kassenerfolges "Lust auf anderes".

      Fünf Jahre nach ihrem fulminanten Regiedebut „Lust auf Anderes“ bezaubert Agnès Jaoui mit dieser neuen spitzzüngigen und dennoch warmherzigen Komödie, unbestritten ein Höhepunkt des Cannes-Festivals. Wie Woody Allen in seinen besten Zeiten mokiert sie sich mit leisem Lächeln über die „sophisticated Spleens“ der Großstadt-Neurotiker. Für die delikat gesponnene Geschichte um ein molliges Mädchen auf der Suche nach Identität erhielt sie gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Jean-Pierre Bacri eine Palme für das Beste Drehbuch. Verdient hätte das Kino-Glanzstück, das mit Prokino einen deutschen Verleih gefunden hat, durchaus mehr.

      Frauen haben’s schwer. Jedenfalls im vom Männer dominierten Wettbewerb mit nur zwei Regisseurinnen: Agnès Jaoui und Lucrecia Martel („La Nina Santa“). Der Französin gelingt eine brillante und spielerisch inszenierte Charakterstudie auf verschiedenen Ebenen. Die Zentralfigur Lolita entspricht nun gar nicht dem Nabokovschen Lolita-Image, sondern ist ein unsicherer Pummel, erinnert in ihrer emotionalen Unbeholfenheit an Bridget Jones & Co. Um ihren mit einer hübschen, dazu noch fast gleichaltrigen Frau verheirateten Vater Etienne zu beeindrucken, einen erfolgreichen Autor, nimmt sie Gesangsstunden bei der verständnisvollen Sylvie (Jaoui), verheiratet mit einem von Selbstzweifeln geplagten Schriftsteller. Bald gehört das Paar zum erlauchten Freundeskreis von Etienne, der die Karriere des Erfolglosen mit einer Portion Vitamin B anschiebt. In dem elitär-intellektuellen Mikrokosmos voller aufgeblasener Egos geht es um das Bild, was wir von uns und was andere von uns haben. Da grämt sich Lolita über ihre Kurven und leidet unter der Missachtung des selbstgefälligen Daddys. Die seelisch verkümmerten Schriftsteller pflegen akribisch ihre Eitelkeiten, während die Frauen das Gefühl haben, nur als Dekoration zu dienen und permanent übersehen zu werden. Dabei sehen die Beteiligten in ihrer Fixierung aufs Geliebt- und Anerkanntwerden den Wald vor lauter Bäumen nicht, verprellen sie diejenigen, die sie mögen - wie Lolita, die alles tut, einen in sie verliebten Journalisten vor den Kopf zu stoßen. Angesiedelt im bürgerlichen Pariser Milieu, lässt Jaoui keine Gelegenheit aus, sich über die Nabelschau und Selbstbeweihräucherung einer typisch französischen Spezies zu mokieren, mit milder und manchmal scharfer Ironie die Schwächen und Stärken ihrer Protagonisten zu zeichnen, aber auch ihren Sehnsüchten Raum zu geben. Nie macht sie sich lustig über die vergeblichen Versuche, aus dem Circulus vitiosus auszubrechen. Ihre ganze Zärtlichkeit gilt der Heranwachsenden, die um die Zuneigung ihres Vaters bettelt und kämpft, in kleinen, schmerzhaften Schritten lernt, nicht nur sich selbst, sondern auch vertrauensvolle Nähe zu akzeptieren. Alle Figuren wissen genau, was sie an Stelle der anderen tun würden, nur bei der eigenen Selbsteinschätzung hapert es - eine dem Zuschauer wohl sehr bekannte Situation. Die Besetzung, angefangen von Jean-Pierre Bacri als gewieftem Zyniker bis hin zu Marilou Berry als Schwergewicht, ist optimal. Aber am meisten amüsieren die wie Diamanten geschliffenen Dialoge. Das Dream-Team Jaoui/Bacri trifft voll ins Schwarze und ins Herz. mk.

    News und Stories

    • Filmvorstellung

      Am 18. November wird die französische Gesellschafts-Satire „Schau mich an!“ im Vertrieb von Prokino in den deutschen Kinos anlaufen. Der Film konnte auf den diesjährigen Filmfestspielen in Cannes den Preis für das „Beste Drehbuch“ gewinnen. Dieses wurde von Agnés Jaoui („Lust auf Anderes“) geschrieben, die auch Regie führte.

      Ehemalige BEM-Accounts  
    • Goldene Palme für Michael Moore

      Goldene Palme für Michael Moore

      Sensationssieg in Cannes für die Anti-Bush-Doku "Fahrenheit 911" und ein wahrer Preisregen für Asien. Deutschland geht leer aus.

      Ehemalige BEM-Accounts  
    • Schwache Konkurrenz im Wettbewerb

      Schwache Konkurrenz im Wettbewerb

      Wo sind die Highlights? Die Hälfte des Festivals ist bereits vorbei, doch die Begeisterung über die Beiträge hält sich in Grenzen.

      Ehemalige BEM-Accounts  

    Kommentare