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Fakten und Hintergründe zum Film "Savages"

Kino.de Redaktion |

Savages Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Über die Produktion

Don Winslows kühner Roman „Zeit des Zorns“ (2010) faszinierte die Leser und Kritiker vom provokanten ersten Kapitel bis zur lyrischen letzten Seite. Über die ungewöhnliche Entstehungsgeschichte seines Bestsellers sagt Winslow: „Eines Tages saß ich schlechtgelaunt an meinem Schreibtisch und tippte zwei Worte, aus denen dann das berüchtigte erste Kapitel des Buches entstand. Wie im Rausch schrieb ich 14 Seiten und schickte sie per Mail an Shane mit dem Hinweis: ‚Entweder ist das echt gut, oder ich bin total verrückt.‘ Wenige Minuten später schrieb er zurück: ‚Lass alles stehen und liegen und schreib das Buch zu Ende, solange du in dieser Stimmung bist.‘“

Winslows Roman beweist, dass die Ausnahme die Regel bestätigt: Im Endeffekt formulierte er etliche Kapitel zu „Zeit des Zorns“ in Drehbuchform. „Ich wollte das in letzter Zeit üblich gewordene Korsett des Krimi-Genres aufbrechen“, berichtet Winslow. „Ich verschaffte mir Ellbogenfreiheit und merkte, dass manche Szenen sich besser als Film lesen – das zog ich der Romanform vor.“

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Mit Salerno arbeitet der Autor schon über 13 Jahre zusammen. Salerno war im Nachhinein froh darüber, dass er Winslow ermutigt hatte, sich nochmals jenes Themas anzunehmen, in dem er sich bestens auskennt. Der ausführende Produzent erklärt: „Mit ‚Tage der Toten‘ hatte Don bereits ein Buch vorgelegt, das viele Menschen als Grundsatzwerk zu diesem Thema ansehen: Er arbeitet darin die Chronik des seit 30 Jahren wütenden Drogenkriegs auf – von der Gründung der DEA bis 2005. Sechs Jahre lang hat er in Mexico, Texas und California recherchiert. Diesem Milieu hat er seinen Stempel aufgedrückt – er kennt sich darin hervorragend aus. Und in ‚Zeit des Zorns‘ hat er sich dann als Prophet erwiesen – er sah voraus, dass sich der Umschlagplatz von den mexikanischen Kartellen nach California verschieben würde. Richtig interessant wird es, wenn reale Ereignisse unsere schlimmsten Befürchtungen überholen.“

Das Buch wurde bei der Veröffentlichung von der Kritik begeistert aufgenommen – Stephen King bezeichnete den sexy, Action-lastigen Roman als „Butch Cassidy und Sundance Kid mit automatischen Waffen“. Und sehr schnell entstand daraus auch ein Drehbuch. Dazu Salerno: „Normalerweise werden Bücher direkt an ein Studio verkauft – das gilt vor allem auch für Dons bisherige Bücher. Doch wir beschlossen, einen anderen Weg zu wählen, und boten Oliver Stone die Option direkt an. Denn wir waren der Meinung, dass dieser einzigartige Stoff durch die übliche Drehbuchentwicklung nicht zu verbessern war – er verdiente eine spezielle Behandlung. Oliver trauten wir das zu – wir begannen unsere Zusammenarbeit mit der Entwicklung und schrieben schließlich das Drehbuch gemeinsam. Vom Zeitpunkt des Verkaufs bis zum Drehbeginn vergingen nur etwa drei Monate – ein unerhörtes Tempo.“

„Zeit des Zorns“ bietet jede Menge Politik und Drogenhandel – Bereiche, die den Autor und Regisseur Oliver Stone seit langem interessieren. Entsprechend begeistert reagierte er, als er das Buch bereits als Druckfahne lesen durfte. Shane Salerno & Don Winslow & Oliver Stone schrieben gemeinsam die Skriptfassung des Romans, und nicht einmal ein Jahr verging, bis Universal Pictures sich die Weltvertriebsrechte sicherte. Bald darauf begannen die Dreharbeiten. Über seine Interesse an der Übertragung des innovativen Romans auf die Leinwand sagt Stone: „Ich halte das Buch für einen großen Wurf. Es geht um Macht, Verrat, Geld – heutige Werte werden infrage gestellt.“

„Savages“ nimmt etliche Themen auf, wie sie in Stones Filmen ständig wiederkehren: vielschichtige Machtkämpfe, wechselnde Bündnisse, die besten und schlimmsten Auswüchse der menschlichen Natur, komplexe Familienbeziehungen und mitreißende Porträts gestörter Persönlichkeiten, von denen manche ihre eigene Art Heldentum verwirklichen.

Stone fühlt sich bei diesem Projekt an seinen Film „An jedem verdammten Sonntag“ erinnert, in dem „die Konzerne sich im Football-Bereich einnisten“. Über die Wirtschaftlichkeit durch Massenproduktion sagt er: „Vor allem geht es um die Machterweiterung des mexikanischen Kartells, das sich in den USA ausbreitet, um sein Stück vom Kuchen der unabhängigen Dealer und Produzenten zu bekommen. Im Film interessiert sich das Baja-Kartell nicht für kleine Händler, sondern für große Umsätze. Dennoch kommt es zwangsläufig zur Konfrontation der Großen mit den kleinen Erzeugern. Auch Walmart hat etwas gegen Konkurrenten.“

Seit langem arbeitet Produzent Moritz Borman mit Stone zusammen. Er weiß durchaus, dass es naheliegt, Parallelen zwischen „Savages“ und Stones früheren Filmen zu ziehen, doch der Regisseur ist an zweiten Aufgüssen nicht interessiert. Borman sagt: „Natürlich vergleichen die Leute ‚Savages‘ mit Olivers anderen Filmen, aber in Stil, Botschaft und auch in der Story gibt es deutliche Unterschiede – wobei die Intensität durchaus zu vergleichen ist. Oliver hat immer etwas zu sagen, und deshalb haben seine Filme die Zeiten überdauert.“

Sein Produzentenkollege Eric Kopeloff berichtet, dass der Regisseur an den Figuren genauso interessiert ist wie am geopolitischen Umfeld: „Gerade das findet er am Filmemachen so spannend: Mit der richtigen Story kann man die Figuren auf eine Achterbahnfahrt schicken. Oliver lässt nie locker, probiert alles aus, um die Grenzen des Mediums zu erweitern.“

Oft ist es sehr mühsam, einen gefeierten Roman in einen mitreißenden Film zu übersetzen. Ein Beispiel: Stone vergleicht das explosive Finale des Films mit einem Italo-Western – es wird dem Buch zwar gerecht, hält sich aber nicht sklavisch an die Vorlage. Solche Abweichungen sind laut Kopeloff nötig bei der Umsetzung von einem Medium zum anderen. Er sagt: „Bei der Filmfassung eines Buches muss man sich Freiheiten nehmen – was die Erzählweise und auch den Zeitrahmen angeht. Wenn wir alle Szenen des Buches übernommen hätten, wäre der Film mindestens fünf Stunden lang. In vielerlei Hinsicht halten wir uns eng an die Vorlage, aber wir erlauben uns auch filmische Freiheiten, um die Story in manchen Bereichen zu intensivieren und den Zuschauern in Hinsicht auf die Optik und die Figuren etwas ganz Besonderes zu bieten.“

Winslow beschreibt die Unterschiede beim Verfassen eines Romans und eines Skripts: „Als Romanautor muss man sich klarmachen, dass es sich um zwei unterschiedliche Medien mit entsprechenden Voraussetzungen handelt – daran muss man sich erst einmal gewöhnen. Ein Beispiel: Ein Buchkapitel will vielleicht nur ein Thema behandeln, während eine Filmszene immer zwei oder drei Aspekte gleichzeitig anpackt. Das Drehbuchschreiben ist künstlerisch eine äußerst anspruchsvolle Aufgabe, weil man stets sehr viele Faktoren gleichzeitig bedenken muss.“

Laut Story zeigt sich das Baja-Kartell von Bens und Chons Produkten und Verfahren beeindruckt und will ihr Geschäft übernehmen. Dagegen lehnen die Mexikaner die Lebensart der Amerikaner ab – vor allem ihre unorthodoxe Beziehung zu O. Andererseits fühlen sich auch Ben, Chon und O vom Kartell und seinen Methoden abgestoßen. Während die Auseinandersetzungen zwischen dem Kartell einerseits sowie Ben, Chon und O andererseits eskalieren, nimmt die Skrupellosigkeit und Gewaltbereitschaft der Amerikaner deutlich zu – wer hier als wilde Bestien zu bezeichnen ist, lässt sich kaum klar definieren und hängt bestenfalls vom Standpunkt ab. Stone fasst zusammen: „Es ist schon komisch, dass beide Seiten die jeweils andere als bestialisch verdammen.“

Produktion: Die Besetzung

Von Tom Cruise in „Geboren am 4. Juli“ über Val Kilmer in „The Doors“ bis zu Michael Douglas in „Wall Street“ und Woody Harrelson in „Natural Born Killers“ – immer inspiriert Stone seine Darsteller zu mitreißenden Ausnahmeleistungen. Er ist ein genauer Beobachter, der eigenwillig und manchmal auch provokant alles daransetzt, Story und Darstellungen zu optimieren. Schauspieler und Mitarbeiter bezeichnen seinen Arbeitsstil als „schwierig, aber fair.“

Entscheidend für Stone war die Auswahl von Schauspielern, die den kaleidoskopartigen Markenzeichen der handelnden Figuren gerecht werden. Tatsächlich wird „Savages“ von einer Menge handelnder Personen geprägt, deren parallel verlaufende und miteinander verflochtende Handlungstränge auf einen explosiven Höhepunkt zustreben. Außerdem werden im Kampf zwischen dem Baja-Kartell und Ben, Chon und O in jeder Figur komplexe emotionale Motive und Schwächen offenbar. O ist nicht einfach nur ein Party-Girl und Chon kein simpler, stoischer Killer. Ironischerweise ist gerade der Pazifist Ben unter großem Druck zu extremer Gewalt fähig. Elena wirkt dagegen trotz all ihrer Macht und kaltblütiger Abgeklärtheit mütterlich und einsam. Der methodisch-brutale Lado fürchtet sich vor seiner kleinen Chefin, während Dennis trotz all seiner cleveren Winkelzüge letztlich ein Überlebenskünstler ist, der aufopfernd für seine Familie sorgt.

Schon recht früh in der Besetzungsphase landete Taylor Kitsch als potenzieller Hauptdarsteller auf Stones Radarschirm. Als Stone Kitsch auf die Chon-Rolle ansprach, die den ruppigen Gegenpart zum Pazifisten Ben bildet, reagierte Kitsch auf den Stoff ganz ähnlich wie Chon. „Ich hatte das Buch bereits gelesen, bevor bekannt wurde, dass Oliver es verfilmen wollte – es gab aber Gerüchte, dass er die Option übernommen hatte“, erinnert sich Kitsch. „Ich dachte: ‚Mann, für diese Rolle würde ich einen Mord begehen.‘ Als ich erfuhr, dass Oliver beteiligt ist, war die Sache für mich klar. Ich spürte einfach, dass ich der Rolle hervorragend entspreche.“

Chon ist ehemaliger Navy-SEAL und Profi-Killer – er setzt seine Fähigkeiten vorbehaltlos ein, um jene beiden Menschen zu schützen, die ihm am nächsten stehen: O und Ben. Chon glaubt, dass Drogen eine rationale Reaktion auf all den Wahnsinn darstellen. Dazu Kitsch: „Chon war schon immer abgebrüht. Er hat in Afghanistan derart viel Scheiße erlebt, dass er spontan immer mit Gewalt reagiert. Doch in der Gemeinschaft mit Ben und O erleben wir ihn völlig anders. Dann öffnet er seinen Schutzpanzer, kann sogar lachen und Witze reißen, was er wirklich selten tut. Seine eigentliche Lebensaufgabe besteht darin, Ben und O zu schützen – und wenn er dafür über Leichen gehen muss.“

Seine Beziehung zum Regisseur beschreibt Kitsch so: „Oliver ist ein Mann der alten Schule. Ihm geht es ausschließlich um die Arbeit, und dafür bewundere ich ihn. Ich finde es traumhaft, wenn er eine Pause macht, um über die Szene zu diskutieren und das Problem zu lösen. Das ist sehr beruhigend. Aber man sollte stets bestens vorbereitet antreten. Oliver bemerkt jede noch so kleine Nuance, jeden Augenaufschlag. Er stellt alles infrage – was uns nur noch mehr zur Vorbereitung anspornt. Wenn es mal schief geht – und jeder erlebt das mal –, dann sagt er ganz klar, was Sache ist. Aber er sagt uns auch, wenn eine Einstellung richtig gelungen ist. Er fordert höchste Konzentration, was der Darstellung auf jeden Fall zugute kommt.“

Blake Lively spielt die schöne, warmherzige O. Sie ist ein Freigeist, und als sie entführt wird, beweist sie ebenso viel Mut und Abgeklärtheit wie das Baja-Kartell. Stone begründet seine Besetzung der Rolle: „Blake ist eine beeindruckende Schauspielerin – und das mit nur 23 Jahren. Sie hat sehr viel zu der Figur beigetragen und scheut vor nichts zurück. Im Film wirkt sie oft nicht gerade vorteilhaft – aber sie hat dabei nie mit der Wimper gezuckt.“

Lively übernimmt im Film als O die Erzählerrolle, und Stone setzt ihre Off-Stimme so wirkungsvoll und charakteristisch wie nur möglich ein. Dazu der Regisseur: „Dass O als Erzählerin zu hören ist, ergab sich ganz natürlich aus dem Buch, in dem sie ebenfalls die Geschichte berichtet. Doch im Film hat eine Erzählstimme oft die Tendenz, die Spannung zu unterbrechen, weil sie immer wieder darauf hinweist, dass es sich um eine Geschichte handelt. Das Buch besteht aus über 100 Szenen und vielen Figuren – viel mehr, als wir im Film unterbringen könnten. Deshalb bemühen wir uns, die Information auf ein Minimum zu reduzieren und die Off-Stimme trotzdem einzusetzen, um die Stränge miteinander zu verknüpfen.“

Lively ihrerseits schätzte den Umstand, dass „O den roten Faden bildet, der alles zusammenhält“. Tatsächlich begegnet sie in den vielen Szenen den meisten anderen Darstellern und muss als Schauspielerin das gesamte darstellerische Spektrum bieten – sie bezeichnet die Dreharbeiten als „intensiv, turbulent, eine große Herausforderung. Das Tolle ist: Ich erlebe all die Existenzräume der anderen Figuren – vom sorglosen Leben mit den Jungs in Laguna bis zur Folter in Käfigen und dem Transport nach Tijuana. Es war schwierig, derart viel in einem Film auf so unterschiedlichen Ebenen durchzumachen – vom absoluten Glück bis zum grausigsten Leid.“

Lively stammt selbst aus dem kalifornischen Süden und reagierte fasziniert auf die unkonventionelle Familie in der Story – drei Menschen, die einander innig lieben. Lively ging bei der Umsetzung von Os Geschichte sorgfältig und mit Respekt vor: „Ich habe das Gefühl, dass Ben, Chon und O zusammengehören, weil sie alle diesen Familienzusammenhalt brauchen. Sie bedeuten einander alles. Keiner von ihnen hat je ein echtes Familienleben erfahren. Sie haben keine Vorbilder, keiner ist mit ihnen durch dick und dünn gegangen. Das erleben sie erst durch dieses Dreieck.“

Aaron Taylor-Johnson spielt Os anderen Liebhaber und Chons zögerlichen Waffenbruder, den friedliebenden Ben, der ganz gegen seinen Willen in den gewalttätigen Konflikt mit dem Kartell hineingezogen wird. Taylor-Johnson war einer der ersten Darsteller, die von Stone besetzt wurden, obwohl beide zunächst nicht wussten, welche Rolle er eigentlich spielen sollte. „Ich lernte Aaron schon ganz zu Anfang in London kennen“, erinnert sich der Regisseur. „Ich erlebte ihn als originell und ungewöhnlich. Ich sagte ihm: ‚Du passt wunderbar in diesen Film. Ich weiß zwar noch nicht, welche Rolle du spielen wirst, aber halte dich bitte bereit.‘ Das hat er getan. Er ließ einen großen Film sausen, den er fast schon in der Tasche hatte, nur um in unserem Team zu bleiben.“

Wohl mehr als alle anderen Figuren muss Ben sich damit arrangieren, dass auch in ihm eine Bestie steckt – keine leichte Aufgabe für einen selbsternannten Pazifisten. „Ben wird gewalttätig“, berichtet Stone. „Ironischerweise will Ben mit dem ganzen Dreck nichts zu tun haben, aber er rutscht doch hinein, und als das passiert, merkt er, dass er eigentlich einen unmöglichen Traum geträumt hat. Wahrscheinlich geht es uns allen so. Früher oder später werden wir alle in den Dreck gezogen.“

Taylor-Johnson bestätigt, dass er nur wegen Stone bereit war, jede beliebige Rolle in diesem Film zu übernehmen. Als sich herausstellte, dass er Ben spielen sollte, war er hellauf begeistert: „Oliver gehört zu meinen Helden, er ist ein fantastischer Autor und Filmemacher – erstaunlich, wie er alle die Puzzle-Teile so originell zusammensetzt. Ich konnte es gar nicht fassen, als Teil in dieses Puzzle aufgenommen zu werden. Ich habe bisher nicht mal annähernd eine solche Rolle spielen dürfen, aber ich vertraue Oliver vollkommen. Er hat einen sehr hohen Anspruch, verlangt das Äußerste von uns, erwartet, dass wir uns selbst übertreffen, aber er passt auch immer auf uns auf. Bei der Rolle des Ben geht es um sehr emotionale Szenen, aber auch um eine Menge Testosteron – Oliver half mir, die Kraft aufzubringen, um beide Elemente auszubalancieren.“

Schon zu Anfang der Vorbereitungen beschloss Stone, die Figuren im Umkreis der drei Hauptdarsteller mit ganz spezifischen Schauspielern zu besetzen: Der Rest der Besetzung wurde um das Dreieck im Zentrum gruppiert. Dazu zählen John Travolta als korrupter DEA-Agent Dennis, Oscar®-Kandidatin Salma Hayek als herrische und ruchlose Kartellchefin Elena und Benicio Del Toro als Elenas todbringender Vollstrecker Lado.

Auf beiden Seiten der Drogenkriegsfront operiert der sympathische, verschlagende DEA-Agent Dennis. Er bezeichnet sich selbst als Opportunist und unterhält Beziehungen zu Ben und Chon, aber auch zu Lado. Der zweifache Oscar®-Kandidat John Travolta kam als jener Agent an Bord, der seit langem seine eigentliche Aufgabe in der Behörde ignoriert. „John war meine erste Wahl für die Dennis-Rolle. Ich wollte schon seit langem mit ihm arbeiten“, sagt Stone. „Es gelingt ihm, Dennis als schillernden, aber gutmütigen Typen zu zeigen – das passt zur Rolle des bisexuellen DEA-Agenten.“

Nicht nur die Story, sondern besonders auch die Rolle gefielen Travolta: „Das Skript hat mich insgesamt bereits beeindruckt. Ich merkte, dass das ein echt cooler Film wird – da wollte ich dabei sein.“ Travolta ergänzt, dass er Stone als sehr aufgeschlossenen und verständnisvollen Teamarbeiter erlebte. „Oliver schätzt mein sehr vielseitiges Rollenspektrum. Meine Entwicklung bedeutet ihm viel. Das ist sehr schmeichelhaft – vor allem, weil ich mich wohlfühlen muss in einer Nebenrolle wie Dennis, der die Fäden zwischen all den Figuren spinnt. Außerdem hat Oliver ein klares Konzept für den Film, er hat politisch und moralisch etwas zu sagen. Was er zeigt, geht uns hier und heute alle an.“

Dennis hat zwei kleine Töchter und eine todkranke Frau – ihm bleibt entsprechend wenig Handlungsspielraum. Dazu Travolta: „Ich musste ausloten, was ich beitragen kann, um sein Verhalten nachvollziehbar zu machen. Auf hinterlistige Weise laviert er zwischen seinen behördlichen Auftraggebern und dem Kartell. Es gelingt ihm jedoch, die negativen Aspekte in seinem Leben zu rechtfertigen. Wie die anderen Figuren hat auch er zwei Seiten, wirkt verletzlich. Stimmt, er hat schlimme Dinge getan, aber er ist ein Mensch, auf gewisse Weise hat auch er Gefühle.“

Dennis träumt davon, Elena Sanchez seinen Vorgesetzten auf einem silbernen Tablett zu servieren: Die Chefin des Baja-Kartells „verhandelt“ mit Ben und Chon wegen der Übernahme ihres Unternehmens. Hayek berichtet, dass ihr Rollen wie die der Elena nur selten angeboten werden: Die Chefin befiehlt Os Entführung, verfällt dann aber dem Charme der jungen Frau. Dazu Hayek: „Angebote für Schurkenrollen bekomme ich kaum – umso lustiger war es, Elena zu spielen. Sie ist sehr stark, sie lebt in einer von Gewalt und Angst bestimmten Welt, in der meist Männer die Führung übernehmen. Was schon für Männer kaum zu stemmen ist, fällt einer Frau umso schwerer, aber Elena hat das im Griff. Sie wirkt furchteinflößend, ja, fast königlich in ihrem Auftreten. Ihr spanischer Beiname ‚La Reina‘ bedeutet Königin. So wirkt sie tatsächlich – sie verbreitet Angst und fordert Respekt. Sonst würde das Kartell nicht funktionieren.“

Die Schauspielerin gewährt einen Einblick in Elenas Existenz, die von erheblichen Verlusten geprägt wird: „Sie leidet unter einem großen persönlichen Dilemma, das auch ihre einzige Schwäche darstellt – es gibt Aspekte ihrer Persönlichkeit, mit denen wir uns identifizieren können. Ihre Achillesferse besteht in der Entfremdung von ihrer Tochter. Als O auftaucht, fühlt sich die verletzliche Elena emotional berührt. O bringt neues Licht in ihr Leben, auch wenn die Umstände ihrer Begegnung suboptimal sind. Elena hat ihre Menschlichkeit nicht völlig verloren – egal wie stark, böse und kaltblütig sie auch sein mag. Solche Rollen gibt es wirklich nur selten. Wenn man dann auch noch mit einem Regisseur wie Oliver und einer Top-Besetzung arbeiten darf, zögert man keine Sekunde.“

Auch das politische Thema der Story gefiel der Schauspielerin, die die Komplexität des Drogenkriegs in Nordamerika miterlebt hat: „Ich bin Mexikanerin – ich kenne verschiedene Aspekte aus Elenas Story. In meiner Heimat leben wir damit. Hoffentlich gelingt es dem Film, die Menschen aufzurütteln, damit sie endlich erkennen, welche Ausmaße der Drogenhandel zwischen Mexico und den USA angenommen hat. Das ist durchaus nicht nur ein mexikanisches Problem, sondern ein gemeinsames: Beide Länder sind Partner in diesem Handel. Das eine Land verkauft, das andere kauft – vorbei an den Behörden beider Nationen.“

Während der Proben provozierte Stone Hayek zu Mutproben – falls er je Zweifel hatte, dass die Schauspielerin nicht „unerbittlich genug“ wäre, wurde er schnell eines Besseren belehrt. Üblicherweise dreht der Regisseur nur wenige Wiederholungen einer Szene. Doch einmal forderte er Hayek bis zum Anschlag – er ließ sie eine Schlüsselszene endlos wiederholen, in der sie Lado und Alex verbal zur Schnecke macht: Elena ist perplex, frustriert und wütend über den Zusammenbruch ihrer Geschäfte in den USA – aufgebracht brüllt sie ihre Männer mit einer Mischung aus englischen und spanischen Flüchen in Grund und Boden. Wie Stone vorausgesehen hatte, lieferte Hayek eine bravouröse Leistung, und am Ende dieser Sequenz hatte Hayek das Wesen von Elenas Wut und Verwirrung völlig verinnerlicht.

Hayek bestätigt, wie dankbar sie für diese Erfahrung mit dem Filmemacher ist. „Ich war begeistert, dass ich in ‚Savages‘ mitwirken durfte – immer schon habe ich mir gewünscht, einmal mit Oliver zu arbeiten. Der Dreh mit ihm war eine sehr glückliche Erfahrung für mich – entsprechend traurig war ich, als es vorbei war. Damit hat sich einer meiner größten Träume erfüllt, und ich kann ihn nun nie mehr träumen.“

Als Elenas Mann im Norden führt Lado die Geschäfte des Baja-Kartells im kalifornischen Süden. Die herrische Art der Chefin frustriert ihn zunehmend, und er setzt seine brutale Taktik immer öfter ein, um in seine eigene Tasche zu wirtschaften. Der Psychopath zerschießt Gegnern die Kniescheibe, exekutiert treu ergebene Helfershelfer und peitscht unerbittlich einen Mitarbeiter aus, um ihm ein falsches Geständnis zu entlocken. Um diese Rolle zu spielen, musste Benicio Del Toro die dunkelsten Abgründe seiner Seele ausloten. Er sagt dazu: „Wenn man sich die Berichte jener Leute anhört, die solche Situationen miterlebt haben oder Opfer des Drogenkriegs wurden, wenn man die Berichte der Menschen auf beiden Seiten hört, dann gewinnt diese Geschichte an Ernsthaftigkeit – und das gibt allen Beteiligten eine klare Marschrichtung vor.“

Wie seine Kollegen beschloss der Oscar®-Preisträger, allein wegen des legendären Regisseurs in „Savages“ mitzuwirken. Dazu Del Toro: „Oliver ist wie ein Trainer, für den der Sieg die einzige Option ist. Bei jeder Wiederholung einer Einstellung speichert er alles, was er hört und sieht. Das kann er in seinem Kopf dann jederzeit abrufen. Er kennt die Szenen in- und auswendig. Er lässt nicht locker, treibt uns in den Wahnsinn und insistiert dennoch weiter. Wenn unser Blut dann richtig in Wallung gerät, dann lächelt er uns endlich an. Dann spielen wir die Szene und wissen überhaupt nicht, wie uns geschah. Doch wenn wir sie dann anschauen, funktioniert sie, und dann kapieren wir, warum wir mit Oliver Stone arbeiten wollen.“

Logischerweise spielen gerade Del Toro und Hayek etliche sehr beeindruckende Szenen zusammen. Obwohl Del Toro Hayek um einen Kopf überragt und etwa 50 kg mehr auf die Waage bringt, gab es keine Frage: Sie war seine Chefin. „Ich kenne Salma seit Jahren, ich weiß, dass sie sich durchsetzen kann – die Königin steckt durchaus in ihr“, sagt Stone. „Ich habe mich diebisch gefreut, Benicio vor ihr dienern zu lassen, denn sein Lado hat vor niemandem Angst – außer vor ihr. Er hat seine Figur wesentlich mitgestaltet. Lado ist ein Monster, aber Benicio spielt ihn als menschliches Monster.“

Hayek gesteht, dass es ihr Spaß machte, Del Toro herumzuschubsen. Sie lacht: „Es war sehr lustig, den ‚Jefe‘ zu geben – all diese hartgesottenen Kerle müssen kuschen und für mich schuften. Wenn ausgeprägte Machos wie Benicio Del Toro und Demián Bichir meine Befehle ausführen, geht ein weiblicher Traum in Erfüllung.“

Del Toro kontert: „Die Arbeit mit Salma Hayek war wunderbar. In ihr steckt ein Box-Champion wie Julio César Chávez – und das passt wunderbar zu ihrer Schönheit.“

Etliche weitere angesehene Schauspieler stießen als Nebendarsteller zum „Savages“-Ensemble, darunter Emile Hirsch als genialer Buchhalter Spin und Oscar®-Kandidat Demián Bichir als Alex, der geschickte Anwalt und Unterhändler des Kartells. Bichir kennt Del Toro und Hayek seit langem und tritt in den meisten Szenen mit beiden auf. Er spielte Fidel Castro neben Del Toro als Ernesto „Che“ Guevara in Steven Soderberghs „Che“ und übernahm neben Hayek die Hauptrolle in dem TV-Film „Die Zeit der Schmetterlinge“, den sie auch produziert hat.

Bichir erzählt, was ihn an diesem Projekt interessiert: „Mir war immer schon klar, dass alle Menschen sowohl gute als auch schlechte Seiten haben. Wir können uns ebenso wunderbar wie schrecklich aufführen. All das liegt uns im Blut, man kann sich davon nicht befreien – in jedem Mensch steckt auch eine Bestie. Manche lassen ihr eher freien Lauf als andere, manche unterdrücken diesen Aspekt ganz. Oft nehmen wir nicht einmal die Nachbarn im eigenen Haus wahr, verweigern ihnen sogar einen kurzen Gruß im Fahrstuhl. Es kommt vor, dass wir uns völlig abkapseln, und genau das macht uns zu Bestien.“

Über seine Dreherfahrung mit den Kollegen berichtet Bichir: „Ich spiele begeistert Tennis, und wenn man einen guten Spieler als Gegner hat, spielt man selbst auch besser. So geht es mir bei der Arbeit mit Benicio. Er ist ein fantastischer, mitreißender Schauspieler. Das Tolle an Lado und Alex: Sie sind völlig unterschiedliche Typen. Alex ist elegant, kleidet sich gut. Lado ist primitiv und grob. Meine Szenen mit Salma bestehen vor allem in Dialogen per Laptop-Bildschirm – außer einer intensiven Szene, in der sie sich verraten fühlt. Ich hatte sie vor Jahren das letzte Mal gesehen, und sie sieht umwerfend aus. Sie wirkt so anmutig und selbstbewusst, und sie spielt besser als je zuvor.“

Bichir spielte seine Szenen in „Savages“ über einen Zeitraum von mehreren Monaten – so hatte er viel Zeit, Stones Arbeitsstil zu beobachten und zu bewerten. Ähnlich wie Kitsch, Del Toro und Hayek vergleicht er den Regisseur mit einem Befehlshaber, der seine Soldaten auf die Schlacht einstimmt. „Wie jeder große Feldherr behandelt er seine Truppen streng, weil die Erfahrung der Schlacht noch zehn Mal schlimmer sein wird“, sagt der Schauspieler. „Sie müssen einfach auf alles vorbereitet sein.“

Emile Hirsch spielt den abtrünnigen Spin, Bens und Chons genialen Hacker-Spezi. Hirsch merkte, dass er mit seinem Regisseur in Bezug auf den Humor auf einer Wellenlänge liegt. „Was Komik angeht, sind wir ähnlich gepolt – wir brachten uns gegenseitig zum Lachen“, sagt Hirsch. „Auf mich wirkt er wie ein gutmütiger Bär. Sehr cool, und total fixiert auf jedes Detail.“

Als Finanzexperte in Bens und Chons millionenschwerem Unternehmen muss Hirsch jede Menge Fachchinesisch reden. Stone richtete ihm aber eine Art Kuschelecke ein, in der Hirsch die Szenen spielen durfte, ohne sich übermäßig auf den Jargon konzentrieren zu müssen. „Natürlich verstehe ich die Feinheiten der Geldwäsche nicht bis ins Letzte“, sagt er. „Ich habe einfach meinen Text gelernt und mir den Zusammenhang der Szene erarbeitet. Doch die Zuschauer nehmen uns das trotzdem ab – das ist der Zauber, den Filme und Geschichten auf uns ausüben.“

Die Frauen in „Savages“ sind unabhängig, stark, sexy, clever und atemberaubend. Die Beziehung zwischen Elena, O und Elenas Tochter Magda (gespielt von SANDRA ECHEVERRÍA) schwanken zwischen Dominanz, Zuneigung und Verrat. Im gesamten Film spielt die Weiblichkeit eine starke Rolle – nicht zuletzt durch Os Erzähltext. Chon und Ben wollen die entführte O zwar befreien, aber sie weiß sich durchaus auch selbst zu helfen. Zwischen O, Elena und Magda ergibt sich ein kompliziertes, symbiotisches Beziehungsgeflecht, das das Spiel ebenso entscheidend beeinflusst wie Chons und Lados Kanonen. Dazu Stone: „Die Interaktionen und der Einfluss dieser dynamischen Frauen hat mir besonders viel Spaß gemacht.“

In der Sanchez-Familie ist der Tod allgegenwärtig. Elenas Mann und zwei ihrer Söhne sind der Gewalt des Drogenkriegs zum Opfer gefallen. Sie hat ihre Tochter Magda nach California geschickt, damit sie diesem Umfeld entkommt, und Stone wollte untersuchen, was dies für Elena bedeutet. Magda ist im Kartell aufgewachsen und ignoriert einfach, wie ihre Mutter das Geld verdient, mit dem sie den luxuriösen, ausschweifenden Lebensstil der Tochter finanziert.

„Mutter und Tochter kämpfen mit harten Bandagen“, sagt der Regisseur. „Die Tochter ähnelt Elena in vielerlei Hinsicht, doch die Mutter hat das größere Herz. Dann kommt es zur Übertragung der Gefühle von Elena auf O. Elena nimmt O als Geisel und adoptiert sie als Ersatztochter. O und ihre eigene Mutter verstehen sich gar nicht – also fühlt sie sich zunächst in gewisser Weise zu Elena hingezogen. Doch zwischen den Frauen, die eine skeptische Zuneigung zueinander entwickeln, entbrennt schließlich ein Machtkampf.“

Hayek war überrascht von der Bindung, die sich auch hinter der Kamera zwischen ihr und Lively entwickelte – genauso wie zwischen ihr und Echeverría. „Ich mag beide Girls sehr!“, begeistert sich Hayek. „Blake ist clever, lustig, sehr professionell, fantasievoll und bizarr – und all das genau im richtigen Maß. Sie hat Mut, sie redet, wie ihr der Schnabel gewachsen ist, kann sich gut ausdrücken. Schon am ersten Probentag, als sie über die Figur und die Struktur des Skripts sprach, merkte ich: ‚Mit der werde ich bestens auskommen.‘ Wir haben uns privat getroffen, um an unseren Szenen zu arbeiten, und als wir die Szenen dann drehten, hatte sie sich zu allen Aspekten Notizen gemacht. Ich habe ihr voll vertraut. Sandra kannte ich vorher leider nicht, aber ich freue mich, dass ich zwei neue Freundinnen gefunden habe.“

Echeverría kommentiert: „Ich hatte schon immer großen Respekt vor Salma. Sie ist so stark, sexy, klug, sie hat ihren Traum verwirklicht, und es war wunderbar zu erleben, wie sie all diese Erfahrungen in Elena einbringt. Seit ich sie persönlich kenne, bewundere ich sie umso mehr. Sie sprüht nur so vor Ideen, Vorschlägen und Energie, sie ist sehr großzügig und hat mich wirklich inspiriert.“

Produktion: Die Dreharbeiten

Die Darsteller probten schon vor Drehstart zwei Wochen lang, aber auch während des Drehs setzte Stone umfangreiche Stellproben an, bevor die Szenen gefilmt wurden. Sie nahmen manchmal Stunden in Anspruch, in denen er und die Schauspieler die langen Sequenzen durchgingen, die sie in den kommenden Tagen spielen sollten. Zunächst erarbeiteten die Darsteller mit Stone den physischen und emotionalen Ablauf der Szenen, dann lud der Regisseur das Mitarbeiterteam als Publikum ein, sich anzusehen, was dabei herausgekommen war, wobei er selbst den Erzähler mimte. So ermöglichte er allen Beteiligten einen Überblick der vor ihnen liegende Arbeit. Gerade angesichts der vielen Rollen und Handlungsstränge in „Savages“ erwiesen sich diese Stellproben als unabdingbar.

Für den Filmemacher hat sich das bewährt: „Stellproben gehörten für mich von Anfang an dazu. Die Szenen in diesem Film sind unglaublich komplex. Wir haben fünf oder sechs Hauptdarsteller, die alle wesentlich zum Skript beigetragen haben. Da erweisen sich die Szenendurchläufe als sehr praktisch. Zunächst muss jeder verinnerlichen, wie er sich in der Szene zu bewegen hat und worum es geht. Wenn wir Glück haben, ist das schon vorher geklärt, aber bei den Stellproben wird es dann ernst. Erst daraus ergibt sich der konkrete Ablauf der gefilmten Szene. Wenn man unvorbereitet zur Stellprobe erscheint, führt das ins totale Chaos. Trotzdem ergeben sich immer auch neue Fragen, aber viel schlimmer wäre es, wenn solch ein Tumult am tatsächlichen Set entstünde. Doch durch dieses Verfahren kommen so alle Probleme rechtzeitig vorher auf den Tisch.“

Dieses Verfahren ist ein Hybrid aus Vorbereitung und Spontanität – laut Kopeloff geht Stone völlig darin auf. Der Produzent berichtet: „Einige Regisseure wollen den perfekten Moment kreieren – doch Oliver schaut lieber zu, wie der sich langsam entwickelt. Dadurch wird die Arbeit an seinem Set so interessant: Er bringt unglaubliche Dynamik und Hartnäckigkeit ein – Entdeckungen spielen eine wesentliche Rolle. Er weiß zwar, wohin er will, probiert den Weg dorthin aber zusammen mit den Schauspielern aus. Er liebt die Figuren, die Story und vor allem die Dialoge. Er legt größten Wert darauf, es richtig hinzubekommen – und dass die Schauspieler es ebenso empfinden. Es geht weder um ihn noch um das Skript, sondern letztendlich nur um das Ergebnis auf der Leinwand.“

Eine der aufwändigsten Proben fand auf einem Hochplateau in den kahlen Vasquez Rocks nördlich von Los Angeles statt – das Team nannte die Gegend „Wüstenschüssel“. Stone exerzierte mit den meisten Hauptdarstellern und dem gesamten Team das opernhafte Finale des Films durch. Die Probe begann in der gleißenden Nachmittagssonne und dauerte bis lange nach Sonnenuntergang.

Der Regisseur begründet den langen Arbeitstag: „Mir war klar, dass dies eine lange Probe wird, weil die Szene einfach zu umfangreich und zu wichtig ist. Ich habe sie auf sechs Leute, eine Wüste, einen Showdown und Scharfschützen drum herum reduziert: simpel wie ein Western. Doch das alles musste erst einmal durchgespielt werden – die Schüsse, wie das Glas splittert, wie viele Schüsse abgefeuert werden.“

Stone verlässt sich seit langem auf technische Berater, die er engagiert, um seinen Filmen die größtmögliche Authentizität zu garantieren. Eine entscheidende Rolle dabei spielte Stunt Coordinator KEITH WOULARD. Dazu der Regisseur: „Keith übernahm dabei die Schlüsselrolle. Er ist ein SEAL-Veteran, lässt sich nie aus der Ruhe bringen, obwohl es manchmal recht haarig für ihn wurde. Doch niemand ist geduldiger als er.“

Woulard fand in Kitsch einen besonders enthusiastischen und fähigen Partner, dem es Spaß machte, als Chon möglichst oft und möglichst massiv loszuballern. In einer besonders komplexen Sequenz muss Chon hinter einem Geländefahrzeug hervorsprinten und gebückt im Zickzack-Kurs über eine kahle Fläche rennen. Dabei feuert er aus allen Rohren und läuft auf Lado und Elena zu, während mehrere Kameras auf ihn gerichtet sind. Kitsch hatte sich derart perfekt in die Rolle und seine Aufgabe versetzt, dass die Einstellung nach einmaligem Durchlauf im Kasten war. Natürlich hilft es, dass Kitsch ein sehr sportlicher Typ ist und Kampferfahrung mitbringt.

Denn glücklicherweise konnte der Schauspieler Erfahrungen mit soldatischem Verhalten und entsprechenden Methoden vorweisen. „Ich habe schon vor dem Drehstart mit einem SEAL trainiert“, sagt Kitsch. „Er ist verblüffend offenherzig auf mich eingegangen. Denn es ging nicht nur darum, den Gebrauch halbautomatischer Waffen zu lernen. Er erzählte mir auch Geschichten von seinen Kameraden im Irak, in Afghanistan. Diese unglaubliche Chance habe ich als etwas ganz Besonderes erlebt – seitdem kann ich Chon besser verstehen. Was mir an den SEALs vor allem gefällt: Wenn man ihnen auf der Straße begegnet, wirken sie völlig unauffällig. Sie tragen nicht vor sich her, wer sie sind. Aber wenn man sie in ihrem Element beobachtet, dann kann man was erleben! Ich habe das Glück, einige von ihnen inzwischen Freunde nennen zu dürfen.“

Für „Savages“ engagierte Stone ein außergewöhnliches Trio, das den theoretischen Hintergrund für die Figuren Spin und Dennis lieferte: Hacker-Experte RALPH ECHEMENDIA, Cannabis-Fachmann PATRICK FOURMY und der vor kurzem in Ruhestand getretene DEA-Agent EDDIE FOLLIS. Wären sie nicht für denselben Film engagiert worden, würde sich keiner von ihnen freiwillig mit den anderen in einem Raum aufhalten.

Stone hat das Milieu über lange Jahre dokumentiert und hält „Savages“ für sehr realistisch, „vor allem, was die Gras-Erzeuger vor Ort angeht, ihren Einfluss und die Auswirkungen auf das mexikanische Kartell“. Er erklärt: „Wir haben es hier mit der heißen Front des Marihuana-Handels zu tun – offen gesagt sind dabei viele Falschinformationen im Umlauf, und die Medien bauschen das auf. Bei ‚Scarface‘ habe ich mich um jedes Detail gekümmert. Ich wollte wissen, wie hoch der Anteil pro Pfund Kokain war, wie die Vertriebswege verlaufen, wer dahintersteckt usw. Diesmal informierte ich mich genauso intensiv über Marihuana, aber an diese Fakten kommt man oft nur schwer heran.“

„Dafür brauchte ich Eddie“, fährt der Regisseur fort. „Er besorgte mir harte Fakten, und natürlich kennt sich Don Winslow ebenfalls bestens aus. Das gilt auch für Patrick, der jahrelang im Marihuana-Geschäft und in der Musikbranche tätig war. Er ist sehr großzügig, ein echter Intellektueller – auf viele von uns am Set wirkte er wie eine Art Svengali. Mithilfe dieser drei und durch meine eigenen Recherchen arbeitete ich mich in die seltsamen Volten der unabhängigen Marihuana-Bewegung ein. Es handelt sich nicht um ein Kartell – jeder baut das Gras auf seine eigene exzentrische Art an. Ralph sorgte für die sachliche Richtigkeit und die Aktualität der Schlüsselszenen, in denen Ben und Chon aussteigen und sich als Cyberspione versuchen. Wir haben so viele Tatsachen wie möglich in den Film integriert.“

Aufgrund von Echemendias Input kam die filmische Darstellung der Geldwäsche, der elektronischen und Computer-Überwaschung sowie der Internetkriminalität auf den neuesten Stand. „Leute wie mich nennt man ‚ethische Hacker‘„, sagt der Berater. „Mein Spezialgebiet ist die Cybersicherheit, vor allem im Bereich offensiver Sicherheit – das heißt: Einbrüche in Computersysteme. Oliver legt Wert darauf, dass die Hacker-Szenen realistisch gestaltet werden. Er interessierte sich für die verschiedenen Ebenen und wollte echte Aspekte in den Film integrieren. Zum Beispiel kann man heute Informationen nicht nur auf USB-Sticks speichern – die Speicher sehen zum Teil so aus wie kleine Kreditkarten. Das haben wir verwendet – genau wie die echten Logos und die Energy Drinks, die wir bevorzugen, wenn wir die ganze Nacht durchmachen.“

Aufgrund seiner Stellung in der DEA hatte Follis nicht nur in Los Angeles zu tun, sondern auch in Südostasien, Südamerika und im Nahen Osten. Als Assistent eines Spezialagenten überwachte er Auftragstransaktionen, Gang-Aktivitäten und generelle Vollstreckungsaktionen gegen Kartellmitglieder. Mit seinen Worten: „Im Grunde war ich Dennis – minus Korruption.“

In enger Abstimmung mit Stone und Travolta achtete Follis darauf, dass der zwielichtige DEA-Agent glaubwürdig wirkt. Über diese Erfahrung sagt der ehemalige Spezialagent: „Vier Abende lang habe ich mit Mr. Travolta in Dallas zusammengesessen. Zunächst einmal: Er ist der vollendete Gentleman. Zweitens: Jede Einzelheit saugt er in sich auf – sogar die Körperbewegungen, wie man aufgrund der Körpersprache einen Raum beherrscht. Er wollte einfach alles wissen. Er stellte gezielte Fragen, um sich auf das ständig wechselnde Umfeld einzustellen, in dem Dennis operiert. Das ist eine sehr zweischneidige Sache, ein dreckiges Milieu – und er hat sich mit Wonne hineingestürzt.“

„Ich habe ihn durch die Mangel gedreht“, ergänzt Travolta. „Eddie ist eine Version von Dennis. Ich wollte wissen, wie das ist, wenn man jemanden so gut kennen lernt, dass man ihn innerhalb von Monaten oder Jahren verraten muss. Er erzählte, wie schwierig das ist, denn man hängt an den Leuten, die man so gut kennt. Sie erfahren nie, dass man sie an Messer geliefert hat, und dieses Bewusstsein lässt ihn die Heimlichkeit besonders schwer ertragen. Ich fand das faszinierend. Wie weit muss man Schauspieler sein, um jedermann zu täuschen? Sehr weit, wie sich herausstellt, denn man riskiert sein Leben. Es geht um das ganze Land, um alles.“

Follis stellte auch eine umfangreiche Schurkenliste zusammen, sodass die Schauspieler Gespräche mit tatsächlichen Ex-Kartellmitgliedern führen konnten. Taylor-Johnson kennt sich in seiner Rolle wohl am besten in allen Aspekten der Marihuana-Branche aus – vom menschlich-altruistischen Bereich bis zu den brutalen Halsabschneidern; was er jetzt erfuhr, öffnete ihm wirklich die Augen: Der britische Schauspieler machte einen Schnellkurs in Kultur und Politik der amerikanischen Marihuana-Branche.

„Bei der Vorbereitung und während des Drehs wurden wir von einem tollen Team unterstützt“, erklärt Taylor-Johnson. „Gleich zu Anfang setzten wir uns mit Eddie zusammen, der uns Kartellmitglieder und Leute aus der kolumbianischen Mafia vorstellte. Es war großartig, teils auch fürchterlich, was sie erzählten. Oliver legte Wert darauf, dass wir uns so intensiv wie irgend möglich vorbereiteten, damit wir uns dann in unseren Rollen möglichst natürlich bewegen konnten und uns wirklich auskannten.“

Produktion: Drehorte und Design

„Savages“ beginnt als idyllischer kalifornischer Traum, der sich im Lauf des Films in einen Albtraum entwickelt. „Keine noch so schrille Idee konnte Oliver abschrecken“, sagt Produktionsdesigner Tomás Voth. „Weil es sich um ‚Savages‘ handelt, zeigen wir die Realität etwas verzerrt. Gleich zu Anfang beschlossen wir, unterschwellig die Scheinheiligkeit zu zeigen: Wer nennt wen eine Bestie? Grundsätzlich hat jeder die Anlage dazu. Außerdem gibt es in Kalifornien komplexe Verflechtungen von Amerikanern und Mexikanern. Die Grenze existiert zwar, aber die Gruppen sind derart miteinander verzahnt, dass man das kaum noch wahrnimmt. Dies wollten wir in Bilder übersetzen – wir verwenden daher kräftige, leuchtende Farben. Wir legen auf harte Kontraste Wert und wollen jede Einfarbigkeit vermeiden. Daher kann ich mich mehr austoben als üblich.“

Die Außenaufnahmen begannen in einem Strandhaus in Malibu. Es folgten der Pyramid Dam in den Bergen nördlich von Los Angeles, Dana Point und Laguna Beach im Süden, die Vororte San Fernando Valley und Pacific Palisades und das Stadtzentrum von L.A. In großer Eile musste Voth jeden Schauplatz in ein „Savages“-Set umrüsten.

„Ich habe viel für die Bühne gearbeitet, aber das half mir bei diesem Film gar nicht“, sagt er. „Die Originalschauplätze sind schon Teil der Ausstattung. Oliver und ich ließen uns von den Drehorten inspirieren, wenn wir sie besichtigten. Er passte sein Konzept der jeweiligen Szene an, wenn ihm der Grundriss eines Hauses oder eine Landschaftsszenerie gefiel. Der Charakter der Örtlichkeit bestimmte die Dynamik der jeweiligen Sequenz.“

Kopeloff ergänzt: „Falls wir etwas selbst bauen müssen, versuchen wir immer von realen Locations auszugehen. Nur einen Tag lang haben wir im Studio gedreht, weil wir damit vier verschiedene Drehorte abhandeln wollten – das ließ sich anders nicht bewerkstelligen. Doch 95 Prozent unserer Sets sind Originalschauplätze – wobei wir uns so genau wie möglich am Skript orientieren. Wenn wir also aus dem Fenster schauen, sehen wir das echte Meer, in dem die Sonne versinkt. Man muss sich immer auf die Elemente einstellen, aber wenn man dann diese Einstellung dreht und die Vögel vorbeifliegen, dann ist das echt … und es erleichtert den Schauspielern die Arbeit.“

Eine Woche lang drehte das Team in Laguna Beach und am Dana Point – wo sich ganz produktionsspezifische Aspekte ergaben. „Wir wollten ein Drittel des Films im Orange County und zwei Drittel in L.A. drehen“, sagt der Produzent. „Wir mussten unbedingt im Frühjahr und Sommer drehen, weil wir auf das Wetter und das besondere Licht angewiesen waren. Dabei mussten wir aber etliche Hindernisse überwinden, denn oft war man von unserem Filmthema nicht begeistert und verweigerte uns die Drehgenehmigung. Also stellten wir unsere Logistik einfach um. Laguna lebt vom sommerlichen Tourismus – wir mussten also auf Anfang September ausweichen. Eine Woche lang haben wir vor Ort gedreht, um die Eingangstotalen der Szenen zu drehen. Und im Herbst kehrten wir zurück und filmten die Strandszenen mit den Schauspielern.“

Zunächst wurde in Malibu gedreht, das Laguna doubelte. Produzent Borman erklärt das so: „Oliver dreht gern so chronologisch wie möglich, um den Darstellern die Entwicklung zu erleichtern. Das ist ein tolles Verfahren – wenn man es sich logistisch leisten kann.“

Für etwa zwei Wochen wechselte das Team ins 320 Quadratmeter große Haus eines ehemaligen Footballspielers – mit einem atemberaubenden Blick auf den Pazifik. Hier wurde Os, Chons und Bens Wohnquartier eingerichtet – es enthält Deckengewölbe, gläserne Schiebetüren und eine Essbereich im Garten mit offenem Feuer und Wellness-Pool. Voth verpasste dem Haus einen Hauch von Zen und Rock’n’Roll: farbenprächtige indische Wandteppiche und kleine Hausaltäre für verschiedene Hindu-Götter wurden durch knallbunte Gemälde flankiert. Natürlich kamen die Requisiten hinzu, die ein Gras-Erzeuger – und Raucher – benötigt.

Voth musste auch seine Version von Mexico in California nachstellen, vor allem Elenas Villa. Dieses Domizil ist eines ihrer vielen Häuser und soll ihre Macht, ihren Reichtum und ihre Isolation repräsentieren. Das Team fand ein außergewöhnliches Anwesen namens Hummingbird Nest Ranch in den Santa Susana Mountains. Es ist im spanischen Stil erbaut und eingerichtet und sieht genauso aus wie eine großangelegte mexikanische Hacienda – inkluvive Stall, Springbrunnen, Swimmingpool, zahllosen Fenstern und einem Schlafzimmer von königlichen Ausmaßen. Die Hummingbird Nest Ranch kann bis zu 5000 Leute bewirten, doch Elena und ihre Leibwächter sind die einzigen Bewohner. Tatsächlich wirkt die Villa wie ein luxuriöses Gefängnis.

Trotz Reichtum und Macht ist Elena einsam – genau das will das Team mit ihrer Villa zeigen. „Es sagt viel über ihren Ehrgeiz aus, dass sie als ‚Königin des Kartells‘ überleben, durchhalten und Erfolg haben will“, sagt Voth. „Das soll ihr Haus ausdrücken – aber auch alles, was sie dafür aufgeben musste. Wir sind bei der Ausstattung also von Elena ausgegangen. Ich stellte mir ein elegantes und gewaltiges Haus vor, wollte aber auch andeuten, was es heißt, wenn man es bis ganz nach oben geschafft hat und völlig isoliert ist. Zum Glück fanden wir im Simi Valley ein Anwesen, das genau wie Tijuana aussieht – es wurde allen unseren Ansprüchen gerecht.“

Voths Konzept half Hayek, ihre Rolle zu verinnerlichen, noch bevor die Kameras liefen, auch wenn der Ehemann der Schauspielerin dadurch kurzfristig ins Schwitzen geriet. Hayek erinnert sich: „Dankenswerterweise ließ Tomás mir riesige Abbildungen von dem umfangreichen Grundbesitz anfertigen, der Elena gehört. Ich sammelte sie in meinem Schlafzimmer, weil mir das half, mich auf Elena einzustellen. Als mein Mann die Bilder sah, sagte er: ‚Augenblick mal, kaufen wir schon wieder ein Haus?‘ Ich antwortete: ‚Keine Angst, es gehört mir bereits.‘„

Bei den Recherchen in Bens und Chons Branche besuchten Stone und Voth auch Häuser im Großraum L.A., in denen tatsächlich Marihuana angebaut wird. „Die gibt es überall, im San Fernando Valley und auch im Stadtzentrum“, sagt der Ausstatter. „Aber eigentlich handelt es sich nur um Pflanzen, die von Leuchten angestrahlt werden. Wenn man nicht wüsste, dass es sich um Marihuana handelt, wäre weiter nichts dabei. Ich überlegte, wie wir diese Pflanzenkulturen möglichst filmisch ins Bild bringen könnten. So kam ich auf die Idee zurück, ein normales Haus mit einem Swimmingpool zu verwenden. Entsprechend fanden wir in Pacific Palisades ein traumhaftes Haus aus den 1960er-Jahren mit einem überdachten Innenhof und Pool – einfach perfekt.“

Dieses Anwesen befindet sich auf dem Gipfel eines langgezogenen, schmalen Hügels – vom ausgedehnten Garten aus schaut man über die Topanga Mountains bis zum Meer. Der Drehort erwies sich als kompliziert in Bezug auf das Abstellen von Transportfahrzeugen und Ausrüstung, aber für die Marihuana-Zucht bot er das optimale Ambiente. Requisiten und Ausstattung wurden genau auf die versierten Erzeuger Ben und Chon zugeschnitten: Gläser voller Gras, Zentrifugen, ein Gasmessgerät, Tropfvorrichtung, Bestrahlungsleuchten und der Clou: ein überdachter Swimmingpool, angefüllt mit einer gewaltigen Menge unechter Marihuanapflanzen.

Das Becken mit sprießendem Cannabis zu füllen erwies sich als außergewöhnliches Problem für Voth und sein Team, denn man kann sich nicht einfach einen Vorrat an Marihuanaplanzen ausleihen. Dazu Voth: „Aus rechtlichen Gründen durften wir nicht eine einzige echte Marihuanapflanze verwenden. Monatelang probierten wir herum, wie wir die nachgeahmten Pflanzen in den Totalen passabel ins Bild setzen könnten. Für die Nahaufnahmen verwendeten wir eine Kombination aus verschiedenen Materialien – die wir aufgrund vieler Versuche zusammenstellten.“ Augenzwinkernd fügt er hinzu: „Ich empfehle niemandem, etwas davon zu rauchen.“

Das Resultat wirkte derart realistisch, dass Darsteller und Mitarbeiter kurzfristig getäuscht wurden. Dazu Ausstatterin LISA VASCONCELLOS: „Nichts ist schöner, als mitzuerleben, wie die Leute am Set erscheinen und staunen: ‚Wow, das ist ja irre.‘ Sie rochen an den Pflanzen, obwohl sie wussten, dass sie nicht echt waren. So etwas bringt beim Filmen am meisten Spaß. Wir merkten, wie weit wir es wirklich treiben konnten. Einen neuen Versuch kann man immer starten – aber was hätte es für einen Sinn, es gar nicht erst zu versuchen?“

Neben Elena hört Lado auch auf eine andere zwielichtige Herrin: La Santa Muerte, die Göttin des Todes. Lado hat die Aufgabe, das Geschäft des Baja-Kartells in den USA weiter auszubauen und damit La Reinas Machtposition zu stärken, indem er Angst und Schrecken verbreitet. Als Scheinfirma benutzt er eine einfache Landschaftsgärtnerei. Doch als seine Mannschaft in dem verbeulten, bis oben mit Mordwerkzeugen vollgestopften Truck vorfährt, hat sie anderes im Sinn, als Palmen zu stutzen. Lado hat seine Firma La Guadaña (Spanisch für „Sichel“) genannt, und eine riesige Sichel des Todes dräut neben Kettensägen und Äxten hinter der Fahrerkabine. Auf dem Armaturenbrett hockt ein Abbild seiner verhängnisvollen Schutzpatronin La Santa Muerte.

Das ebenso verstörende wie wunderschöne Phänomen Santa Muerte wird in Mexico als Kult des heiligen Todes beschrieben. Laut Voth ist es auch eine düstere Neuinterpretation für die mexikanische Verehrung einer der heiligsten religiösen Ikonen ihres Landes. Er sagt: „Sie haben La Virgen de Guadalupe durch ein Gerippe ersetzt – das beten sie an, das bitten sie um Gefälligkeiten. Es ist eine Mischung aus mexikanischen Traditionen: dem Día de los Muertos, dem Katholizismus und karibischem Okkultismus. Die Gläubigen bitten um grundsätzliche Dinge: Schutz vor Tod oder Feuer, aber auch Wohlstand, oder dass Kugeln ihr Ziel erreichen. Das hielt ich für ein unglaubliches Symbol all dessen, was Lado ausmacht. Der Truck wird zum sichtbaren Ausdruck von Santa Muerte. Ich habe alles reingepackt, was scharfe Kanten hat: Die Kettensägen sind nicht drinnen, sondern außen im Winkel so angebracht, dass sie eine Silhouette bilden. Ich wollte damit den unmissverständlichen Eindruck vermitteln: Wenn dieser Truck bei dir vorfährt, kannst du dein letztes Gebet sprechen, denn dann ist alles zu spät.“

Lado erinnert ein wenig an das Grand Guignol, und nirgends war das makabre Theater präsenter als in einem zentral gelegenen Lagerhaus, das als Lados Folterkammer dient. Alle möglichen Folterutensilien sind in den widerlichen Eingeweiden des Kellers versammelt. Elenas Mann fürs Grobe gibt dabei den gespenstischen Zeremonienmeister.

„Dieses Set musste ich unbedingt in einer sehr düsteren Umgebung ansiedeln“, berichtet Voth. Im Skript wird es einfach als Lagerhaus beschrieben, aber wir fanden, es müsste mehr sein als das – ein Ort, an dem Leute auf besonders grausige und brutale Weise gefoltert und getötet werden. Deshalb wollte ich das Set als eine Art Grube gestalten – Flucht ist ausgeschlossen. Es wirkt wie ein römisches Kolosseum: Die Leute können von der Seite und von oben zusehen wie das Publikum, als die Christen den Löwen vorgeworfen wurden.“

Stone schlug vor, dass Lados Männer dort eine kleine Tequila-Destille eingerichtet haben. Dazu Voth: „Lados Leute sind zahlenmäßig allen überlegen, die das Pech haben, ihnen in die Hände zu geraten. Diese Henkersknechte trinken und feiern gern. Deshalb richteten wir das Set als ihr Stammlokal ein – hier kochen sie, sehen fern, hierher holen sie sich Freudenmädchen – obwohl Wände und Boden von den Metzeleien blutverschmiert sind. Daraus entwickelt sich so etwas wie Dantes Inferno. Zwei Tage lang habe ich das Set vorbereitet, und nach dem dritten Tag, dem ersten Drehtag an dieser Location, musste ich raus: Mir drehte sich der Magen um.“

Der wohl anspruchsvollste Drehort für das Team war Pyramid Dam, der westliche Teil des kalifornischen Aquädukts im Norden des Los Angeles County. Die zerklüfteten Hügel und Täler in der Umgebung des Damms bildeten den Schauplatz für den dreitägigen Dreh einer bleihaltigen Konfrontation zwischen Bens und Chons Männern und dem Kartell. Erstmals bekam ein Filmteam die Genehmigung, so nahe am Damm zu drehen und umfangreiche Stunts und Pyrotechnik-Effekte zu inszenieren, obwohl in jenen Tagen die Waldbrandgefahr besonders hoch war. Diese Sequenzen wurden im August gedreht, und am zweiten Tag stieg die Temperatur auf 35° Celsius. Stone erinnert sich: „Das Panorama dort ist unglaublich, aber wir mussten unter sehr widrigen Bedingungen extrem schnell drehen. Das war wirklich hart, aber alle haben sich zusammengerissen.“

Statt viele visuelle Effekte erst bei der Endfertigung einzufügen oder die Szene auf mehrere Schauplätze zu verteilen, setzte Stone die Hügel und Pisten der Szenerie optimal ein, um den größten Teil des Überfalls real mit der Kamera und an einem Schauplatz drehen zu können. Alles wurde aufgefahren – von explodierenden Fahrzeugen bis zu schweren Feuerwaffen, darunter raketengetriebene Granaten und speziell angefertigte Sprengkörper. So bekam Stone, was er sich vorgestellt hatte. Dabei hatte das Filmteam diese Location rein zufällig gefunden.

Nachdem man den Filmemachern einen Weg falsch beschrieben hatte, überredeten sie die Verwalter vor Ort, ihnen das Gelände um den Damm zu zeigen. Damals sagte man ihnen gleich, dass eine Drehgenehmigung nicht infrage kam. Kopeloff berichtet, dass sie damit eine entscheidende Regel des Filmemachens missachteten: „Man zeigt einem Regisseur niemals eine Location, an der er nicht drehen darf – denn genau diese Location fordert er dann unbedingt. Sie setzte sich in Olivers Kopf fest. Wir zeigten ihm Alternativen, doch er sagte nur: ‚Nein, das muss genau so aussehen wie am Pyramid Dam.‘ Oliver akzeptiert kein ‚Das geht nicht.‘ Er sagt einfach: ‚Macht es möglich.‘ Also holten wir die Vertreter von einer ganzen Reihe von Behörden an einen Tisch und überlegten, wie sich Dreharbeiten dort bewerkstelligen lassen würden. Das Bundesforstamt und das staatliche Fortsamt, die Feuerwehr, die Geländeverwaltung, der Heimatschutz, die kalifornische Straßenpolizei – allen waren dabei und prüften unser Anliegen. Wir mussten in der Jahreszeit mit der höchsten Waldbrandgefahr drehen, und wenn wir einen Brand verursacht hätten, hätte uns das richtig viel Geld gekostet.“

Die intensive Hitze, das unwegsame Gelände und die vielen Einstellungen, die in der kurzen Zeit gefilmt werden mussten, brachten alle Beteiligten an den Rand der Erschöpfung – ausgenommen Taylor Kitsch. Dazu Kopeloff: „Taylor konnte gar nicht genug bekommen. Er hat das als Freizeitvergnügen erlebt – er war in seinem Element.“

Produktion: Kostüme und Requisiten

Um die berauschenden Bilder der kalifornischen Küste und die epische Schlacht zwischen dem Kartell und Ben, Chon und O angemessen ins Bild zu bringen, drehten Stone und Kameramann Dan Mindel „Savages“ im Breitwandformat unter Verwendung von anamorphotischen Linsen. Stone stand diesem traditionellen Bildformat zunächst skeptisch gegenüber, verließ sich dann aber auf den „Star Trek“-Kameramann, mit dem er vor fast zehn Jahren einige Werbespots gedreht hat. Inzwischen schätzt er die Technik genauso wie Mindel.

Stone hat zwar drei seiner früheren Filme in diesem Format gedreht, darunter „Geboren am 4. Juli“ und „The Doors“, aber er gesteht, dass er darauf verzichten wollte, weil er anders schneller zu drehen glaubte. „Doch Danny bestand darauf, dass man auch mit anamorphotischen Objektiven schnell und kostengünstig drehen kann – und tatsächlich hat er das Tempo eingehalten, das wir von ihm verlangten“, kommentiert Stone. „Der Film sieht scharf und sexy aus, und man kann dabei auf Super 35 verzichten. Wir konnten die Kameras völlig frei bewegen, und die anamorphotische Linse bietet sehr viel mehr Bildinformation und Auflösung, wenn man es richtig macht. Dan kann das Licht hervorragend setzen, hat ein untrügliches Auge, und ich kenne niemanden, der fleißiger arbeitet als er – er war praktisch Tag und Nacht am Drehort. Wenn man das Set gut ausleuchtet, braucht man nur wenige Kamerapositionen. Sehr viel kann man schon mit einer einzigen Einstellung einfangen, was gut für die Schauspieler ist, weil sie dadurch unmittelbarer wirken. Es gibt nichts Lähmenderes, als eine Szene zu oft zu wiederholen.“

Mindel ist überzeugt, dass diese Landschaft unbedingt mit genau dieser Technik gefilmt werden muss. Er führt künstlerische und praktische Gründe an: „Weil ‚Savages‘ in Kalifornien entstehen sollte, hatte ich das Gefühl, dass wir das hochauflösende Bild der anamorphotischen Linse verwenden sollten. Ich wollte die Technik für diese Bilder auch verwenden, um den Kollegen in der Branche zu beweisen, wie man unseren Heimatstaat filmen und wie das einen Film in puncto strukturierte Farbpaletten und grandiose Naturkulissen bereichern kann. Der Look, die Atmosphäre dieses Formats verleiht dem Film in diesem Fall eine Sinnlichkeit und Stimmung, wie man sie anders kaum erzeugen könnte.“

Mindel trug aber auch auf subtile und noch speziellere Weise zur Atmosphäre bei: Zum Beispiel verwendete er eine von Hand gekurbelte Kamera. Dazu sagt er: „Mit diesen Kamerabildern gibt man den Cuttern coole, esoterische Bilder an die Hand, wenn sie in gewissen Sequenzen eine impressionistischen Look evozieren sollen. Für ‚Savages‘ bedeutet das, subjektive Eindrücke der vom Gras benebelten Filmhelden zu zeigen, die mir vorschwebten, wobei wir rückwärts filmten, die Umkehrentwicklung des Materials und Mehrfachbelichtungen verwendeten.“

Die Kostümdesignerin Cindy Evan arbeitete eng mit Stone und den Schauspielern zusammen, um jeder Figur einen unverwechselbaren Stil zu verpassen, der sich in den Look des Films einfügt. Dazu Stone: „Cindy leistet wirklich hervorragende Arbeit – sie vermittelt die sexy Strandatmosphäre. Erfahrung sammelte sie mit ,Dogtown Boys‘, ‚Dreizehn‘ und ‚Laurel Canyon‘ – sie hat die südkalifornische Mentalität in Laguna voll verinnerlicht.“

Wegen der viele Figuren und Handlungsstränge war es wichtig, ein detailliertes Kostümkonzept aufzustellen. Dazu Evans: „Bei meinen Recherchen habe ich mich um alles gekümmert – vom Orange County bis Mexico, sogar klassische Filmvorbilder habe ich mir angeschaut. Sie bilden eine wichtige optische Orientierung beim Definieren der Figuren und des Ambientes. Außerdem ist es wichtig, mit den Mitarbeitern einen visuellen Dialog zu führen.“ So wie Voth bemühte sich auch Evans um die Auslotung des üblichen Design-Rahmens. „Wir bemühen uns um Naturalismus, wobei wir ihn überhöhen, aber in Bezug auf Farben und Stil überschreiten wir die üblichen Grenzen deutlich.“

An den Kostümen kann man Evans’ Zusammenarbeit mit dem Regisseur nachvollziehen. Der schweigsame Chon zum Beispiel trägt möglichst funktionale Kleidung, er schätzt Hawaii-Hemden, was sich aus Evans’ Gesprächen mit Stone ergab. „Chons Kleidungswahl wirkt simpel und brutal. Sie soll einfach und nützlich sein“, sagt sie. „Das hat auch viel mit Taylors Ansatz, Haltung und Körperbau zu tun. Ich wollte vermitteln, dass er jederzeit einen Streit vom Zaun brechen könnte. Oliver möchte ihn eher spielerisch zeigen, um die lockeren, glücklicheren Momente der drei Hauptfiguren zu betonen. Daher also die Hawaii-Hemden, die farbige Note.“

Chons Kleidung repräsentiert eine gewisse Struktur, während Ben eher improvisiert: lockere, abgetragene grüne Hosen, Batik-Hemden und Halstücher, Souvenirs der vielen Länder, die er auf seinem Pfad der Erleuchtung bereist hat. Dazu die Kostümbildnerin: „Wir wollen ihn als Weltbürger von den anderen absetzen, wobei wir seine Heimat, den kalifornischen Strand durchaus nicht verleugnen.“

O wirkt ein wenig wie eine Modepuppe – sie trägt eine unverwechselbare, individuelle Kombination aus Mustern und Stoffen. Os Stil wird von Evans bewusst eingesetzt – durch ein lila Chiffonkleid mit Slip darunter: Dieses Outfit trägt sie in vielen Szenen des Films. Als Lado sie entführt, bleibt bald nur noch das ätherische weiße Unterhemd, das wie O viele Schläge aushalten muss. Modelliert wurde es nach einem Gemälde von Os Namensvetterin aus „Hamlet“ und dem präraffaelitischen Bild „Ophelia“ von Sir John Everett Millais.

Lively selbst holte den Künstler SAGE VAUGHN ins Team, der Os Natur-Tattoos entwarf. „O ist ein Freigeist“ sagt Lively. „Vielleicht liebt sie deswegen zwei Männer – sie will frei sein, allem offen begegnen, nicht engstirnig wirken. Sie ist privilegiert aufgewachsen, hat aber auch viel Leid ertragen müssen. Das wollte ich in ihren Tattoos wiederfinden, denn sie braucht etwas, das sie jeden Tag daran erinnert: Immer lächeln! Sage hat Os Tattoos entworfen und sie mir mit der Hand auf die Haut gemalt. Davon hat BILL CORSO Abdrücke gemacht, die dann als Tattoo-Vorlagen dienten.“

Ihr Entführer Lado und sein Komplize Alex sind kleidungsmäßig völlige Gegensätze. Lado trägt riesige Cowboystiefel und eine schwarze Lederjacke – der elegante Alex dagegen maßgeschneiderte Anzüge und Krawatten. Evans erklärt: „Die Figuren Lado und Alex werden durch die Hierarchie und die Privilegien in der Welt des Kartells definiert. Lado soll so wirken, als habe er sich die Karriereleiter hocharbeitet. Aber er kommt nie oben an. Und Demián versteht es wunderbar, diese Anzüge zu tragen – er sieht darin einfach umwerfend aus.“

Ihre Chefin pflegt einen glamourösen Stil, der an die Filmdiven der 1940er-Jahre erinnert: tiefe Dekolletés, Schulterpolster, eine Vorliebe für Seide, kräftige Farben und hohe Absätze. Elena trägt sehr viel Schmuck, und Requisiteur KIRK CORWIN berichtet, dass Hayek dazu sehr konkrete Vorstellungen entwickelte. „Ihr Ehering war uns sehr wichtig“, sagt Corwin. „Salma kennt sich mit Schmuck aus, und ich bin Requisiteur, Kostümschmuck ist daher mein Metier. Auf sehr liebenswürdige Art wies sie mich darauf hin: ‚Es gibt sehr schönen Kostümschmuck … und auch weniger schönen.‘ Wir legten die Messlatte also eine Stufe höher, und ich lernte über sie neue Quellen kennen.“

Corwin inspirierte zufällig auch Dennis’ Kleidung. Er erklärt: „Ich lernte John Travolta kennen, als er gerade von seinem ersten Kostüm-Vorgespräch mit Cindy kam. Sie hatten sich auf eine Art Western-Look für ihn geeinigt, mit einer Schnürsenkelkrawatte und Schlangenlederstiefeln. Ich sprach ihn auf Accessoires an: Armbanduhren, Ringe und ähnliches. Er sagte: ‚Hättest du etwas dagegen, wenn Cindy sich einmal deine Kleidung anschaut? Und die Schuhe, welcher Art sind die? Die gefallen mir.‘ Im Film trägt er also ein Outfit, das meiner Kleidung am Set weitgehend entspricht. Ich bin kein Modegeck, aber in den Augen von John und seiner Figur bin ich es wohl doch.“

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