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Fakten und Hintergründe zum Film "Satte Farben vor Schwarz"

Kino.de Redaktion |

Satte Farben vor Schwarz Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Über die Produktion

Sophie Heldman, die während ihres Studiums an der dffb in Berlin bereits den erfolgreichen Kurzfilm „Icke“ realisierte, verarbeitet in ihrem Abschlussfilm SATTE FARBEN VOR SCHWARZ eine wahre Geschichte aus dem eigenen familiären Umfeld, die aufwühlt, bewegt und das Publikum mit wichtigen Fragen des Lebens konfrontiert.

Zu dem Stoff kam Produzent Titus Kreyenberg, Chef der Kölner unafilm, durch die Kamerafrau Sophie Maintigneux, die bereits zwei Filme für seine Firma fotografiert hatte: „Hannah“ von Erica von Moeller und „Verbotene Liebe“ von Judith Kennel. „Sophie hat ein Treffen mit der Autorin Sophie Heldman herbeigeführt, die einen Produzenten suchte“, erinnert sich Kreyenberg. Da SATTE FARBEN VOR SCHWARZ auf persönlichen Erfahrungen der Autorin basiert, stand für den Produzenten von Anfang an außer Frage, dass Sophie Heldman ihr Skript auch selbst inszenieren sollte: „Der Stoff war an sie gebunden, sie hat ihn geschrieben. SATTE FARBEN VOR SCHWARZ sollte Sophie Heldmans Spielfilmdebüt werden.“ Obwohl es sich um einen Erstlingsfilm handelte, wurde SATTE FARBEN VOR SCHWARZ nicht als Low-Budget-Film, sondern mit einem angemessenen Budget und einem hochkarätigen, erfahrenen Team vor und hinter der Kamera realisiert.

Das starke Drehbuch, seine aufwühlende Geschichte und das Engagement der Nachwuchsregisseurin überzeugten auch zwei der größten Stars des deutschsprachigen Films: Mit Senta Berger und Bruno Ganz konnte Sophie Heldman ihre Traumbesetzung gewinnen. „Als ich mich zum ersten Mal mit Senta und Bruno über die Figuren unterhalten habe, dachte ich: Ich habe Partner gefunden“, sagt Sophie Heldman rückblickend. „Das ist schon sehr ungewöhnlich, was man hier machen darf“, begründet Bruno Ganz seine Zusage. „SATTE FARBEN VOR SCHWARZ ist ein gelungenes Drehbuch, das auf ungewöhnliche Weise zulässt, wie Menschen miteinander umgehen dürfen. Das ist zum Teil ein bisschen kompliziert und vielleicht auch abstoßend, aber andererseits ist da eine große Zärtlichkeit.“

Als liebevolle Mutter und Großmutter Anita fungiert Senta Berger als Mittlerin zwischen ihrem Mann Fred und den gemeinsamen Kindern, die er nicht mit seiner Krankheit belasten will und mit seiner Abwehrhaltung eher ungewollt zurückstößt. „Ich versuche, das ein bisschen zu mildern“, erzählt Senta Berger. „Man wünscht sich doch, dass die Kinder den Glauben an das Leben behalten und sich zu einem so frühen Zeitpunkt mit nichts anderem beschäftigen als mit der Familiengründung oder dem Aufbau ihres Lebens.“ Sie sollen nicht teilhaben an dem Ende, das Anita und Fred für sich gewählt haben.

Im Kern sei der Film ein Zwei-Personen-Stück, meint Titus Kreyenberg. Schon allein aufgrund der Konzentration auf zwei Protagonisten und eine Location hat SATTE FARBEN VOR SCHWARZ Kammerspiel-Charakter. „Dennoch ist das Buch nicht dialoglastig“, erklärt der Produzent. „Es ist ein sehr bewegender Film, ruhig und getragen – aber eben keiner, in dem die ganze Zeit gesprochen wird.“ Die Kamera bleibt eng bei den Hauptfiguren, die sich intensiv mit ihrer Liebe, ihrer Ehe und ihrem gelebten Leben beschäftigen. Kreyenberg: „Es geht um Fragen wie: Was bleibt? Was kommt noch? Wie wollen wir den Rest unseres Lebens verbringen? Was passiert, wenn wir krank werden? Werden wir zu einem Pflegefall?“ Der Film schildert die entscheidenen Wochen im Leben des Liebespaares und schließt mit der Frage nach der Unendlichkeit der Liebe.

Für die Bildgestaltung konnte die Österreicherin Christine A. Maier gewonnen werden. Sie stand bereits für den preisgekrönten Film „Esmas Geheimnis – Grbavica“, der bei den 56. Internationalen Filmfestspielen in Berlin 2006 u. a. mit dem Goldenen Bären und dem Friedensfilmpreis ausgezeichnet wurde, und „Free Rainer – Dein Fernseher lügt“ (2007) von Hans Weingartner hinter der Kamera. „Die Kamera ist bescheiden und zurückgenommen“, erläutert Regisseurin Sophie Heldman. „SATTE FARBEN VOR SCHWARZ wird in klaren, ausdrucksstarken Bildern erzählt: Der Film spielt im Frühjahr, wenn die Natur erwacht. Am Anfang leuchten die Farben. Das Haus von Anita und Fred fungiert dabei als ein weiterer Darsteller; die Atmosphäre, das Licht und die Gegenstände darin reflektieren die Lebensgeschichte der Figuren.“

Für den Schnitt zeichnet Isabel Meier verantwortlich, die schon Oskar Roehlers „Die Unberührbare“, Pan Nalins „Samsara“ und die Schweizer Bollywood-Romanze „Tandoori Love“ bearbeitet hat. „Isabel Meier gehört zu jenen Cutterinnen, die sich bereits in der Drehbuch-Phase und bei den Drehvorbereitungen stark engagieren und kritisch auseinandersetzen“, lobt Titus Kreyenberg.

Gedreht wurde an 30 Tagen von April bis Anfang Juni 2009 an verschiedenen Drehorten in Düsseldorf und Nordrhein-Westfalen. Allein drei Wochen lang filmte das Team in einem Privathaus in Düsseldorf: Das idyllische Zuhause von Anita und Fred mit dem weitläufigen Garten ist der heimliche dritte Hauptdarsteller in SATTE FARBEN VOR SCHWARZ. „Es hat sehr lange gedauert, bis wir dieses Prachtstück gefunden haben“, berichtet Titus Kreyenberg. Eine „Idealbesetzung“: „Schließlich handelt die Geschichte von Menschen, die sehr wohlhabend sind, ohne protzig zu wirken.“

Die andere Hälfte der Drehzeit entfiel auf Aufnahmen in Köln, wo vorrangig auf Straßen und in Büros gedreht wurde. Daneben gastierte das Team auf Schloss Türnich bei Euskirchen und im Bergischen Land, wo in einer weißen Kapelle mit einer riesigen Eiche davor die Hochzeit von Anitas und Freds Tochter Karoline aufgenommen wurde. „Sie gibt einem Mann, mit dem sie seit fünf Jahren zusammen ist, das Ja-Wort und bringt eine Tochter aus einer früheren Beziehung mit in die Ehe“, erklärt der Produzent. „Diese Szene enthält eine hohe symbolische Kraft: einerseits die spirituelle Vereinigung, andererseits das Gewachsene in Form des großen Baumes. Das sind zwei Metaphern in einem Bild, eingebettet in eine herrliche Landschaft.“ Die Drehorte werden im Film allerdings nie explizit genannt oder kenntlich gemacht. Man wollte SATTE FARBEN VOR SCHWARZ ein „europäisches Gesicht geben“, so Kreyenberg. „Der Film spielt zwar eindeutig in Deutschland, aber an keinem bestimmten Ort. Auf bekannte Sehenswürdigkeiten wie den Kölner Dom oder auch den Rhein haben wir bewusst verzichtet.“

2007 hat sich der Philosoph und Freidenker André Gorz zusammen mit seiner krebskranken Frau das Leben genommen. Kurz zuvor hat Gorz unter dem Titel „Brief an D.“ eine bewegende Liebeserklärung an seine Frau veröffentlicht: „Du bist gerade 82 geworden. Du bist immer noch schön und begehrenswert. Wir leben seit 58 Jahren zusammen und ich liebe Dich mehr als je zuvor. Erst kürzlich habe ich mich erneut in dich verliebt.“

Regisseurin Sophie Heldman über den Film

Zu einem glücklichen Leben gehört meiner Meinung nach der Wunsch nach einem würdevollen Ende. Die Freiheit, über den Tod selbst zu entscheiden, und die Unendlichkeit einer gelebten Liebe. Dies sind die Themen von SATTE FARBEN VOR SCHWARZ. Anita und Fred sind seit ihrer Jugend ein Paar. Am Ende ihres Lebens nehmen sie sich die Freiheit und das Recht, ihr Sterben selbst zu gestalten und wählen gemeinsam den Freitod.

Die Handlung des Films beruht auf wahren Begebenheiten: Unsere Nachbarn in der Schweiz stammten aus Wien, hatten zuvor in New York und in Amsterdam gelebt und wollten sich nun in Zug niederlassen. Sie lernten sich mit 17 im ausgehenden Zweiten Weltkrieg kennen und zählten zur Wirtschaftswunder-Generation der Sechzigerjahre. Ihnen war bewusst, dass sie Glück gehabt hatten, und sie genossen ihr Leben – ein wichtiger Aspekt, um das Ende, ihr Ende und auch das Ende meines Films, zu verstehen. Als Jugendliche faszinierte mich die Vorstellung, dass sie sich so jung getroffen hatten und sich nach all den Jahren noch immer mit Neugier und Offenheit begegneten. Ihre Liebe füreinander war stets spürbar.

Als die beiden 70 wurden, sagten sie deutlich, dass sie nicht bereit seien, ihr selbstbestimmtes Leben aufzugeben, in ein Altersheim zu ziehen oder ihren Kindern die Pflege zuzumuten. Sie konnten sich nicht vorstellen, dass der eine den andern überlebt. Dann kam die Diagnose: Prostata-Krebs. Die Konfrontation mit der eigenen Endlichkeit war für beide nicht einfach. “Anita” und “Fred” haben sich aber mit ihrer Beziehung und sich selbst auseinandergesetzt, weil ihnen klar war: Ab jetzt sind die Tage gezählt.

„Anita“ und „Fred“ gehörten der Generation meiner Eltern an. Ihre Geschichte hat damit einen direkten Bezug zu mir. Ihre Herkunft und ihre Werte beschäftigten mich: Was geben sie uns, bewusst oder unbewusst, mit?

Als ich an der dffb studierte, wurden viele Filme gedreht, die vom Erwachsenwerden handelten, vom sich Zurechtfinden in der Welt. In SATTE FARBEN VOR SCHWARZ gibt es einen unmittelbaren Bezug dazu, auch wenn es hier nicht um das Erwachsenwerden geht, sondern um das Altern und Sterben. Wie das Auftreten auf die Bühne der Welt, ist das Abtreten ein Punkt der Entscheidung und der Orientierung. Ich habe da eine Verbindung gefunden, auch wenn ein Ende anders ist als ein Anfang. Durch “Anita” und “Fred” habe ich viel darüber gelernt, was Jugend ausmacht und was Alter bedeuten kann.

Suizid muss nicht immer Unglück und Ausweglosigkeit bedeuten. Anita und Fred handeln im Film wie die realen Personen im Leben: Sie wählen den Freitod nicht, weil sie müssen, sondern weil sie wollen. Der Freitod ist für sie ein Mittel, um das Leben selbstbestimmt und ohne Leid zu beschließen.

Am Anfang ist der Funke des Verliebtseins. Dieser Funke zündet immer wieder den Motor, eine sich ständig verändernde Beziehung weiterzuführen. Genauso ging es mir mit dem Drehbuch zu SATTE FARBEN VOR SCHWARZ. Die Figuren wurden meine Verbündeten Das war wie eine Liebesbeziehung. Zuerst schrieb ich die Stationen ihrer Ehe aus Anitas Perspektive und anschließend aus Freds Sicht. Und dann waren sie da, Anita und Fred, in meiner Vorstellungswelt. Als Nächstes schrieb ich bereits – wie von selbst – das Ende, ihren letzten Tag.

Wenn man sich auf die Geschichte von Anita und Fred einlässt, braucht es nur wenige Worte, um eine ganze Welt zu erschaffen. Mein Ko-Autor Felix zu Knyphausen und ich spielten abwechselnd Anita und Fred, um in den Szenen die Sätze zu finden, die die jeweilige Figur sagen würde – und nicht die, die dieses Paar am besten erklären. Wir sind dabei stets der inneren Logik von Anita und Fred gefolgt. Die beiden verkörpern ein klassisches bürgerliches Beziehungsmodell des 20. Jahrhunderts, das in dieser Form nur als romantisierendes Ideal existiert.

Ich habe versucht, jedes Detail im Film so anzulegen, dass es den Zuschauer auffordert, eine persönliche Haltung gegenüber dem Ende zu beziehen. Deshalb ist auch die Reaktion der Kinder auf den Suizid der Eltern bewusst ausgespart. Der Freitod von Anita und Fred weckt den Wunsch nach einem Grund für ihr Tun. Dieser Wunsch hat für mich mit dem Verlangen zu tun, nicht an die eigene Vergänglichkeit erinnert zu werden. Uns fehlt die Konfrontation mit dem Tod im Alltag.

Für die Rollen von Anita und Fred suchte ich in der Folge zwei Darsteller, die gemeinsam eine explosive, erotische Energie entwickeln; eine Spannung, die den ganzen Film hindurch spürbar ist. Ihre Dynamik sollte weniger an typische “Großeltern” erinnern, sondern eher an ein modernes Liebespaar. Senta Berger und Bruno Ganz, verkörpern diese Eigenschaften. Sie trugen alle Voraussetzungen für diese Rollen derart vereint in sich, dass es mir wie ein unglaubliches Geschenk vorkam, als sie zusagten.

Mir war sehr bewusst, wie viel Erfahrung die beiden haben. Senta Berger und Bruno Ganz stehen beide für das europäische Kino. Dass sie bisher nicht zusammen gearbeitet haben, hat mich überrascht. Sie zusammen zu bringen, erschien mir aufregend und beängstigend zugleich.

Auf dem Set habe ich all das rasch vergessen. Wir haben uns auf die Geschichte konzentriert und gemeinsam die Figuren ausgelotet. Sie konnten das Drehbuch mit Leben füllen, mit ihren Erinnerungen. Ihre eigene Lebenseinstellung schwingt im Film mit. Die Zusammenarbeit mit Senta Berger und Bruno Ganz war eine absolut beglückende Erfahrung.

Es gibt in SATTE FARBEN VOR SCHWARZ keine Nebendarsteller. Durch die Reduziertheit des Drehbuchs ist jede einzelne Rolle wichtig. Alle Charaktere sind mit besonderen Schauspielern besetzt: Carina Wiese als Tochter von Anita und Fred, Barnaby Metschurat als Sohn, Leonie Benesch als Enkelin, Silvana Krappatsch als ehemalige Sekretärin von Fred, Thomas Limpinsel als Bräutigam der Tochter, Carlo Ljubek als Taxifahrer, Traute Hoess als Managerin des Seniorenheims und Ruth Glöss als alte Dame im Seniorenheim.

SATTE FARBEN VOR SCHWARZ folgt einem Leitfaden. Im Gegensatz zu einem Psychogramm orientiert sich die Geschichte an der Chronologie der Ereignisse. Die Kameraarbeit von Christine A. Maier folgt dem lakonischen Erzählstil des Drehbuchs. Die Kamera ist bewusst zurückgenommen und auf das Wesentliche verdichtet.

Der Film wird in klaren, ausdrucksstarken Bildern erzählt, die durch den Schnitt von Isabel Meier zum Ende hin einen immer stärkeren Sog entfalten. Die Stille in SATTE FARBEN VOR SCHWARZ wird von Sounddesigner Peter Bräker mit Geräuschen orchestriert, die den Bewusstseinsprozess, den Anita und Fred durchlaufen, körperlich erfahrbar machen. Die Filmmusik, von Balz Bachmann komponiert, ist inspiriert von den 60er- und 70er Jahren und spiegelt die Vergangenheit von Anita und Fred. SATTE FARBEN VOR SCHWARZ entwickelt auch auf der Tonebene einen zum Ende hin immer stärker werdenden emotionalen Sog. So tauchen die Bilder und Töne im Laufe der Geschichte immer tiefer unter die Oberfläche und nähern sich den Figuren, um mit einer hellen, fast heiteren Gelassenheit den Schluss des Filmes zu erzählen.

News und Stories

  • Bruno Ganz in Drama "Satte Farben vor Schwarz"

    Ehemalige BEM-Accounts20.03.2008

    Bruno Ganz („Vitus“) spielt in dem Drama mit dem Arbeitstitel „Satte Farben vor Schwarz“. Die auf einem wahren Fall basierende Geschichte handelt von einem Ehepaar Anfang 70. Nach einem erfüllten Leben beschließen sie, gemeinsam aus dem Leben zu scheiden. Drehbuchautorin Sophie Heldman gibt in der deutsch-schweizerischen Koproduktion ihr Regiedebüt in einem Langfilm.