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Fakten und Hintergründe zum Film "Saint Jacques... - Pilgern auf franz?sisch "

Kino.de Redaktion |

Saint Jacques ... Pilgern auf Französisch Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Interview mit Coline Serreau

Sind Sie selber schon mal nach Santiago de Compostela gepilgert?

Nicht gepilgert. Für das Location Suche sind wir die Strecke abschnittsweise bis zu vier mal abgewandert. Es war kein Zuckerschlecken, geeignete Drehorte zu finden. Das Hauptproblem war das Licht. Eine Landschaft ist nur in einem bestimmten Lichtverhältnis schön. Das war schwierig zu bewerkstelligen, weil uns nur Naturlicht zur Verfügung stand - und das lässt sich bekanntlich nicht steuern. Alles musste geplant sein, weil ein Ort vielleicht nur zwischen acht und elf Uhr der richtige war. Außerdem ändert sich die Sonneneinstellung das Jahr über. Wurde im Juni gescoutet, war beim Dreh im August das Licht schon wieder ein bisschen anders.

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Häufig waren Sie beim Dreh ja inmitten vom Nirgendwo. Das war sicherlich auch logistisch

nicht einfach?

Für fast jede Szene gab es einen anderen Drehort. Teilweise wurde das Material von Eseln transportiert, weil die Wagen da nicht hinkamen. Wir arbeiteten aber auch mit einer sehr kleinen Crew mit nur dem allernötigsten. Es gab ein Lager, wo das ganze Equipment bereitstand, worauf wir für einen der Drehs zurückgriffen.

Wie wichtig ist Ihnen, dass die Figuren an einen spirituellen Ort wandern?

Es ist im Grunde unwichtig. Die Figuren sind ja nicht religiös, so wie die meisten Leute, die diese Pilgerreise unternehmen, dies auch nicht aus religiösen Gründen tun. Viel wichtiger ist der Weg dorthin und vor allem der innere Weg, den die Figuren zurücklegen. Das Wandern an sich verändert ihre Körper. Sie beginnen über ihre Gesundheit, über ihr Leben nachzudenken.

Familie scheint das zentrale Thema in Ihren Filmen zu sein. Was gibt es denn noch außer der Familie?

Mein Thema ist jedoch nicht so sehr die Familie,

sondern die Gesellschaft. In meinem neuen Film ist der Krieg, der innerhalb der Familie herrscht, eine Allegorie für das, was momentan in der Welt passiert. Ich bin daran interessiert, neue Modelle für das Zusammenleben zu finden. Lösungen habe ich keine.

Oft entstehen in Ihren Filmen neue «Familien», die Reisegruppe in «Saint Jacques…» zum Beispiel. Glauben Sie noch an die Familie im klassischen Sinn?

Es geht nicht um glauben oder nicht glauben. Einige Familien funktionieren, andere nicht – ich habe keine Anti-Familien-Theorie. Wichtig sind die Gemeinschaften, die wir uns aufbauen, um nicht einsam zu sein. Wer nur an sich selbst interessiert ist, wird automatisch sehr einsam. Die Menschen sind gemacht, um zusammen zu leben, also müssen wir Wege finden, wie dies mit möglichst wenigen Konflikten funktioniert.

Was war der ursprüngliche Kern der Geschichte von Saint Jacques… Pilgern auf Französisch? Der Jakobsweg oder die drei Geschwister?

Beides war von Anfang an dabei. Es sollte eine Allegorie auf unsere Gesellschaft werden.

Repräsentiert die Pilgergruppe nur die französische Gesellschaft?

Nicht nur die französische Gesellschaft. Man könnte sagen, dass es mit der Familie beginnt, dann das Land, danach ganz Europa und schließlich die Welt, die Kriege darin und so weiter.

Was hat es mit dem Geschäftsmann von France Telecom auf sich?

Das wird hoffentlich als ein Seitenhieb auf die Geschäftsleute von heute verstanden - vor allem auf die jungen. Es gibt Heerscharen, die wie der im Film agieren. Man sieht sie ständig. In den Zügen, in Flugzeugen, überall.

Nehmen die schnellen Dialoge schon im Stadium des Scripts Formen an oder entwickelt sich das erst mit den Schauspielern?

Es gibt in meinem Film keine Spur von Improvisation. Alles steht schon im voraus auf den Seiten des Scripts. Alles wurde auch geprobt in den zwei Monaten vor dem eigentlichen Drehbeginn für jeweils vier Stunden am Tag.

Sie kreieren meist sehr starke Frauenfiguren.

Weil Frauen so sind und Männer sie so oft nicht zeigen wollen. Man braucht sich nur umzusehen, Frauen sind stark, und sie tragen die Welt auf ihren Schultern. Es ist nicht einfach für die Männer, ohne Macht zu funktionieren, und das macht sie wütend. Die Frauen übernehmen nach und nach die Macht in der Politik, in Deutschland, Frankreich und sicherlich auch in den USA. Aber natürlich brauchen wir die Männer, wir müssen in Frieden zusammen leben können.

Ihre Filme behandeln schwierige Themen, erzählen aber von diesen auf unbeschwerte Art. Würden Sie sie als Tragikomödien bezeichnen?

Ich versuche in meinen Filmen über sehr tiefgehende und wichtige Dinge zu sprechen, will aber die Zuschauer nicht mit meiner «Philosophie» – oder wie auch immer man dies nennen will – überwältigen. Ich habe keine Botschaft. Meine Filme sollen Vorschläge sein und keine Lehrstücke. Ich versuche mit meinen Zuschauern einen Dialog zu führen, denn ich lerne von ihnen. Sie sind die Menschen, die mich inspirieren.

Ihr neuester Film hätte pathetisch wirken können, würde der humoristische Ansatz fehlen.

Es war dasselbe mit dem Film «Drei Männer und ein Baby ». Im Grunde ist es eine Tragödie: Der Film handelt von einem Baby, das von seiner Mutter vernachlässigt wird. Aber man kann versuchen, die Geschichte in etwas Leichteres umzuwandeln, ohne dass sie seicht wird. Humor macht den Zuschauern bewusst, dass es sich auch um ihr eigenes Leben handelt. Ohne Humor kann man in dieser Welt nicht überleben.

Inwiefern wird Ihre Arbeit davon beeinflusst, dass Sie vom Theater kommen?

Ich komme auch vom Kino. Mein erstes Drehbuch schrieb ich mit 22 Jahren. Ich war immer zwischen Film und Theater zu Hause. Es gibt keine großen Unterschiede, außer dass das Theater eine sehr viel unrealistischere Welt ist als der Film. Im Theater ist man viel freier, Dinge zu sagen und zu zeigen, die nicht realistisch sind. Dies möchte ich in meinen Filmen versuchen zu durchbrechen, in «Saint Jacques…» zum Beispiel mit den Traumsequenzen.

Sie werden in den USA ein Remake von Ihrem Film «Chaos» drehen, mit Meryl Streep in der Hauptrolle – von «Drei Männer und ein Baby» gibt es bereits eine amerikanische Version. Weshalb denken Sie, sind Remakes notwendig?

Der amerikanische Markt ist abgeschottet, die französische Version in den USA zu zeigen ist sehr schwierig. Wenn eine Geschichte gut ist, kann man sie mehrmals erzählen. Wenn das politische Konzept meiner Filme nach Amerika gelangt und von vielen Menschen gesehen wird, ist das doch eine gute Sache.

Hintergrund

Das Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela, am Ende der Welt im spanischen Galizien, wurde ab der Jahrtausendwende zum Zielpunkt einer Pilgerbewegung, die über Jahrhunderte nicht abreißen sollte und heute eine regelrechte Renaissance erlebt. 1982 besuchten nicht weniger als sechs Millionen Pilger das Jakobusgrab in Galizien, 1987 hat der Europarat eine Kampagne zur Wiederbelebung des Santiago-Reisekults und zur Restaurierung der alten europäischen Jakobsrouten in die Wege geleitet. Die Erinnerung an die Glanzzeiten der Pilgerfahrt wird wach, von denen die islamischen Gegner Zeugnis ablegen. Im 12. Jahrhundert berichtet der Gesandte des Almoraviden-Emirs Ali ben Jusuf seinem Herrn: „Die Menge der christlichen Pilger, die nach Santiago de Compostela gehen und wieder zurückkommen, ist so groß, dass sie kaum den Weg nach Westen offenlassen.“

Am Anfang steht die Legende. In Erfüllung des Missionsauftrags Jesu habe der Apostel Jakobus in Spanien den Glauben verkündet. Später sei er nach Palästina zurückgekehrt, wo er als erster der Apostel das Martyrium erlitt. Seine Jünger hätten

den Leichnam aus Angst vor den Juden auf dem Seeweg nach Spanien gebracht.

Dort seien sie in der Nähe der Küstenstadt Iria Flavia (heute El Padrón) gelandet. An einem „arca marmorea“ oder ähnlich genannten Ort habe Jakobus seine letzte Ruhe gefunden. Das Grab sei später in Vergessenheit geraten und erst zu Beginn des 9.

Jahrhunderts unter Bischof Theodomir (+841) durch den Hinweis eines leuchtenden Sterns wiederentdeckt worden. Schon 844 soll der Heilige den christlichen Heeren in der Schlacht von Clavijo zum Sieg über die Mauren verholfen haben.

Im Laufe der Zeit nimmt die Legende immer mehr Gestalt an und gewinnt europäische Dimensionen. Die Reliefs auf dem Karlsschrein in Aachen zeigen, wie eine funkelnde Milchstraße Karl dem Großen im Traum den Weg nach Santiago weist. Diese Vision

führte auch zur Bezeichnung der Pilgerstraße als „Sternenweg“. Der Spanienfeldzug Karls (mit der später im Rolandslied episch ausgestalteten Niederlage seiner Nachhut bei Roncesvalles) dient so der Befreiung des „Sternenwegs“ von den

Mauren.

Überregionale Bedeutung gewinnt die Jakobusverehrung und die entsprechende Pilgerfahrt ab dem 10. Jahrhundert. Der erste namentlich bekannte Pilger ist Bischof Godeschalk von Le Puy, der 951 Santiago aufsucht. Im Hochmittelalter steht die Stadt ranggleich neben den Fernpilgerzentren Rom und Jerusalem. Jakobus „Matamoros“, der Maurentöter, wird zur spirituellen Symbolfigur der Reconquista, der

christlichen Rückeroberung des islamischen Spanien, die sich bald mit der Kreuzzugsbewegung verbindet. Den Reconquistakämpfern gewähren die Päpste denselben Ablaß wie den Streitern für die Befreiung des Hl. Grabes in Jerusalem.

Wer in der Reconquista kämpfte - wie viele französische Ritter -, besuchte das Grab des spanischen Nationalpatrons. Die wachsende Mobilität der Gesellschaft ab dem 11. Jahrhundert, die Reliquienfrömmigkeit und der Wunderglaube des

mittelalterlichen Menschen führen zu einem ungeahnten Anwachsen der Pilgerströme vor allem aus Frankreich, Deutschland und auch England. Gerade Frankreich hat das größte Kontingent der Pilger gestellt. Der spanische Abschnitt des Pilgerwegs trägt bald den Namen „camino frances“.

Der Weg nach Santiago de Compostela ist ein Weggeflecht, das sich über ganz Europa erstreckt, in vier großen Wegen von Paris, Vézelay, Le Puy und Arles durch Frankreich zieht, bei Roncesvalles und Somport die Pyrenäen überquert und sich bei

Puente la Reina zur großen Pilgerstraße, dem „camino frances“ durch Nordspanien, vereinigt. Die romanische Kunst hat entlang dieser Pilgerstraßen bedeutende Pilgerbasiliken geschaffen. Klöster, nicht zuletzt aus dem Verband von Cluny, Kanonikerstifte und Bruderschaften sorgten für die Infrastruktur des Reisens.

Pilgerhospize und Herbergen entstanden, Brücken und neuangelegte Straßen sorgten für eine Bewältigung der Pilgerströme. Pilgerfahrt und Handel förderten sich gegenseitig. Mißbräuche konnten nicht ausbleiben. Ein Pilgerführer aus dem 12. Jahrhundert, der „Liber Sancti Jacobi“ bzw. „Codex Calixtinus“, führt beredte Klage über betrügerische Wirte, räuberische Kleriker, falsche Beichtväter, unehrliche Geldwechsler, ungerechte Zöllner, warnt vor Straßenräubern und mit genauer

Ortsangabe vor Dirnen, „die zwischen der Mino-Brücke und Palas del Rey an waldreichen Orten den Pilgern häufig entgegentreten.“

Die Pilgerfahrt wurde nicht vom Adel oder Klerus getragen, sondern von der großen anonymen Masse der einfachen und unbekannten Leute. In Legende und Kult muss Jakobus dem mittelalterlichen Menschen als moderner, attraktiver Heiliger erschienen sein, dessen Verehrung noch nicht in liturgischen Formen erstickt war wie der Petrus- und Pauluskult in Rom.

Was hat den mittelalterlichen Menschen bewogen, sich auf eine so lange, über Hunderte von Kilometern gehende und gefahrvolle Fahrt zu begeben? Reiselust und Fernweh, der Zug nach dem äußersten Rand der Welt, spielten sicherlich eine Rolle, waren aber eingebunden in die spirituell-religiöse Dimension. Das ganze Leben des Christen war Pilgerfahrt; er ist noch unterwegs zu seiner ewigen Bestimmung bei Gott.

Dieses Unterwegssein in der Nachfolge Christi kann sich in dem Wunsch konkretisieren, die Orte des irdischen Lebens Christi aufzusuchen (Jerusalem) oder zu einer Stätte zu pilgern, die durch ein

Apostelgrab geheiligt ist (Rom, Santiago de Compostela). Zudem konnte man durch eine Pilgerfahrt sein Seelenheil trotz begangener Sünden sichern, war sie doch mit einem Ablass verbunden. Dazu kommt als wichtiger Faktor die Reliquienverehrung.

Den Reliquien eines Heiligen werden übernatürliche Kräfte beigemessen. Die Reliquien galten als echt, wenn sie Wunder wirkten. Die Heilung von Leib und Seele als Lohn für den Besuch des Apostelgrabes wird entsprechend in den Pilgerführern und Berichten immer wieder hervorgehoben. Jakobus wirkte Wunder. Körperliche oder andere Gebrechen veranlassten zu einer Bittwallfahrt; andere zogen nach Santiago, um dem Apostel für eine wunderbare Errettung zu danken und ein entsprechendes Gelübde zu erfüllen. Vor allem im Spätmittelalter gibt es auch den Typ der Buß oder Strafwallfahrt, zu der ein Missetäter von kirchlichen oder auch weltlichen Instanzen verurteilt wird. Sogar die Form der Delegationspilger, die stellvertretend für einen anderen oder im Auftrag einer Gruppe pilgern, ist anzutreffen.

Begab sich ein Pilger auf die gefahrvolle Reise, mußte er zuerst seine persönlichen Angelegenheiten ordnen und Vorsorge für sein Seelenheil im Falle des Todes treffen. In der klassischen Pilgerkleidung mit Hut, Stab, Tasche und Umhang (die spätere „Pelerine“) zog er dann auf einem der vier Hauptwege durch Frankreich und ab Puente la Reina jeneits der Pyrenäen den „camino frances“. Auf dem Paß von Roncesvalles verrichtete er ein Gebet und stellte ein Kreuz auf. An der galizischen Grenze bekam er einen Stein, den er zur Kalkgewinnung mit nach Santiago nahm.

Nach einem wohl notwendigen Bad kurz vor Santiago verbrachte der Pilger dann die erste Nacht wachend und betend in der Kathedrale. Berühren und Küssen von Kathedrale, Altar und Apostelschrein standen auf dem Programm, ebenso die Übergabe der mitgebrachten Gaben. Vor der Heimreise erhielt der Pilger als Zeichen seiner erfolgten Pilgerfahrt die Jakobsmuschel, die er sich an Hut oder Mantel heftete.

Der Sternenweg nach Santiago de Compostela diente wie kein anderer der Integration Europas. Die Pilger kamen aus Frankreich und Deutschland, aus Italien, Griechenland, den Niederlanden, England und Skandinavien. In ihrer Bedeutung für das Zusammenwachsen des Abendlandes, die gemeinsame religiöse Ausrichtung, das Aufblühen von Handel und Gewerbe, Kunst und Wissenschaft kann die große

gesamteuropäische Pilgerfahrt kaum hoch genug gewertet werden.

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