1. Kino.de
  2. Filme
  3. Ruhm
  4. Fakten und Hintergründe zum Film "Ruhm"

Fakten und Hintergründe zum Film "Ruhm"

Kino.de Redaktion |

Ruhm Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Über die Produktion

Am Anfang stand der Roman. Obwohl er noch gar nicht gedruckt war. Die Regisseurin und Drehbuchautorin Isabel Kleefeld hatte „Ruhm“ bereits vor der Veröffentlichung zu lesen bekommen. Ein Vertrauensbeweis des Schriftstellers Daniel Kehlmann und, wie Isabel Kleefeld sagt, ein „großes Glück“. Denn sie war sofort begeistert. Sie kannte Kehlmanns literarischen Kosmos schon länger, war fasziniert von seiner erzählerischen Raffinesse und der Klugheit, die in seinen Romanen steckt.

All dies fand sie in „Ruhm“ wieder. Als Regisseurin interessierten sie vor allem die originellen Figuren und deren unterschiedliche Schicksale, als Drehbuchautorin kam der Reiz der ungewöhnlichen Romanstruktur mit den elegant gesetzten Bezügen der vermeintlich voneinander abgegrenzten Geschichten hinzu. Ihre erste persönliche Begegnung mit dem Schriftsteller fand 2008 in einem Restaurant in Wien statt. Ein Treffen, das Christoph Friedel vermittelt hatte, der mit TERZ Film auch als Produzent beteiligt ist. Daniel Kehlmann war als Kinofan von der Idee einer Verfilmung sehr angetan. Auch knüpfte er keine Abnahme Bedingungen an das Drehbuch.

Bilderstrecke starten(22 Bilder)
Alle Bilder und Videos zu Ruhm

Isabel Kleefeld freut sich über die angenehme Zusammenarbeit: „Daniel Kehlmann hat mir wirklich freie Hand gelassen. Er hat die erste und, ich glaube, die vierte oder fünfte Drehbuchfassung gelesen und diese jeweils sehr hilfreich kommentiert. Er hat mir nie das Gefühl gegeben, dass er auf eine bestimmte filmische Interpretation des Romans pocht. Er ist Cineast, liebt dieses Medium und – er hat mitgespielt.“

Der „Roman in neun Geschichten“, wie es im Untertitel von „Ruhm“ heißt, erschien 2009 im Rowohlt Verlag, vier Jahre nach Kehlmanns Bestseller „Die Vermessung der Welt“. Das Doppelporträt zweier sehr gegensätzlicher Wissenschaftler aus dem frühen 19. Jahrhundert, Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauß, hatte den damals 30jährigen Autor berühmt gemacht. „Ruhm“, so könnte man meinen, handelt nun vom Leben mit einem Ausmaß an Erfolg, das einen Menschen überwältigen, vielleicht sogar zerstören kann. Schließlich hatte Kehlmann in seinem Gesprächsband „Requiem für einen Hund“ (2009) selbst gesagt: „ Im Ruhm lauern große Gefahren.

Nicht nur, dass man eitel wird. Das normale Verhältnis zur Umwelt besteht darin, dass man sich ein bisschen ernster und wichtiger nimmt, als die anderen einen finden. Man fühlt sich normalerweise von den anderen immer unterschätzt. Wenn man berühmt wird, dreht sich das um, und die anderen nehmen einen ernster, als man sich selbst nimmt.Man hat nur die Möglichkeit, dem mit drastischer Selbstironie zu begegnen, sogar mit erniedrigend drastischer Selbstironie, weil man nun die Skepsis, die früher die anderen einem entgegengebracht haben, selber übernehmen muss.“ Dieser „drastischen Selbstironie“, von der er spricht, setzt sich Daniel Kehlmann dann auch in der Verfilmung von „Ruhm“ aus. Isabel Kleefeld schrieb dem Schriftsteller eine kleine Rolle als Laudator, die dieser ohne Zögern annahm.

Ein Einfall der Drehbuchautorin, der zum Schmunzeln anregt, da Daniel Kehlmanns Auftritt auf den sog. Theater-Skandal anspielt, den Kehlmann im Sommer 2009 mit seiner Rede bei den Salzburger Festspielen ausgelöst hatte, als er die Dramatiker und ihre Werke gegen das Regie Theater in Schutz nahm. Isabel Kleefeld gab Daniel Kehlmann in ihrem Film Gelegenheit, eine Rede der etwas anderen Art zu halten: „Die Rede ist eine Laudatio für die Schriftstellerfigur Leo Richter, gespielt von Stefan Kurt, der im Film einen Literaturpreis erhält. Leo Richter lästert im Vorfeld über den Laudator und macht ihm während der Rede unmissverständlich klar, dass er bitte aufhören möge. Die Rede selbst ist eine Mischung aus sinnentleerten Textbausteinen und kurzen Zitaten aus Kritiken zu Daniel Kehlmanns Werk.“

Kehlmann kam extra für diesen Auftritt mit dem Nachtzug aus Berlin nach Zürich, fast 14 Stunden dauerte die Fahrt, weil die Strecke unterwegs für Stunden gesperrt war. Es hatte stark geschneit, die Flughäfen waren ebenfalls geschlossen worden. Dennoch erreichte er die Schweizer Stadt, hielt seine Rede in einem Hotel, während draußen weiterhin unablässig Schnee fiel.

Und während dieser Schnee für den Schriftsteller ungeahnte Umstände mit sich brachte, war er in Zürich für das Team ein Himmelsgeschenk. Denn er verhalf einer Szene mit Rosalie, gespielt von Senta Berger, zu einer visuellen Unschuld, wie man sie mit allen Mitteln der Special Effects nicht besser hätte vor die Kamera zaubern können. Ein wie in Watte getauchter Abschluss des größten Blocks der Dreharbeiten, denn Zürich, der Spielort des Filmfinales, stand am Ende einer Dreharbeiten-Reise, die das Filmteam über Argentinien nach Mexiko und zurück nach Europa in die Schweiz führte. Begonnen hatten die Aufnahmen in Köln: Dort wurde die Geschichte des Schauspielstars Ralf Tanner, gespielt von Heino Ferch, und ein Großteil der Handlung um den Internet-Blogger Mollwitt realisiert, gespielt von Axel Ranisch. Der letzte Drehblock wurde schließlich im Frühjahr 2011 in Kiew und auf der Krim realisiert.

39 Drehtage in 5 Ländern auf drei Kontinenten – ein aufregender Trip, aber auch eine logistische Herausforderung, die im Vorfeld der Dreharbeiten umfassende Recherchen und Vorbereitungen voraussetzte. Doch etwas anderes als ein Dreh an Originalschauplätzen kam für Produzent Tom Spieß nicht in Frage: „Für die unmittelbare Glaubwürdigkeit der Erzählung war das notwendig, insbesondere bei einer Figur wie Leo Richter. Er befindet sich zusammen mit seiner Freundin Elisabeth, gespielt von Julia Koschitz, ständig auf Reisen und hat keine Heimat. Wir wollten die Drehorte in unserem Film so authentisch wie möglich vermitteln: Buenos Aires in Südamerika für die Lesereise, das mexikanische Yucatan in Mittelamerika für den Besuch der Maya-Pyramiden, Zürich für die Literaturpreisverleihung und eine postkommunistische Industrielandschaft für das Verlorengehen der Figur Maria Rubinstein, gespielt von Gabriela Maria Schmeide. Dazu waren parallel während der Finanzierungsphase zum einen Recherchereisen notwendig, zum anderen mussten erfahrene und vertrauenswürdige Serviceproduktionen in diesen Ländern gefunden werden. In der Ukraine gab es beispielsweise keine Produktionsstrukturen vor Ort, die Erfahrung in der organisatorischen und logistischen Herstellung von Kinofilmen haben.

Umso entscheidender war es, mit Isabel, Kameramann Rainer Klausmann und dem Regieassistenten Sebastian Fahr-Brix ein erfahrenes Team zu haben.“ Und Isabel Kleefeld erinnert sich: „Interessant war, dass wir uns nicht mal drei Flugstunden von Deutschland entfernt fremder gefühlt haben als vorher auf der anderen Seite der Welt in Südamerika. Aber das Team war durch die Dreherfahrungen bereits zu einer verschworenen, perfekten Reise Gesellschaft geworden.“

Im Rückblick ist Produzent Tom Spieß – trotz der größeren Herausforderungen, die die Dreharbeiten mit sich brachten – sehr zufrieden mit den Schauplätzen, die man in der Ukraine gefunden hat. Das Land bietet den Schauplatz für einen fiktiven, postsozialistischen Staat, der sich nicht genau verorten lässt. „Askisistan – das Land der Askese“ so sein Name im Film, ist voller Monumente aus einer scheinbar gloriosen Vergangenheit, aber erstarrt unter alten militärischen Strukturen, die sich wie Schimmel festgesetzt haben. Dass internationale Dreharbeiten nicht nur einen beträchtlichen logistischen sondern auch finanziellen Aufwand mit sich bringen würden, war den Produzenten ebenfalls bewusst. Die Entwicklungs- und Vorbereitungskosten konnten mit hohen Eigenmitteln und einer Vorbereitungsförderung der Film- und Medien Stiftung NRW finanziert werden. Diese ist auch als erste Förderung mit 1,2 Mio Euro in die Finanzierung eingestiegen. Dabei war Tom Spieß klar, „dass wir die Kosten für dieses Projekt nicht allein aus Deutschland heraus finanzieren konnten“.

Da Daniel Kehlmann eine ausgeprägte österreichische Biographie hat, lag eine Zusammenarbeit mit der Wiener DOR Filmproduktion, Danny Krausz und Isabelle Welter, nahe. Beide hatten mit Isabel Kleefeld schon bei einem anderen Projekt zusammen gearbeitet. Und weil Zürich schon im Roman ein wichtiger Schauplatz der Handlung und diese Stadt damit als Drehort quasi vorgegeben war, kam die Schweizer Hugofilm Productions als weiterer Co-Produzent hinzu.

Durch das Zustandekommen dieser internationalen Co-Produktion konnten die Produzenten auch die europäische Eurimages Förderung überzeugen, die neben dem DFFF und schließlich auch der FFA zugesagt hat. Nicht zuletzt war RUHM geprägt durch die langjährige Zusammenarbeit der Produktionsfirma Little Shark Entertainment mit dem WDR. Auf dessen Seite haben die Redakteure Barbara Buhl und Gebhard Henke das Projekt in der Buchentwicklung und Senderfinanzierung mit der Degeto und ARTE auf den Weg gebracht.

Zu den Kommentaren

News und Stories

  • Fakten und Hintergründe zum Film "Ruhm"

    Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

    Kino.de Redaktion  
  • Daniel Kehlmanns Roman "Ruhm" wird verfilmt

    Der im Januar erschienene Roman „Ruhm“ von Daniel Kehlmann wird verfilmt. Das Projekt ist bei der Kölner Little Shark Entertainment angesiedelt und befindet sich in der Vorbereitungsphase. Die Regisseurin und Drehbuchautorin Isabel Kleefeld („Arnies Welt“) soll das Buch adaptieren. Darin werden neun Geschichten, in denen sich die Figuren mit  Fragen nach der eigenen Identität beschäftigen, miteinander verwoben.

    Ehemalige BEM-Accounts  

Kommentare