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Fakten und Hintergründe zum Film "RockNRolla"

Kino.de Redaktion |

Rock'N'Rolla Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Produktion: Der Plan

Autor/Regisseur Guy Ritchie hat die raueren Ecken und Kanten von London bereits in seinem Debüt-Hit „Lock, Stock and Two Smoking Barrels“ (Bube, Dame, König, grAS) und später in seinem Film „Snatch“ (Snatch – Schweine und Diamanten) ins Visier genommen. Ihn faszinierte aktuell das große Geld, das aus dem Ausland – vor allem aus dem ehemaligen Ostblock – in die Stadt fließt und die Unterweltorganisationen alter Schule überschwemmt. „Ich möchte auf humorvolle Weise von den Konsequenzen erzählen, die das Vordringen der neuen Schule ins Territorium der alten Schule mit sich bringt“, sagt Ritchie, der „RocknRolla“ auch produziert. „Es geht in diesem Film um Versuche, im Immobiliengeschäft Fuß zu fassen. Gerade in den letzten Jahren haben das viele Leute probiert, weil immense Profite winken. Jeder will ein Stück vom Kuchen, doch wer sich zu weit vorwagt, muss damit rechnen, auf einer Bananenschale auszurutschen.“

Fast täglich werden Grundsteine für neue Gebäude gelegt, die Stadt entwickelt sich zu einer einzigen Großbaustelle, und das Stadtbild ist nicht mehr wiederzuerkennen. „Wenn man von einem der hohen Gebäude über die Stadt schaut, sieht man nur Kräne“, berichtet Ritchie. „Es sieht aus, als ob die Kräne ständig Junge bekommen. Und die Grundstückspreise steigen weiter in den Himmel. Man braucht nicht besonders zu betonen, dass sehr viele Leute diese Situation zu ihrem Vorteil nutzen, weil ungeheure Summen im Spiel sind.“

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Jeder will auf den Zug aufspringen – vom Gangsterboss, dessen Tage gezählt sind, bis zum ehrgeizigen Osteuropäer, der seine kriminellen Machenschaften mit einer respektablen Fassade tarnt, von den Buchhaltern, Bürokraten und Erbsenzählern bis zu den Kleinganoven, die auf der Erfolgsleiter eine Abkürzung nehmen wollen. „All diese unterschiedlichen Lebensläufe und Persönlichkeiten kombiniere ich zu einem großen Ganzen“, erklärt Ritchie. „Natürlich sind sie alle verzahnt, bewegen sich auf komplizierten Pfaden zwischen der oberen und unteren Ebene hin und her. Wir möchten die schillernden Facetten unserer Gesellschaft aufzeigen, die alle in dieses groß angelegte Betrugsmanöver verstrickt sind.“

Produzent Joel Silver war beim Lesen von Ritchies ruppiger Story von Anfang an begeistert von der Kombination aus Humor und Action-Elementen. „Wir suchten schon lange ein gemeinsames Projekt, und bei ,RocknRolla‘ entschied ich mich innerhalb von 24 Stunden“, erinnert sich Silver. „Guys Ansatz ist außergewöhnlich und präsentiert eine dynamische Welt, die von Gangstern, Rockstars, korrupten Politikern, russischen Kriegsverbrechern und jeder Menge Leute dazwischen bevölkert wird.“

Dazu Produzentin Susan Downey: „,RocknRolla‘ zeigt genau das, was die Zuschauer von Guys Filmen erwarten: eine bunt zusammengewürfelte Gruppe von Figuren, weit verästelte Handlungsstränge, die auf unerwartete Weise miteinander verbunden sind, ein fantastisches Darsteller-Ensemble, einen hohen Energie-Output und eine ganz persönliche filmische Handschrift… Doch was den Film von den früheren unterscheidet, ist eine unerwartet emotionale, tiefgründige Dimension.“

Laut Silver legt Ritchie seinen Finger an den Puls der Londoner Unterwelt, in der sich diese Geschichten abspielen. „Mit einer liebevollen Verbeugung zeigt der Film Lenny Cole als Gangster alter Schule, aber auch die aufstrebenden Mafiosi der Wild Bunch. Doch als sie mit den Geschäftsleuten aus dem Osten konfrontiert werden, sind sie darauf nicht vorbereitet. Der Respekt für die alte Schule bedeutet diesen Fremden nichts – sie haben Geld und damit die Macht, die Spielregeln in London zu ändern. Wenn die alte Schule also überleben will, muss sie sich anpassen. Daraus ergibt sich eine sehr dynamische Story mit vielen Jokern, die die Handlung in eine ganz neue Richtung lenken.“

Produktion: The Wild Bunch

Die Wild Bunch hat es satt, sich mit kleinen Betrügereien kaum über Wasser halten zu können – die Gruppe träumt also vom ganz großen Ding. Gerard Butler spielt ihren Anführer, den mit allen Wassern gewaschenen Gauner One Two, der möglichst auf beiden Seiten absahnen will. Seit Butler „Bube, Dame, König, grAS“ gesehen hatte, wollte er gern mit Ritchie arbeiten. „Als ich das Skript zu ,RocknRolla‘ aufschlug, enthielt es alles, wovon man als Schauspieler nur träumen kann“, sagt Butler. „Der Film regt uns zum Nachdenken an, hat aber auch Humor, ist gewalttätig, aber auch ausgesprochen albern.“

Laut Ritchie bringt Butler alle Qualitäten mit, die er sich bei seinem Konzept für die Rolle des One Two ausgemalt hatte: „Gerry verkörpert eine schwer zu fassende Mischung aus Charme und unterschwelliger Bedrohung, aus Listigkeit und Aufrichtigkeit.“ Und auch bei den Dreharbeiten war der Regisseur begeistert von den instinktiven Reaktionen des Darstellers: „Gerry hat sofort begriffen, worauf wir hinauswollen – was mir die Arbeit sehr erleichtert“, sagt Ritchie. „Er hat praktisch jede seiner Szenen beim ersten Take hundertprozentig hinbekommen.“

Butler führt dagegen seine schnelle Auffassungsgabe auf den Regisseur zurück: „Guy wusste ganz genau, was er wollte, was es uns Schauspielern sehr erleichtert, sein Konzept umzusetzen. Ein erstaunlicher Regisseur.“

One Two und sein Team, das aus Mumbles (Idris Elba) und Handsome Bob (Tom Hardy) besteht, wollen dort mitmischen, wo das wirklich große Geld zu holen ist – in der Immobilienbranche. „Sie sind seit Jahren eng befreundet“, sagt Butler. „Sie gehen zusammen durch dick und dünn. Aber inzwischen möchten sie sich das Leben etwas angenehmer gestalten. Das bringt neue Probleme mit sich, zum Beispiel Freunde, die sich nicht so verhalten, wie man sich das wünschen würde.“

Elba beschreibt die Wild Bunch als „Unternehmer“: „Sie sind Opportunisten, die durch London rennen und auch ein Stück vom Kuchen ergattern wollen. Mumbles und One Two ergänzen sich gut, weil sie beide Opportunisten sind. Wenn es eine Gelegenheit zum Absahnen gibt, dann greifen sie zu. Im Film gibt es eine Art Club, einen Treffpunkt der Gossen-Gentlemen. Dort hängen sie rum, amüsieren sich und überlegen: ,Jungs, was für’n riskantes Ding können wir denn heute mal drehen?‘ Das ist irre komisch. Guy hat einen ganz besonderen Humor.“

Doch ihr erster Spekulationsversuch im Immobiliengeschäft geht schief: Sie verlieren alles und schulden Lenny Cole eine große Summe. Lenny ist ein korrupter Londoner Geschäftsmann, der das Geld und auch den örtlichen Immobilienmarkt beherrscht. Lenny, gespielt von Tom Wilkinson, streckt der Wild Bunch bei einem Immobiliengeschäft das Geld vor… aber nur, um es ihnen wieder abzuluchsen. „Sie versuchen einfach nur, sich in dieser Welt zu behaupten“, sagt Butler. „Sie wollen im Immobilienmarkt Fuß fassen, aber es gelingt ihnen nicht. Bei ihrem größten Coup werden sie übers Ohr gehauen, glauben aber, dass sie einfach nur Pech hatten. Und ganz im Sinne von Guy Ritchies perversem Humor muss die Schuld letztendlich von denen beglichen werden, die sie übers Ohr gehauen haben.“

Was noch schlimmer ist: Handsome Bob bleiben nur noch 24 Stunden, bevor er für fünf Jahre in den Knast muss – warum er sitzen muss, erfahren wir nicht. Bob trägt ein Geheimnis mit sich herum, das erst gelüftet wird, als ihm die lange Haft droht. Wie die anderen Figuren des Films ist Handsome Bob laut Tom Hardy „überlebensgroß. All die Figuren haben einen realistischen Hintergrund, aber die Realität wird überhöht. Gangster begehen Verbrechen und sind gewalttätig, aber diese Jungs sind lustig und albern ständig herum. Doch sie können auch ganz anders – man sollte sie also auf gar keinen Fall unterschätzen.“

Produktion: Alte Schule gegen neue Schule

Während die Wild Bunch aus Kleinganoven besteht, die von einem besseren Leben träumen, genießt Lenny Cole dieses bessere Leben bereits. Gespielt wird er vom mehrfachen Oscar- und BAFTA-Kandidaten Tom Wilkinson. Lenny gehört zur etablierten Londoner Mafia, die über ein eng verzahntes Netzwerk aus bestechlichen Bürokraten und korrupten Politikern verfügt. Doch jetzt gerät auch Lenny in eine Situation, die ihm eine Nummer zu groß ist, denn sein Territorium wird massiv von reichen Gangstern aus dem Ausland bedroht.

„Guy Ritchie entwirft hier eine Welt moralischer Grautöne“, sagt Wilkinson. „Streng genommen ist es nicht die Unterwelt – sie liegt eher zwischen der legitimen Welt und der Welt des Verbrechens. Lenny Cole ist Unternehmer, Ausputzer mit weitreichenden kriminellen Verbindungen. Er erledigt seine Probleme auf die altmodische Art. Was er nicht ganz kapiert: Wenn er die Konkurrenz ausstechen will, muss er neue Wege gehen, denn seine Gegner sind ebenso skrupellos und haben genauso gute Verbindungen wie er selbst.“

Lenny herrscht über die Unterwelt mit gezinkten Karten, und er kennt kein Pardon. Seit 20 Jahren steht ihm seine rechte Hand Archy treu zur Seite. „Lenny und Archy sind die direkten Nachfahren der Gangster aus den späten 1950er- und frühen 1960er-Jahren“, meint Mark Strong. „Sie sind gut gekleidet, verstehen zu repräsentieren. Sie gehen mit leisem Understatement vor, wissen ihren Drohungen aber Nachdruck zu verleihen. Und wenn es sein muss, reagieren sie mit unglaublicher Härte.“

In diesem Schmelztiegel der Londoner Unterwelt taucht der zwielichtige russische Milliardär Uri Omovich (Karel Roden) auf, der es auf teure Grundstücke am Fluss abgesehen hat, wo er einen neuen Geschäftskomplex errichten will. Um dieses Projekt glatt über die Bühne zu bringen, muss er seinen Plan schnell und problemlos verwirklichen. Deshalb ist er auf Lenny Cole angewiesen.

„Leider hat sich Lenny zu weit ins tiefe Wasser hinausgewagt“, berichtet Wilkinson. „Er bekommt es jetzt mit Leuten zu tun, die genauso schlitzohrig sind wie er, aber wahrscheinlich noch cleverer. Er unterschätzt einfach, mit wem er es hier zu tun hat.“

Lenny und seine Bande sind „wie Gangster nach traditionellem Londoner Muster, und genau deshalb geraten sie in Schwierigkeiten“, sagt Strong. „Bei ihnen ging es immer um Respekt dem Boss gegenüber. Sie sind überzeugt, dass nur ein Wahnsinniger auf die Idee kommen könnte, sie austricksen zu wollen. Doch nun sehen sie sich mit zwei unterschiedlichen Gruppen von Kriminellen konfrontiert, die keine Angst vor ihnen haben und ihnen den traditionellen Respekt verweigern: One Two, Mumbles und ihr Team sind modernere Kriminelle. Und die Russen haben durch den neuen Kapitalismus in Osteuropa plötzlich Geld – sie stehen den alten Gangstern an Bösartigkeit in nichts nach.“

Ritchie bestätigt, dass Uri und Konsorten einfach nach anderen Regeln spielen: „Der Unterschied besteht in den ungeheuren Summen, die aus dem Ostblock ins Land fließen. Wahrscheinlich geraten Lenny und seine Leute aus diesem Grund in Untiefen, denn alle möglichen Gestalten (die möglicherweise für diese neue Welt besser gewappnet sind) stellen Lennys Autorität plötzlich infrage. Darauf sind sie nicht vorbereitet; ihnen fehlt praktisch die Qualifikation, um sich in diesem Umfeld zu behaupten.“

Für weiteren Sand im Getriebe sorgt die bildschöne Buchhalterin des Russen: Stella will nämlich die Transaktionen zum eigenen Vorteil manipulieren.

Produktion: Der Joker

Thandie Newton spielt die clevere und attraktive Buchhalterin Stella, die Verbindungen zur Unterwelt hat. „Stella beherrscht ihr Metier hervorragend“, berichtet Newton. „Sie ist derart brillant, dass sie sich wahrscheinlich langweilt. Sie will die Sache ein wenig aufmischen, damit es spannender wird. Und natürlich gibt es für eine sittenstrenge Buchhalterin nichts Aufregenderes als kriminelle Machenschaften.“

Weil sie gut mit Geld umgehen kann, gehört sie zum inneren Kreis um den russischen Milliardär Uri Obomavich, der in Londoner Immobilien investieren will. „Uri ist in mehrfacher Hinsicht von Stella begeistert“, sagt Karel Roden, der die Rolle des Uri übernimmt. „Sie ist die Cleverness in Person, und indirekt vertraut er ihr sein Geld an, aber vielleicht sollte er nicht zu viel Vertrauen haben. Manche Aspekte dieser auch für ihn neuen Welt dominiert er spielend – aber offensichtlich gehören die Herzensangelegenheiten nicht dazu.“

Uris Schmiergeldzahlung für Lenny Cole steht unmittelbar bevor – das Geld soll den Weg für den gewaltigen Gebäudekomplex ebnen, den Uri bauen will. In diesem Moment erkennt Stella ihre Chance, sich in ein ganz neues Netzwerk einzuklinken… und sie kennt den richtigen Mann, der ihr dabei helfen kann. „One Two dient ihr als Marionette – das glaubt sie zumindest“, sagt Newton. „Doch dann verliebt sie sich in ihn, was ihre Position natürlich schwächt.“

Ursprünglich sind One Two und Stella nur Partner bei einem Schwindel mit hohem Risiko – zwei Menschen aus verschiedenen Welten. Doch sofort knistert es gewaltig zwischen den beiden. „Mir gefällt besonders die Dynamik zwischen den beiden Figuren“, kommentiert Butler. „Es gibt einige sehr komische, dissonante Szenen zwischen uns. Sie sind eindeutig erotisch, aber die Energie zwischen uns ist sehr ungewöhnlich und unterscheidet sich von der typischen Liebesbeziehung, wie man sie aus normalen Thrillern kennt.“

Für Newton zählte die Zusammenarbeit mit Butler und Ritchie zu den spannendsten Aspekten der Dreharbeiten. „Gerry strotzt nur so vor Energie, er steht ständig unter Strom“, sagt sie. „Jede Szene möchte er in unterschiedlichen Versionen durchprobieren. Egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit – immer sucht er nach einem frischen, originellen Ansatz. Das war toll, denn Guy kennt seine Materie ganz genau, er vertraut uns Schauspielern und lässt uns die Freiheit, spontan zu reagieren und neue Ideen einzubringen. Dadurch geben beide Seiten ihr Bestes – wir können unsere eigenen Vorstellungen ausleben und so die Figuren zum Leben erwecken. Guy gibt sich mit der Oberfläche der Figur nie zufrieden, er sucht in jeder Phase Wahrhaftigkeit, er lotet ihr Innenleben aus.“

Produktion: Der Rockstar

Der Deal kommt nicht zustande, denn Uri Obomavich hat einen Glücksbringer, ein Gemälde, das er Lenny leiht, bis der Deal abgeschlossen ist. Das Gemälde verschwindet und taucht bald darauf in der Wohnung des Rockstars und Junkies Johnny Quid auf. Um Uris Gemälde wiederzubeschaffen, muss Lenny Cole Johnny Quid finden, der das Austricksen praktisch von klein auf gelernt hat: Er ist Lennys Stiefsohn.

Dazu Ritchie: „In seiner Jugend war Johnny sicher sehr begabt, er hat eine gute Schule besucht. Doch sein Stiefvater ist ein Gangster – entsprechend viel Zeit hat Johnny in seinem Leben damit verbracht, zwischen den Polen Gut und Böse hin- und herzupendeln. Er will es ganz genau wissen und stellt die Machtverhältnisse ständig infrage – das kann natürlich nicht gut gehen.“

Toby Kebbell spielt Johnny Quid, der in der Londoner Underground-Szene eine sensationelle Karriere gemacht hat, inzwischen aber für tot gehalten wird. „Als Musiker und Sänger begreift er, dass seine Umsätze sicher steigen, wenn er tot ist“, erklärt Kebbell.

Lenny muss Johnny unbedingt finden, doch der gilt als vermisst – angesichts dieses Interessenkonflikts geraten Roman und Mickey zwischen die Fronten: Diese beiden Amerikaner habens Johnnys letzte CD produziert. Gespielt werden sie von Jeremy Piven und Chris „Ludacris“ Bridges. Lenny setzt Roman und Mickey unter Druck, um Johnnys Aufenthaltsort zu erfahren. Wenn sie nicht reden, sind sie dran.

„Wir spielen in diesem Film die Guten – zumindest im Vergleich zu den anderen Ganoven“, erklärt Bridges, der die Rolle des Mickey übernimmt. „Roman und Mickey wollen in der Londoner Musikbranche Fuß fassen. Doch als sie sich mit Johnny Quid einlassen, wächst ihnen bald alles über den Kopf.“

Beide Schauspieler stürzten sich begeistert in die ungewöhnliche Welt, die Ritchie mit „RocknRolla“ entwirft. „Was mir an diesem Film besonders gefällt: Jeder hat seine eigene Geschichte, doch spätestens am Ende sind sie alle miteinander verbunden“, kommentiert Bridges.

„Beim Lesen des Drehbuchs bin ich total in die Welt dieser Figuren eingetaucht“, sagt Piven. „Guy legt sehr großen Wert auf die Sprache, und er hat die Figuren unglaublich genau charakterisiert. Er nimmt seine Gangster ernst – keiner von ihnen wird eindimensional oder halbherzig gezeichnet. Ich als Amerikaner habe eine Menge über diese Welt gelernt. Aber auch die Dreharbeiten fand ich sehr interessant. Guy ist sehr offen und hört sich immer an, was die Mitwirkenden selbst einbringen, aber er hat auch eine ganz präzise Vorstellung von seinem Film – durch seine Begeisterung reißt er uns alle mit. Wir haben sehr schnell gedreht – was bedeutet, dass wir von der ersten Klappe an absolut konzentriert sein mussten.“

Produktion: Das unbekannte London

Guy Ritchie bezeichnet die Handlung und die Intrigen in „RocknRolla“ als Spiegelbild der äußerlichen Veränderungen, die er in seiner Heimatstadt London miterlebt: Glas, Stahl und Beton dominieren inzwischen die historischen Straßen und Gebäude und überziehen die Stadt mit einer Hochglanzfassade, ohne die alte ganz zu verdrängen. „In ,RocknRolla‘ geht es im Grunde darum, wie London sich zu einem internationalen Phänomen entwickelt“, berichtet er. „London ist das Zentrum der Welt, wenn man überlegt, dass man auf dem Weg nach Amerika dort oft den letzten Zwischenstopp macht, und man kommt dort zuerst an, wenn man nach Europa reist.“

Weil die Länder des ehemaligen Ostblocks in den vergangenen Jahrzehnten Kapital angehäuft und Einfluss gewonnen haben, nehmen die im Londoner Immobilienmarkt präsenten russischen und osteuropäischen Geschäftsleute einen dramatischen Einfluss auf die Stadt. „Sie haben die Geschäftsregeln auf den Kopf gestellt“, stellt Ritchie fest. „Wenn sie etwas wollen, feilschen sie nicht lange – sie zahlen einfach das Doppelte. Die Konkurrenz wird total an die Wand gefahren, denn wie kann man da mithalten? Die Spielregeln haben sich geändert. London entwickelt sich ständig weiter – man kann das an den neu entstehenden Gebäuden ablesen. Die Metropole boomt.“

Für Kameramann David Higgs waren die Dreharbeiten im heutigen London ein entscheidender Aspekt bei der Umsetzung von Ritchies Filmkonzept: „Seit Guy ,Bube, Dame…‘ gedreht hat, hat sich das Londoner East End total verändert. Jetzt ist es absolut angesagt, der Schmuddelcharakter ist Vergangenheit. Alles ist eher nobel, vornehm und protzig.“

Aber während London sich neu erfindet, wollte Ritchie die Stadt anders ins Bild bringen als üblich – eine schwierige Aufgabe für sein kreatives Team. „Es lief darauf hinaus, dass wir uns auf die brandneuen Viertel der Stadt konzentrierten, die gerade erst entstehen“, sagt Produktionsdesigner Richard Bridgland. „Guy wünschte sich Räume mit bombastischen Dimensionen. Wir suchten also nach Locations, deren Exponiertheit auch durch riesige Freiflächen in der Umgebung betont wird.“

„Im Vergleich zu Dreharbeiten in den meisten amerikanischen Städten ist ein Dreh in London eher problematisch“, fügt Produzent Steve Clark-Hall hinzu. „In Amerika sind die Straßen überschaubar im Schachbrettmuster angeordnet. Doch hier bilden die Straßen ein Durcheinander – in London entstehen so erhebliche Verkehrsprobleme. Logistisch sind wir daher besonders gefordert, doch entschädigt werden wir natürlich durch die Stadt selbst: die Gebäude, die Panoramen, die interessante Architektur.“

Weil die Stadt selbst in der Handlung eine Hauptrolle übernimmt, mussten sich die Filmemacher nicht nur an die komplizierte Londoner Infrastruktur gewöhnen, sondern auch alle Hebel in Bewegung setzen, um Drehgenehmigungen für einige der berühmtesten Sehenswürdigkeiten der Stadt zu bekommen. Dazu zählen das imposante Battersea-Kraftwerk, das Sir Giles Gilbert Scott in den 1930er-Jahren gebaut hat und das bald renoviert werden soll; das Gebäude der Fruit and Wool Exchange in der Londoner City, das den Swiss Re Tower (die sogenannte Gurke) und den Nat West Tower überragt; die Kaianlage West India Dock Pier, die zwischen dem Millennium Dome und Canary Wharf liegt und schicke, ultramoderne Bürohochhäuser bietet; und den Modernismus der 1960er-Jahre im Barbican Centre.

„Guy bestand darauf, ein ganz spezifisches London zu filmen – neu, wandelbar und modern – im Gegensatz zum alten, viktorianischen Image der Stadt, das man in Filmen häufig zu sehen bekommt“, sagt Aufnahmeleiterin Claire Tovey. „So gelingt uns eine schöne Mischung aus dem ultramodernen Wembley und der Gurke mit der Atmosphäre des Wandels, der ständigen Selbsterneuerung, wie sie durch die Neugestaltung des Battersea-Kraftwerks deutlich wird.“

Als Schauplatz für die Verhandlungen des russischen Investors Uri mit Lenny Cole wählten Ritchie und sein Team das überwältigende neue Wembley-Stadion mit seinem weithin sichtbaren Bogen. „Es wäre einfach undenkbar, dass Uri ein kleines Büro in einem normalen Bürogebäude mietet“, erklärt Bridgland. „Also haben wir ihm sein Büro gleich mit Blick auf das Spielfeld der Wembley Arena eingerichtet. Man kann sich richtig gut vorstellen, dass ein Immobilien-Tycoon wie er so ein Penthouse besitzt. Wir waren besonders davon angetan, dass wir in Wembley drehen durften, weil das Stadion mit diesen gewaltigen Dimensionen eine wunderbare Kinoqualität bietet.“

„Wembley war ein echter Coup“, bestätigt Tovey. „Denn wir waren das erste Filmteam, das dort drehen durfte. Um das durchzusetzen, mussten wir einen langen Atem haben. Wahrscheinlich hatten sie uns am Ende derart satt, dass sie einfach nachgegeben haben“, lacht sie.

Das Battersea-Kraftwerk wurde durch seine Abbildung auf einem Albumcover der Gruppe Pink Floyd weltberühmt. Bridgland und sein Team funktionierten das gewaltige Gewölbe in verschiedene Sets der Produktion um – dazu zählt zum Beispiel der Club, in dem sich die Wild Bunch regelmäßig trifft. Der Produktionsdesigner schaute sich höchstpersönlich in einschlägigen Underground-Lokalen um und holte sich Anregungen für seinen Filmclub. „Wir mussten ja eine Vorstellung davon bekommen, wie so etwas aussieht. Für die Gangster ist das ein Privatclub weitab von der Polizei – das haben wir nachzuahmen versucht.“

Das Battersea-Kraftwerk stellt auch die gewaltige Turbinenhalle voller altmodischer Maschinen, in der Lenny Cole seine Informanten aushorcht. „Battersea ermöglicht uns richtig klotzige Dimensionen, und besonders die Turbinenhalle ist ein wunderbarer Schauplatz“, sagt Bridgland. „Sie ist drei oder vier Stockwerke hoch und angefüllt mit altem, rostigen Metall. Für eine Filmcrew ein wahres Schlaraffenland.“

Einen weiteren entscheidenden Schauplatz stellte das Middlesex Hospital. „Middlesex Hospital ist ein Londoner Wahrzeichen“, berichtet Bridgland. „Es steht da schon seit hundert Jahren, seit einigen Jahren praktisch baufällig. Wir haben viele Räume mit Beschlag belegt und sie nach unseren Anforderungen umgestaltet. Das Hospital bot uns ein halbes Dutzend verschiedener Schauplätze. Wir haben einfach Räume und Flure so umdekoriert, dass sie unseren Vorgaben entsprechen.“

Bridgland und sein Team verwandelten einige Innenräume des alten Krankenhauses in ein Drogenhaus, eine Bibliothek und sogar in Lenny Coles elegantes Büro. „Das Drogenhaus sieht aus wie ein abgewracktes, verseuchtes Gebäude, und nur ein paar Trennwände weiter richteten wir die Bücherei ein“, erinnert er sich. „Und eine Woche später kam das Team wieder, und wir dekorierten Lennys Büro in seinem Privathaus – ein edel getäfeltes Haus mit vielen Reitergemälden und teuren Möbeln.“

Um Uris Yacht und das Büro des Ratsmitglieds ins Bild zu bringen, war eine neue, moderne Umgebung erforderlich. Der ideale Drehort für Uris Yacht war Canary Wharf, während das Ratsmitgliedsbüro im Barbican Centre untergebracht wurde. „Weil Guy das unbekannte London zeigen will, wollten wir das Image der Londoner Stadtbehörden aufpeppen – dafür eignet sich das spektakuläre Barbican Centre, das in den 1960er-Jahren gebaut wurde“, sagt Bridgland enthusiastisch. „Es wirkt tatsächlich wie ,Dr. No‘ mit den vielen Lampen an der Decke und so weiter. Es sieht fantastisch aus – wir mussten kaum etwas verändern. Wir tauschten die Schilder aus, aber im Grunde haben wir einfach nur ein Büro eingerichtet, und das sieht toll aus.“

Gerard Butler hat jahrelang in London gewohnt und freute sich auf das Wiedersehen mit der Stadt, aber auch auf Guy Ritchies ganz spezifische Sichtweise auf die Metropole. „Ich war echt begeistert, als ich jetzt zurückkehrte und einen Film in London drehen durfte, vor allem natürlich mit einem Regisseur wie Guy, der allgemein als absoluter Fachmann für das moderne London, seine Kultur und seinen Humor gilt“, sagt er. „Guy hat einen wunderbaren visuellen Stil, mit dem er Modernes und Altes vermischt, zu einer Einheit formt und der Stadt Charakter verleiht.“

Produktion: Die Dreharbeiten

Ganz außergewöhnlich ist auch die Methode, mit der Guy Ritchies Filme gedreht werden.

„RocknRolla“ entstand in nur sechs Wochen – teils wegen des großen Darsteller-Ensembles, teils auch, um die Produktion so effektiv wie nur möglich zu gestalten. Der ausschließliche Einsatz von HD-Kameras machte den Dreh flexibler und wirtschaftlicher.

„Guy arbeitet schnell“, kommentiert Steve Clark-Hall. „Er sorgt am Set für einen hohen Energiepegel und achtet darauf, dass er nie sinkt. Er schafft das, ohne dass es bei dem schnellen Dreh zu Spannungen kommt – allein das beweist schon seine Fähigkeiten als Regisseur.“

Mark Strong hatte zuvor mit Ritchie bereits „Revolver“ gedreht und kannte also die Arbeitsmethode des Regisseurs. „Er schafft eine lustige und kreative Atmosphäre am Set, und er bringt alle Mitwirkenden dazu, wirklich ihr Bestes zu geben“, sagt er. „Eine Szene drehten wir mitten auf dem Rundverkehr des Cambridge Circus, einer vielbefahrenen Kreuzung in Soho, und die Kameraleute waren in einem kleinen Bauarbeiterzelt auf der anderen Straßenseite versteckt. Wir spielten die Szene, während die Passanten ahnungslos an uns vorbeigingen. Das totale Chaos. Aber solche Dreharbeiten bringen richtig Spaß, weil man immer höchst konzentriert bleibt; man tritt auf, dreht die Szene, und weg. Man hat gar nicht die Zeit, lange darüber nachzudenken – oft ist das die beste Methode.“

Butler erinnert sich besonders gern an eine ausgedehnte Verfolgungsjagd, als One Two und Mumbles von zwei russischen Gangstern durch private Gärten, über Eisenbahngleise und durch Lagerhäuser verfolgt werden. „Die Sequenz ist unglaublich lang und spannend, aber auch sehr komisch, weil sich unsere Verfolger einfach nicht abschütteln lassen“, lacht Butler. „Wir schießen auf sie, schlagen auf sie ein, knüppeln sie nieder, fahren sie mit dem Auto an, aber sie laufen einfach immer weiter. Die Szene beweist einmal mehr, welches Konzept und welche Energie in Guy steckt. Das ist eine der unglaublichsten Verfolgungsjagden, die ich je gesehen habe. Und miterlebt habe ich so etwas erst recht noch nie.“

Abschließend sagt Joel Silver: „Guy hat einen Film gedreht, der das Genre der normalen Action-Komödie ebenso sprengt wie das Einbruch-Genre. Das bringt riesig Spaß, aber in all der Action verbirgt sich auch eine Aussage. Eine der Figuren vergleicht das Leben in dieser Welt mit einer Zigarettenschachtel: Auf der einen Seite prangt ein bombastisches, cleveres Design, doch auf der anderen Seite steht unzweideutig zu lesen, dass der Inhalt tödlich ist. Weil sie ihren Weg ins Schlaraffenland ständig abkürzen wollen, wandern diese Figuren auf dem schmalen Grat zwischen Leben und Tod. Das ist ,RocknRolla‘.“

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