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Fakten und Hintergründe zum Film "Robin Hood"

Fakten und Hintergründe zum Film "Robin Hood"

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Produktion: Die Entstehung

Die aufregenden Abenteuer von Robin Hood sind ein fester Bestandteil der englischen Literatur. Der Historiker J.C. Holt formulierte es so: „Es gibt einen ganzen Köcher voller möglicher Robin Hoods. Und selbst der wahrscheinlichste ist nur ein Schuss ins Blaue.” Trotzdem hat diese archetypische Legende überlebt und wurde von Generation zu Generation überliefert, wobei sie sich ständig weiterentwickelte im Kanon jeder einzelnen Ära. „Und was als mündlich weitergebene Legende begann”, so Holt, „wurde schließlich ein Skript.”

Die Geschichten von Robin gehören zu den ältesten unter Englands mündlich überlieferter Historie. Sie reichen zurück bis ins Mittelalter des 9. Jahrhunders mit den Sagen von „Robin the Be-header” und fanden ihren ersten dichterischen Niederschlag in überlieferten Balladen aus dem 15. und 16. Jahrhundert wie ‚A Gest of Robyn Hode’, ‚Robin Hood and the Curtal Friar’ und ‚Robin and the Monk’. Soweit wir allerdings wissen, gibt es keinen tatsächlichen Robin, den wir als einzelne authentische historische Vorlage dieser Geschichten markieren könnten. Vom Vorschlag, dass der Name Robehod oft für Männer verwandt wurde, die zu Gesetzlosen wurden, bis zur Vermutung, dass ‚Robin Hood’ für Diebe ein Standardpseudonym war – es gibt reichlich Theorien und die Legende lebt weiter.

Außerdem hat der Held mittlerweile auf der Leinwand ein bemerkenswertes Vermächtnis hinterlassen. Robin hatte seinen Auftritt in mehr als 30 nennenswerten Film- und Fernsehproduktionen, vom Robin einer „Ivanhoe”-Adaption von 1913 über die Filme mit Douglas Fairbanks („Robin Hood“, 1922), Errol Flynn („Das Abenteuer des Robin Hood“, 1938), Sean Connery und Audrey Hepburn („Robin und Marian, 1976) und Kevin Costner („Robin Hood – König der Diebe“, 1991), bis zu populären Fernsehserien wie Patrick Troughtons BBC-Produktion „Robin Hood“ (1953), „Robin of Sherwood“ (1984) und zuletzt „Robin Hood” (2006).

Trotz seiner Beliebtheit und seiner häufigen Auftritte hat sich Robins Auftreten auf der Leinwand oder dem Bildschirm nur selten weiterentwickelt oder völlig verändert, weil die meisten Filmemacher sich immer wieder auf die großen Bekannten gestürzt haben: der grausame Sheriff von Nottingham, der heimtückische Guy of Gisburne und die fast schon unvermeidliche ‘Lady in der Not’ Marion. Unweigerlich wurde Robin entweder als enteigneter Edelmann oder noch häufiger als galanter Haudegen und Dieb gezeigt, der von den Reichen nimmt und den Armen gibt.

Bei den Dreharbeiten zu Sir Ridley Scotts „American Gangster” ging Produzent Brian Grazer auf Russell Crowe zu und fragte ihn, ob er sich vorstellen könne, die Hauptrolle in einem neuen „Robin Hood”-Film zu spielen. Grazer und Crowe hatten davor schon zweimal erfolgreich zusammen gearbeitet, zum Einen bei „A Beautiful Mind – Genie und Wahnsinn”, für den Crowe eine Oscar-Nominierung bekam, zum Anderen bei „Das Comeback”. Für diese neue Interpretation der Jahrhunderte alten Legende wählten die Männer einen einzigartigen Ansatz: eine Ursprungsgeschichte, die erklärt wie aus einem normalen Bogenschützen in König Richards die Legende wurde, die wir als Robin Hood kennen. Vor dem Hintergrund der Kreuzzüge sollte dieses Actionabenteuer ein historisches Grundgerüst für die späteren Heldentaten bauen, die in so vielen anderen Versionen der Sage erzählt wurden.

Grazer kam an Bord, um das Projekt mit Universal Pictures und Imagine Entertainment (die Produktionsfirma, die er sich mit Ron Howard teilt) zu entwickeln und zu produzieren. „Filme über Helden inspirieren mich“, so der Produzent. „Und die Geschichte von Robin Hood hat einen besondern Reiz für mich, weil sie von einem Man handelt, der nichts anderes als die gerechte Sache im Sinn hat, und der die Fähigkeiten und die Willenskraft hat, dafür zu kämpfen. Mit unserem Film erklären wir, wer der Sheriff von Nottingham, Maid Marion und ihr Stiefvater waren, wir erklären die Strukturen des englischen Nordens dieser Zeit, den Einfluss der Freiherren und wie und von wem England damals kontrolliert wurde. Und am Ende unseres Filmes erfährt man, wer Robin ist, wobei dieses Ende im Grunde der Anfang der so vielen anderen Filme ist, die über ihn gemacht wurden.”

Grazer fand heraus, dass der australische Schauspieler überaus interessiert daran war, die Legende zu überarbeiten. Crowe gab zu, dass sein Interesse an dem berühmten Gesetzlosen sogar Jahrzehnte zurückreichte. „Ich war extrem begeistert”, so Crowe, „ich hatte Robin Hood seit meiner Kindheit immer irgendwie im Hinterkopf. Ich war ein großer Fan der verschiedenen Filme über ihn, die ich als Kind und Jugendlicher gesehen habe. Es gibt etwas Universelles, das jeder mit Robin Hood verbindet und das im Herzen dieser Story liegt: dass es da jemanden gibt, der sich darum kümmert, das Gleichgewicht wiederherzustellen und für eine gerechte Welt einzustehen. Robin Hood ist ein Ansporn, ein Symbol, er steht für etwas, das in vielen Menschen den Glauben an den Sieg des Guten anspricht.”

Crowes Zusage, „Robin Hood” zu spielen, kam allerdings mit einer Bedingung: „Ich sagte, dass ich Robin Hood spielen würde, aber eben nur mit einem wirklich frischen Ansatz. Seine Heldentaten gehören zu den ältesten englischen Überlieferungen. Das bedeutete aber auch, dass man respektvoll damit umgehen muss und nicht einfach machen kann, was man will. Wenn man Robin Hood auf eine andere Art und Weise wiederbeleben will, dann nur, in dem man dabei das Gefühl vermittelt, dass alles, was man über die Legende zu wissen glaubte, ein nachvollziehbares Missverständnis war, eine verständliche Fehleinschätzung. Es muss aber anders sein als das, was man schon kennt. Nehmen wir beispielsweise Robin und Little John, die sich eben nicht sofort gut verstehen, sondern erstmal eine Auseinandersetzung haben. Auch bei uns gibt es diese Auseinandersetzung, aber eben nicht auf einem Baumstamm über einem Bach und ausgetragen mit Stöcken, wie man es nun wirklich schon zur Genüge kennt. Wir haben alles etwas anders erzählt, wir haben neue Wege gewählt, die Geschichte anders definiert und wir haben den zeitlichen Ablauf ein wenig versetzt.”

Und dass Crowe und Grazer sich nur Ridley Scott als Regisseur für diese Aufgabe vorstellen konnten, lag auf der Hand. „Ich brauchte einen Regisseur, der in der Lage ist, mit diesem gigantischen Spielfeld umzugehen”, so Grazer. „Ich brauchte jemanden, der die Authentizität liebt und der großes Interesse an diesem ‚Milieu’ hat, an dieser Zeit und ihren politischen und historischen Ereignissen. Ridley war in dieser Hinsicht die erste und beste Wahl, was er zudem auch schon bewiesen hatte. Wenn wir diese Geschichte auf die Leinwand bringen, dann als ‚Gladiator’-Version von Robin Hood. Ich wollte, dass man die Härte dieser Zeit spüren kann – im Rahmen eines in jeder Hinsicht aufregenden und spannenden Actionabenteuers. Nur Ridley kann das.”

Die außergewöhnliche Partnerschaft zwischen Scott und Crowe reicht bis zu ihrem ersten gemeinsamen Film zurück, dem extrem erfolgreichen, mehrfach Oscar ausgezeichneten „Gladiator”, der das Genre des Historienepos neu definierte. Seitdem haben die beiden noch drei weitere Filme gemeinsam gemacht: „Ein gutes Jahr”, „American Gangster” und „Der Mann, der niemals lebte”. Und Ridley Scott war sofort begeistert als Crowe und Grazer ihm die Idee präsentierten.

Scott ist fasziniert von Geschichte und hat sich aus privatem und beruflichem Interesse immer tiefer in Geschichtsbücher vergraben. Sein letzter Film über eine frühere historische Epoche war „Königreich der Himmel”, der im Umfeld der Niederlage Jerusalems spielte, 12 Jahre vor dem frühzeitigen Ableben von König Richard I. „Ich liebe Historienfilme,” so Scott. „Angefangen habe ich mit ‚Die Duellisten’ und dann habe ich das Römer-Epos gemacht und jetzt kehre ich in mittelalterliche Zeiten zurück“.

Mit Ridley Scott an Bord nahm das Projekt ernsthafte Fahrt auf. Die Filmemacher und ihr Star hatten eine gemeinsame Vision, sie wollten in ihrer Version zeigen, wie aus einem normalen, bescheidenen Mann ein Held und ein Symbol der Freiheit werden kann. Sie wollten das innerhalb eines ganz spezifischen historischen Umfelds zeigen. Grazer führt dazu aus: „Wir wollten die politischen und historischen Fakten dieser Zeit möglichst genau zeigen. England war pleite, im Land drohte der Bürgerkrieg von außerhalb Frankreichs kommend, und an der Spitze stand mit König John ein unfähiger Anführer. Vor diesem Hintergrund konnten wir die Geschichte ausbreiten, wie Robin Hood entstand.“

Für die Ausarbeitung der gemeinsamen Vision von Scott, Grazer und Crowe wandten sich die Männer an Drehbuchautor Brian Helgeland, der für seine frühere Zusammenarbeit mit Crowe - sein Drehbuch zu „L.A. Confidential“ - mit einem Oscar ausgezeichnet wurde. Nach dem Anruf von Scott war ihm sofort klar, dass ihn persönlich vor allem die Chance reizen würde, die Legende ‚menschlich' zu zeigen.

„Ridley wollte die ‚Der-Mann-bevor-er-zum-Mythos-wurde’-Version von Robin Hood“, so Helgeland. „Jeder kennt den Mythos und offensichtlich handelt es sich dabei um eine Übertreibung angenommener realer Ereignisse. Der Mythos hat seine Wurzeln darin, dass es in Zeiten der Unterdrückung die Hoffnung gibt, dass ein Mann sich den Mächtigen entgegenstellt und sich um das Wohl des Volkes kümmert. Insbesondere in der englischen Geschichte ist diese Position eben mit einem Gesetzlosen besetzt. Ridley wollte, dass wir uns vorstellen können, wie die wahren Ereignisse gewesen sein mögen, aus denen die Legende gewachsen ist.“

Im Drehbuch nach einer Story von Helgeland, Ethan Reiff & Cyrus Voris lernt man den Bogenschützen Robin Longstride zunächst als Soldaten in König Richards Armee kennen, die gerade aus dem dritten Kreuzzug zurückkehrt. König Richard belagert eine französische Burg, um sich das Geld zurückzuholen, das als Lösegeld für ihn an den französischen König bezahlt wurde, der ihn nach der Rückkehr von seinem Kreuzzug als Geisel festgehalten hatte. Laut historischen Überlieferungen wurde Richard bei dieser Belagerung von einem Pfeil in seinen Nacken verletzt und verstarb bald darauf. Seine Mutter war am Boden zerstört und sein jüngerer Bruder Prinz John übernahm die Krone Englands und wurde König.

Am Anfang seiner Story steht Richards Tod und Helgeland stellte sich Robin als Mann vor, der seit seinem 5. Lebensjahr nicht mehr in England war, der eine rastlose Kindheit in der Fremde verbracht hatte und ein Leben geführt hat, das vom Kampf und von den Kreuzzügen geprägt war. Endlich hat er die Chance ergreifen können, in seine Heimat zurückzukehren, doch bei seiner Ankunft findet er ein durch Richards rücksichtslose Kreuzzüge verkrüppeltes Land vor, in dem Armut herrscht und es an Männer fehlt. Und während am Horizont schon das Schreckgespenst einer französischen Invasion lauert, lässt Richards inkompetenter Bruder John sein Volk leiden und füllt sich selbst die Taschen.

Es war den Filmemachern wichtig zu zeigen, wie sehr die Wirtschaft Englands am Boden liegt und wie trostlos das Land geworden war. Robins Rückkehr trifft sich mit Johns heftigen Steuergesetzen, die den Bürgern mehr abforderten als sie leisten konnten, sodass ihnen kaum noch etwas für Essen, Kleidung und Unterkunft blieb. Robins Widerstand gegen die Herrschenden bestand nicht nur darin, Korn zu stehlen und es den Menschen Nottinghams zu geben, sondern vielmehr darin, dass er seine Landsleute inspirierte, ihr Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen. „Es wird immer darüber geredet, dass Robin Hood von den Reichen genommen hat und es den Armen zurück gab,“ erklärt Scott, „aber wir hatten das Gefühl, dass es wichtig sei, wirklich den Punkt in der mittelalterlichen Geschichte zu treffen, an dem das Land fast verhungert und von seiner eigenen Krone misshandelt wird. Die herrschende Hierarchie ist der Feind und der Jedermann, der sich ihr entgegenstellt, ist Robin Hood. Innerhalb dieses Rahmens haben wir aber nicht die Erwartungen und den romantischen Charakter der Legende vernachlässigt. Steckt da Witz drin? Ja. Gibt es viel Action? Oh ja.“

Ein Schlüssel für Helgelands Interpretation war die Geburt der Magna Carta, der entscheidende und wegweisende Vertrag, der 1215 nach der Revolte englischer Barone gegen König John in Runnymede unterzeichnet wurde. In vielfacher Hinsicht markiert dieser Moment die Geburt Englands, und die angelsächsische Bevölkerung wurde von der teilweise grausamen Herrschaft normannischer Könige befreit. „Es gibt einen Platz für die Magna Carta in unserem Film”, so Grazer, „nicht nur als historisches Ereignis, sondern auch als filmisches Moment.” Crowe fügt hinzu: „Wir zeigen im Film, dass es König John ist, der im Grunde die Steuern erfindet, der gleiche König John, der die erste Version der Magna Carta unterzeichnet. Wir haben die Periode von 1199 bis 1215: ein sehr fruchtbarer Boden für eine Revolution… oder eine revolutionäre Heldenfigur. Da ein Großteil des Filmes vor der Magna Carta spielt, geht es dabei eben auch um die Geburt einer Nation – die Geburt Englands und allem, was großartig daran ist.”

Einen Hintergrund für Robin zu etablieren, war entscheidend, um verstehen zu können, warum gerade er zur Heldenfigur, zum Volkshelden wird. In dieser Geschichte erfährt Robin, dass sein Vater der Steinmetz Thomas Longstride war, ein bekannter öffentlicher Sprecher und der wichtigste Autor der Schriften, aus denen die Carta de Foresta entstand. Dieser Vorgänger der Magna Carta sicherte den einfachen Leuten bestimmte Privilegien zu und einen bestimmten Schutz vor Übergriffen des Adels. Richards Vorgänger Henry II sah in Longstrides politischem Engagement einen Verrat am Land und ließ ihn vor den Augen seines jungen Sohns ermorden.

Um sich auf die Rolle vorzubereiten, las Crowe mehr als 30 Bücher über Robin Hood und das späte 12te und frühe 13te Jahrhundert. „Robin wird Zeuge des Todes seines Vaters im Alter von 5 Jahren”, erklärt Crowe. „Er wird in einem Kloster bei den Tempelrittern in Frankreich gelassen. Seine Ziehväter lassen ihn zurück als sie sich dem Kreuzzug anschließen und als sie Jahre später zurückkehren, ist er nicht mehr da. Er hatte eine schwere Zeit, wurde schlecht behandelt und ist ausgerissen – mit der einzigen Hinterlassenschaft seines Vaters, die ihm geblieben war, einem Brustharnisch. Man kann sich das kaum vorstellen, dass ein kleines Kind den Brustpanzer eines ausgewachsenen Mannes mit sich herum schleppt und sich durch die Wälder schlägt.”

Als wir Robin das erste Mal begegnen, bei Richards Belagerung einer Burg in Frankreich, weiß er nichts von seinen ganz jungen Jahren. „Er hat die Erinnerung an den Tod seines Vaters unterdrückt”, so Crowe. „Seine Erklärung ist einfach, dass ihn seine Mutter und sein Vater loswerden wollten, weil sie genug von ihm hatten. Genau dieses Gefühl hat er seit 35 bis 40 Jahren in seinem Kopf.”

„Aber jetzt ist er wieder ganz in der Nähe von England”, führt Crowe aus. „Wir haben hier einen Mann, der ganz Europa und den Nahen Osten bereist hat und der ziemlich überrascht davon ist, dass England unterjochter und ausgebeuteter wirkt, als die vielen anderen Länder, die er gesehen hat. Wir folgen einem Mann, der sich selbst entdeckt. Wir sehen, wie er beginnt, sich an seine Vergangenheit zu erinnern, und wie seine Mission immer deutlichere Züge annimmt. Er erkennt, dass er vom Schicksal geführt wird und mit einer viel größeren Aufgabe betraut wurde, als er sich jemals hätte vorstellen können. Und während er herausfindet, wer er selber ist, nimmt er die Arbeit seines Vaters dort wieder auf, wo sie vor Jahrzehnten zurückblieb.”

Mit dem Produzenten, dem Regisseur, dem Star und dem Drehbuch in den Startblöcken wurde es dann Zeit, die weiteren Rollen zu besetzen, angefangen mit der holdesten Maid in ganz Nottingham.

Produktion: Die Besetzung

Cate Blanchetts Teilnahme an „Robin Hood” ist im Grunde einer bescheidenen Briefmarke zu verdanken. Anfang 2009 nahmen Crowe und Cate Blanchett gemeinsam an einer Veranstaltung teil, bei der die neuen australischen Briefmarken mit ihren Gesichtern als Motiven vorgestellt wurden. Als sie gemeinsam auf der Bühne saßen, schaute Crowe zu Blanchett hinüber und ihm wurde klar, dass sie Robin Hoods Marion sein sollte.

Der Schauspieler erinnert sich: „Ihr Benehmen, alles an ihr… auf einmal war es klar. Warum hatte ich vorher noch nicht daran gedacht? Cate ist eine meisterhafte Schauspielerin. Sie ist vielseitig und sie hat eine große Resonanz. Sie ist stark und eigenwillig. Jede ihrer Entscheidungen ist von der Suche nach der Wahrheit motiviert. Sie hat die völlige Kontrolle über ihren emotionalen Ausdruck, wodurch sie selbst die kleinste Geste zu einem gigantischen Statement machen kann.”

Noch am Abend der Veranstaltung fragte Crowe die versammelten Gäste, ob er und seine Kollegin einen Film zusammen drehen sollten. „Tausend Menschen applaudierten”, erinnert sich Crowe. „Und ihre Augen leuchteten, also hielten sie das ganz offensichtlich auch für eine gute Idee.”

Ridley Scott stimmte zu, dass Blanchett eine ideale Marion für ihren Film wäre: „Cate Blanchett spielt eine sehr klar umrissene Rolle in dieser Story und in diesem Kontext. Es ist die perfekte, wenn man so will, Ehe zweier Charaktere.”

Cate Blanchett erinnert sich an ihre Entscheidung, an Bord zu kommen: „Es war eine aufregende Kombination, die sich mir bot, da Russell und Ridley auf eine lange Geschichte von Filmen zurückblicken können, die ein wirkliches Herz haben und zur Sache kommen.” Hinzu kam für die Oscargewinnerin der Reiz der Legende: „Die Macht des Waldes ist ein entscheidendes Motiv im Robin-Hood-Mythos. Wir sind so übersättigt von der Macht des Staates und der Macht der Kirche, dass die Herrschaft der Natur etwas ungemein Verlockendes hat.”

Die klassisch ausgebildete Blanchett hatte keine Bedenken mit einer neuen Interpretation der alten Geschichte und begrüßte den eingeschlagenen Weg, von den Ursprüngen Robin Hoods zu erzählen: „Die Legende wurde immer wieder neu erfunden. Es gibt keine allein stehende Wahrheit im Robin Hood-Mythos. Er ist selbst in Shakespeares ‚Wie ihr wollt’, wo er kurz erwähnt wird, eine Legende. Robin Hood ist ein Mythos und jedes Zeitalter erzählt diese Art Mythen, weil darin etwas liegt, das eben genau die Zeit widerspiegelt, in der man gerade lebt. Es gibt feste Archetypen, die zu diesem Mythos um Robin Hood gehören, wie die tapferen Männer, die an seiner Seite kämpfen. Es ist eine zeitlose narrative Konstruktion und jedes Zeitalter prägt eine so archetypische Story auf seine eigene Art.”

Mit Blanchett in der Rolle von Marion entwickelten die Filmemacher eine „Petruchio und Kate”-Beziehung, die beginnt als ihn seine Heimkehr nach England zum Haus von Lady Marion in Nottingham führt. Laut Crowe waren sie sich einig, dass Robin und Marion aus dem gleichen Holz geschnitzt sein sollten. Er erklärt: „Die Beziehung zu Marion trägt bestimmte Shakespeare-Elemente in sich. Es hat sehr viel mit ‚Der Widerspenstigen Zähmung’ zu tun. Robin und Marion verstehen sich anfangs überhaupt nicht, aber in beiden steckt eine unterschwellige Freundlichkeit. Sie sind sich sehr ähnlich und sie haben beide ihr Leben lang immer nach Anzeichen dieser intuitiven Freundlichkeit in anderen gesucht.”

Mit dem Drehbuch entwickelte sich auch die Rolle von Marion und wurde immer kraftvoller. Im Gegensatz zu früheren Leinwand-Verkörperungen gibt es hier absolut keine schwache Frau, die auf Errettung durch einen starken Mann wartet. Helgeland erklärt wie sich Marion entwickelt: „Es gab ein Gesetz, das für den Fall des Todes eines Edelmanns besagte, dass sein Besitz an die Krone zurück geht, sollte seine Witwe keinen Sohn haben. Sollte also Marion keinen männlichen Erben hervorzaubern können oder einen neuen Ehemann, würde sie ihr Land verlieren. So ist die Beziehung zwischen Robin und Marion zunächst eine Zweckgemeinschaft und nicht Liebe auf den ersten Blick, wie in so vielen anderen Robin Hood-Geschichten. Dann allerdings wächst die Anziehungskraft zwischen den beiden und sie kommen sich trotz ihres Zweckbündnis-Starts immer näher.”

„Ridley zeigt eine Welt, in der fast alle Männer das Land verlassen haben, weil sie in König Richards Krieg kämpfen mussten. So wurde Marion zur Gutsherrin”, erklärt Blanchett. „Sie überschaut ein Dorf ohne Männer und muss diese Rolle einfach hinnehmen, wie sie ist – ein bisschen wie im 2. Weltkrieg, als Frauen in die Industrie gingen und viele Dinge taten, die sie unter anderen Umständen niemals getan hätten.”

Die Rolle von Eleanor von Aquitaine - Witwe von Henry II und alternde Mutter von Richard und John, eine der erbittertsten Frauen der Herrscherhäuser der westlichen Welt - wird von Dame Eileen Atkins gespielt. Die vielfach ausgezeichnete Schauspielerin hat mit ihren starken Auftritten immer wieder für Begeisterung gesorgt und war beispielsweise in „Gosford Park” und „Unterwegs nach Cold Mountain” zu sehen. Auch sie wirft einen Blick auf den Hintergrund ihrer Rolle: „Es ist traurig, dass Eleanor ihren Sohn John ganz offensichtlich nicht liebt. Er hat zweifellos recht, wenn er sagt, dass sie immer nur seinen Bruder geliebt habe. Nichtsdestotrotz ist ein Thron ein Thron und er gehört auf diesen Thron. Sie ist eine leidenschaftliche Herrscherin und will um keinen Preis all das Land wieder verlieren, für das sie so hart gekämpft hat. Sie hat Englands Grenzen tief ins Innere Frankreichs ausgeweitet und hat nicht vor, auch nur einen Schritt zurückzuweichen. Mit Blick auf das große Gesamtbild muss man allerdings sagen, dass sie eben nicht daran gedacht hat, wie es der Bevölkerung dabei geht und wie die Bauern über die Runden kommen. Aber sie verfügt sicherlich über eine große Weisheit und hat es immer verstanden, ihre Interessen durchzusetzen.”

Eine der Marionetten auf der Bühne ihrer Machtspiele ist Isabella von Angoulême, die von der jungen französischen Schauspielerin Lea Seydoux aus „Inglourious Basterds” gespielt wird. Isabella, die von Eleanor anfangs verachtet wird, lernen wir als Prinz Johns nicht sonderlich geheime Liebhaberin kennen. Schließlich heiratet sie den zukünftigen Herrscher Englands und muss schnell feststellen, dass ihr für einen festen Platz auf dem Thron keine andere Wahl bleibt, als zum Sprachrohr ihrer Schwiegermutter und zur heimlichen Helferin für ihre strategischen Pläne mit John zu werden.

Zur Legende von Robin Hood gehören natürlich immer seine tapferen Männer, in diesem Fall eine Truppe desillusionierter Mitstreiter, die unzufrieden mit dem sind, was Prinz John und seine Mutter aus ihrem Land gemacht haben. Ebenfalls in Diensten von Richards Armee, begleiten sie Robin nach England zurück, als sich ihnen durch den Tod Richards die Möglichkeit bietet, dem Krieg den Rücken zu kehren.

Kevin Durand spielt Robins rechte Hand Little John, Scott Grimes spielt Will Scarlet, den jüngsten in der Truppe, und Schauspielneuling Alan Doyle stellt den Minnesänger Allan A’Dayle dar.

„Diese Jungs sind allesamt Athleten”, erklärt Crowe. „Sie haben alle einen sehr körperlichen Zugang zu ihren Rollen. Scott ist ein unglaublicher Sänger. Kevin hat die Koordination eines Balletttänzers und mit seinen auf gut 2 Meter verteiltem Körpergewicht von 110 Kilogramm die Statur eines Eishockspielers. Er kann ebenfalls toll singen. Und dann ist da noch Alan, der vorher noch nie gespielt hat. Er ist ein Musiker und Sänger aus Neufundland, der weiß, wie man eine Laute spielt. Ich hatte zu Ridley vorher gesagt, dass wir unbedingt jemanden nehmen sollten, der weiß wie man die Laute spielt, wenn wir den Troubadour besetzen. Denn dann kann man auch vor Ort noch das Eine oder andere am Klang der Musik ändern. Und auch er kann toll singen. Der Gesang ist ein Schlüsselelement für die tapferen Männer Robins.”

Aber keine Robin Hood-Erzählung wäre vollständig ohne den ikonischen Bruder Tuck, einem rundlichen Geistlichen, der den Met und die Damen dem trockenen Job in der Kanzel vorzieht, die eigentlich zu seinem Job als örtlichem Abt gehört. Gespielt wird er von Mark Addy (bekannt aus „Ganz oder gar nicht“). Tuck trifft auf Robin und seine Männer als sie auf dem Weg nach Peper Harow sind, um dort Sir Walter die Nachricht von Sir Robert Loxleys (gespielt von Douglas Hodge) plötzlichem Tod zu überbringen. Als Bienenzüchter und nur sehr zögerlichem Diener der Krone, nimmt Tuck nur zu gerne die Gelegenheit wahr und schließt sich Robin und seinen Getreuen an.

Neben Robin, Marion und den tapferen Männern gibt es noch eine ganze Reihe anderer aufregender Charaktere, zu denen nicht zuletzt Sir William Marshal, gespielt von William Hurt, und der von Max von Sydow dargestellte Sir Walter Loxley gehören. Diese Herren waren Freunde und Kollegen von Thomas Longstride (Mark Lewis Jones), Verfasser der Carta de Foresta und ermordeter Vater des damals fünf Jahre alten Robin (Jack Downham).

Um ihn zu schützen, brachten Marshal and Loxley den kleinen Sohn von Longstride nach Frankreich und ließen ihn dort in einem Kloster, während sie in den dritten Kreuzzug zogen – mit der festen Absicht, später zu ihm zurück zu kehren. Doch bei ihrer Rückkehr ist er verschwunden. Später ist Marshal führender Minister am Hofe von Richard Löwenherz und Loxley ist zu seinem Anwesen in Nottingham zurückgekehrt und wird Marions Schwiegervater.

„Als sie in den Krieg zogen, haben diese beiden Männer den jungen Robin drei Jahre lang in der Obhut anderer gelassen. Als sie zurück kehren, ist er nicht mehr da”, so Crowe. „Ihre Vermutung ist natürlich, dass er tot ist. Für die nächsten 35 bis 40 Jahre gibt es also keinen Tag, an dem sie nicht unter dem Stich des Schuldgefühls zu leiden haben. Beide haben eine interessante Reise hinter sich, die nicht zuletzt von dieser Schuld geprägt wurde. Tatsächlich ist es sogar so, dass Sir Walter zuerst an einen Racheakt glaubt, als er den Namen Robin Longstride das erste Mal nach so vielen Jahren wieder hört. Er glaubt, dass irgendjemand ihn für sein Versagen von damals umbringen will.”

Longstride trifft beide Männer wieder und mit Sir Walters Hilfe findet er die Wahrheit über seine qualvolle Vergangenheit heraus und erkennt gleichzeitig seine Mission für die Zukunft.

Hurt war sehr froh, diesen epischen Helden spielen zu können, der ein wichtiger Wegbegleiter von Königin Eleanor von Aquitaine und König Richard war. „Sir William Marshal ist ein faszinierender historischer Charakter,” erklärt Hurt. „Innerhalb dieser Geschichte ist er ein Vermittler. Er versucht gleichzeitig den Respekt für die Krone aufrecht zu erhalten und trotzdem gewisse Änderungen innerhalb des Systems voranzutreiben. Menschlichkeit und Gerechtigkeit stehen für ihn im Zentrum seiner Philosophie. Aber er ist eben auch dem Thron gegenüber absolut loyal eingestellt, weil er weiß, dass das Volk einen Anführer braucht. Er vereint diese beiden Seiten auf eine wunderbare, diplomatische Art und Weise.”

Für seinen alten Freund Sir Walter Loxley geht die Freude über Robins Rückkehr einher mit der Trauer um seinen Sohn, Marions Mann Robert Loxley, der in Frankreich bei Richards Untergang seinen Tod fand. In der Zeit von Roberts Abwesenheit haben Marion und Sir Walter eine enge Beziehung zueinander aufgebaut. „Sie hat sich um ihn gekümmert und er wurde ihr Mentor und Ersatzvater”, erklärt Blanchett. „Nur wenige Schauspieler könnten die Weisheit von Walter Loxley so spielen wie Max. Es war mir eine Ehre, an seiner Seite spielen zu dürfen. Es ist einfach umwerfend, was er alles in seiner Arbeit erreicht hat – und würdig dieser besonderen Beziehung zwischen Sir Walter Loxley und Marion.”

Meistens wird der Sheriff von Nottingham als Robins wichtigster Feind beschrieben, doch in diesem Fall wird diese Ehre einem anderem zuteil: König Johns ältestem Freund Sir Godfrey, gespielt von Mark Strong. Godfrey ist verantwortlich für den Tod von Robert Loxley und er nutzt seinen Einfluss am neu geordneten Hof von König John dazu, England an König Philip von Frankreich (Jonathan Zaccaï) zu ‚verkaufen’. „Das Faszinierende an Godfrey ist seine Vielschichtigkeit”, so Strong. „Er ist ein Freund von John, also weiß man sehr früh, dass er sehr nahe an der Macht ist. Man merkt außerdem, dass er ein Verräter ist. Jede gute Sage hat einen Helden und einen Schurken. Godfreys Job ist – in groben Zügen – Robins Heimsuchung zu sein, ein Mann, den man genussvoll hassen kann.”

Als die königlichen Söhne von Eleanor wurden Danny Huston als König Richard Löwenherz und Oscar Isaac als Richards jüngerer Bruder John besetzt, der nach dem Tode Richards den Thron besteigt. Isaac erklärt: „Wir lernen ihn als Prinz John kennen, der das Leben in vollen Zügen genießt. Ein Hedonist, ein Wüstling. Es wird nichts von ihm erwartet, also erfüllt er diese Erwartung, gibt eben tatsächlich nichts, und verbringt seine Zeit lieber im Bett mit seiner französischen Geliebten. Nach dem Tod seines Bruders ist er an der Reihe als König und nun will er allen, insbesondere seiner Mutter, beweisen, was in ihm steckt. Er ist voller Ängste und Zweifel, aber er glaubt daran, dass er ein guter König sein kann. Das Problem ist, dass er von seinem Zorn und seinem manischen Ego beherrscht wird. Er glaubt, er könne England allein durch pure Willenskraft und Intellekt zu einer großen Nation machen.”

Für die Rolle des archetypischen Robin Hood-Schurkens, den Sheriff von Nottingham, wurde Matthew Macfadyen besetzt, der durch seinen Part als Mr. Darcy in „Stolz & Vorurteil“ berühmt wurde. Cate Blanchett erklärt, wie sie diesen besonderen Sheriff sieht: „Mich hat an dieser Version des Sheriffs von Nottingham fasziniert, dass wie so oft die Schwachen so unglaublich böse sind – eben gerade weil sie keine Würde und Kraft haben und sich eigentlich nur lächerlich machen. Es gibt einen grandiosen von Matthew gespielten Moment, wo er den Sheriff sagen lässt: ‚Ich bin Engländer! Nein, ich bin Franzose!’ Er würde sofort auf die Seite wechseln, die ihm Sicherheit garantiert. Es sind oft die Schwachen, vor denen man sich am meisten in Acht nehmen sollte.”

Produktion: Die Dreharbeiten

Die Dreharbeiten zu Scotts Epos begannen im April 2009 und Produzent Grazer erinnert sich daran, dass Scott sich ziemlich schnell seinen Set-Spitznamen verdient hat: „Wir haben ihn ‘General’ genannt. Ridley Scott ist dieser ‚auf in Kampf!’-General unserer Filmemacher-Generation. Früher war es John Ford, es gab noch ein paar andere, aber Ridley ist auf jeden Fall selbst ein Gladiator.”

Produktionsdesigner Arthur Max, der zu Scotts langjährigen Partnern gehört, wurde mit der gigantischen Aufgabe betraut, das mittelalterliche England so akkurat wie möglich auferstehen zu lassen – vom Leben in den Dörfern und Städten bis zur kraftvollen Herrlichkeit der Burgen dieser Ära.

Max und Scott griffen dafür auf Material aus Museen und Büchereien zurück und besuchten rekonstruierte Dörfer und Anwesen in England und in der Dordogne in Frankreich. Außerdem besuchten sie Dörfer in den Pyrenäen, die tatsächlich noch genauso dort stehen wie sie im Mittelalter gebaut wurden.

Scott und Max schauten sich auch die Bilder sowohl des jüngeren als auch des älteren Pieter Bruegel an, in denen der Ton der Härten dieser Zeit zu finden war, nach dem sie für die Ausstattung suchten. Auch wenn diese Bilder nicht genau in die gesuchte Ära gehören, boten sie viele interessante Einsichten in das Leben dieser Zeit und lieferten die Vorlage für den Look von „Robin Hood”.

„Scott wollte die Härte des Alltags und die Armut der angelsächsischen Bevölkerung in voller Pracht entfalten”, fasst Max die Vision von Ridley Scott zusammen.

Einer der wichtigsten Sets war natürlich Nottingham Village, in das Robin zurückkehrt, um das Schwert des toten Sir Loxleys seinem Vater zu überbringen. Aufgebaut wurde dieser Set auf einem privaten Anwesen in der Nähe von Guilford in Surrey. Uralte Eichen, sanfte Hügel, erstaunliche Landschaftszüge, ein Pinienwald, ein kleiner Fluss und ein Sumpf – eine Vielzahl an Optionen also für Scott. „Wir hatten eigentlich nur nach einer wunderschönen Landschaft gesucht”, so Max. „Dieses Anwesen zu finden, war unglaubliches Glück. Wir haben das gesamte Nottingham Village mit seinen mehr als 50 Gebäuden errichtet. Die meisten Häuser waren strohgedeckte Fachwerkbauten mit einem Lehmflechtwerk als Mauern.” Diese Gebäude wurden um den Dorfplatz herum angelegt - ein Geschäft, in dem Korn verkauft wurde, eine Taverne, eine Zehntscheuer und eine Kirche, sowie Häuser und Hütten in allen Formen und Größen, die sich um das Dorfzentrum herum erstreckten.

Max ließ sein Team außerdem eine funktionierende Wassermühle bauen sowie Tor-Ruinen, die als Continuity-Verbindung zu einem anderen Set dienten, der 20 Minuten entfernt aufgebaut wurde.

Weil die Häuser so leicht entflammbar waren und Flammen kaum unter Kontrolle gebrachten werden konnten, war Feuer eine der schlimmsten Geißeln der Menschen im Mittelalter. Da Godfreys Männer plündernd und brandschatzend durch die Dörfer zogen, mussten die Filmemacher viele kontrollierte Brände auslösen, um das einzufangen, was im Drehbuch stand. Viele dieser Brände wurden in Bourne Woods, nahe Farnham in Surrey gedreht – einem kommerziellen Forst, der es der Crew erlaubte, die Sets etwas verstreuter und mit größeren Sicherheitsabständen aufzubauen.

In „Robin Hood” ist Bourne Woods der Hintergrund für die Szenen im nördlich gelegenen Dorf Barnsdale (das oft als einer der möglichen Ursprungsorte der Robin Hood-Legende genannt wird) sowie für York und Peterborough – eben die drei Dörfer, die die Männer von König John unter der Anführung des verräterischen Godfrey für das ‚Verbrechen nicht bezahlter Steuern’ niederbrennen. Außerdem diente Bourne Woods als Drehort für die Szenen mit der französischen Burg, die dort alleinstehend und teilweise mit CGI-Unterstützung neu errichtet wurde – basierend auf Vorlage einer tatsächlichen Burg aus der Gegend der Chalouse Burg.

In den Shepperton Studios wurden Sets gebaut, die man brauchte, um das London dieser Ära auferstehen zu lassen, nicht zuletzt den Tower of London. Ein überwachsenes, ebenes Feld auf dem Gelände der Shepperton Studios wurde vom Design-Team innerhalb einiger Monate zu einem beeindruckenden Ausschnitt des mittelalterlichen Londons, inklusive des Towers of London. „Unser Tower-Set basierte auf den letzten noch existierenden Überresten des Towers, dem Barbican Gate, wenn ich mich nicht täusche, das aus der Ära unserer Robin Hood-Geschichte stammt”, so Max. „Das Mauerwerk haben wir aus dem Carnarvon Castle in Wales übernommen, das zu den besterhaltenen Bauwerken dieser Art in England gehört. Es ist nur sehr wenig übrig vom Tower of London, also haben wir uns entschlossen, bestimmte Teile akkurat aufzubauen und den Rest mit CGI zu erschaffen.”

Das Innere des Towers wurde in den Ateliers in Shepperton errichtet und war genauso beeindruckend anzusehen wie das Äußere – mit der gleichen Detailliebe, die man in jeder Szene des Filmes sehen kann. Zu dem zusammengesetzten Set gehörte ein enormer Korridor, der zu einem gigantischen Thronsaal führt und zu den dahinterliegenden Schlafgemächern von Prinz John und seiner Mutter Königin Eleanor. Die Sets wurden nach Vorlagen von Räumen in immer noch erhaltenen englischen Burgen konstruiert. Ebenfalls wurde in Shepperton das Innere des Loxley-Anwesens Peper Harow aufgebaut, nach Vorlage eines Anwesens aus dem 13ten Jahrhundert, das Scouts in Shropshire entdeckt hatten. Die Filmemacher waren begeistert von der großen Halle des Anwesens, von den vielen beeindruckenden Details und der Patina, die man überall im Anwesen spüren konnte. Aus praktischen Gründen konnte nicht in Shropshire gedreht werden und so baute Scotts Crew das Anwesen in Shepperton nach. Die Gemächer, die Lady Marion und Sir Walter bewohnen – darunter die große Halle, die Schlafzimmer, die Küchen und Sattelkammern – wurden alle von Grund auf neu errichtet. Das Team verpflanzte dieses Innere in das Äußere des Oxenford Farm-Anwesens in der Nähe von Surrey. Um den Look zu vervollständigen, wurden noch verschiedene Dinge hinzugefügt, darunter ein verstärktes Tor, verschiedene Farmschuppen und Hütten sowie ein weiteres Wasserrad. So wurde Peper Harow geboren.

Die Schauspieler waren begeistert von den gewaltigen Anstrengungen des Ausstattungsteams. „Arthur ist wirklich ein wundervoller Produktionsdesigner, der sich voll und ganz seinem Handwerk und dem Erhalt dieser aussterbenden Kunstfertigkeit verschrieben hat. Ich war unglaublich beeindruckt von der großen Sorgfalt, die er in jedes Detail der Gebäude am Nottingham-Set gesteckt hat.”

Die Welt des späten Mittelalters auferstehen zu lassen, sollte sich als große Herausforderung für alle Beteiligten herausstellen. Für Ridley Scott, der seit Jahrzehnten Filme macht, schien nichts unmöglich, nicht mal – gemeinsam mit dem meisterlichen Kameramann John Mathieson - das Drehen an einem der längsten und ungeschütztesten Strände Englands und unter den härtesten Wetterbedingen, die man sich auf den britischen Inseln vorstellen konnte. Mit 5 bis 12 Kameras arbeiteten Scott and Mathieson an jedem dieser Tage, um mit möglichst wenigen Takes die Szenen aus allen Winkeln aufzunehmen. Und gerade dieses Vorgehen half Scott dabei, die Energie auf die Leinwand zu bringen, die er sich für diese Szenen vorstellte. Das gleichzeitige Drehen mit mehreren Kameras hatte außerdem den Nebeneffekt, dass die Schauspieler nicht zu sehr erschöpft wurden - entscheidend bei einem Film, in dem sie sich sowieso ständig großen körperlichen Herausforderungen stellen mussten. Scott wusste, dass seine Schauspieler oft schwere, unbequeme Kostüme tragen würden – draußen in kaltem und feuchtem Wetter – und so wollte er, dass jede Einstellung zählte.

Cate Blanchett, die den Regisseur bei „Robin Hood” das erste Mal bei der Arbeit erlebte, beschreibt es so: „Ridley liebt das Adrenalin und die Energie, die seine Art zu drehen mit sich bringt. Er will am liebsten immer das ‚erste Mal’ einfangen, weswegen wir nur wenig geprobt haben. Er zieht es vor bei laufenden Kameras zu proben und bei so vielen Kameras kann er sich dann das Beste herauspicken. Es ist eine erstaunlich Erfahrung, ihn bei der Arbeit zu beobachten.“

Auf halber Strecke der Dreharbeiten zog die Crew nach Wales und an den Freshwater Beach in West Pembrokeshire, um die gigantischen Schlachtszenen zu drehen, in denen die Franzosen unter König Philips Kommando versuchen, England zu erobern. Es war ein gigantischer Aufwand für einen der großen Höhepunkte des Filmes, und die Filmemacher hatten für diese Aufnahmen mehr als 1500 Schauspieler, Komparsen und Crewmitglieder versammelt. Um Scotts und Mathiesons Vision zu verwirklichen, gestaltete das Team die ehrgeizigen Drehsequenzen der Schlachtszenen mit neun Standardkameras, einer Steadicam, einer Wescam und einem Hubschrauber mit Kamera.

„In Australien sagen wir, dass so etwas größer als ‚Ben Hur’ ist“, lacht Crowe, „und genauso hat es sich angefühlt.“

Natürlich brachte das große Herausforderungen mit sich und die Produktion hatte mit außerordentlichen Schwierigkeiten zu kämpfen, die ‚französische Armee’ auf ihren Schiffen an der windumtosten Küste von Pembrokeshire landen zu lassen. Die Brandung war so hoch an den ersten Drehtagen, und das Team hatte auf dem Weg raus aufs Wasser mit so enormen Strömungen und Wellengang zu kämpfen, dass selbst erfahrene Seemänner sich vor Seekrankheit krümmten. Aus diesem Grund musste im nahen Pembroke ein bewegliches Dock gebaut werden, um die nötigen Aufnahmen doch noch drehen zu können.

Inmitten von Wetterbedingungen, die von heftigen Sturmböen bis sintflutartigen Regenfällen reichten, hatte die Crew in diesen 2 Wochen außerdem immer wieder mit der Flut zu kämpfen, die die Wasserlinie ungefähr einen Meter pro Minute in Richtung Land verschob. Das bedeutete, dass die 1500 Menschen und 150 Fahrzeuge am Strand ständig auf dem Strand bewegt werden mussten. Für die Schauspieler, die Robins Männer spielen, war es aber all die Mühen wert. „Bei den Szenen in Wales hatte ich jeden Tag eine wahnsinnige Angst”, lacht Scott Grimes, der den roothaarigen Will Scarlet spielt. „Wir hatten 130 Pferde, die Seite an Seite den Strand hinunter galoppierten und wir hatten keine Ahnung, wo die Kameras sein würden. Es fühlte sich an, als wären wir tatsächlich in einem Krieg. Dieses Drehtage waren einfach unglaublich.”

Kevin Durand, der Little John spielt, stimmt zu: „Freunden am Telefon oder meiner Verlobten über Skype zu erklären, was wir gemacht haben, war immer ein dankbares Erlebnis. Sie sagte dann beispielsweise, dass sie im Sportstudio war und dann auf der Arbeit. Und ich konnte dann antworten, dass ich vor einer Reitertruppe aus 130 Pferden über einen Strand in Wales geritten bin, einen Haufen Franzosen angegriffen und noch vor der Mittagspause ungefähr 17 von ihnen ‚umgebracht’ habe. Wie erklärt man so etwas? So ging es den ganzen Film über. Es war eine unglaubliche Erfahrung.”

Und auch Mark Strong hatte seinen großen Auftritt als mörderischer Godfrey auf dem Schlachtfeld. Nach seinem Verrat an seinem Freund König John wechselt er auf die französische Seite und muss sich am Ende in einem letzten Kampf Robin Hood stellen. Mark Strong erinnert sich, wie er sich fast zu sehr in seinen Charakter hinein versetzte: „Als ich mein Pferd drehte, waren 130 Reiter vor mir, die durch die vor mir knienden Reihen von Franzosen auf mich zu galoppierten. Ich musste mir die zwei Reiter heraus suchen, die ich bekämpfen sollte, und den einen sollte ich am Hals erwischen, den anderen an seiner Brust. Es war ein unbeschreibliches Gefühl, ein Adrenalinschub. Ich konnte auch danach noch nicht aufhören, auch wenn die Abfolge, die wir geprobt hatten, damit zu Ende war. Ich wusste, dass die Kameras noch liefen, drehte mein Pferd und stürzte mich wieder ins Gemenge und schlug auf alles ein, was sich bewegte, meine eigenen Männer eingeschlossen. Ich konnte den Blutdurst regelrecht spüren.”

Produktion: Das Training

Ein vorzüglicher Reiter war Crowe schon vorher und so konnte er sich darauf konzentrieren, sich mit einem extremen Training auf all die körperlichen Herausforderungen vorzubereiten, die die Dreharbeiten für ihn bereit halten würden und sich außerdem zu einem Bogenschützen schulen zu lassen, der am Ende tatsächlich ziemlich gut mit dem schwierigen Langbogen umgehen konnte. In den Fußstapfen Robin Hoods meisterte er diese schwierige Waffe sogar dann, wenn er ein schweres Kettenhemd trug. Außerdem trainierte er drei Monate lang in Australien und ging mehrfach barfuß auf die Jagd. „Man muss die Sachen, die zu der Rolle gehören, die man spielt, zu seinen eigenen Sachen machen”, rät Crowe. „Wenn man in seiner Rolle Bogenschießen muss, dann sollte man besser wissen wie das geht, denn die Umstände vor Ort werden nie so perfekt sein, dass man alles vortäuschen kann.”

Der detailbesessene Schauspieler verbrachte Monate mit dem Training als Bogenschütze und musste feststellen, dass die Handhabung von Robins Bogen und Pfeilen noch schwieriger war, als es anfangs erschien – erst recht am Set, wenn es ‚Action’ hieß. „Man muss an einer bestimmten Markierung schießen, man rennt dabei und es regnet vielleicht auch noch”, so der Schauspieler. „Ich habe mich eine gute Zeit lang darauf vorbereitet und ungefähr 200 Pfeile pro Tag verschossen.” Das ist ungefähr das Pensum, mit dem sich ein Sport-Bogenschütze auf einen großen Wettkampf wie die Olympischen Spiele vorbereiten würde. „Das gehört einfach dazu”, fügt Crowe hinzu. „Das stille Sammeln und die Arbeit, bevor der Film in der Kamera liegt, sind entscheidend für die Gestaltung eines Charakters.”

Helgeland erinnert sich an Russell Crowes Anstrengungen, Robin Hood so realistisch wie möglich zum Leben zu erwecken: „Russell ist mit der gleichen Haltung an ‚Robin Hood’ heran gegangen wie damals an ‚L. A. Confidential’. Er wollte der Zeit, in der die Geschichte spielt, so gerecht wie möglich werden. Beispielsweise wollte er, dass sein Bogen den damaligen Bogen möglichst ähnlich ist, und er wollte in der Lage sein, diese Art Bogen auch zu benutzen.”

Wie ihr Kollege hatte auch Blanchett große Lust, mal wieder in den Sattel zu steigen. Als erfahrene Reiterin, nicht zuletzt durch die beiden „Elizabeth”-Filme, war sie bereit, sich der Herausforderung zu stellen. Sie erinnert sich: „Ridley sagte: ‚Ich könne das schon, wenn ich mich nur traue.’ Das ist eine Herausforderung. Wenn jemand fragt, ob man sich sicht traut, sagt man wohl kaum: ‚Ach, nein, ich traue mich nicht.’ Also bin ich aufgestiegen. Ich reite gerne und es sind trainierte Filmpferde gewesen. Es war ein aufregender Ritt.”

Trotzdem wusste Cate Blanchett ganz genau, dass die Drehtage kommen würden, an denen sie zumindest an ihrer Entscheidung noch mal zweifeln würde. „Da gibt es eine Sequenz, in der Marion komplett in Kettenrüstung in die Schlacht reitet. Und wir hatten diese wilden Kinder auf wilden Ponys und auf einige kam man wirklich nur schwer rauf. Kein Pony hatte einen Sattel. Es war wild. Und an meinem ersten Drehtag habe ich gleich einen Brandpfeil abgeschossen.”

Als Veteran in historischer Action durch seine Filme „Tristan und Isolde” und „Der Sternenwanderer” hatte Strong keine Probleme, mal wieder zu Schwert und Schild zu greifen. Er musste allerdings noch ein ordentliches Trainingspensum absolvieren, um den Umgang mit diesen Waffen in vollem Galopp zu beherrschen. Und allein dieses Training sorgte bei ihm und seinen Kollegen für eine gehörige Ehrfurcht vor den Soldaten, die damals genau so in echten Schlachten geritten sind.

„Man beginnt zu verstehen, wie unglaublich schwierig es gewesenen sein muss, mit diesen Kettenrüstungen und Rüstungspanzern in die Schlacht zu reiten”, so der Schauspieler. „Diese Typen konnten sich entweder kaum bewegen oder hatten irgendwelche Superkräfte. Oder es war so, dass die Kämpfe nur ein paar Schläge und Abwehren dauerten, bis einer zu Boden ging. Dann bekam er das Schwert durchs Visier und alles war vorbei.”

Auch Durand war natürlich in dem Trainingscamp, das Scott für seine Schauspieler vorbereitet hatte, um ihre Kondition auf den bestmöglichen Stand zu bringen und sie mit dutzenden von Trainern und Stuntleuten auf die Dreharbeiten vorzubereiten. „Das Training fand in Australien statt und es ging im Grunde darum, dass wir möglichst fit werden sollten. Wir hatten einen speziellen Ernährungsplan, haben jeden Tag Ausdauer und Kraft trainiert und außerdem alle Techniken im Umgang mit Pfeil und Bogen erlernt. Bei mir ging es selbstverständlich darum, mich zu einem Meister des Langstocks zu machen. Ich habe mich unbesiegbar gefühlt, wenn ich das Ding dabei hatte.”

Produktion: Die Kostüme

Ähnlich große Herausforderungen wie für Produktionsdesigner Max warteten auch auf die Oscar ausgezeichnete Kostümdesignerin Janty Yates, die ebenfalls auf eine langjährige Zusammenarbeit mit Ridley Scott zurückblicken kann: „Wir verstehen uns fast blind”, so die Designerin. „Und mit jedem Film, den ich mit ihm mache, lerne ich mehr von seinem Genie, seiner Vision und seiner Kreativität kennen.”

Yates’ Designs folgten Scotts Anspruch, eine möglichst authentische Robin Hood Story zu erzählen und damit das romantisch geprägte Bild Robin Hoods auf den Kopf zu stellen und den Helden eher als einen Mann im Krieg zu zeigen. Zuerst sieht man Crowe als Bogenschützen in Richards Armee mit einer Hose aus Leder und einem lamellenartigen Brustharnisch. Dieses Stück gehörte mal seinem Vater und trägt das Zeichen der Carta de Foresta.

„Als er in die Rolle Loxleys schlüpft, sieht man ihn in der vollen Loxley-Pracht mit Kettenhemd, Helmzier, Tappert und Mantel. Als er nach Nottingham kommt, hatten wir eigentlich freie Hand, weil er sich ja in Loxleys Schränken nach Lust und Laune hätte bedienen können. Aber Russell steht blau sehr gut und so haben wir ihm eine tolle Tunika aus grauer und blauer Seide geschneidert, die er meistens trägt, wenn er in zivil unterwegs ist. Die Menschen haben damals ihre Kleider nicht so oft gewechselt.”

Die Kostüme waren sowohl funktionell als auch authentisch, erinnert sich Mark Strong: „Jedes Detail wurde beachtet, was der Authentizität sehr hilft. Die Kettenhemden hätten einen beispielsweise wirklich geschützt, wenn einer dich aus Versehen doch mit dem Schwert erwischt hätte. Und das Gewicht dieser Panzer hat einem klar gemacht, wie kräftig die Männer damals gewesen sein müssen, und es sorgte dafür, dass man sich eben auch bewegte, wie sich damals die Ritter bewegt haben müssen.”

Auch Cate Blanchett war beeindruckt von den Entwürfen der Designerin für ihre Lady Marion: „Es ist das zweite Mal, dass ich das Vergnügen hatte, mit ihr zu arbeiten. Die Details und die Unaufdringlichkeit ihrer Designs sind vortrefflich. Sie kann gleichzeitig einer Ära gerecht werden und trotzdem Kostüme erschaffen, die völlig einzigartig und neu sind.”

Die bemerkenswerte Liebe zum Detail ist dabei genauso wichtig wie das Anpassen der Kostüme am Set. „Ridley hat dem Film eine an gewisse Gemälde erinnernde Textur verliehen”, so Yates, „und die Kostüme haben einen großen Anteil daran, diese Textur zu erschaffen.”

Die Gestaltung der Kostüme für „Robin Hood” nahm ihren Anfang in Italien, wo Yates „Millionen Meilen Stoff” kaufte – von Leder bis Seide. „Ridley mochte schon immer Seide, die tatsächlich auch das Licht reflektiert”, so Yates. „Diese Art Stoff haben wir in großem Umfang für unsere Kostüme genutzt, selbstverständlich allerdings vor allem für die Edelleute. Ridley mag aber auch erdigen Leinenstoff und die grobe Matka-Seide. Er mag Struktur, er mag es, wenn etwas aussieht als wenn es 100 Jahre alt wäre und eine eigene Geschichte erzählt. Und diese beiden Seiten – das Edle und das Erdige – stehen sich gegenüber, was natürlich auch die Situation in dieser Zeit widerspiegelt, die Abgrenzung zwischen einfachem Volk und den Adeligen.

Mit „Robin Hood” kehrten Yates und Scott im Grunde in die Zeit zurück, die sie auch schon in „Königreich der Himmel” gemeinsam gezeigt hatten. „Es ist schon der gleiche Rahmen”, erklärt Yates, „aber der Unterschied ist, dass wir fast nur militärische Kostüme in ‚Königreich der Himmel’ hatten. Hier gibt es ein größeres Spektrum an Charakteren und wir haben mehr mit den besonderen Schnitten dieser Zeit gearbeitet.”

Einfache Roben in T-Form wären zwar authentisch gewesen, wirken aber auf der Leinwand alles andere als schmeichelhaft für den Träger: „Wir mussten also oft schummeln”, so die Designerin, „Wir haben versucht, so akkurat wie möglich zu bleiben, und gleichzeitig dabei die Kostüme an den Schauspieler und den Charakter, den er spielt, anzupassen. Wenn wir uns hier nur an die historischen Vorgaben gehalten hätten, wären die Schauspieler mit besseren Säcken durch die Gegend gelaufen, denn im Grunde war es damals genau so. Aber wir wollten natürlich keine Schauspieler in Säcken.”